"Omikron bringt Praxen an Belastungsgrenze": Das sagt Anke Richter-Scheer zu ihrem Auftritt bei "Hart aber fair" Patrick Schwemling Berlin/Minden. Zur rechten Seite Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), links neben sich Thorsten Frei als Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion und mittendrin Anke Richter-Scheer. Die ehemalige Leiterin des Hiller Impfzentrums und Vorsitzende des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe diskutierte am Montagabend in der Polit-Talkshow „Hart aber fair" vor einem TV-Millionenpublikum. Dabei machte sich die Medizinerin unter anderem für eine schnelle vierte Impfung stark, ehe es nach einem kurzen Plausch mit den weiteren Gästen nach der Sendung zurück in die Heimat ging. „Um halb zwei war ich zurück in Bad Oeynhausen, seit sechs Uhr stehe ich wieder in der Praxis", sagte sie am frühen Dienstagnachmittag im MT-Gespräch. Tags zuvor ging ihre Reise nach Berlin gegen 15 Uhr los. Im Rahmen des Auftritts habe ihr vor allem Gesundheitsminister Karl Lauterbach sehr gefallen: „Ich schätze ihn wegen seiner kompetenten Art sehr. Er weiß, was in der Medizinerwelt los ist und ich habe das Gefühl, dass man ihm mehr vertraut als seinem Vorgänger. Man sieht, wie wichtig es ist, dass gerade jetzt diese Position von jemandem bekleidet wird, der vom Fach ist." #hartaberfair Bei aller Kritik im Detail,@Karl_Lauterbach hat für mich eine komplett andere Qualität als sein Vorgänger. Kann erklären, kennt Zahlen, Daten, Fakten und ist wie immer sehr geduldig. Ich hoffe, daß er mehr Gehör bekommt in den kommenden Tagen und Wochen. — Thomas - No one is safe until everyone is safe (@it_is_me_thomas) January 10, 2022 Dem SPD-Politiker waren auch die ersten Worte der Show von Moderator Frank Plasberg vorbehalten. Er erklärte mit Blick auf die rasche Ausbreitung der Omikron-Variante: „Wir können nicht davon ausgehen, dass wir die aktuellen Fallzahlen auf dem Niveau halten können." Umso wichtiger sei die Booster-Kampagne, die laut Lauterbach so gut wie in keinem anderen europäischen Land voranschreite. „Wir sind im Großen und Ganzen gut unterwegs", sagte der Gesundheitsminister trotz steigender Fallzahlen und sorgte somit etwas für Hoffnung. Gleich nach Lauterbach war Anke Richter-Scheer an der Reihe. Die Ärztin bemerkte zunächst, dass es aktuell zu wenig Impfstoff gibt – vor allem in den Arztpraxen. „Die Verteilung des Impfstoffes ist meiner Meinung nach das größte Problem", sagte Richter-Scheer und klärte darüber auf, dass beispielsweise der Kreis Minden-Lübbecke deutlich mehr Biontech-Impfstoff vom Land NRW bekäme als die Praxen, die vom Bund bestückt werden. „Wo ist die Relation?", fragte sie – gerade mit Blick auf die Tatsache, dass die meisten Booster-Impfungen in Arztpraxen durchgeführt würden. Am Tag nach dem Auftritt bilanzierte Richter-Scheer , dass sie als Hausärztin die wesentlichen Punkte vorgetragen hätte, die ihr und ihren Kollegen auf der Seele brennen würden. „Nächste Woche wird es schwierig für die Altersklasse unter 18 Biontech-Impfstoff bereitzuhalten und zeitgleich wird dieser von den Kreisen in Impfzentren an 40-Jährige verimpft", erklärt sie das Dilemma – und warf ein weiteres Problem auf, das die Arztpraxen in den nächsten Wochen treffen dürfte. „Omikron wird die Krankenhäuser wegen des möglicherweise milderen Verlaufs nicht so belasten", sagt Richter-Scheer und fügt an: „Die erste Anlaufstelle ist dann die Hausarztpraxis." So würden die Mitarbeitenden, die ohnehin schon am Rande der Kapazität agieren, noch mehr gefordert und an die Belastungsgrenze gebracht werden. „Omikron wird auch Ärzte und Mitarbeiter nicht verschonen, ganze Praxen werden in Quarantäne müssen. Die nächsten vier Wochen werden eine große Herausforderung." „Ich finde es despektierlich, wenn Patienten sich beschweren, weil sie sich den Impfstoff nicht aussuchen können" (zum Thema Moderna Impfstoff)- Anke Richter-Scheer (endlich sagt es mal jemand ❤️)#hartaberfair pic.twitter.com/82VEVri5A2 — letteloopi (@letteloopi) January 10, 2022 Richter-Scheer sprach am Montagabend auch über das schlechte Ansehen des Moderna-Impfstoffes in der Bevölkerung. „Ich verbrenne mir dabei manchmal den Mund", gab die Ärztin unumwunden zu. So würden Patienten diesen Impfstoff immer wieder ablehnen. „Wir sind hier nicht beim Wunschkonzert sage ich in solchen Fällen", erklärte sie und brachte somit eine Menge Fahrt in die Diskussion. Sie ging sogar so weit zu sagen: „Den Moderna-Impfstoff abzulehnen ist despektierlich der gesamten Menschheit gegenüber." Dass Moderna genauso gut wie der Impfstoff von Biontech sei, betonte auch Lauterbach. Dass die aktuelle Situation gerade für die Arztpraxen demotivierend und hart sei, erklärte Richter-Scheer ebenso. „Es gibt wieder einen Run auf die Impfzentren. Wir bekommen dauernd Anrufe von Patienten, die nicht zum Impftermin kommen, die sich dort und dort haben impfen lassen", sagte die Ärztin. In Richtung von Lauterbach forderte sie: „Ich wünsche mir da eine Regelung von oben." Doch nicht nur in diesem Punkt richtete die heimische Medizinerin ihr Wort an den Gesundheitsminister. "Hätten wir dieselbe Sterblichkeit wie England, wären in Deutschland mehr als doppelt so viele Menschen gestorben wie bisher", sagt Bundesgesundheitsminister @Karl_Lauterbach (@spdde) bei #hartaberfair @DasErste. Für ihn ist Großbritanniens #Coronapolitik eine "unethische Wette". pic.twitter.com/AXT680xNlC — hart aber fair (@hartaberfair) January 10, 2022 „Wir müssen schnellstmöglich die Generation Ü65 schützen – mit der vierten Impfung." So hätte sie im September des Vorjahres erste Booster-Impfungen durchgeführt, heute gäbe es bereits Impfdurchbrüche. Lauterbach kündigte an, dass es eine Empfehlung geben werde: „Sobald wir so weit sind". Er wolle keinen Schnellschuss machen, sei sich aber sicher, dass es bald so weit sein würde. „Der optimale Zeitpunkt könnte sechs Monate nach dem Booster sein." Nach weiteren Diskussionen gehörte das vorletzte Wort Richter-Scheer. „Wir haben alle das gleiche Ziel, wir wollen unser altes Leben zurück", sagte sie zu einer möglichen Impfpflicht. Diese sei der richtige Weg, auch wenn es die „Ultima Ratio" sei, so die Ärztin.

"Omikron bringt Praxen an Belastungsgrenze": Das sagt Anke Richter-Scheer zu ihrem Auftritt bei "Hart aber fair"

Anke Richter-Scheer trat direkt nach ihrem Auftritt bei "Hart aber fair" die Heimreise nach Bad Oeynhausen an. Um halb zwei in der Nacht war sie Zuhause, um sechs Uhr morgens stand sie wieder in ihrer Praxis. MT-Screenshot: © Patrick Schwemling/ARD Mediathek

Berlin/Minden. Zur rechten Seite Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), links neben sich Thorsten Frei als Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion und mittendrin Anke Richter-Scheer. Die ehemalige Leiterin des Hiller Impfzentrums und Vorsitzende des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe diskutierte am Montagabend in der Polit-Talkshow „Hart aber fair" vor einem TV-Millionenpublikum.

Dabei machte sich die Medizinerin unter anderem für eine schnelle vierte Impfung stark, ehe es nach einem kurzen Plausch mit den weiteren Gästen nach der Sendung zurück in die Heimat ging. „Um halb zwei war ich zurück in Bad Oeynhausen, seit sechs Uhr stehe ich wieder in der Praxis", sagte sie am frühen Dienstagnachmittag im MT-Gespräch. Tags zuvor ging ihre Reise nach Berlin gegen 15 Uhr los.

"Ich schätze ihn wegen seiner kompetenten Art sehr": Anke Richter-Scheer hält große Stücke auf Gesundheitsminister Karl Lauterbach. MT-Screenshot: - © Patrick Schwemling/ARD Mediathek
"Ich schätze ihn wegen seiner kompetenten Art sehr": Anke Richter-Scheer hält große Stücke auf Gesundheitsminister Karl Lauterbach. MT-Screenshot: - © Patrick Schwemling/ARD Mediathek
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Im Rahmen des Auftritts habe ihr vor allem Gesundheitsminister Karl Lauterbach sehr gefallen: „Ich schätze ihn wegen seiner kompetenten Art sehr. Er weiß, was in der Medizinerwelt los ist und ich habe das Gefühl, dass man ihm mehr vertraut als seinem Vorgänger. Man sieht, wie wichtig es ist, dass gerade jetzt diese Position von jemandem bekleidet wird, der vom Fach ist."

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Dem SPD-Politiker waren auch die ersten Worte der Show von Moderator Frank Plasberg vorbehalten. Er erklärte mit Blick auf die rasche Ausbreitung der Omikron-Variante: „Wir können nicht davon ausgehen, dass wir die aktuellen Fallzahlen auf dem Niveau halten können." Umso wichtiger sei die Booster-Kampagne, die laut Lauterbach so gut wie in keinem anderen europäischen Land voranschreite. „Wir sind im Großen und Ganzen gut unterwegs", sagte der Gesundheitsminister trotz steigender Fallzahlen und sorgte somit etwas für Hoffnung.

Gleich nach Lauterbach war Anke Richter-Scheer an der Reihe. Die Ärztin bemerkte zunächst, dass es aktuell zu wenig Impfstoff gibt – vor allem in den Arztpraxen. „Die Verteilung des Impfstoffes ist meiner Meinung nach das größte Problem", sagte Richter-Scheer und klärte darüber auf, dass beispielsweise der Kreis Minden-Lübbecke deutlich mehr Biontech-Impfstoff vom Land NRW bekäme als die Praxen, die vom Bund bestückt werden. „Wo ist die Relation?", fragte sie – gerade mit Blick auf die Tatsache, dass die meisten Booster-Impfungen in Arztpraxen durchgeführt würden.

2,72 Millionen Menschen verfolgten die Politik-Talkshow am Montagabend in der ARD. MT-Screenshot: - © Patrick Schwemling/ARD Mediathek
2,72 Millionen Menschen verfolgten die Politik-Talkshow am Montagabend in der ARD. MT-Screenshot: - © Patrick Schwemling/ARD Mediathek

Am Tag nach dem Auftritt bilanzierte Richter-Scheer , dass sie als Hausärztin die wesentlichen Punkte vorgetragen hätte, die ihr und ihren Kollegen auf der Seele brennen würden. „Nächste Woche wird es schwierig für die Altersklasse unter 18 Biontech-Impfstoff bereitzuhalten und zeitgleich wird dieser von den Kreisen in Impfzentren an 40-Jährige verimpft", erklärt sie das Dilemma – und warf ein weiteres Problem auf, das die Arztpraxen in den nächsten Wochen treffen dürfte.

„Omikron wird die Krankenhäuser wegen des möglicherweise milderen Verlaufs nicht so belasten", sagt Richter-Scheer und fügt an: „Die erste Anlaufstelle ist dann die Hausarztpraxis." So würden die Mitarbeitenden, die ohnehin schon am Rande der Kapazität agieren, noch mehr gefordert und an die Belastungsgrenze gebracht werden. „Omikron wird auch Ärzte und Mitarbeiter nicht verschonen, ganze Praxen werden in Quarantäne müssen. Die nächsten vier Wochen werden eine große Herausforderung."

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Dass die aktuelle Situation gerade für die Arztpraxen demotivierend und hart sei, erklärte Richter-Scheer ebenso. „Es gibt wieder einen Run auf die Impfzentren. Wir bekommen dauernd Anrufe von Patienten, die nicht zum Impftermin kommen, die sich dort und dort haben impfen lassen", sagte die Ärztin. In Richtung von Lauterbach forderte sie: „Ich wünsche mir da eine Regelung von oben." Doch nicht nur in diesem Punkt richtete die heimische Medizinerin ihr Wort an den Gesundheitsminister.

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Nach weiteren Diskussionen gehörte das vorletzte Wort Richter-Scheer. „Wir haben alle das gleiche Ziel, wir wollen unser altes Leben zurück", sagte sie zu einer möglichen Impfpflicht. Diese sei der richtige Weg, auch wenn es die „Ultima Ratio" sei, so die Ärztin.

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