OWL Kammerphilharmonie Minden trifft mit „Musik für die Seele“ den Nerv des Publikums Volker Knickmeyer Minden. Als die OWL Kammerphilharmonie Minden 2017 gegründet wurde, konnte noch niemand ahnen, dass die kommenden Jahre die wohl schwierigsten für Künstler aller Genres werden würden. Umso mehr genoss das im Stadttheater reichlich vertretene Publikum das Konzert unter dem Titel „Musik für die Seele“. Am Vortag konzertierte das Orchester bereits in der Lübbecker Stadthalle. Diese war nicht ganz so gut besucht, allerdings müssen sich die Mindener dort erst einen Namen machen. Das sollte ihnen nicht schwer fallen. Durch den Auftritt in Lübbecke konnten sie bereits einen neuen Sponsor, die Paul und Karin Gauselmann Stiftung, gewinnen. Eine glückliche Hand bei der Komponistenauswahl bewiesen Dirigentin Naoko Grünberg-Sakai und Sebastian Grünberg, der nicht nur Viola spielt, sondern auch der Vorsitzende der OWL Kammerphilharmonie Minden ist. Das 20-köpfige Streichorchester wurde zudem in einem Stück durch Stanislau Anishchanka am Kontrabass verstärkt. Der in Weißrussland geborene Solobassist des WDR-Sinfonieorchesters brillierte in Giovanni Bottesinis Konzert für Kontrabass und Orchester Nr. 2 h-Moll. Wer – außer einem Profi – schafft es, diesem behäbigen Instrument solch ungewohnte Harmonien zu entlocken? Das Publikum entließ ihn an diesem Abend natürlich nicht ohne Solo-Zugabe von der Bühne. Zu Beginn gab die Kammerphilharmonie Edvard Griegs „Aus Holbergs Zeit op. 40“, ein Stück in fünf Sätzen, das 1884 entstanden ist. Die „neobarock-verspielte“, positive und glückliche Grundstimmung auslösende Suite erinnerte im vierten Satz an Bachs „Air“, doch auch die musikalische Sprache Georg Friedrich Händels war zu erkennen. Ein wahres Wechselbad der Gefühle löste hingegen Samuel Barbers „Adagio for Strings“ aus. Die Hörer der BBC wählten es nicht ohne Grund als „das traurigste klassische Musikstück“. Udo Stephan Köhne, der den Einführungsvortrag des Abends hielt, erklärte „es erlangte in den USA nach 9/11 traurige Berühmtheit“. Nach der Pause stand noch Bela Bartoks „Divertimento für Streichorchester“ auf dem Spielplan. Ein Auftragsstück, dessen packende Geschichte den Rahmen einer Rezension sprengen würde. In Bartoks Divertimento fahren die Gefühle Achterbahn, der erste Satz hat noch eine gewisse Leichtigkeit, der zweite hingegen weist schon deutlich auf den gerade beginnenden Zweiten Weltkrieg hin. Um das Publikum langsam aber sicher wieder in den Entspannungsmodus zu führen, gab es in der Zugabe ein ausschließlich gezupftes, fröhliches Stück. Mit der OWL Kammerphilharmonie Minden etabliert sich ein kleines, aber sehr feines Streichorchester, das keine Vergleiche scheuen muss. Die Auswahl der Stücke und die Talente des größtenteils weiblich besetzten Orchesters haben auf ganzer Linie überzeugt. Für das kommende Jahr sind unter anderem eine Schloss-Kammeroper, ein Treppenkonzert und ein Symphonisches Konzert geplant. Man darf gespannt bleiben.

OWL Kammerphilharmonie Minden trifft mit „Musik für die Seele“ den Nerv des Publikums

Stanislau Anishchanka entlockte dem behäbigen Bass ungewohnte Harmonien. Foto: Volker Knickmeyer © Volker Knickmeyer

Minden. Als die OWL Kammerphilharmonie Minden 2017 gegründet wurde, konnte noch niemand ahnen, dass die kommenden Jahre die wohl schwierigsten für Künstler aller Genres werden würden. Umso mehr genoss das im Stadttheater reichlich vertretene Publikum das Konzert unter dem Titel „Musik für die Seele“. Am Vortag konzertierte das Orchester bereits in der Lübbecker Stadthalle. Diese war nicht ganz so gut besucht, allerdings müssen sich die Mindener dort erst einen Namen machen. Das sollte ihnen nicht schwer fallen. Durch den Auftritt in Lübbecke konnten sie bereits einen neuen Sponsor, die Paul und Karin Gauselmann Stiftung, gewinnen.

Eine glückliche Hand bei der Komponistenauswahl bewiesen Dirigentin Naoko Grünberg-Sakai und Sebastian Grünberg, der nicht nur Viola spielt, sondern auch der Vorsitzende der OWL Kammerphilharmonie Minden ist. Das 20-köpfige Streichorchester wurde zudem in einem Stück durch Stanislau Anishchanka am Kontrabass verstärkt. Der in Weißrussland geborene Solobassist des WDR-Sinfonieorchesters brillierte in Giovanni Bottesinis Konzert für Kontrabass und Orchester Nr. 2 h-Moll. Wer – außer einem Profi – schafft es, diesem behäbigen Instrument solch ungewohnte Harmonien zu entlocken? Das Publikum entließ ihn an diesem Abend natürlich nicht ohne Solo-Zugabe von der Bühne.

Zu Beginn gab die Kammerphilharmonie Edvard Griegs „Aus Holbergs Zeit op. 40“, ein Stück in fünf Sätzen, das 1884 entstanden ist. Die „neobarock-verspielte“, positive und glückliche Grundstimmung auslösende Suite erinnerte im vierten Satz an Bachs „Air“, doch auch die musikalische Sprache Georg Friedrich Händels war zu erkennen.


Ein wahres Wechselbad der Gefühle löste hingegen Samuel Barbers „Adagio for Strings“ aus. Die Hörer der BBC wählten es nicht ohne Grund als „das traurigste klassische Musikstück“. Udo Stephan Köhne, der den Einführungsvortrag des Abends hielt, erklärte „es erlangte in den USA nach 9/11 traurige Berühmtheit“.

Nach der Pause stand noch Bela Bartoks „Divertimento für Streichorchester“ auf dem Spielplan. Ein Auftragsstück, dessen packende Geschichte den Rahmen einer Rezension sprengen würde. In Bartoks Divertimento fahren die Gefühle Achterbahn, der erste Satz hat noch eine gewisse Leichtigkeit, der zweite hingegen weist schon deutlich auf den gerade beginnenden Zweiten Weltkrieg hin.

Um das Publikum langsam aber sicher wieder in den Entspannungsmodus zu führen, gab es in der Zugabe ein ausschließlich gezupftes, fröhliches Stück. Mit der OWL Kammerphilharmonie Minden etabliert sich ein kleines, aber sehr feines Streichorchester, das keine Vergleiche scheuen muss. Die Auswahl der Stücke und die Talente des größtenteils weiblich besetzten Orchesters haben auf ganzer Linie überzeugt. Für das kommende Jahr sind unter anderem eine Schloss-Kammeroper, ein Treppenkonzert und ein Symphonisches Konzert geplant. Man darf gespannt bleiben.

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