Obermarktpassage verkauft: Das ist der neue Eigentümer Benjamin Piel Minden. Die Nachricht kam plötzlich: Offenbar hat die seit Jahren brachliegende Obermarktpassage einen neuen Eigentümer. „Nach effizienten und vertrauensvollen Verhandlungen“ sei „der richtige Käufer, ein Investor aus Deutschland, für die Obermarktpassage gefunden“, heißt es in einer Mitteilung des Käufers. Der Investor arbeite „bereits mit Hochdruck an seinem Konzept, um in der nächsten Zeit verschiedene Gespräche mit Behörden und Mietern führen zu können, so dass bald wieder Leben einkehren kann“. Wie das passieren soll und was die konkreten Pläne mit dem Gebäude sind – dazu gibt es bisher keine Antworten. Auch die Stadt Minden hält sich bedeckt, teilt auf MT-Anfrage aber mit, dass mit ihr „ein neuer Eigentümer Kontakt aufgenommen“ habe. Die Stadt habe angeboten, „den Prozess zur Revitalisierung zu begleiten“, betont Pressesprecherin Katharina Heß. Es sei jedoch noch zu früh, eine Einschätzung abzugeben, zumal die Pläne nicht bekannt seien. Die Stadt hofft, dass der „eingetretene Stillstand beendet werden“ könne. Die Stadthalle im Gebäude befindet sich weiterhin als Teileigentum in der Hand der Stadt. Sie sei bereit, die Stadthalle zu verkaufen und damit „in ein Gesamtkonzept einzubringen“. Der bisherige Eigentümer, das amerikanische Investment-Unternehmen Cerberus, schweigt zum Verkauf. Am Standort Frankfurt geht niemand ans Telefon, eine MT-Anfrage an die New Yorker Zentrale blieb bisher unbeantwortet. Indirekt bestätigt Peter Lausmann, Sprecher des Unternehmens Jones Lang LaSalle, das die Verwaltung der Immobilie übernommen hatte, den Verkauf: „Den Transaktionsprozess hat der Eigentümer selbst koordiniert.“ Laut Signatur der Mitteilung zum Verkauf handelt es sich beim neuen Eigentümer um die AIM Center GmbH mit Sitz in Passau. Deren Geschäftsführer Robert Maier ist in seiner Heimatregion „als erfolgreicher Solaranlagen-Unternehmer bekannt“, sagt ein Kenner der Stadt Passau. Ende 2011 hatte Maier mit weiteren Investoren den größten Passauer Solarpark ans Netz gebracht. Maier fungiert als Geschäftsführer des Betreibers „Delta Energy Solutions Stelzlhof“. Neun Millionen Euro waren laut Passauer Neue Presse ins Projekt geflossen. Maier ist Gründer und Geschäftsführer weiterer Unternehmungen wie der „Delta Energy Solutions“, aber auch von Firmen, die offenbar im Immobiliensektor arbeiten, etwa BES Berlin Realestate. Der AIM-Gesellschaftsvertrag datiert vom Dezember 2018 und nennt als Ziel des Unternehmens „Erwerb, Verwaltung, Vermietung, Vermittlung und Veräußerung von bebauten oder unbebauten Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten sowie Vorbereitung, Durchführung und Baubetreuung von Bauvorhaben im eigenen oder fremden Namen“. Maier verfügt laut Internetauftritt „über Erfahrungen mit einem Projektvolumen von mehr als 100 Millionen Euro“. Der Physiker verwalte „selbst derzeit als einer der größten Investoren in diese Projekte ein Portfolio von mehreren zehn Millionen Euro“. Er habe auch bereits in Einzelhandelsimmobilien investiert. Was Maier mit der Obermarktpassage vorhat, ließ er gegenüber dem MT vorerst offen. Zum Verkaufspreis sei „notarvertraglich Stillschweigen vereinbart“ worden. Er werde innerhalb der kommenden Woche mehr zu den Plänen mitteilen. Ziel sei es, das negative Kapitel der Immobilie zu beenden. Deren Geschichte ist bekanntlich bewegt. Gebaut hatte sie eine Düsseldorfer Gesellschaft (Fertigstellung 1985) für 74 Millionen Mark. Das Bauvorhaben war schon damals umstritten gewesen. In den Jahren danach bekam der Einzelhandel mehr und mehr Schwierigkeiten. Auch die Leerstände in der Passage mehrten sich. Mitte 2008 kauften deutsch-dänische Investoren die Immobilie im Paket mit anderen Centern. Vor zehn Jahren begannen Sanierungsarbeiten, Kaufland eröffnete und die mehr als vier Millionen Euro teure Tiefgarage ging ans Netz. Doch plötzlich war der neue Eigentümer pleite. 2012 kaufte US-Finanzinvestor Cerberus neun Handelsimmobilien aus der Insolvenzmasse, darunter die Obermarktpassage. Das Gesamtgebot für das sogenannte „Phönix-Paket“ lag bei rund 65 Millionen Euro. Das Ziel der Käufer war, was Firmen aus der Private-Equity-Branche eben so tun: Unternehmen oder Immobilien möglichst günstig kaufen, umstrukturieren und möglichst teuer wieder verkaufen. Doch anschließend passierte in der Obermarktpassage nichts – außer: Niedergang. Im September 2017 zog auch Kaufland aus, es folgten die letzten Geschäfte und die beiden Arztpraxen. Später schlossen auch das Parkhaus und die Parkgarage unter der Immobilie. Nun gibt es wieder einmal Hoffnung. Ob sie berechtigt ist, muss sich zeigen.

Obermarktpassage verkauft: Das ist der neue Eigentümer

Wie geht es weiter mit der Obermarktpassage? Diese Frage ist zwar nicht zu beantworten, doch es gibt einen neuen Investor, der etwas mit dem Gebäude vorhat. MT-Fotos: Alex Lehn

Minden. Die Nachricht kam plötzlich: Offenbar hat die seit Jahren brachliegende Obermarktpassage einen neuen Eigentümer. „Nach effizienten und vertrauensvollen Verhandlungen“ sei „der richtige Käufer, ein Investor aus Deutschland, für die Obermarktpassage gefunden“, heißt es in einer Mitteilung des Käufers. Der Investor arbeite „bereits mit Hochdruck an seinem Konzept, um in der nächsten Zeit verschiedene Gespräche mit Behörden und Mietern führen zu können, so dass bald wieder Leben einkehren kann“. Wie das passieren soll und was die konkreten Pläne mit dem Gebäude sind – dazu gibt es bisher keine Antworten.

Auch die Stadt Minden hält sich bedeckt, teilt auf MT-Anfrage aber mit, dass mit ihr „ein neuer Eigentümer Kontakt aufgenommen“ habe. Die Stadt habe angeboten, „den Prozess zur Revitalisierung zu begleiten“, betont Pressesprecherin Katharina Heß. Es sei jedoch noch zu früh, eine Einschätzung abzugeben, zumal die Pläne nicht bekannt seien. Die Stadt hofft, dass der „eingetretene Stillstand beendet werden“ könne. Die Stadthalle im Gebäude befindet sich weiterhin als Teileigentum in der Hand der Stadt. Sie sei bereit, die Stadthalle zu verkaufen und damit „in ein Gesamtkonzept einzubringen“.

Der Eingang von der Obermarktstraße aus gesehen.
Der Eingang von der Obermarktstraße aus gesehen.

Der bisherige Eigentümer, das amerikanische Investment-Unternehmen Cerberus, schweigt zum Verkauf. Am Standort Frankfurt geht niemand ans Telefon, eine MT-Anfrage an die New Yorker Zentrale blieb bisher unbeantwortet. Indirekt bestätigt Peter Lausmann, Sprecher des Unternehmens Jones Lang LaSalle, das die Verwaltung der Immobilie übernommen hatte, den Verkauf: „Den Transaktionsprozess hat der Eigentümer selbst koordiniert.“

Laut Signatur der Mitteilung zum Verkauf handelt es sich beim neuen Eigentümer um die AIM Center GmbH mit Sitz in Passau. Deren Geschäftsführer Robert Maier ist in seiner Heimatregion „als erfolgreicher Solaranlagen-Unternehmer bekannt“, sagt ein Kenner der Stadt Passau. Ende 2011 hatte Maier mit weiteren Investoren den größten Passauer Solarpark ans Netz gebracht. Maier fungiert als Geschäftsführer des Betreibers „Delta Energy Solutions Stelzlhof“. Neun Millionen Euro waren laut Passauer Neue Presse ins Projekt geflossen.

Maier ist Gründer und Geschäftsführer weiterer Unternehmungen wie der „Delta Energy Solutions“, aber auch von Firmen, die offenbar im Immobiliensektor arbeiten, etwa BES Berlin Realestate.

Der AIM-Gesellschaftsvertrag datiert vom Dezember 2018 und nennt als Ziel des Unternehmens „Erwerb, Verwaltung, Vermietung, Vermittlung und Veräußerung von bebauten oder unbebauten Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten sowie Vorbereitung, Durchführung und Baubetreuung von Bauvorhaben im eigenen oder fremden Namen“.

Maier verfügt laut Internetauftritt „über Erfahrungen mit einem Projektvolumen von mehr als 100 Millionen Euro“. Der Physiker verwalte „selbst derzeit als einer der größten Investoren in diese Projekte ein Portfolio von mehreren zehn Millionen Euro“. Er habe auch bereits in Einzelhandelsimmobilien investiert.

Was Maier mit der Obermarktpassage vorhat, ließ er gegenüber dem MT vorerst offen. Zum Verkaufspreis sei „notarvertraglich Stillschweigen vereinbart“ worden. Er werde innerhalb der kommenden Woche mehr zu den Plänen mitteilen. Ziel sei es, das negative Kapitel der Immobilie zu beenden.

Deren Geschichte ist bekanntlich bewegt. Gebaut hatte sie eine Düsseldorfer Gesellschaft (Fertigstellung 1985) für 74 Millionen Mark. Das Bauvorhaben war schon damals umstritten gewesen. In den Jahren danach bekam der Einzelhandel mehr und mehr Schwierigkeiten. Auch die Leerstände in der Passage mehrten sich.

Mitte 2008 kauften deutsch-dänische Investoren die Immobilie im Paket mit anderen Centern. Vor zehn Jahren begannen Sanierungsarbeiten, Kaufland eröffnete und die mehr als vier Millionen Euro teure Tiefgarage ging ans Netz.

Doch plötzlich war der neue Eigentümer pleite. 2012 kaufte US-Finanzinvestor Cerberus neun Handelsimmobilien aus der Insolvenzmasse, darunter die Obermarktpassage. Das Gesamtgebot für das sogenannte „Phönix-Paket“ lag bei rund 65 Millionen Euro. Das Ziel der Käufer war, was Firmen aus der Private-Equity-Branche eben so tun: Unternehmen oder Immobilien möglichst günstig kaufen, umstrukturieren und möglichst teuer wieder verkaufen. Doch anschließend passierte in der Obermarktpassage nichts – außer: Niedergang. Im September 2017 zog auch Kaufland aus, es folgten die letzten Geschäfte und die beiden Arztpraxen. Später schlossen auch das Parkhaus und die Parkgarage unter der Immobilie.

Nun gibt es wieder einmal Hoffnung. Ob sie berechtigt ist, muss sich zeigen.

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