Oldtimer-Serie: Pensionierter Polizist baut NSU Typ 110 zu Rarität mit Blaulicht um Michael Lorenz Minden. Ältere Semester werden sich kaum an ein Polizeifahrzeug des Modells NSU Typ 110 erinnern. Denn von diesen im baden-württembergischen Neckarsulm produzierten Autos waren zwischen 1966 und 1972 lediglich 31 Stück im Einsatz, und die allesamt im „Ländle“. Der pensionierte Polizeibeamte Claus Kynast aus Dankersen hat so einen tannengrün farbenen NSU. Allerdings nicht als Original-Polizeiwagen. „Die waren im täglichen, zum Teil harten Polizei-Einsatz, und von denen ist vermutlich keiner mehr existent“, schildert Kynast. Der Dankerser fand seinen NSU, Baujahr 1966, im Jahr 2015 im Sauerland und rüstete ihn mit Originalteilen zum Polizeifahrzeug um. „Erstanden habe ich ihn kurz vor der Pensionierung und habe mir gedacht, dass das eine tolle Beschäftigung für die Zeit danach ist.“ Er lackierte ihn in die damalige Polizeifarbe tannengrün um und bestückte ihn unter anderem mit Blaulicht, vier Martinshörnern, Funkgerät und einem „Kontrollgerät für Geschwindigkeitsmessungen durch Nachfahren“.Eingesetzt wurde so ein Polizei-NSU vornehmlich in Heidelberg, Tübingen und Mannheim. Gegenüber den von der Polizei gefahrenen VW-Modellen Käfer, Bulli oder später dem 1500 hatte der NSU handfeste Vorteile, denn mit 53 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von 143 Kilometern pro Stunde konnten die Volkswagen-Modelle nicht mithalten. Kynast berichtet: „Zeitzeugen, die ich im Jahr in 2015 Baden-Württemberg aufgespürt habe, berichteten von einem flotten und wendigen Auto, mit dem auch Verfolgung, Überholen und Anhalten anderer Fahrzeuge möglich war. Mit den damals vornehmlich eingesetzten Modellen von VW ging das aufgrund der mäßigen Fahrleistungen nicht oder nur sehr eingeschränkt.“ Bei der Polizei in Baden-Württemberg galt zu jener Zeit unter den Kollegen, dass derjenige, der morgens zuerst auf der Wache war, die freie Dienstwagenwahl hatte, nach dem Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Da gab es immer einen regelrechten Run auf den NSU. Das lag aber nicht nur an den Fahrleistungen: Der NSU hatte ein wesentlich flacheres Dach als die Volkswagen. Mit ihren hohen Dienstmützen passten die Polizisten nicht in den NSU, und folglich mussten sie diese nicht aufsetzen. Das Ganze wurde übrigens durch eine dienstliche Ausnahmegenehmigung des Stuttgarter Innenministerium geregelt.Die relativ gute Beschleunigung des NSU Typ 110 hatte aber auch einen handfesten Nachteil: Die Front des luftgekühlten Fahrzeugs war häufig verbeult. Kynast schildert lachend: „Die Kollegen in Baden-Württemberg haben beim Anfahren auf das Gaspedal getreten, wie sie es vom VW Käfer her kannten. Tja, und da hat es dann halt des Öfteren das Heck des Vordermanns getroffen.“Claus Kynast, der auch einen NSU Wankel Spider besitzt, hatte zumindest vor dem Corona-Ausbruch, regelmäßige „Einsätze“ mit seinem historischen Polizeifahrzeug, etwa beim „Tag der Polizei“ in Oldenburg oder als Ausstellungsmodell bei der Bremen Classic Motorshow. Er hat auch Neckarsulm, die Heimat von NSU, wo noch heute Fahrzeuge der Marke Audi produziert werden, besucht.Der Pensionär blickt zurück: „Sowohl Zeitzeugen bei der Neckarsulmer Polizei, als auch aktuelle Beamte waren begeistert. Ein Zwei-Meter-Mann hat sich irgendwie in den Wagen hinein und auch wieder hinaus gefaltet. Das gab ein großes Hallo unter den Kollegen. Die heutigen Polizisten können sich kaum vorstellen, dass ihre Vorgänger in solch kleinen Autos unterwegs waren.“ Mehr zum Thema Oldtimer finden Sie hier.

Oldtimer-Serie: Pensionierter Polizist baut NSU Typ 110 zu Rarität mit Blaulicht um

Bastelei im Ruhestand: Polizeipensionär Claus Kynast stattete seinen NSU Typ 110 zum Dienstfahrzeug aus. Fotos: Michael Lorenz

Minden. Ältere Semester werden sich kaum an ein Polizeifahrzeug des Modells NSU Typ 110 erinnern. Denn von diesen im baden-württembergischen Neckarsulm produzierten Autos waren zwischen 1966 und 1972 lediglich 31 Stück im Einsatz, und die allesamt im „Ländle“.

Kontrollgerät für Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren. - © Michael Lorenz
Kontrollgerät für Geschwindigkeitsmessung durch Nachfahren. - © Michael Lorenz

Der pensionierte Polizeibeamte Claus Kynast aus Dankersen hat so einen tannengrün farbenen NSU. Allerdings nicht als Original-Polizeiwagen. „Die waren im täglichen, zum Teil harten Polizei-Einsatz, und von denen ist vermutlich keiner mehr existent“, schildert Kynast. Der Dankerser fand seinen NSU, Baujahr 1966, im Jahr 2015 im Sauerland und rüstete ihn mit Originalteilen zum Polizeifahrzeug um. „Erstanden habe ich ihn kurz vor der Pensionierung und habe mir gedacht, dass das eine tolle Beschäftigung für die Zeit danach ist.“ Er lackierte ihn in die damalige Polizeifarbe tannengrün um und bestückte ihn unter anderem mit Blaulicht, vier Martinshörnern, Funkgerät und einem „Kontrollgerät für Geschwindigkeitsmessungen durch Nachfahren“.

Eingesetzt wurde so ein Polizei-NSU vornehmlich in Heidelberg, Tübingen und Mannheim. Gegenüber den von der Polizei gefahrenen VW-Modellen Käfer, Bulli oder später dem 1500 hatte der NSU handfeste Vorteile, denn mit 53 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von 143 Kilometern pro Stunde konnten die Volkswagen-Modelle nicht mithalten. Kynast berichtet: „Zeitzeugen, die ich im Jahr in 2015 Baden-Württemberg aufgespürt habe, berichteten von einem flotten und wendigen Auto, mit dem auch Verfolgung, Überholen und Anhalten anderer Fahrzeuge möglich war. Mit den damals vornehmlich eingesetzten Modellen von VW ging das aufgrund der mäßigen Fahrleistungen nicht oder nur sehr eingeschränkt.“

Newsletter
Patrick Schwemmling

Jetzt kostenlos „Die MT-Woche“ abonnieren!

Immer sonntags ab 18 Uhr erfahren, was wichtig ist

Bei der Polizei in Baden-Württemberg galt zu jener Zeit unter den Kollegen, dass derjenige, der morgens zuerst auf der Wache war, die freie Dienstwagenwahl hatte, nach dem Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Da gab es immer einen regelrechten Run auf den NSU. Das lag aber nicht nur an den Fahrleistungen: Der NSU hatte ein wesentlich flacheres Dach als die Volkswagen. Mit ihren hohen Dienstmützen passten die Polizisten nicht in den NSU, und folglich mussten sie diese nicht aufsetzen. Das Ganze wurde übrigens durch eine dienstliche Ausnahmegenehmigung des Stuttgarter Innenministerium geregelt.

Die relativ gute Beschleunigung des NSU Typ 110 hatte aber auch einen handfesten Nachteil: Die Front des luftgekühlten Fahrzeugs war häufig verbeult. Kynast schildert lachend: „Die Kollegen in Baden-Württemberg haben beim Anfahren auf das Gaspedal getreten, wie sie es vom VW Käfer her kannten. Tja, und da hat es dann halt des Öfteren das Heck des Vordermanns getroffen.“

Claus Kynast, der auch einen NSU Wankel Spider besitzt, hatte zumindest vor dem Corona-Ausbruch, regelmäßige „Einsätze“ mit seinem historischen Polizeifahrzeug, etwa beim „Tag der Polizei“ in Oldenburg oder als Ausstellungsmodell bei der Bremen Classic Motorshow. Er hat auch Neckarsulm, die Heimat von NSU, wo noch heute Fahrzeuge der Marke Audi produziert werden, besucht.

Der Pensionär blickt zurück: „Sowohl Zeitzeugen bei der Neckarsulmer Polizei, als auch aktuelle Beamte waren begeistert. Ein Zwei-Meter-Mann hat sich irgendwie in den Wagen hinein und auch wieder hinaus gefaltet. Das gab ein großes Hallo unter den Kollegen. Die heutigen Polizisten können sich kaum vorstellen, dass ihre Vorgänger in solch kleinen Autos unterwegs waren.“

Mehr zum Thema Oldtimer finden Sie hier.

Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden