Ohne Widerstand: Initiative wirbt im Verkehrsausschuss für ICE-Bahntrasse zwischen Bielefeld und Hannover Henning Wandel,Johannes Pietsch Minden (mt/szlz). Seit Monaten geistert der mögliche Neubau einer Bahntrasse wie ein Schreckgespenst durch die Mindener Politik und Gesellschaft. Minden ohne Fernverkehrshalt? Undenkbar. Und ein Tunnel durch den Jakobsberg wäre nicht nur teuer, er wäre auch ein massiver Eingriff in die sensible Landschaft. Vertreter der Initiative Deutschlandtakt versuchen jetzt im Mindener Verkehrsausschuss, diesem Gespenst seinen Schrecken zu nehmen – mit Erfolg, denn kritische Nachfragen bleiben aus. Der Lobbyverband ist einer der wichtigsten Verfechter der Neubaulösung und damit in Minden in vermeintlich feindlicher Umgebung. Zu groß ist die Sorge, dass die Stadt nicht nur ihren frühmorgendlichen ICE-Halt verlieren könnte, sondern auch die IC-Linien zwischen Amsterdam und Berlin sowie Köln und Leipzig. Sollte es zum umstrittenen Tunnelbau in Porta kommen, sei diese Sorge sehr berechtigt, sagt Rainer Engel vom Fahrgastverband Pro Bahn. Nach seiner Darstellung würden bei dieser Variante auch die ICs an Minden vorbeigeführt. Die Initiative wirbt aber für eine deutlich längere Schnellfahrstrecke, die schon ab Bielefeld auf einer eigenen Trasse geführt würde. Bei dieser Lösung würde nicht nur der Portaner Tunnel vermieden, sondern auch die IC-Linien weiter über Herford, Bad Oeynhausen und eben auch Minden geführt. Von dem Vorschlag der Initiative könnten laut Engel auch Anwohner in Porta Westfalica profitieren, weil Güterzüge besonders in den Nachtstunden auf die Neubaustrecke und damit an Porta vorbei geleitet werden könnten. Während mit dem Bundestagsabgeordneten Achim Post und dem ehemaligen Verkehrsstaatssekretär Lothar Ibrügger besonders SPD-Vertreter vehement für den Ausbau der bestehenden Strecke kämpfen, bleiben im Ausschuss kritische Nachfragen aus. Im Gegenteil. Hendrik Mucke (CDU) pflichtet Engel bei: Der Rat solle sein Festhalten am Ausbau überdenken: „Es geht um mehr als nur die Situation vor Ort.“ Um diese Situation sorgt sich Thomas Dippert vom Verkehrsclub Deutschland. Auch er wirbt im Ausschuss für den Deutschlandtakt und damit für feste stündliche Abfahrtszeiten an den Bahnknotenpunkten. Denn selbst wenn Minden weiter an der IC-Linie bleibe, bedeute das noch lange nicht, dass die Züge auch halten. Stendal werde beispielsweise ausgelassen, weil die Nachfrage nicht mehr stimme. „Sie müssen die Menschen an den Bahnsteig bringen“, sagt Dippert. Dazu müsse der Busverkehr attraktiver gemacht werden. Dippert fordert mehr direkte Verbindungen durch die Stadt bis zum Bahnhof, dynamische Anzeigen am ZOB und einen 15-Minuten-Takt. Die Ampelvorrangschaltung müsse ebenfalls besser funktionieren, „sonst werden Fahrgäste verprellt.“ Auch eine Linie vom Bahnhof über den ZOB und das Klinikum bis zum Bahnhof Lübbecke sei nötig. Hier drohe Minden den Anschluss zu verlieren, wenn das Klinikum eher an den Portaner Bahnhof angebunden werde, so Dippert. Engel und Dippert schließen mit einem Plädoyer für den im Oktober von der Initiative vorgestellten Zielfahrplan 2030 plus – und damit auch gegen den aktuellen Bundesverkehrswegeplan (BVWP), der mit der umstrittenen Tunnellösung noch immer Gesetzeskraft hat. „Widerstände gegen den Zielfahrplan nutzen dem Tunnel“, warnt Engel. Die Situation um den Engpass kurz hinter Minden ist seit Jahren hoch emotional. Auf wenigen Kilometern stehen auf der vielbefahrenen Strecke nur zwei Gleise zur Verfügung, Standard sind vier. Seit Jahren wird leidenschaftlich um einen trassenfernen oder trassennahen Ausbau gestritten. Lothar Ibrügger kämpft seit seiner Zeit im Verkehrsministerium um den Ausbau der bestehenden Trasse. Zukunftsvisionen von Schnellbahntrassen zwischen Bielefeld und Hannover mit Zuggeschwindigkeiten von 300 Stundenkilometern kann er nichts abgewinnen. Die Gründe erklärte er jüngst vor einer Versammlung der Bürgerinitiative Bigtab. Zum einen äußere sich der Gutachterentwurf für den Deutschland-Takt mit keiner Silbe zur Finanzierung. „Das Bundesverkehrsministerium hat schlicht das Preisschild vergessen.“ Und das berge das große Risiko, dass das an sich sehr vernünftige Konzept eines Taktfahrplans nie zur Anwendung komme. Zum anderen gingen die angekündigten Infrastrukturmaßnahmen weit über die Ansätze des Bundesverkehrswegeplans hinaus. Um sie zu realisieren, müsste daher das geltende Bundesschienenwegeausbaugesetz geändert werden – und damit sei in der laufenden Legislaturperiode nicht zu rechnen. Zudem sehe der Gutachterentwurf keine Steigerung der Leistungsfähigkeit der Knotenbahnhöfe vor. Viel sinnvoller und zielführender sei daher, die vorhandene Infrastruktur auszubauen und darauf den Taktfahrplan zu verwirklichen. Ibrügger: „Wir brauchen keine Schnellbahntrassen, sondern eine Flächenbahn, die auch den ländlichen Raum erschließt.“

Ohne Widerstand: Initiative wirbt im Verkehrsausschuss für ICE-Bahntrasse zwischen Bielefeld und Hannover

Der ICE soll zwischen Bielefeld und Hannover auf einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke fahren – das zumindest wünscht sich die Initiative Deutschlandtakt. Minden würde damit auch den letzten ICE-Halt verlieren und könnte dennoch profitieren, verspricht die Lobbygruppe. Foto: Johannes Pietsch © Johannes Pietsch

Minden (mt/szlz). Seit Monaten geistert der mögliche Neubau einer Bahntrasse wie ein Schreckgespenst durch die Mindener Politik und Gesellschaft. Minden ohne Fernverkehrshalt? Undenkbar. Und ein Tunnel durch den Jakobsberg wäre nicht nur teuer, er wäre auch ein massiver Eingriff in die sensible Landschaft. Vertreter der Initiative Deutschlandtakt versuchen jetzt im Mindener Verkehrsausschuss, diesem Gespenst seinen Schrecken zu nehmen – mit Erfolg, denn kritische Nachfragen bleiben aus.

Der Lobbyverband ist einer der wichtigsten Verfechter der Neubaulösung und damit in Minden in vermeintlich feindlicher Umgebung. Zu groß ist die Sorge, dass die Stadt nicht nur ihren frühmorgendlichen ICE-Halt verlieren könnte, sondern auch die IC-Linien zwischen Amsterdam und Berlin sowie Köln und Leipzig. Sollte es zum umstrittenen Tunnelbau in Porta kommen, sei diese Sorge sehr berechtigt, sagt Rainer Engel vom Fahrgastverband Pro Bahn. Nach seiner Darstellung würden bei dieser Variante auch die ICs an Minden vorbeigeführt. Die Initiative wirbt aber für eine deutlich längere Schnellfahrstrecke, die schon ab Bielefeld auf einer eigenen Trasse geführt würde. Bei dieser Lösung würde nicht nur der Portaner Tunnel vermieden, sondern auch die IC-Linien weiter über Herford, Bad Oeynhausen und eben auch Minden geführt. Von dem Vorschlag der Initiative könnten laut Engel auch Anwohner in Porta Westfalica profitieren, weil Güterzüge besonders in den Nachtstunden auf die Neubaustrecke und damit an Porta vorbei geleitet werden könnten.

Während mit dem Bundestagsabgeordneten Achim Post und dem ehemaligen Verkehrsstaatssekretär Lothar Ibrügger besonders SPD-Vertreter vehement für den Ausbau der bestehenden Strecke kämpfen, bleiben im Ausschuss kritische Nachfragen aus. Im Gegenteil. Hendrik Mucke (CDU) pflichtet Engel bei: Der Rat solle sein Festhalten am Ausbau überdenken: „Es geht um mehr als nur die Situation vor Ort.“

Um diese Situation sorgt sich Thomas Dippert vom Verkehrsclub Deutschland. Auch er wirbt im Ausschuss für den Deutschlandtakt und damit für feste stündliche Abfahrtszeiten an den Bahnknotenpunkten. Denn selbst wenn Minden weiter an der IC-Linie bleibe, bedeute das noch lange nicht, dass die Züge auch halten. Stendal werde beispielsweise ausgelassen, weil die Nachfrage nicht mehr stimme. „Sie müssen die Menschen an den Bahnsteig bringen“, sagt Dippert. Dazu müsse der Busverkehr attraktiver gemacht werden. Dippert fordert mehr direkte Verbindungen durch die Stadt bis zum Bahnhof, dynamische Anzeigen am ZOB und einen 15-Minuten-Takt. Die Ampelvorrangschaltung müsse ebenfalls besser funktionieren, „sonst werden Fahrgäste verprellt.“ Auch eine Linie vom Bahnhof über den ZOB und das Klinikum bis zum Bahnhof Lübbecke sei nötig. Hier drohe Minden den Anschluss zu verlieren, wenn das Klinikum eher an den Portaner Bahnhof angebunden werde, so Dippert.

Engel und Dippert schließen mit einem Plädoyer für den im Oktober von der Initiative vorgestellten Zielfahrplan 2030 plus – und damit auch gegen den aktuellen Bundesverkehrswegeplan (BVWP), der mit der umstrittenen Tunnellösung noch immer Gesetzeskraft hat. „Widerstände gegen den Zielfahrplan nutzen dem Tunnel“, warnt Engel.

Die Situation um den Engpass kurz hinter Minden ist seit Jahren hoch emotional. Auf wenigen Kilometern stehen auf der vielbefahrenen Strecke nur zwei Gleise zur Verfügung, Standard sind vier. Seit Jahren wird leidenschaftlich um einen trassenfernen oder trassennahen Ausbau gestritten. Lothar Ibrügger kämpft seit seiner Zeit im Verkehrsministerium um den Ausbau der bestehenden Trasse. Zukunftsvisionen von Schnellbahntrassen zwischen Bielefeld und Hannover mit Zuggeschwindigkeiten von 300 Stundenkilometern kann er nichts abgewinnen. Die Gründe erklärte er jüngst vor einer Versammlung der Bürgerinitiative Bigtab. Zum einen äußere sich der Gutachterentwurf für den Deutschland-Takt mit keiner Silbe zur Finanzierung. „Das Bundesverkehrsministerium hat schlicht das Preisschild vergessen.“ Und das berge das große Risiko, dass das an sich sehr vernünftige Konzept eines Taktfahrplans nie zur Anwendung komme.

Zum anderen gingen die angekündigten Infrastrukturmaßnahmen weit über die Ansätze des Bundesverkehrswegeplans hinaus. Um sie zu realisieren, müsste daher das geltende Bundesschienenwegeausbaugesetz geändert werden – und damit sei in der laufenden Legislaturperiode nicht zu rechnen. Zudem sehe der Gutachterentwurf keine Steigerung der Leistungsfähigkeit der Knotenbahnhöfe vor. Viel sinnvoller und zielführender sei daher, die vorhandene Infrastruktur auszubauen und darauf den Taktfahrplan zu verwirklichen. Ibrügger: „Wir brauchen keine Schnellbahntrassen, sondern eine Flächenbahn, die auch den ländlichen Raum erschließt.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Weiterlesen in Minden
Wählen Sie ein Thema