Pausenlos auf Empfang: Machen Handys süchtig? Malina Reckordt Minden. Kann man nach einem Handy eigentlich süchtig werden? Das habe ich mich gefragt, als ich den Smartphone-Entzug begonnen habe. Inzwischen weiß ich: Nein, ich bin nicht süchtig. Glaubt man den Personen in meinem Umfeld, zeige ich kein auffälliges Verhalten, bin nur selten gereizt, was aber sicherlich nicht am Handy-Entzug, sondern am Corona-Blues liegt. Aber sind möglicherweise einige Kinder und Jugendliche süchtig? Klar, seit der Pandemie sind sie fast schon gezwungen, mehr Zeit vor dem Handy zu verbringen. Wenn sie Kontakt zu Freunden halten wollen, dann über das Handy. Und schließlich ist da ja auch noch der Digital-Unterricht. Aber nicht erst seit der Pandemie verbringen Kinder und Jugendliche mehr Zeit vor dem Gerät. Immer früher bekommen sie ein Smartphone. Die Nutzungsdauer wird mit dem Alter höher, dafür die Aufmerksamkeit in echten Gesprächen geringer. Lukas Opheiden, Medienpädagoge bei der Stadtbibliothek, meint, dass nicht das Gerät an sich, sondern die Inhalte durchaus süchtig machen können. „Aber nur, weil man ein Gerät viel nutzt, ist man nicht gleich süchtig“, betont er. Psychologen würden eine solche Sucht in einem langwierigen Prozess feststellen können. „Erst wenn mehrere unterschiedliche Verhaltensauffälligkeiten erkennbar werden, spricht man von einer Sucht“, sagt Opheiden. Die reine Bildschirmzeit zu bewerten, mache laut Opheiden derzeit wenig Sinn, denn die werde aktuell auch durch produktive Dinge, wie Videokonferenzen oder interessante Wissensinhalte, in die Höhe getrieben. „Eltern sollten ihren Kindern nicht verbieten, in der Freizeit das Smartphone oder Tablet zu nutzen, nur weil sie schon für die Schule viel Zeit vor dem Gerät verbracht haben“, so Opheiden. Kinder hätten gerade einfach kaum eine andere Chance, mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben. Jugendliche, die sich in der Pubertät befinden, wollen sich von Erwachsenen abgrenzen. „Vor der Pandemie waren sie mit Freunden unterwegs, jetzt treffen sie sich digital.“ Der Medienpädagoge ist sich sicher, dass sich das Verhalten nach dem Lockdown garantiert wieder ändern werde. „Alle, egal ob jung oder alt, vermissen momentan den persönlichen Kontakt.“ Auf der anderen Seite etablieren sich Dinge, zum Beispiel mit entfernt wohnenden Bekannten oder Verwandten öfter per Video-Telefonie zu sprechen, meint Opheiden. „Wenn die Pandemie schon vor 14 Jahren ausgebrochen wäre, hätten wir alleine Snake gespielt“, so Opheiden. (Anmerkung der Redaktion: Snake ist ein Geschicklichkeitsspiel aus dem Jahr 1997, das auf Nokia-Handys vorinstalliert war.) Da könne man schon froh sein, dass die Technik mittlerweile so weit ist und viele Dinge möglich sind. Übrigens: Opheidens Rat, nicht alleine auf die Bildschirmzeit zu achten, habe ich mir zu Herzen genommen. Ich habe nämlich in den vergangenen Tagen mehrere Situationen erlebt, in denen es einfach praktisch war, das Smartphone zu nutzen. Zum Beispiel als das Navi im Auto versagt hat und ich (als Beifahrerin natürlich) auf zuverlässigere Kartendienst-Anbieter zugegriffen habe. Oder, dass ich beim Einkaufen nun einfach mit der Luca-App einchecken kann (mein Wohnort Oelde ist Teil der NRW-Modellregion). Da kann ich Opheidens Lob auf die Technik nur unterstreichen: Was für ein Fortschritt, dass es nun endlich eine App gibt, die die Kontaktnachverfolgung wirklich erleichtert.

Pausenlos auf Empfang: Machen Handys süchtig?

Wer seine Bildschirm-Zeit verringern möchte, kann die Bildschirmfarbe auf Grautöne einstellen. Die Bedienung soll dann nicht mehr so viel Spaß machen. MT-Foto: Malina Reckordt

Minden. Kann man nach einem Handy eigentlich süchtig werden? Das habe ich mich gefragt, als ich den Smartphone-Entzug begonnen habe. Inzwischen weiß ich: Nein, ich bin nicht süchtig. Glaubt man den Personen in meinem Umfeld, zeige ich kein auffälliges Verhalten, bin nur selten gereizt, was aber sicherlich nicht am Handy-Entzug, sondern am Corona-Blues liegt.

Aber sind möglicherweise einige Kinder und Jugendliche süchtig? Klar, seit der Pandemie sind sie fast schon gezwungen, mehr Zeit vor dem Handy zu verbringen. Wenn sie Kontakt zu Freunden halten wollen, dann über das Handy. Und schließlich ist da ja auch noch der Digital-Unterricht. Aber nicht erst seit der Pandemie verbringen Kinder und Jugendliche mehr Zeit vor dem Gerät. Immer früher bekommen sie ein Smartphone. Die Nutzungsdauer wird mit dem Alter höher, dafür die Aufmerksamkeit in echten Gesprächen geringer.

Lukas Opheiden, Medienpädagoge bei der Stadtbibliothek, meint, dass nicht das Gerät an sich, sondern die Inhalte durchaus süchtig machen können. „Aber nur, weil man ein Gerät viel nutzt, ist man nicht gleich süchtig“, betont er. Psychologen würden eine solche Sucht in einem langwierigen Prozess feststellen können. „Erst wenn mehrere unterschiedliche Verhaltensauffälligkeiten erkennbar werden, spricht man von einer Sucht“, sagt Opheiden.


Die reine Bildschirmzeit zu bewerten, mache laut Opheiden derzeit wenig Sinn, denn die werde aktuell auch durch produktive Dinge, wie Videokonferenzen oder interessante Wissensinhalte, in die Höhe getrieben. „Eltern sollten ihren Kindern nicht verbieten, in der Freizeit das Smartphone oder Tablet zu nutzen, nur weil sie schon für die Schule viel Zeit vor dem Gerät verbracht haben“, so Opheiden. Kinder hätten gerade einfach kaum eine andere Chance, mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben.

Lukas Opheiden - © Rogge /Archiv
Lukas Opheiden - © Rogge /Archiv

Jugendliche, die sich in der Pubertät befinden, wollen sich von Erwachsenen abgrenzen. „Vor der Pandemie waren sie mit Freunden unterwegs, jetzt treffen sie sich digital.“ Der Medienpädagoge ist sich sicher, dass sich das Verhalten nach dem Lockdown garantiert wieder ändern werde. „Alle, egal ob jung oder alt, vermissen momentan den persönlichen Kontakt.“

Auf der anderen Seite etablieren sich Dinge, zum Beispiel mit entfernt wohnenden Bekannten oder Verwandten öfter per Video-Telefonie zu sprechen, meint Opheiden. „Wenn die Pandemie schon vor 14 Jahren ausgebrochen wäre, hätten wir alleine Snake gespielt“, so Opheiden. (Anmerkung der Redaktion: Snake ist ein Geschicklichkeitsspiel aus dem Jahr 1997, das auf Nokia-Handys vorinstalliert war.) Da könne man schon froh sein, dass die Technik mittlerweile so weit ist und viele Dinge möglich sind.

Übrigens: Opheidens Rat, nicht alleine auf die Bildschirmzeit zu achten, habe ich mir zu Herzen genommen. Ich habe nämlich in den vergangenen Tagen mehrere Situationen erlebt, in denen es einfach praktisch war, das Smartphone zu nutzen. Zum Beispiel als das Navi im Auto versagt hat und ich (als Beifahrerin natürlich) auf zuverlässigere Kartendienst-Anbieter zugegriffen habe. Oder, dass ich beim Einkaufen nun einfach mit der Luca-App einchecken kann (mein Wohnort Oelde ist Teil der NRW-Modellregion). Da kann ich Opheidens Lob auf die Technik nur unterstreichen: Was für ein Fortschritt, dass es nun endlich eine App gibt, die die Kontaktnachverfolgung wirklich erleichtert.

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