Orgeltage in St. Martini: Matthias Schneider setzt zum Abschluss auf Ausgeglichenheit Udo Stephan Köhne Minden. Das Abschlusskonzert der XXIX. Mindener Orgeltage fand keinen angemessenen Publikumszuspruch. Man könnte jetzt den leicht abgegriffenen Spruch bemühen, dass hohe Kunst kaum die große Masse erreicht. Andererseits: Orgelmusik von Dietrich Buxtehude, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms und Johann Sebastian Bach ist nichts Abgehobenes, sondern für jedermann verstehbar. Erst recht, wenn sie derart stilsicher und souverän dargeboten wird, wie es Matthias Schneider an der historischen Martiniorgel tat. Schneider demonstrierte die raffinierten klanglichen Möglichkeiten dieser Orgel. Das Programm war allerdings ein wenig zu akademisch und gelehrsam angelegt, ihm fehlte die sinnliche und über lange Zeit auch die spektakuläre Komponente. Überwiegend ruhig und ein wenig gediegen die Vorgehensweise des Solisten: Alles hatte seine angenehme Wirkung und wurde mit äußerster Akribie dem Publikum vorgeführt. Letztlich siegte die programmatische Konsequenz – oder war das Programm gar ein Kommentar zur eher trüben gesellschaftlichen Stimmungslage?Wie dem auch sei: Vier Stücke von Dietrich Buxtehude bildeten den Auftakt. Das Praeludium BuxWV 149 konnte überzeugen, auch wenn man es sich kontrastreicher und um eine Spur ungestümer gespielt gewünscht hätte. Schneider dagegen setzte auf Ausgeglichenheit und Vermeidung allzugroßer Extreme, sowohl klanglich als auch tempomäßig. Auch in den beiden folgenden Choralbearbeitungen – „Erhalt uns Herr bey deinem Wort“ BuxWV 185 und „Ach Herr mich armen Sünder“ BuxWV 178 – blieb Schneider seiner Linie treu. Farbenreiche Registrierung und manuelle Sicherheit vereinigten sich zu einer insgesamt bravourösen Buxtehude-Darbietung. Ebenso in der Ciacona BuxWV 160, die mit äußerstem musikalischen Feinsinn daher kam. Mehr Dynamik war dann in der Sonate d-Moll op. 65 Nr. 6 von Felix Mendelssohn Bartholdy zu erleben. Doch auch hier fiel das große Orgel-Spektakel aus. Bewundernswert, wie Schneider sich in Zurückhaltung übte und viel Liebe zum Detail erkennen ließ, anstatt den Hörer klanglich zu überrumpeln. Gelassen vor allem der Andante-Schlusssatz, den er mit größter Natürlichkeit musizierte.Zwei Choralvorspiele von Johannes Brahms aus Opus 122 schlossen sich an. Der Abschluss gehörte Johann Sebastian Bach. Während die Choralpartita über „Herr Christ der einig Gottes Sohn“ BWV Anh. 77, die viele Musikforscher heutzutage nicht mehr Bach zuschreiben, sich perfekt in Schneiders konsequentes Programm einer eher leisen Totensonntag-Programmatik einreihte, geriet die Fuge in F-Dur BWV 540 zum ersehnt strahlenden Finale. Endlich kam die historische Martiniorgel richtig in Fahrt. Jetzt endlich blühte das Herz des nach satter Klangwucht lechzenden Zuhörers auf. Der Applaus zeugte denn auch von Begeisterung.

Orgeltage in St. Martini: Matthias Schneider setzt zum Abschluss auf Ausgeglichenheit

Matthias Schneider spielte die Orgelstücke ruhig und gediegen. Foto: Udo Stephan Köhne © x

Minden. Das Abschlusskonzert der XXIX. Mindener Orgeltage fand keinen angemessenen Publikumszuspruch. Man könnte jetzt den leicht abgegriffenen Spruch bemühen, dass hohe Kunst kaum die große Masse erreicht. Andererseits: Orgelmusik von Dietrich Buxtehude, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms und Johann Sebastian Bach ist nichts Abgehobenes, sondern für jedermann verstehbar. Erst recht, wenn sie derart stilsicher und souverän dargeboten wird, wie es Matthias Schneider an der historischen Martiniorgel tat.

Schneider demonstrierte die raffinierten klanglichen Möglichkeiten dieser Orgel. Das Programm war allerdings ein wenig zu akademisch und gelehrsam angelegt, ihm fehlte die sinnliche und über lange Zeit auch die spektakuläre Komponente. Überwiegend ruhig und ein wenig gediegen die Vorgehensweise des Solisten: Alles hatte seine angenehme Wirkung und wurde mit äußerster Akribie dem Publikum vorgeführt. Letztlich siegte die programmatische Konsequenz – oder war das Programm gar ein Kommentar zur eher trüben gesellschaftlichen Stimmungslage?

Wie dem auch sei: Vier Stücke von Dietrich Buxtehude bildeten den Auftakt. Das Praeludium BuxWV 149 konnte überzeugen, auch wenn man es sich kontrastreicher und um eine Spur ungestümer gespielt gewünscht hätte. Schneider dagegen setzte auf Ausgeglichenheit und Vermeidung allzugroßer Extreme, sowohl klanglich als auch tempomäßig. Auch in den beiden folgenden Choralbearbeitungen – „Erhalt uns Herr bey deinem Wort“ BuxWV 185 und „Ach Herr mich armen Sünder“ BuxWV 178 – blieb Schneider seiner Linie treu. Farbenreiche Registrierung und manuelle Sicherheit vereinigten sich zu einer insgesamt bravourösen Buxtehude-Darbietung. Ebenso in der Ciacona BuxWV 160, die mit äußerstem musikalischen Feinsinn daher kam.

Mehr Dynamik war dann in der Sonate d-Moll op. 65 Nr. 6 von Felix Mendelssohn Bartholdy zu erleben. Doch auch hier fiel das große Orgel-Spektakel aus. Bewundernswert, wie Schneider sich in Zurückhaltung übte und viel Liebe zum Detail erkennen ließ, anstatt den Hörer klanglich zu überrumpeln. Gelassen vor allem der Andante-Schlusssatz, den er mit größter Natürlichkeit musizierte.

Zwei Choralvorspiele von Johannes Brahms aus Opus 122 schlossen sich an. Der Abschluss gehörte Johann Sebastian Bach. Während die Choralpartita über „Herr Christ der einig Gottes Sohn“ BWV Anh. 77, die viele Musikforscher heutzutage nicht mehr Bach zuschreiben, sich perfekt in Schneiders konsequentes Programm einer eher leisen Totensonntag-Programmatik einreihte, geriet die Fuge in F-Dur BWV 540 zum ersehnt strahlenden Finale. Endlich kam die historische Martiniorgel richtig in Fahrt. Jetzt endlich blühte das Herz des nach satter Klangwucht lechzenden Zuhörers auf. Der Applaus zeugte denn auch von Begeisterung.

Malina Reckordt

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