Plötzlich in der Zelle: Mindener verstößt gegen Corona-Schutzverordnung und landet in Gewahrsam Patrick Schwemling Minden. Diesen Freitagabend hatte sich ein 58-jähriger Mindener ganz anders vorgestellt. Ein Kneipenbesuch in der Ritterstraße endete für ihn und seinen Bruder in den Ausnüchterungszellen der Polizeiwache an der Marienstraße, ein weiterer Freund des Duos wurde angezeigt. Weil der Mann diese Maßnahmen im Rahmen eines Einsatz wegen eines Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung als „maßlos überzogen" einstufte, meldete er sich in der MT-Redaktion. Die Polizei schildert die Eindrücke jedoch anders und spricht in diesem Zusammenhang von einer „feindseligen Stimmung gegenüber den Einsatzkräften". Unterstützung bekommen die Beamten von dem Gastwirt der betroffenen Kneipe.Doch beginnen wir von Anfang an: Der Mindener war am Freitag, 30. Oktober, zusammen mit seinem Bruder (57) und einem Bekannten aus Bückeburg (57) in der Mindener Innenstadt unterwegs. Nach einer Runde Billard zogen sie weiter in die Altstadt. Wie spät es genau war, als sie die Kneipe in der Ritterstraße betraten, kann der Mann nicht sagen. „Ich hatte keine Uhr und kein Handy dabei", sagt er, vermutet aber, dass es noch deutlich vor 23 Uhr gewesen ist. Die zu dieser Zeitpunkt gültige Corona-Schutzverordnung der Stadt Minden besagte, dass es eine Sperrstunde für die Gastronomie ab 23 Uhr gibt. „Deswegen war ich mir sicher, dass es vor 23 Uhr war, als das Ordnungsamt in die Kneipe kam", meint der 58-Jährige. Die Stadt Minden teilt auf MT-Anfrage jedoch mit, dass die Kontrolle um 23.45 Uhr stattfand. Die Kneipe hätte schon lange geschlossen sein müssen. „Das war mein Fehler", sagt der Wirt reumütig. Er habe gedacht, dass die Sperrpflicht nicht bereits ab Dienstag, 27. Oktober, sondern erst ab Montag, 2. November, gelte. Außerdem habe er keinen schriftlichen Bescheid bekommen, erklärt er. Dennoch wird auf ihn nun ein Bußgeld in Höhe von bis zu 1.000 Euro zukommen – auch die anwesenden Gäste können wegen Beteiligung in Anspruch genommen werden, heißt es von Seiten der Stadt. „Die Beamten des Ordnungsamts sind sehr rabiat und lautstark vorgegangen", sagt der Mindener in einem ersten Gespräch. Es habe nicht lange gedauert, da wäre auch schon Verstärkung der Polizei vor Ort gewesen. „Das kam mir so vor, als hätte man es auf etwas angelegt", formuliert der Mann seinen Vorwurf. Die Polizei erklärt auf MT-Anfrage, dass zunächst eine Streifenwagenbesatzung zur Ritterstraße ausgerückt sei und dann wegen der beschriebenen feindseligen Stimmung Unterstützung angefordert habe. „Da sich das alkoholisierte Brüderpaar nicht ausweisen wollte, wurde es zur Wache gebracht", teilt die Polizei mit und merkt an, dass der Mann sich mehrfach dagegen sperrte, mit den Beamten das Lokal zu verlassen. „Wir konnten uns nicht ausweisen, da wir unsere Papiere nicht dabei hatten", erklärt der Mann. Dass er sich geweigert hätte, die Kneipe zu verlassen, stimme jedoch nicht: „Man hat mir zu Beginn des Einsatzes gesagt, dass ich bleiben soll, bis alles geklärt ist. Daran habe ich mich gehalten. Ich war auch nicht aggressiv", beteuert er. „Die drei Personen sind mir aufgefallen und ich empfand sie als sehr renitent", sagt hingegen der Gastwirt und fügt an: „Die Polizei hat richtig gehandelt." Die Polizei teilt auch mit, dass der Wirt den Einsatzkräften sogar zur Hilfe sprang und die Kneipe kurzzeitig verriegelte. Vor der Tür habe der Bückeburger die Beamten lautstark beleidigt. Dafür bekam er einen Platzverweis und wurde angezeigt. „Dazu kann ich nichts sagen. Das höre ich heute zum ersten Mal", sagt der Mindener, als ihn das MT mit den Aussagen konfrontiert. Darum ginge es ihm aber auch nicht, sondern viel mehr um seine Behandlung. „Ich verstehe nicht, wieso man mir Handschellen umlegt und mich wie einen Schwerverbrecher zur Polizeiwache fährt", sagt er. Auch die Leibesvisitation habe er als nicht angemessen empfunden. Dies sei aufgrund der aufgeheizten Stimmung notwendig und gesetzlich legitimiert gewesen, um Angriffe auf die Beamten oder einen möglichen Fluchtversuch zu unterbinden. Außerdem habe man den Mann gemäß der rechtlichen Möglichkeiten vergeblich nach Ausweispapieren durchsucht, teilt die Polizei mit. „Danach habe ich gefühlt 90 Minuten in einer Zelle verbracht, bis ich freigelassen wurde. Mein Bruder blieb die ganze Nacht", sagt der Mann, der das Geschehene auch mit zwei Wochen Abstand noch als überzogen empfindet. Die Polizei hingegen macht deutlich: „Wir werden weiterhin konsequent gegen Personen einschreiten, die durch ihr unverantwortliches Handeln gegen die bestehenden Schutzbestimmungen verstoßen und somit die Gesundheit aller gefährden."

Plötzlich in der Zelle: Mindener verstößt gegen Corona-Schutzverordnung und landet in Gewahrsam

In solch einer Gewahrsamszelle an der Marienstraße verbrachte der Mindener eine kurze Zeit, sein Bruder die ganze Nacht. © Stefan Koch
Minden. Diesen Freitagabend hatte sich ein 58-jähriger Mindener ganz anders vorgestellt. Ein Kneipenbesuch in der Ritterstraße endete für ihn und seinen Bruder in den Ausnüchterungszellen der Polizeiwache an der Marienstraße, ein weiterer Freund des Duos wurde angezeigt. Weil der Mann diese Maßnahmen im Rahmen eines Einsatz wegen eines Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung als „maßlos überzogen" einstufte, meldete er sich in der MT-Redaktion. Die Polizei schildert die Eindrücke jedoch anders und spricht in diesem Zusammenhang von einer „feindseligen Stimmung gegenüber den Einsatzkräften". Unterstützung bekommen die Beamten von dem Gastwirt der betroffenen Kneipe.

Doch beginnen wir von Anfang an: Der Mindener war am Freitag, 30. Oktober, zusammen mit seinem Bruder (57) und einem Bekannten aus Bückeburg (57) in der Mindener Innenstadt unterwegs. Nach einer Runde Billard zogen sie weiter in die Altstadt. Wie spät es genau war, als sie die Kneipe in der Ritterstraße betraten, kann der Mann nicht sagen. „Ich hatte keine Uhr und kein Handy dabei", sagt er, vermutet aber, dass es noch deutlich vor 23 Uhr gewesen ist. Die zu dieser Zeitpunkt gültige Corona-Schutzverordnung der Stadt Minden besagte, dass es eine Sperrstunde für die Gastronomie ab 23 Uhr gibt. „Deswegen war ich mir sicher, dass es vor 23 Uhr war, als das Ordnungsamt in die Kneipe kam", meint der 58-Jährige.

Die Stadt Minden teilt auf MT-Anfrage jedoch mit, dass die Kontrolle um 23.45 Uhr stattfand. Die Kneipe hätte schon lange geschlossen sein müssen. „Das war mein Fehler", sagt der Wirt reumütig. Er habe gedacht, dass die Sperrpflicht nicht bereits ab Dienstag, 27. Oktober, sondern erst ab Montag, 2. November, gelte. Außerdem habe er keinen schriftlichen Bescheid bekommen, erklärt er. Dennoch wird auf ihn nun ein Bußgeld in Höhe von bis zu 1.000 Euro zukommen – auch die anwesenden Gäste können wegen Beteiligung in Anspruch genommen werden, heißt es von Seiten der Stadt.

„Die Beamten des Ordnungsamts sind sehr rabiat und lautstark vorgegangen", sagt der Mindener in einem ersten Gespräch. Es habe nicht lange gedauert, da wäre auch schon Verstärkung der Polizei vor Ort gewesen. „Das kam mir so vor, als hätte man es auf etwas angelegt", formuliert der Mann seinen Vorwurf. Die Polizei erklärt auf MT-Anfrage, dass zunächst eine Streifenwagenbesatzung zur Ritterstraße ausgerückt sei und dann wegen der beschriebenen feindseligen Stimmung Unterstützung angefordert habe.

„Da sich das alkoholisierte Brüderpaar nicht ausweisen wollte, wurde es zur Wache gebracht", teilt die Polizei mit und merkt an, dass der Mann sich mehrfach dagegen sperrte, mit den Beamten das Lokal zu verlassen. „Wir konnten uns nicht ausweisen, da wir unsere Papiere nicht dabei hatten", erklärt der Mann. Dass er sich geweigert hätte, die Kneipe zu verlassen, stimme jedoch nicht: „Man hat mir zu Beginn des Einsatzes gesagt, dass ich bleiben soll, bis alles geklärt ist. Daran habe ich mich gehalten. Ich war auch nicht aggressiv", beteuert er. „Die drei Personen sind mir aufgefallen und ich empfand sie als sehr renitent", sagt hingegen der Gastwirt und fügt an: „Die Polizei hat richtig gehandelt."

Die Polizei teilt auch mit, dass der Wirt den Einsatzkräften sogar zur Hilfe sprang und die Kneipe kurzzeitig verriegelte. Vor der Tür habe der Bückeburger die Beamten lautstark beleidigt. Dafür bekam er einen Platzverweis und wurde angezeigt. „Dazu kann ich nichts sagen. Das höre ich heute zum ersten Mal", sagt der Mindener, als ihn das MT mit den Aussagen konfrontiert. Darum ginge es ihm aber auch nicht, sondern viel mehr um seine Behandlung.

„Ich verstehe nicht, wieso man mir Handschellen umlegt und mich wie einen Schwerverbrecher zur Polizeiwache fährt", sagt er. Auch die Leibesvisitation habe er als nicht angemessen empfunden. Dies sei aufgrund der aufgeheizten Stimmung notwendig und gesetzlich legitimiert gewesen, um Angriffe auf die Beamten oder einen möglichen Fluchtversuch zu unterbinden. Außerdem habe man den Mann gemäß der rechtlichen Möglichkeiten vergeblich nach Ausweispapieren durchsucht, teilt die Polizei mit.

„Danach habe ich gefühlt 90 Minuten in einer Zelle verbracht, bis ich freigelassen wurde. Mein Bruder blieb die ganze Nacht", sagt der Mann, der das Geschehene auch mit zwei Wochen Abstand noch als überzogen empfindet. Die Polizei hingegen macht deutlich: „Wir werden weiterhin konsequent gegen Personen einschreiten, die durch ihr unverantwortliches Handeln gegen die bestehenden Schutzbestimmungen verstoßen und somit die Gesundheit aller gefährden."

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