„Paulette - Oma zieht durch“ begeistert Publikum im Stadttheater Minden Kerstin Rickert Minden (kr). Diana Körner als „Drogen-Omi“ ist klasse. Ihr schenkt das Publikum im Stadttheater am Sonntagabend denn auch immer wieder von Jubelrufen begleiteten Applaus. „Paulette - Oma zieht durch“ heißt das Stück nach einem französischen Film, der vor vier Jahren Kinoerfolge feierte. Mit Diana Körner in der Hauptrolle präsentierte das a.gon Theater München die Geschichte von der verarmten Oma, die sich ihren Lebensunterhalt als Drogen-Dealerin sichert, als klamaukige Bühnenfassung.Paulette hat alles verloren: Ihren vor zehn Jahren verstorbenen Mann an den Alkohol, ihre Tochter Agnès (Sorina Kiefer) an Ousmane (Hans-Jürgen Helsig), einen Schwarzen, mit dem diese zu allem Überfluss auch noch ein Kind hat, und ihr ehemaliges Restaurant an Chinesen.Paulette besitzt nicht viel, vor allem kein Geld, aber auch kaum Freunde. Ihr Leben am Existenzminimum hat sie verbittert. Sie hasst alles und jeden, besonders Ausländer, die sie für ihre Situation verantwortlich macht. Paulette lebt in einem armseligen Container, ernährt sich vom Müll der anderen und kann ihre Rechnungen nicht bezahlen. Als ein Gerichtsvollzieher ihr die letzten Habseligkeiten nimmt und den Kontakt zur Außenwelt abschneidet, indem er das Telefon kappt, kommt Paulette eine Idee. Die renitente Oma hat nämlich mitbekommen, dass es sich vom Drogenverkauf ganz gut leben lässt, und schreitet zur Tat.Als „Drogen-Omi“ macht sich Paulette schnell einen Namen im Milieu. Das Geschäft floriert, aber bald rückt ihr auch die Konkurrenz zu Leibe. Als Tochter Agnès wieder einmal ihren Sohn Leo (Sandrino Herrklotsch) bei ihrer Mutter parkt, die der Enkel aber nicht Oma nennen darf, weil er schwarz ist, kommt Paulette ein genialer Gedanke. Leo hat der fiesen Großmutter nämlich einen Streich gespielt und - ohne es zu wissen - Haschisch in ihren Kuchenteig gemischt. Das Ergebnis zeigt Wirkung bei Paulettes Freundinnen Renée (Anne Stegmann) und Lucienne (Renate Koehler). Fortan backt die Oma Hasch-Küchlein und bringt sie so erfolgreich unter die Leute, dass Renée und Lucienne sie schon bald unterstützen müssen. Paulette verwandelt sich zunehmend in eine lebensfrohe und freundliche alte Dame, die sogar ihren Enkel ins Herz schließt.Die zugrunde liegende, wahre Geschichte hat einen ernsten Hintergrund. Es geht um Altersarmut, um gesellschaftliche Isolation, um Fremdenhass und ums Drogenmilieu, wobei letzteres- ganz Klischee - natürlich von Ausländern beherrscht wird. Serviert werden all diese hochaktuellen Themen als leichte Kost. Die Problematik an sich bleibt eine Randerscheinung, bildet nur die Klammer für eine Komödie, die auf Gags und übertriebenen Dialogwitz setzt.Im ersten Teil ist die Handlung noch nachvollziehbar. Die Zeit bis zur Pause vergeht wie im Fluge und dank des teils doppelt besetzten zehnköpfigen Ensembles kommt keine Langeweile auf. Es passiert viel auf der Bühne und insbesondere Diana Körner als großartige Paulette haut so manchen Spruch raus, bei dem den Zuschauern das Lachen im Halse stecken bleibt.Doch im weiteren Verlauf verkommt die Inszenierung mehr und mehr zur Klamotte. Die mit der Verwandlung von einer verarmten Rentnerin in eine erfolgreiche Drogen-Dealerin und Shit-Törtchen-Verkäuferin einhergehende Persönlichkeits-Metamorphose bei Paulette geht auf einmal recht schnell. Eben noch hat sie ihren Enkel abgelehnt, plötzlich erfüllt sie ihm den Traum vom gemeinsamen Urlaub.Einmal blitzt der Kern der Geschichte noch auf, als Körner mit ernstem Blick in einem Chanson die Altersarmut thematisiert. Das ist aber auch der Punkt, an dem das Stück zu sehr ins Komödienhafte abdriftet. Die abschließende Tanz- und Gesang-Szene hätte es nicht unbedingt gebraucht. Ansonsten eine amüsante Vorstellung, die das Publikum mit viel Beifall quittiert.

„Paulette - Oma zieht durch“ begeistert Publikum im Stadttheater Minden

In klamaukiger Bühnenfassung präsentiert das a.gon Theater München die Geschichte von der verarmten Seniorin, die sich ihren Lebensunterhalt als Drogen-Dealerin sichern. © Foto: Kerstin Rickert

Minden (kr). Diana Körner als „Drogen-Omi“ ist klasse. Ihr schenkt das Publikum im Stadttheater am Sonntagabend denn auch immer wieder von Jubelrufen begleiteten Applaus. „Paulette - Oma zieht durch“ heißt das Stück nach einem französischen Film, der vor vier Jahren Kinoerfolge feierte. Mit Diana Körner in der Hauptrolle präsentierte das a.gon Theater München die Geschichte von der verarmten Oma, die sich ihren Lebensunterhalt als Drogen-Dealerin sichert, als klamaukige Bühnenfassung.

Paulette hat alles verloren: Ihren vor zehn Jahren verstorbenen Mann an den Alkohol, ihre Tochter Agnès (Sorina Kiefer) an Ousmane (Hans-Jürgen Helsig), einen Schwarzen, mit dem diese zu allem Überfluss auch noch ein Kind hat, und ihr ehemaliges Restaurant an Chinesen.

Paulette besitzt nicht viel, vor allem kein Geld, aber auch kaum Freunde. Ihr Leben am Existenzminimum hat sie verbittert. Sie hasst alles und jeden, besonders Ausländer, die sie für ihre Situation verantwortlich macht. Paulette lebt in einem armseligen Container, ernährt sich vom Müll der anderen und kann ihre Rechnungen nicht bezahlen. Als ein Gerichtsvollzieher ihr die letzten Habseligkeiten nimmt und den Kontakt zur Außenwelt abschneidet, indem er das Telefon kappt, kommt Paulette eine Idee. Die renitente Oma hat nämlich mitbekommen, dass es sich vom Drogenverkauf ganz gut leben lässt, und schreitet zur Tat.

Als „Drogen-Omi“ macht sich Paulette schnell einen Namen im Milieu. Das Geschäft floriert, aber bald rückt ihr auch die Konkurrenz zu Leibe. Als Tochter Agnès wieder einmal ihren Sohn Leo (Sandrino Herrklotsch) bei ihrer Mutter parkt, die der Enkel aber nicht Oma nennen darf, weil er schwarz ist, kommt Paulette ein genialer Gedanke. Leo hat der fiesen Großmutter nämlich einen Streich gespielt und - ohne es zu wissen - Haschisch in ihren Kuchenteig gemischt. Das Ergebnis zeigt Wirkung bei Paulettes Freundinnen Renée (Anne Stegmann) und Lucienne (Renate Koehler). Fortan backt die Oma Hasch-Küchlein und bringt sie so erfolgreich unter die Leute, dass Renée und Lucienne sie schon bald unterstützen müssen. Paulette verwandelt sich zunehmend in eine lebensfrohe und freundliche alte Dame, die sogar ihren Enkel ins Herz schließt.

Die zugrunde liegende, wahre Geschichte hat einen ernsten Hintergrund. Es geht um Altersarmut, um gesellschaftliche Isolation, um Fremdenhass und ums Drogenmilieu, wobei letzteres- ganz Klischee - natürlich von Ausländern beherrscht wird. Serviert werden all diese hochaktuellen Themen als leichte Kost. Die Problematik an sich bleibt eine Randerscheinung, bildet nur die Klammer für eine Komödie, die auf Gags und übertriebenen Dialogwitz setzt.

Im ersten Teil ist die Handlung noch nachvollziehbar. Die Zeit bis zur Pause vergeht wie im Fluge und dank des teils doppelt besetzten zehnköpfigen Ensembles kommt keine Langeweile auf. Es passiert viel auf der Bühne und insbesondere Diana Körner als großartige Paulette haut so manchen Spruch raus, bei dem den Zuschauern das Lachen im Halse stecken bleibt.

Doch im weiteren Verlauf verkommt die Inszenierung mehr und mehr zur Klamotte. Die mit der Verwandlung von einer verarmten Rentnerin in eine erfolgreiche Drogen-Dealerin und Shit-Törtchen-Verkäuferin einhergehende Persönlichkeits-Metamorphose bei Paulette geht auf einmal recht schnell. Eben noch hat sie ihren Enkel abgelehnt, plötzlich erfüllt sie ihm den Traum vom gemeinsamen Urlaub.

Einmal blitzt der Kern der Geschichte noch auf, als Körner mit ernstem Blick in einem Chanson die Altersarmut thematisiert. Das ist aber auch der Punkt, an dem das Stück zu sehr ins Komödienhafte abdriftet. Die abschließende Tanz- und Gesang-Szene hätte es nicht unbedingt gebraucht. Ansonsten eine amüsante Vorstellung, die das Publikum mit viel Beifall quittiert.

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