Paar findet keine neue Wohnung, weil das Jobcenter des Kreises offenbar überlastet ist Stefan Koch Minden. Weil das Jobcenter des Kreises Minden-Lübbecke nicht reagiert, fürchtet ein Mindener Ehepaar, bald keine Wohnung zu haben. Die Betroffenen erhalten Sozialhilfe und müssen nach einer Eigenbedarfskündigung ausziehen. Ein neues Mietverhältnis können sie aber nur dann eingehen, wenn sie ein Darlehen vom Kreis für die Kaution bekommen. Auf eine solche Bestätigung warten beide seit Wochen. Der Kreis erklärt, gegenüber dem MT, dass sich durch die Coronakrise die Bearbeitungszeiten verlängert haben. „In der Drabertstraße leben wir schon seit 15 Jahren und waren glücklich“, erklären Monica und Corrado Cuomo. Doch dann veränderte sich die Situation des Ehepaares. Der Vermieter trennte sich von dem Reihenhaus und Anfang des Jahres stand ein Makler vor der Tür. Der bat um einen Besichtigungstermin, denn das Objekt stand zum Verkauf an. Schon Ende Januar hatte sich ein neuer Eigentümer gefunden und der meldete Eigenbedarf an. Als gerichtsfesten Termin nannte er den 30. November. Spätestens dann muss das Ehepaar ausziehen. Die Situation der Cuomos: Die 68-jährige Ehefrau lebte lange Zeit von einer Erwerbsminderungsrente und erhält seit zwei Jahren die reguläre Altersrente. Ihr 60-jähriger Mann ist Hartz IV-Empfänger und bezieht Leistungen durch das Jobcenter, das auch seinen Bedarfsanteil an den Mietzahlungen übernimmt. Da er wegen eines Kreditausfalls bei der Schufa gespeichert ist, kann er auf herkömmlichen Weg kein Darlehen für Umzugskosten und die Mietkaution bekommen. Schon die Wohnungssuche in Minden hatte sich nach der Eigenbedarfskündigung für das Ehepaar als schwierig erwiesen. „Meine Frau ist chronisch krank und hat die Pflegestufe 1“, sagt Corrado Cuomo. Er selbst habe gesundheitliche Probleme und sei nur noch eingeschränkt arbeitsfähig. Zudem will das Ehepaar mit drei alten Katzen und einem Hund umziehen. „Wir sind wegen unserem Zustand auf eine Wohnung im Parterre angewiesen und auf einen Vermieter, der unsere Tiere akzeptiert“, sagt Cuomo. Einen solchen hatte das Ehepaar nach mehreren ergebnislosen Versuchen in Porta Westfalica gefunden. Der stellte ihnen für einen Einzug zum 1. August eine Vermietererklärung für das Jobcenter aus, wonach sie in eine 116 Quadratmeter große Wohnung einziehen können. Aber: „Vor Abschluss eines Mietvertrages brauchte er vom Jobcenter im Gegenzug die Bestätigung, dass wir ein Darlehen für die Kaution bekommen“, sagt Cuomo. Er beziffert den finanziellen Aufwand für Kaution und den Umzug mit 3.000 Euro. Am 21. Juli schickte Cuomo die Vermietererklärung mit der Bitte um die Übernahme der Kosten für Umzug und Kaution an das Jobcenter – und erhielt keine Antwort. Vier Wochen später schickte er den zweiten Brief los – und wieder kam keine Reaktion. „Anrufen kann man bei dem Amt auch nicht, weil man einfach nicht durchkommt“, erklärt Cuomo zu zahlreichen ergebnislosen Versuchen, sein Problem auf dem kurzen Weg zu lösen. Als er zuletzt dem Jobcenter am 13. September mitteilte, dass eine Antwort sehr dringlich sei, da der Vermieter die Wohnung anderweitig vergeben werde, lief dieser Appell ebenfalls ins Leere. „Mittlerweile fühlen wir uns mit unserem Anliegen nicht mehr ernst genommen.“ Für das Ehepaar spitzt sich jetzt die Lage zu. Nach seiner letzten Post ans Jobcenter musste es erfahren, dass die Wohnung in Porta Westfalica an andere Interessenten vergeben worden ist. Jetzt läuft die Suche erneut. Und die Zeit läuft bis Ende November ab. Ob das Jobcenter derzeit mehr Arbeit zu bewältigen hat, als dessen Mitarbeiter leisten können? „Generell ist es so, dass sich aufgrund Corona-bedingter Umstände die Bearbeitungszeiten im Leistungsbereich insbesondere an den Standorten Minden und Bad Oeynhausen vorübergehend bedauerlicherweise verlängert haben“, teilt Sabine Ohnesorge von der Pressestelle des Kreises Minden-Lübbecke mit. Die laufenden Zahlungen seien nach wie vor sichergestellt. Es komme lediglich in Einzelfällen zu stärkeren Verzögerungen. Zu diesen Einzelfällen aber könne der Kreis keine Auskunft geben.

Paar findet keine neue Wohnung, weil das Jobcenter des Kreises offenbar überlastet ist

Durch die Coronakrise haben sich auch die Bearbeitungszeiten im Jobcenter des Kreises Minden-Lübbecke verlängert. Das stellt ein Mindener Ehepaar vor erhebliche Probleme. MT-Foto Alex Lehn (Archiv) © Lehn, Alexander

Minden. Weil das Jobcenter des Kreises Minden-Lübbecke nicht reagiert, fürchtet ein Mindener Ehepaar, bald keine Wohnung zu haben. Die Betroffenen erhalten Sozialhilfe und müssen nach einer Eigenbedarfskündigung ausziehen. Ein neues Mietverhältnis können sie aber nur dann eingehen, wenn sie ein Darlehen vom Kreis für die Kaution bekommen. Auf eine solche Bestätigung warten beide seit Wochen. Der Kreis erklärt, gegenüber dem MT, dass sich durch die Coronakrise die Bearbeitungszeiten verlängert haben.

„In der Drabertstraße leben wir schon seit 15 Jahren und waren glücklich“, erklären Monica und Corrado Cuomo. Doch dann veränderte sich die Situation des Ehepaares. Der Vermieter trennte sich von dem Reihenhaus und Anfang des Jahres stand ein Makler vor der Tür. Der bat um einen Besichtigungstermin, denn das Objekt stand zum Verkauf an. Schon Ende Januar hatte sich ein neuer Eigentümer gefunden und der meldete Eigenbedarf an. Als gerichtsfesten Termin nannte er den 30. November. Spätestens dann muss das Ehepaar ausziehen.

Die Situation der Cuomos: Die 68-jährige Ehefrau lebte lange Zeit von einer Erwerbsminderungsrente und erhält seit zwei Jahren die reguläre Altersrente. Ihr 60-jähriger Mann ist Hartz IV-Empfänger und bezieht Leistungen durch das Jobcenter, das auch seinen Bedarfsanteil an den Mietzahlungen übernimmt. Da er wegen eines Kreditausfalls bei der Schufa gespeichert ist, kann er auf herkömmlichen Weg kein Darlehen für Umzugskosten und die Mietkaution bekommen.

Schon die Wohnungssuche in Minden hatte sich nach der Eigenbedarfskündigung für das Ehepaar als schwierig erwiesen. „Meine Frau ist chronisch krank und hat die Pflegestufe 1“, sagt Corrado Cuomo. Er selbst habe gesundheitliche Probleme und sei nur noch eingeschränkt arbeitsfähig. Zudem will das Ehepaar mit drei alten Katzen und einem Hund umziehen. „Wir sind wegen unserem Zustand auf eine Wohnung im Parterre angewiesen und auf einen Vermieter, der unsere Tiere akzeptiert“, sagt Cuomo.

Einen solchen hatte das Ehepaar nach mehreren ergebnislosen Versuchen in Porta Westfalica gefunden. Der stellte ihnen für einen Einzug zum 1. August eine Vermietererklärung für das Jobcenter aus, wonach sie in eine 116 Quadratmeter große Wohnung einziehen können. Aber: „Vor Abschluss eines Mietvertrages brauchte er vom Jobcenter im Gegenzug die Bestätigung, dass wir ein Darlehen für die Kaution bekommen“, sagt Cuomo. Er beziffert den finanziellen Aufwand für Kaution und den Umzug mit 3.000 Euro.

Am 21. Juli schickte Cuomo die Vermietererklärung mit der Bitte um die Übernahme der Kosten für Umzug und Kaution an das Jobcenter – und erhielt keine Antwort. Vier Wochen später schickte er den zweiten Brief los – und wieder kam keine Reaktion. „Anrufen kann man bei dem Amt auch nicht, weil man einfach nicht durchkommt“, erklärt Cuomo zu zahlreichen ergebnislosen Versuchen, sein Problem auf dem kurzen Weg zu lösen. Als er zuletzt dem Jobcenter am 13. September mitteilte, dass eine Antwort sehr dringlich sei, da der Vermieter die Wohnung anderweitig vergeben werde, lief dieser Appell ebenfalls ins Leere. „Mittlerweile fühlen wir uns mit unserem Anliegen nicht mehr ernst genommen.“

Für das Ehepaar spitzt sich jetzt die Lage zu. Nach seiner letzten Post ans Jobcenter musste es erfahren, dass die Wohnung in Porta Westfalica an andere Interessenten vergeben worden ist. Jetzt läuft die Suche erneut. Und die Zeit läuft bis Ende November ab.

Ob das Jobcenter derzeit mehr Arbeit zu bewältigen hat, als dessen Mitarbeiter leisten können? „Generell ist es so, dass sich aufgrund Corona-bedingter Umstände die Bearbeitungszeiten im Leistungsbereich insbesondere an den Standorten Minden und Bad Oeynhausen vorübergehend bedauerlicherweise verlängert haben“, teilt Sabine Ohnesorge von der Pressestelle des Kreises Minden-Lübbecke mit. Die laufenden Zahlungen seien nach wie vor sichergestellt. Es komme lediglich in Einzelfällen zu stärkeren Verzögerungen. Zu diesen Einzelfällen aber könne der Kreis keine Auskunft geben.

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