Per Mausklick in die Abo-Falle Immer mehr Verbraucher suchen Hilfe gegen Abzocker im Internet / Druck aufgebaut Von Stefan Koch Minden (mt). Sie locken mit Gewinnspielen, Routenplanern, Musik- oder Spieldownloads: Da immer mehr PC-Nutzer auf die vermeintlichen Angebote von Internetabzockern hereinfallen, muss die Mindener Verbraucherberatung mittlerweile fünf bis zehn Geschädigte pro Tag beraten. Mit steigender Tendenz. "Das haben alle in meiner Klasse und ich will es auch", hatte der zwölfjährige Filius seinem Vater erklärt. Doch als der 44-jährige Mindener das begehrte Computerspiel "Minecraft" in einem Elektronikfachgeschäft kaufen wollte, sagte ein Verkäufer, dass es nur als Download zu bekommen sei.Über eine Suchmaschine gelangten Vater und Sohn dann in den Downloadbereich für das Spiel und erklärten sich bereit, die Gebühr in Höhe von 14,95 Euro zu zahlen. Dazu wurde die Kreditkartennummer abgeschickt."Aber dann gelangten wir unter nicht nachvollziehbaren Umständen in den Bereich von ,premiumdownloaden.de," erinnert sich der 44-Jährige. Er musste nun seine komplette Anschrift mitteilen und konnte erst danach das Spiel auf seine Festplatte übertragen.Die ganz böse Überraschung folgte 14 Tage später. Premiumdownloaden schickte per E-Mail die Benachrichtigung, dass der Verbraucher einen Zwölfmonatszugang für Software angemeldet hätte und wollte dafür 96 Euro kassieren. Zudem war das Anschreiben mit Rechnungs- und Kundennummer versehen. Angegeben war ein Konto bei der Sparkasse Vorpommern, als Empfänger war ein Frank Seiler ausgewiesen.Hinter der Post steht die Miranavo Content Plus mit Sitz in Kröplin. In Internetforen, Computerzeitschriften und anderen Publikationen ist das Unternehmen längst bekannt. Autoren bezeichnen die Geschäfte als "Abzocke" und "Computerbetrug". Allerdings handelt es sich bei den Kröplinern nur um die Spitze des Eisbergs."So etwas ist für uns ein Alltagsthema", erklärt Ursula Thielemann, Leiterin der Verbraucherberatung. Fünf bis zehn Fälle getäuschter Kunden bearbeite sie an einem Tag. Mit Musterbriefen für den Widerspruch und Widerruf der fragwürdigen Verträge ist Thielemann in solchen Fällen ausgestattet. Auch noch nach der 14-tägigen Frist könne sich der Betroffene zur Wehr setzen, wenn nicht belegt ist, dass er über den Vertragsinhalt ordnungsgemäß belehrt worden sei, sagt Thielemann.Mit Abmahnungen und gar Strafanzeigen versucht die Verbraucherzentrale NRW gegen Abzockunternehmen vorzugehen. Eine lange Liste entsprechender Firmen ist auf der Homepage zur Warnung enthalten. "Aber oft sitzen die Absender der fragwürdigen Rechnungen im Ausland und sind nicht zu belangen," sagt die Verbraucherschützerin."Mit den Zahlungsaufforderungen wird Druck aufgebaut, damit die Leute bezahlen", lautet die Erfahrung von Tim Fabig. Der Mindener Rechtsanwalt hat sich unter anderem auf Abo-Fallen im Internet spezialisiert und stellt einen starken Zuwachs an Betroffenen fest, die seine Hilfe nachfragen. Oft betrieben die gleichen Hintermänner unterschiedliche Firmen unter wechselnden Namen, erklärt der Jurist. Als Anwalt habe er aber noch kein Opfer vor Gericht vertreten müssen, da die Unternehmen die Verbraucher nach den entsprechenden Erklärungen in Ruhe ließen. "Selten lassen sich diese Leute auf einen Prozess ein."

Per Mausklick in die Abo-Falle

Minden (mt). Sie locken mit Gewinnspielen, Routenplanern, Musik- oder Spieldownloads: Da immer mehr PC-Nutzer auf die vermeintlichen Angebote von Internetabzockern hereinfallen, muss die Mindener Verbraucherberatung mittlerweile fünf bis zehn Geschädigte pro Tag beraten. Mit steigender Tendenz.

Vorsicht beim Download: Immer wieder tappen Computernutzer dabei in Abo-Fallen mit zum Teil hohen Rechnungen. - © MT-Foto: Stefan Koch
Vorsicht beim Download: Immer wieder tappen Computernutzer dabei in Abo-Fallen mit zum Teil hohen Rechnungen. - © MT-Foto: Stefan Koch

"Das haben alle in meiner Klasse und ich will es auch", hatte der zwölfjährige Filius seinem Vater erklärt. Doch als der 44-jährige Mindener das begehrte Computerspiel "Minecraft" in einem Elektronikfachgeschäft kaufen wollte, sagte ein Verkäufer, dass es nur als Download zu bekommen sei.

Über eine Suchmaschine gelangten Vater und Sohn dann in den Downloadbereich für das Spiel und erklärten sich bereit, die Gebühr in Höhe von 14,95 Euro zu zahlen. Dazu wurde die Kreditkartennummer abgeschickt.

"Aber dann gelangten wir unter nicht nachvollziehbaren Umständen in den Bereich von ,premiumdownloaden.de," erinnert sich der 44-Jährige. Er musste nun seine komplette Anschrift mitteilen und konnte erst danach das Spiel auf seine Festplatte übertragen.

Die ganz böse Überraschung folgte 14 Tage später. Premiumdownloaden schickte per E-Mail die Benachrichtigung, dass der Verbraucher einen Zwölfmonatszugang für Software angemeldet hätte und wollte dafür 96 Euro kassieren. Zudem war das Anschreiben mit Rechnungs- und Kundennummer versehen. Angegeben war ein Konto bei der Sparkasse Vorpommern, als Empfänger war ein Frank Seiler ausgewiesen.

Hinter der Post steht die Miranavo Content Plus mit Sitz in Kröplin. In Internetforen, Computerzeitschriften und anderen Publikationen ist das Unternehmen längst bekannt. Autoren bezeichnen die Geschäfte als "Abzocke" und "Computerbetrug". Allerdings handelt es sich bei den Kröplinern nur um die Spitze des Eisbergs.

"So etwas ist für uns ein Alltagsthema", erklärt Ursula Thielemann, Leiterin der Verbraucherberatung. Fünf bis zehn Fälle getäuschter Kunden bearbeite sie an einem Tag. Mit Musterbriefen für den Widerspruch und Widerruf der fragwürdigen Verträge ist Thielemann in solchen Fällen ausgestattet. Auch noch nach der 14-tägigen Frist könne sich der Betroffene zur Wehr setzen, wenn nicht belegt ist, dass er über den Vertragsinhalt ordnungsgemäß belehrt worden sei, sagt Thielemann.

Mit Abmahnungen und gar Strafanzeigen versucht die Verbraucherzentrale NRW gegen Abzockunternehmen vorzugehen. Eine lange Liste entsprechender Firmen ist auf der Homepage zur Warnung enthalten. "Aber oft sitzen die Absender der fragwürdigen Rechnungen im Ausland und sind nicht zu belangen," sagt die Verbraucherschützerin.

"Mit den Zahlungsaufforderungen wird Druck aufgebaut, damit die Leute bezahlen", lautet die Erfahrung von Tim Fabig. Der Mindener Rechtsanwalt hat sich unter anderem auf Abo-Fallen im Internet spezialisiert und stellt einen starken Zuwachs an Betroffenen fest, die seine Hilfe nachfragen. Oft betrieben die gleichen Hintermänner unterschiedliche Firmen unter wechselnden Namen, erklärt der Jurist. Als Anwalt habe er aber noch kein Opfer vor Gericht vertreten müssen, da die Unternehmen die Verbraucher nach den entsprechenden Erklärungen in Ruhe ließen. "Selten lassen sich diese Leute auf einen Prozess ein."

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