Ort der Begegnung: Am Drosselweg hat sich Liselotte Bombitzki ihren Kunstraum eingerichtet Ursula Koch Minden. Damit ein praktisches Atelier entsteht, hat Architekt Gottfried Kasel jeden Zentimeter Grundstück der Doppelhaus-Hälfte genutzt, der gesetzlich erlaub ist. Das Ergebnis ist ein langgezogener Raum, der sich von der Tür ausgehend zum Arbeitsbereich mit einem großen Tisch verbreitert. Fenster an drei Seiten sorgen für optimales Licht. In einem Regal stehen Pinsel und Pigmente griffbereit. Ein mit dunkelgrünem Samt bezogenes altes Sofa lädt zum Pausemachen ein. Das Regal daneben enthält unzählige Bücher über Kunst. Die Malerin Liselotte Bombitzki hat sich dieses Domizil in der Drosselstraße 9 eingerichtet, das sie DS9 Kunstraum getauft hat. Am Samstag und Sonntag, 2. und 3. April, von 11 bis 18 Uhr öffnet sie seine Türen zum ersten Mal für Publikum. „Ich bin gerne in diesem Raum. Das Licht ist so angenehm“, sagt die Künstlerin, die mit Ortsvorsteher Bernd Müller verheiratet ist und 2020 von Duisburg nach Minden übersiedelte. Im selben Jahr wurde auch das Atelier fertig gestellt, das aus Holz und Glas errichtet wurde. Die Deckenbalken im Inneren liegen frei, geben dem Raum einerseits eine warme, gemütliche Atmosphäre und sorgen zugleich für etwas mehr Höhe. Den sich zur Eingangstür verjüngenden Bereich nutzt sie als Ausstellungsfläche für ihre Bilder. Eine Reihe in unterschiedlichen Formaten hängt, am Boden stehen weitere Leinwände hinter- und nebeneinander. Die Form des Gebäudes hat der Architekt clever gewählt. Denn am Tisch sitzend, wirkt der Gang wie eine gemalte Zentralperspektive, lässt den Raum damit größer erscheinen, als er wirklich ist. Die Idee für das Atelier sei schon 2018 entstanden, 2019 wurde mit dem Bau begonnen, aber es gab Lieferengpässe beim Holz. Das Flachdach ist begrünt, das sorgt für ein angenehmes Raumklima. „Als ich hier stand, wusste ich: Jetzt bin ich in Minden angekommen, obwohl es von Anbeginn an zu klein ist“, sagt die Künstlerin. Um alleine hier zu arbeiten sei es toll, auch mit einer weiteren Person lasse sich das gut nutzen, aber große Workshops seien nicht möglich. Dabei hat sie den Arbeitsplatz beim Kulturamt für ukrainische Künstler angeboten und stehe auch als Anlaufstelle und Begleitung bereit. „Es gibt keine Zeit außerhalb von Krisen mehr“, sagt Bombitzki. Viele Kollegen hätten schon in der Corona-Pandemie Schwierigkeiten gehabt, kreativ zu sein. „Mir hat der Krieg die Kreativität geraubt“, sagt sie. Andererseits habe sie ein Bild gesehen, wie ukrainische Soldaten mit Molotow-Cocktails Schach spielen. Das gehe ihr nicht mehr aus dem Kopf. Überhaupt: Die Auseinandersetzung mit der krisengeschüttelten Gesellschaft ist eines ihrer Themen. „Den Gegensatz zwischen Armut und Reichtum hängt sich niemand in die Wohnung“, spielt sie auf ein Quartett an, das an der einen Wand zur Tür hängt. Gegenüber hängt abstrakte „oxidative Malerei“, in der sie Silber, Kupfer und Eisen in Kombination mit verschiedenen Chemikalien einsetzt. „Dazu habe ich ein Jahr lang geforscht“, erläutert Bombitzki. Ihr neues Forschungsfeld ist Enkaustik, Malerei mit Wachs, die schon in der Antike genutzt wurde. Auch bei ihren gegenständlichen Bildern greift Bombitzki auf die Lasur-Technik der alten Meister zurück. Ihre Ei-Tempera-Farben stellt sie selber her. Die werden in ganz dünnen Farbschichten aufgetragen, die jeweils ein bis zwei Tage Zeit zum Trocknen brauchen. „So entsteht mehr Tiefe in den Bildern“, erläutert die 68-Jährige, die in Duisburg geboren wurde. Die meiste Zeit ihres Berufslebens war sie als Journalistin für den SFB und die Deutsche Welle in Berlin tätig hat, eigen Filme gedreht hat, etwa für die Reihe „Länder, Menschen, Abenteuer“ mit 14 Männern und 40 Kamelen durch die Wüste Gobi gezogen ist. Ein Jahr lang war sie für die UNO in New York tätig. 2003 ging sie zurück nach Duisburg. „Mein Vater war Maler und als Broterwerb Dekorateur. Meine Mutter hatte einen Schreibwarenladen“, erzählt Bombitzki. Sie und ihre drei Geschwister hätten als Kinder viel gemalt. 2010 hat sie noch einmal ein Studium begonnen, an der Hochschule der bildenden Künste in Essen. Sie ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler in Düsseldorf und dort auch weiterhin Mitglied einer Künstlergruppe. In Minden hat sie sich dem Verein für aktuelle Kunst und der Kulturlounge angeschlossen und sich an Ausstellungen beteiligt. Den DS9 Kunstraum möchte sie für kleine Ausstellungen nutzen. Außerdem plant sie eine Reihe von Begegnungen der Bereiche Wirtschaft und Kunst unter der Fragestellung, was die Wirtschaft von der Kunst lernen kann. Das erste „Atelier am Abend“ ist für den 16. Mai geplant. Dazu hat Bombitzki die Kunsthistorikerin, Kuratorin und PR-Beraterin Dr. Ulrike Lehmann aus Düsseldorf eingeladen. Bombitzki denkt an drei bis vier Veranstaltungen mit Publikum pro Jahr. Die Reihe wird vom Kulturbüro gefördert.

Ort der Begegnung: Am Drosselweg hat sich Liselotte Bombitzki ihren Kunstraum eingerichtet

Angenehmes Licht, Platz zum Arbeiten und um Bilder zu präsentieren. Liselotte Bombitzki hat sich ihren DS9 Kunstraum an der Drosselstraße multifunktional gestaltet. Am Wochenende öffnet sie ihn für Publikum. MT-Foto: Alex Lehn

Minden. Damit ein praktisches Atelier entsteht, hat Architekt Gottfried Kasel jeden Zentimeter Grundstück der Doppelhaus-Hälfte genutzt, der gesetzlich erlaub ist. Das Ergebnis ist ein langgezogener Raum, der sich von der Tür ausgehend zum Arbeitsbereich mit einem großen Tisch verbreitert. Fenster an drei Seiten sorgen für optimales Licht. In einem Regal stehen Pinsel und Pigmente griffbereit. Ein mit dunkelgrünem Samt bezogenes altes Sofa lädt zum Pausemachen ein. Das Regal daneben enthält unzählige Bücher über Kunst.

Die Malerin Liselotte Bombitzki hat sich dieses Domizil in der Drosselstraße 9 eingerichtet, das sie DS9 Kunstraum getauft hat. Am Samstag und Sonntag, 2. und 3. April, von 11 bis 18 Uhr öffnet sie seine Türen zum ersten Mal für Publikum.

„Ich bin gerne in diesem Raum. Das Licht ist so angenehm“, sagt die Künstlerin, die mit Ortsvorsteher Bernd Müller verheiratet ist und 2020 von Duisburg nach Minden übersiedelte. Im selben Jahr wurde auch das Atelier fertig gestellt, das aus Holz und Glas errichtet wurde. Die Deckenbalken im Inneren liegen frei, geben dem Raum einerseits eine warme, gemütliche Atmosphäre und sorgen zugleich für etwas mehr Höhe. Den sich zur Eingangstür verjüngenden Bereich nutzt sie als Ausstellungsfläche für ihre Bilder. Eine Reihe in unterschiedlichen Formaten hängt, am Boden stehen weitere Leinwände hinter- und nebeneinander. Die Form des Gebäudes hat der Architekt clever gewählt. Denn am Tisch sitzend, wirkt der Gang wie eine gemalte Zentralperspektive, lässt den Raum damit größer erscheinen, als er wirklich ist.


Die Idee für das Atelier sei schon 2018 entstanden, 2019 wurde mit dem Bau begonnen, aber es gab Lieferengpässe beim Holz. Das Flachdach ist begrünt, das sorgt für ein angenehmes Raumklima. „Als ich hier stand, wusste ich: Jetzt bin ich in Minden angekommen, obwohl es von Anbeginn an zu klein ist“, sagt die Künstlerin. Um alleine hier zu arbeiten sei es toll, auch mit einer weiteren Person lasse sich das gut nutzen, aber große Workshops seien nicht möglich. Dabei hat sie den Arbeitsplatz beim Kulturamt für ukrainische Künstler angeboten und stehe auch als Anlaufstelle und Begleitung bereit. „Es gibt keine Zeit außerhalb von Krisen mehr“, sagt Bombitzki. Viele Kollegen hätten schon in der Corona-Pandemie Schwierigkeiten gehabt, kreativ zu sein. „Mir hat der Krieg die Kreativität geraubt“, sagt sie. Andererseits habe sie ein Bild gesehen, wie ukrainische Soldaten mit Molotow-Cocktails Schach spielen. Das gehe ihr nicht mehr aus dem Kopf.

Überhaupt: Die Auseinandersetzung mit der krisengeschüttelten Gesellschaft ist eines ihrer Themen. „Den Gegensatz zwischen Armut und Reichtum hängt sich niemand in die Wohnung“, spielt sie auf ein Quartett an, das an der einen Wand zur Tür hängt. Gegenüber hängt abstrakte „oxidative Malerei“, in der sie Silber, Kupfer und Eisen in Kombination mit verschiedenen Chemikalien einsetzt. „Dazu habe ich ein Jahr lang geforscht“, erläutert Bombitzki. Ihr neues Forschungsfeld ist Enkaustik, Malerei mit Wachs, die schon in der Antike genutzt wurde. Auch bei ihren gegenständlichen Bildern greift Bombitzki auf die Lasur-Technik der alten Meister zurück. Ihre Ei-Tempera-Farben stellt sie selber her. Die werden in ganz dünnen Farbschichten aufgetragen, die jeweils ein bis zwei Tage Zeit zum Trocknen brauchen. „So entsteht mehr Tiefe in den Bildern“, erläutert die 68-Jährige, die in Duisburg geboren wurde. Die meiste Zeit ihres Berufslebens war sie als Journalistin für den SFB und die Deutsche Welle in Berlin tätig hat, eigen Filme gedreht hat, etwa für die Reihe „Länder, Menschen, Abenteuer“ mit 14 Männern und 40 Kamelen durch die Wüste Gobi gezogen ist. Ein Jahr lang war sie für die UNO in New York tätig. 2003 ging sie zurück nach Duisburg. „Mein Vater war Maler und als Broterwerb Dekorateur. Meine Mutter hatte einen Schreibwarenladen“, erzählt Bombitzki. Sie und ihre drei Geschwister hätten als Kinder viel gemalt. 2010 hat sie noch einmal ein Studium begonnen, an der Hochschule der bildenden Künste in Essen. Sie ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler in Düsseldorf und dort auch weiterhin Mitglied einer Künstlergruppe. In Minden hat sie sich dem Verein für aktuelle Kunst und der Kulturlounge angeschlossen und sich an Ausstellungen beteiligt.

Den DS9 Kunstraum möchte sie für kleine Ausstellungen nutzen. Außerdem plant sie eine Reihe von Begegnungen der Bereiche Wirtschaft und Kunst unter der Fragestellung, was die Wirtschaft von der Kunst lernen kann. Das erste „Atelier am Abend“ ist für den 16. Mai geplant. Dazu hat Bombitzki die Kunsthistorikerin, Kuratorin und PR-Beraterin Dr. Ulrike Lehmann aus Düsseldorf eingeladen. Bombitzki denkt an drei bis vier Veranstaltungen mit Publikum pro Jahr. Die Reihe wird vom Kulturbüro gefördert.

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