Pilar Baumeister schreibt mit fein dosierter Poesie Michael Hiller Minden (mh). Trifft man an einem ungewöhnlichen Ort einen ungewöhnlichen Menschen, kann es nur eine spannende Begegnung werden. Pilar Baumeister ist ein ungewöhnlicher Mensch. Nicht deshalb, weil sie seit ihrer Geburt blind ist. Vielmehr sind es ihre Passion zu schreiben und die Art ihres Schreibens, die sie außergewöhnlich macht.Geboren 1948 in Barcelona und seit 1975 in Deutschland lebend, erzählt die studierte und promovierte Philologin in ihren Lesungen über gesellschaftskritische und lebenspragmatische Ereignisse und Erlebnisse - mit lyrischen Gedichten und literaturwissenschaftlichen Essays oder in Kurzgeschichten und Erzählungen. In allen ihren Arbeiten, durchgehend durch alle Genres, schwingt immer ein feindosierter Anteil an Poesie mit. Auch an diesem Abend in dem Optikerfachgeschäft „Die Brille“ in Minden.Moderiert von Dr. Mark Behrens liest Pilar Baumeister aus ihren Werken und wird dabei in den kleinen literarischen Pausen musikalisch auf Gitarren begleitet von Dr. Christoph Andreas Marx und Marcus Neuert, gleichzeitig auch beide Autoren und Mitglieder der europäischen Autorenvereinigung „Die Kogge“.Frau. Migrantin. Blind. Schriftstellerin. Vier Aussagen oder - noch treffender - vier „Stigmata“, die tief berühren und mit denen man als Mensch erst mal umgehen lernen muss. Es sind genau die Themen, über die Kogge-Autorin Dr. Pilar Baumeister spricht, die sie in den unterschiedlichsten Literaturformen verarbeitet und in einer vielschichtigen Art und Weise erzählt.Der Leseabend trägt den Titel „...was eigentlich SEHEN heiße“ und implementiert das Erlebte und den Weg der Schriftstellerin. Immer eingefasst in einen Kontext, der nie ganz konkret wird und dadurch soviel Freiräume für die Zuhörer lässt, dass der wesentliche Kern der Erzählung immer offensichtlich bleibt und dadurch emotional berührt. Dabei sind es manchmal die kleinen Geschichten rund um das Alltägliche und für die „Sehenden“ das Banale, was Pilar Baumeister bewegt, lyrische Gedichte wie über den Kugelschreiber zu verfassen. „Etwas Stechendes, das schreibt. Sticht aber nicht, berührt nur das Papier und zittert, geht lange Wege entlang, und dann erhebt sich, sanft und träumerisch, in der Luft, wo nichts mehr geschrieben wird... !“ Ein Auszug wie dieser aus ihrem Gedicht „Gedanken eines Blinden beim Anfassen eines Kugelschreibers“ zeigt die hohe Qualität der Autorin.Und diese Qualität sensibilisiert in dem Moment alle. Der beschriebene Kugelschreiber bekommt dadurch eine vollkommen neue Wertschätzung und wird, auch wahrscheinlich nur für den Moment, auf eine andere Ebene gehoben. Die gelesenen Texte von Pilar Baumeister, die mittlerweile zwölf Bücher verfasst hat, gehen unter die Haut wie „ Die Blumen sagten: Wir leiden wie die Menschen! Angst vor Blumenkrebs!“ Lässt man sich erst mal auf die spanisch-deutsche Dichterin ein, erfährt man als Zuhörer etwas Tiefgehendes und Beeindruckendes. Nichts ist widersprüchlich, auch nicht der gewählte Ort für diese Lesung und alles vervollständigt sich beim Zuhörer.

Pilar Baumeister schreibt mit fein dosierter Poesie

Pilar Baumeister gibt in ihren Werken dem Alltäglichen eine neue Wertschätzung. Mark Behrens moderierte die Lesung. © Foto: Michael Hiller

Minden (mh). Trifft man an einem ungewöhnlichen Ort einen ungewöhnlichen Menschen, kann es nur eine spannende Begegnung werden. Pilar Baumeister ist ein ungewöhnlicher Mensch. Nicht deshalb, weil sie seit ihrer Geburt blind ist. Vielmehr sind es ihre Passion zu schreiben und die Art ihres Schreibens, die sie außergewöhnlich macht.

Geboren 1948 in Barcelona und seit 1975 in Deutschland lebend, erzählt die studierte und promovierte Philologin in ihren Lesungen über gesellschaftskritische und lebenspragmatische Ereignisse und Erlebnisse - mit lyrischen Gedichten und literaturwissenschaftlichen Essays oder in Kurzgeschichten und Erzählungen. In allen ihren Arbeiten, durchgehend durch alle Genres, schwingt immer ein feindosierter Anteil an Poesie mit. Auch an diesem Abend in dem Optikerfachgeschäft „Die Brille“ in Minden.

Moderiert von Dr. Mark Behrens liest Pilar Baumeister aus ihren Werken und wird dabei in den kleinen literarischen Pausen musikalisch auf Gitarren begleitet von Dr. Christoph Andreas Marx und Marcus Neuert, gleichzeitig auch beide Autoren und Mitglieder der europäischen Autorenvereinigung „Die Kogge“.

Frau. Migrantin. Blind. Schriftstellerin. Vier Aussagen oder - noch treffender - vier „Stigmata“, die tief berühren und mit denen man als Mensch erst mal umgehen lernen muss. Es sind genau die Themen, über die Kogge-Autorin Dr. Pilar Baumeister spricht, die sie in den unterschiedlichsten Literaturformen verarbeitet und in einer vielschichtigen Art und Weise erzählt.

Der Leseabend trägt den Titel „...was eigentlich SEHEN heiße“ und implementiert das Erlebte und den Weg der Schriftstellerin. Immer eingefasst in einen Kontext, der nie ganz konkret wird und dadurch soviel Freiräume für die Zuhörer lässt, dass der wesentliche Kern der Erzählung immer offensichtlich bleibt und dadurch emotional berührt. Dabei sind es manchmal die kleinen Geschichten rund um das Alltägliche und für die „Sehenden“ das Banale, was Pilar Baumeister bewegt, lyrische Gedichte wie über den Kugelschreiber zu verfassen. „Etwas Stechendes, das schreibt. Sticht aber nicht, berührt nur das Papier und zittert, geht lange Wege entlang, und dann erhebt sich, sanft und träumerisch, in der Luft, wo nichts mehr geschrieben wird... !“ Ein Auszug wie dieser aus ihrem Gedicht „Gedanken eines Blinden beim Anfassen eines Kugelschreibers“ zeigt die hohe Qualität der Autorin.

Und diese Qualität sensibilisiert in dem Moment alle. Der beschriebene Kugelschreiber bekommt dadurch eine vollkommen neue Wertschätzung und wird, auch wahrscheinlich nur für den Moment, auf eine andere Ebene gehoben. Die gelesenen Texte von Pilar Baumeister, die mittlerweile zwölf Bücher verfasst hat, gehen unter die Haut wie „ Die Blumen sagten: Wir leiden wie die Menschen! Angst vor Blumenkrebs!“ Lässt man sich erst mal auf die spanisch-deutsche Dichterin ein, erfährt man als Zuhörer etwas Tiefgehendes und Beeindruckendes. Nichts ist widersprüchlich, auch nicht der gewählte Ort für diese Lesung und alles vervollständigt sich beim Zuhörer.

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