Politik in beiden Welten: Wie die Mindener CDU im Wahlkampf punkten will Monika Jäger,Henning Wandel Minden. So sehr Corona das Land lahmgelegt hat, war die Krise auch ein Katalysator. Die Digitalisierung hat zumindest in den Köpfen einen Quantensprung gemacht. Das gilt auch für die CDU, die bei der Kommunalwahl in den Rathäusern, vor allem aber auch im Kreis einiges vorhat. Auch der Kreisvorsitzende Dr. Oliver Vogt spricht von einem „Satz nach vorn“. Auf Videokonferenzen etwa will er in Zukunft nicht mehr verzichten, gleichwohl sei das persönliche Gespräch nicht vollständig zu ersetzen. Für Vogt ist das auch eine Frage von Anstand und der Wertigkeit von Begegnungen: „Es macht Spaß, die Menschen wieder in echt zu sehen.“ Für den Wahlkampf bedeutet die Corona-Krise für Vogts CDU aber auch deutliche Einschränkungen – unter anderem, weil sie für die Spitzenämter in Minden und im Kreis nicht mit etablierten Amtsinhabern antritt. Anna Katharina Bölling und Dr. Konrad Winckler sind zwar beide hier verwurzelt, waren beide auf dem Ratsgymnasium – waren beruflich aber auch beide schon eine Weile fort aus dem Mühlenkreis. Die Partie muss sie im Wahlkampf also erst einmal bekannt machen. Dabei spielen auch die Sozialen Medien eine wichtige Rolle. Für die Bundestagswahl 2017 hatte die Partei diese Kanäle schon einmal fest im Blick, ein Projekt dazu sei nach der Wahl aber wieder aufgelöst worden, sagt Vogt: „Das hat die CDU etwas verschlafen.“ Jetzt setzen die Mindener Christdemokraten umso stärker auf die digitale Karte. Konrad Winckler hat seine Kampagne gleich um den Hashtag „#minden2050“ herum aufgebaut. Doch Corona kam genau zu der Zeit, als er damit durchstarten wollte. Der Plan hatte sehr stark auf die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gesetzt. „#minden2050“, gesprüht in der Innenstadt, viele sollten sich erst einmal fragen, was das denn sei: eine Vorgehensweise, die aus der Werbung kommt. Etwas, das Aufmerksamkeit erregt und neugierig macht, irgendwann viral geht. So war es geplant. Dann kam der Shutdown. Und keiner war mehr draußen, um die (noch) rätselhaften Zeichen zu sehen. Über viele Social-Media-Kanäle, aber auch in direkten Gesprächen will er unter dieser Überschrift alles zusammentragen, was die Menschen in der Stadt bewegt. Auch Anna Katharina Bölling setzt auf Soziale Medien – unter anderem auf Instagram. Da mischt sie Fotos von ihren Aktivitäten für CDU und im Wahlkampf mit Selfies, Wünschen zu Mutter- und Kindertag und Fotos von Landschaften und Essen. Whatsapp-Telefonsprechstunden wird sie anbieten, dafür geplante Besuche bei Unternehmen absagen: „Man muss als Politikerin ein Vorbild sein.“ Ob Infostände in den Städten und vor Supermärkten funktionieren? Müsse man sehen – vermutlich eher nicht. „Vielleicht können wir das Material an einer Stelle auslegen und dann davon entfernt stehen“, überlegt sie. Oliver Vogt unterstreicht die wachsende Bedeutung der digitalen Kanäle. Einen Ort für echten Austausch sieht er dort aber nicht. In den Sozialen Medien ließen sich Inhalte verbreiten, für Diskussionen zieht er den direkten Kontakt vor. Haustürbesuche bleiben also wichtig, wenngleich auch hier Corona Spuren hinterlassen wird. „Wir müssen auch dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen Rechnung tragen“, sagt Vogt. Ein Besuch und damit persönliche Nähe kann inzwischen durchaus auch negativ empfunden werden. „Was ich am meisten bedauere, ist, dass ich mich bei den Menschen nicht persönlich bekannt machen kann“, sagt Bölling. Auf Leute zugehen, direkte Gespräche, die Nähe nutzen – auf diesen Teil des Wahlkampfs hatte sie sich gefreut. Was da jetzt noch geht? „Vor allem genau hinschauen und sehen, wie viel Nähe für das jeweilige Gegenüber in Ordnung ist.“ Haustürwahlkampf zum Beispiel: Wird der gehen? Möchten die Menschen Besuch bekommen? Werden sie es als Wertschätzung verstehen oder werden sie auf Abstand gehen? Bölling will das ausprobieren. Ganz behutsam, als Angebot, mit Maske, auf Abstand. In Minden habe jeder eine Meinung, sagt Winckler: Diese herauszukitzeln, sei eine „tolle Möglichkeit“. Dafür gebe es Online, aber auch Offline sehr starke Beteiligungsmöglichkeiten. Aber kann man die Wunschliste der Massen in der Praxis umsetzen, und reicht das für ein Wahlprogramm? „Wir gehen mit einer Idee von Minden 2050 rein.“ In Minden sei nicht das Problem, Meinungen zu hören, sondern einen Weg zu finden, die Stadt liebenswerter, begeisterungswürdiger zu machen, sagt Winckler. Bürgernähe, Sprechstunden, enger Austausch mit der Wirtschaft – auf diesen Wegen möchte er zu den Themen kommen. Auch in Corona-Zeiten? „Zurzeit habe ich viele Telefonate und Meetings, in denen ich erkläre, was ich möchte, wer ich bin – dieses Format werden wir weiter nutzen.“ Der Kreisvorsitzende Vogt sieht die Parteien insgesamt vor einer Herausforderung. Um die Wähler mit ihren Themen zu erreichen, müssten sie die strategische Vorgehensweise ändern, sagt er: „Aber die Hausaufgabe der politischen Willensbildung bleibt ja.“ Unter dem Strich sind Parteichef und Kandidaten damit auf einer Linie. Facebook, Instagram, Videos auf Youtube und vielleicht einfach ein Tisch auf den Marktplatz: „Erklären, erklären, erklären: Es ist die Aufgabe eines Kandidaten, das so oft und so viel wie möglich zu tun“, sagt Winckler, der hofft, auch in alle Stadtteile gehen zu können. „Nichts schlägt den persönlichen Kontakt.“ Und auch Bölling ist insgesamt zuversichtlich: „Wenn sich jemand eine Meinung über mich bilden will, wird er Mittel und Wege finden, mich kennenzulernen.“ Das wird nun etwas komprimierter geschehen, als zunächst geplant war. Vogt erwartet die heiße Wahlkampf-Phase etwa in den letzten sechs Wochen vor dem Wahltermin am 13. September. Inhaltlich habe es wegen Corona kaum Veränderungen gegeben. Gesundheit, Digitalisierung, Mobilität: „Die Themen liegen auf der Straße.“

Politik in beiden Welten: Wie die Mindener CDU im Wahlkampf punkten will

Wahlkampf in Corona-Zeiten: Auch bei der Aufstellungsversammlung mussten Konrad Winckler (vorne von links), Anna Katharina Bölling und Oliver Vogt Abstand halten. MT-Foto: Anja Peper © Peper Anja

Minden. So sehr Corona das Land lahmgelegt hat, war die Krise auch ein Katalysator. Die Digitalisierung hat zumindest in den Köpfen einen Quantensprung gemacht. Das gilt auch für die CDU, die bei der Kommunalwahl in den Rathäusern, vor allem aber auch im Kreis einiges vorhat. Auch der Kreisvorsitzende Dr. Oliver Vogt spricht von einem „Satz nach vorn“. Auf Videokonferenzen etwa will er in Zukunft nicht mehr verzichten, gleichwohl sei das persönliche Gespräch nicht vollständig zu ersetzen. Für Vogt ist das auch eine Frage von Anstand und der Wertigkeit von Begegnungen: „Es macht Spaß, die Menschen wieder in echt zu sehen.“

Für den Wahlkampf bedeutet die Corona-Krise für Vogts CDU aber auch deutliche Einschränkungen – unter anderem, weil sie für die Spitzenämter in Minden und im Kreis nicht mit etablierten Amtsinhabern antritt. Anna Katharina Bölling und Dr. Konrad Winckler sind zwar beide hier verwurzelt, waren beide auf dem Ratsgymnasium – waren beruflich aber auch beide schon eine Weile fort aus dem Mühlenkreis. Die Partie muss sie im Wahlkampf also erst einmal bekannt machen. Dabei spielen auch die Sozialen Medien eine wichtige Rolle. Für die Bundestagswahl 2017 hatte die Partei diese Kanäle schon einmal fest im Blick, ein Projekt dazu sei nach der Wahl aber wieder aufgelöst worden, sagt Vogt: „Das hat die CDU etwas verschlafen.“

Jetzt setzen die Mindener Christdemokraten umso stärker auf die digitale Karte. Konrad Winckler hat seine Kampagne gleich um den Hashtag „#minden2050“ herum aufgebaut. Doch Corona kam genau zu der Zeit, als er damit durchstarten wollte. Der Plan hatte sehr stark auf die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gesetzt.

„#minden2050“, gesprüht in der Innenstadt, viele sollten sich erst einmal fragen, was das denn sei: eine Vorgehensweise, die aus der Werbung kommt. Etwas, das Aufmerksamkeit erregt und neugierig macht, irgendwann viral geht. So war es geplant. Dann kam der Shutdown. Und keiner war mehr draußen, um die (noch) rätselhaften Zeichen zu sehen. Über viele Social-Media-Kanäle, aber auch in direkten Gesprächen will er unter dieser Überschrift alles zusammentragen, was die Menschen in der Stadt bewegt.

Auch Anna Katharina Bölling setzt auf Soziale Medien – unter anderem auf Instagram. Da mischt sie Fotos von ihren Aktivitäten für CDU und im Wahlkampf mit Selfies, Wünschen zu Mutter- und Kindertag und Fotos von Landschaften und Essen. Whatsapp-Telefonsprechstunden wird sie anbieten, dafür geplante Besuche bei Unternehmen absagen: „Man muss als Politikerin ein Vorbild sein.“ Ob Infostände in den Städten und vor Supermärkten funktionieren? Müsse man sehen – vermutlich eher nicht. „Vielleicht können wir das Material an einer Stelle auslegen und dann davon entfernt stehen“, überlegt sie.

Oliver Vogt unterstreicht die wachsende Bedeutung der digitalen Kanäle. Einen Ort für echten Austausch sieht er dort aber nicht. In den Sozialen Medien ließen sich Inhalte verbreiten, für Diskussionen zieht er den direkten Kontakt vor. Haustürbesuche bleiben also wichtig, wenngleich auch hier Corona Spuren hinterlassen wird. „Wir müssen auch dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen Rechnung tragen“, sagt Vogt. Ein Besuch und damit persönliche Nähe kann inzwischen durchaus auch negativ empfunden werden.

„Was ich am meisten bedauere, ist, dass ich mich bei den Menschen nicht persönlich bekannt machen kann“, sagt Bölling. Auf Leute zugehen, direkte Gespräche, die Nähe nutzen – auf diesen Teil des Wahlkampfs hatte sie sich gefreut. Was da jetzt noch geht? „Vor allem genau hinschauen und sehen, wie viel Nähe für das jeweilige Gegenüber in Ordnung ist.“ Haustürwahlkampf zum Beispiel: Wird der gehen? Möchten die Menschen Besuch bekommen? Werden sie es als Wertschätzung verstehen oder werden sie auf Abstand gehen? Bölling will das ausprobieren. Ganz behutsam, als Angebot, mit Maske, auf Abstand.

In Minden habe jeder eine Meinung, sagt Winckler: Diese herauszukitzeln, sei eine „tolle Möglichkeit“. Dafür gebe es Online, aber auch Offline sehr starke Beteiligungsmöglichkeiten. Aber kann man die Wunschliste der Massen in der Praxis umsetzen, und reicht das für ein Wahlprogramm? „Wir gehen mit einer Idee von Minden 2050 rein.“ In Minden sei nicht das Problem, Meinungen zu hören, sondern einen Weg zu finden, die Stadt liebenswerter, begeisterungswürdiger zu machen, sagt Winckler. Bürgernähe, Sprechstunden, enger Austausch mit der Wirtschaft – auf diesen Wegen möchte er zu den Themen kommen. Auch in Corona-Zeiten? „Zurzeit habe ich viele Telefonate und Meetings, in denen ich erkläre, was ich möchte, wer ich bin – dieses Format werden wir weiter nutzen.“

Der Kreisvorsitzende Vogt sieht die Parteien insgesamt vor einer Herausforderung. Um die Wähler mit ihren Themen zu erreichen, müssten sie die strategische Vorgehensweise ändern, sagt er: „Aber die Hausaufgabe der politischen Willensbildung bleibt ja.“ Unter dem Strich sind Parteichef und Kandidaten damit auf einer Linie. Facebook, Instagram, Videos auf Youtube und vielleicht einfach ein Tisch auf den Marktplatz: „Erklären, erklären, erklären: Es ist die Aufgabe eines Kandidaten, das so oft und so viel wie möglich zu tun“, sagt Winckler, der hofft, auch in alle Stadtteile gehen zu können. „Nichts schlägt den persönlichen Kontakt.“ Und auch Bölling ist insgesamt zuversichtlich: „Wenn sich jemand eine Meinung über mich bilden will, wird er Mittel und Wege finden, mich kennenzulernen.“

Das wird nun etwas komprimierter geschehen, als zunächst geplant war. Vogt erwartet die heiße Wahlkampf-Phase etwa in den letzten sechs Wochen vor dem Wahltermin am 13. September. Inhaltlich habe es wegen Corona kaum Veränderungen gegeben. Gesundheit, Digitalisierung, Mobilität: „Die Themen liegen auf der Straße.“

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