Nur ein Trend? Das Geschäft mit Second-Hand-Kleidung boomt auch in Minden Vasco Stemmer Minden. In Barbara Loreks Second-Hand-Laden ist in der Mittagszeit einiges los. Junge Frauen mit tätowierten Unterarmen stöbern neben Damen jenseits der Fünfzig durch die Kleiderständer und Regale in dem kleinen Geschäft. Für die Inhaberin ist Second-Hand kein neuer Trend – ihren Laden betreibt sie bereits seit 14 Jahren. Sie sagt, das Geschäft laufe kontinuierlich gut: „Manche Kunden begleiten mich schon lange. Teilweise kommen drei Generationen aus einer Familie zum Shoppen.“ Doch sie hat beobachtet, dass seit etwa zwei bis drei Jahren immer mehr junge Kunden kommen. Der Anteil der unter 30-Jährigen steige an. „Der Grund ist oft die Nachhaltigkeit. Besonders die jungen Leute machen das wirklich aus Überzeugung“, ist sich Lorek sicher. Das bestätigt auch die Modekolumnistin und Instagramerin Isabell Brinkmeier. „Weil Nachhaltigkeit selber Trend geworden ist, wurde auch der Second-Hand-Trend angekurbelt“, erklärt Brinkmeier, die für „News – das Magazin“ regelmäßig Modetrends unter die Lupe nimmt. Neben einem gesteigerten Umweltbewusstsein gebe es noch einen Aspekt, der dazu führe, dass junge Menschen zu gebrauchten Sachen greifen: „Kleidung aus den Neunzigern und den Nullerjahren ist im Moment wieder sehr gefragt“, erklärt Brinkmeier. Darauf hätten auch die Modeketten reagiert und bringen nun wieder Stücke auf den Markt, die den Stil dieser Zeit kopieren. Doch gebrauchte Originale seien deutlich günstiger zu haben – sofern es sich nicht um Markenware handelt. Besonders angesagt seien zurzeit weite Hosen und auch Trainingsanzüge in auffälligen Farben. Auch bauchfreie Tops könnten heute wieder getragen werden. Modeblogger aus den USA seien dabei die Trendsetter – und das schon seit etwa zwei Jahren, weiß die heimische Kolumnistin. Die Retrowelle sei dann vor etwa einem halben Jahr auch nach Deutschland geschwappt. Im Mindener Straßenbild sei das aber noch nicht so deutlich zu erkennen. „Das wird aber noch kommen“, ist sie sich sicher. Sie glaubt, dass sich junge Menschen häufiger im Internet mit der entsprechenden Ware eindecken, als durch Läden zu stöbern. Shops, die vor allem ein junges Publikum bedienen, habe sie in Minden noch nicht ausmachen können. Barbara Loreks Herangehensweise an Second-Hand basiert nicht auf dem Retro-Look. Günstige Ware aus den Neunzigern findet sich in ihrem Laden nicht. Bei der Auswahl der Stücke achte sie weniger auf die Marken oder aktuelle Trends als auf hochwertige Naturmaterialien wie Wolle und Baumwolle sowie außergewöhnliche Farben und Schnitte, erklärt die Geschäftsfrau. Was sie verkauft, bekommt sie von ihren Kundinnen und bietet es auf Kommissionsbasis an. Die Stücke bleiben für vier Wochen im Regal, dann wird abgerechnet. „Viele geben etwas ab, und investieren das Geld dann auch gleich wieder“, berichtet Lorek. Mit professionellen Zwischenhändlern hat sie kaum zu tun. Loreks jüngere Kundschaft sei häufig auf der Suche nach ausgefallener Vintage-Ware, die dann mit aktueller Mode kombiniert wird. „Second-Hand ist oft individuell, ich habe hier Stücke aus der ganzen Welt, die es in keinem Kaufhaus gibt“, berichtet Lorek. Dennoch sparen auch ihre Kunden Kosten ein, denn die Ware sei deutlich günstiger als der Neupreis. Auch an der Mindener Geschäftsfrau ist nicht vorbeigegangen, dass das Internet eine Menge gebrauchte Mode zu bieten hat. Sorgen bereitet ihr das aber nicht. „Viele Kunden müssen auch selber gucken und anprobieren und das macht den Unterschied“, erklärt die Händlerin. Im Stöberparadies der Diakonie Stiftung Salem kostet ein Teil im Schnitt etwa drei Euro. Neben Kleidung finden sich dort auch Möbel, Haushaltsgeräte und Spielwaren. „Wir gehen in Richtung Second-Hand für Jedermann“, berichtet Simon Kühn, der das Geschäft seit vier Jahren leitet. Ein klassisches Sozialkaufhaus, in dem nur Kunden mit Berechtigungsschein einkaufen können, sei der Laden aber nicht. Das Ganze ist bewusst wie ein richtiges Kaufhaus gestaltet. Die Ware stammt zu hundert Prozent aus Spenden und Haushaltsauflösungen. Alles annehmen kann Kühn aber nicht. „Ich muss darauf achten, dass wir kostendeckend arbeiten“, berichtet der Sozialarbeiter. Spenden anzunehmen, nur um sie dann zu entsorgen, kann er sich nicht leisten. Denn auch Entsorgung kostet Geld und die über 20 Mitarbeiter müssten bezahlt werden. Wenn sie etwas ablehnen müssten, sei häufig Diplomatie gefragt. „Die Wahrnehmung davon, was noch gut ist und was nicht, ist häufig sehr unterschiedlich“, erklärt Kühn. Zwar können sich auch Menschen, die über sehr wenig Geld verfügen, im Stöberparadies einkleiden, doch hochwertige Ware wird auch dort nicht verschenkt. Bei den Preisen orientiert sich Kühn an gängigen Gebrauchtportalen im Internet und veranschlagt etwa zwei Drittel des Durchschnittspreises. Auf unverschämte Angebote für gute Ware lässt er sich nicht ein. „Das ist ja kein Flohmarkt“, erklärt Kühn. Besonders Wiederverkäufer würden häufig versuchen, die Preise zu drücken. Doch der überwiegende Teil seiner Kundschaft sei nett, die Atmosphäre familiär: „Wir haben etwa 80 bis 90 Prozent Stammkunden.“ Junge Vintage-Liebhaber seien zwar nicht seine Hauptkundschaft, wer aber Lust am Stöbern habe, könne immer mal wieder einen besonderen Schnapper machen.

Nur ein Trend? Das Geschäft mit Second-Hand-Kleidung boomt auch in Minden

Second-Hand hat viele Gesichter: Manche Kunden haben es auf Markenware und Retro-Look abgesehen, andere möchten sich einfach günstig einkleiden. Foto: Vasco Stemmer © Vssco Stemmer

Minden. In Barbara Loreks Second-Hand-Laden ist in der Mittagszeit einiges los. Junge Frauen mit tätowierten Unterarmen stöbern neben Damen jenseits der Fünfzig durch die Kleiderständer und Regale in dem kleinen Geschäft. Für die Inhaberin ist Second-Hand kein neuer Trend – ihren Laden betreibt sie bereits seit 14 Jahren. Sie sagt, das Geschäft laufe kontinuierlich gut: „Manche Kunden begleiten mich schon lange. Teilweise kommen drei Generationen aus einer Familie zum Shoppen.“

Doch sie hat beobachtet, dass seit etwa zwei bis drei Jahren immer mehr junge Kunden kommen. Der Anteil der unter 30-Jährigen steige an. „Der Grund ist oft die Nachhaltigkeit. Besonders die jungen Leute machen das wirklich aus Überzeugung“, ist sich Lorek sicher.

Das bestätigt auch die Modekolumnistin und Instagramerin Isabell Brinkmeier. „Weil Nachhaltigkeit selber Trend geworden ist, wurde auch der Second-Hand-Trend angekurbelt“, erklärt Brinkmeier, die für „News – das Magazin“ regelmäßig Modetrends unter die Lupe nimmt.


Neben einem gesteigerten Umweltbewusstsein gebe es noch einen Aspekt, der dazu führe, dass junge Menschen zu gebrauchten Sachen greifen: „Kleidung aus den Neunzigern und den Nullerjahren ist im Moment wieder sehr gefragt“, erklärt Brinkmeier. Darauf hätten auch die Modeketten reagiert und bringen nun wieder Stücke auf den Markt, die den Stil dieser Zeit kopieren.

Doch gebrauchte Originale seien deutlich günstiger zu haben – sofern es sich nicht um Markenware handelt. Besonders angesagt seien zurzeit weite Hosen und auch Trainingsanzüge in auffälligen Farben. Auch bauchfreie Tops könnten heute wieder getragen werden. Modeblogger aus den USA seien dabei die Trendsetter – und das schon seit etwa zwei Jahren, weiß die heimische Kolumnistin.

Die Retrowelle sei dann vor etwa einem halben Jahr auch nach Deutschland geschwappt. Im Mindener Straßenbild sei das aber noch nicht so deutlich zu erkennen. „Das wird aber noch kommen“, ist sie sich sicher. Sie glaubt, dass sich junge Menschen häufiger im Internet mit der entsprechenden Ware eindecken, als durch Läden zu stöbern. Shops, die vor allem ein junges Publikum bedienen, habe sie in Minden noch nicht ausmachen können.

Barbara Loreks Herangehensweise an Second-Hand basiert nicht auf dem Retro-Look. Günstige Ware aus den Neunzigern findet sich in ihrem Laden nicht. Bei der Auswahl der Stücke achte sie weniger auf die Marken oder aktuelle Trends als auf hochwertige Naturmaterialien wie Wolle und Baumwolle sowie außergewöhnliche Farben und Schnitte, erklärt die Geschäftsfrau. Was sie verkauft, bekommt sie von ihren Kundinnen und bietet es auf Kommissionsbasis an. Die Stücke bleiben für vier Wochen im Regal, dann wird abgerechnet. „Viele geben etwas ab, und investieren das Geld dann auch gleich wieder“, berichtet Lorek. Mit professionellen Zwischenhändlern hat sie kaum zu tun.

Loreks jüngere Kundschaft sei häufig auf der Suche nach ausgefallener Vintage-Ware, die dann mit aktueller Mode kombiniert wird. „Second-Hand ist oft individuell, ich habe hier Stücke aus der ganzen Welt, die es in keinem Kaufhaus gibt“, berichtet Lorek. Dennoch sparen auch ihre Kunden Kosten ein, denn die Ware sei deutlich günstiger als der Neupreis.

Auch an der Mindener Geschäftsfrau ist nicht vorbeigegangen, dass das Internet eine Menge gebrauchte Mode zu bieten hat. Sorgen bereitet ihr das aber nicht. „Viele Kunden müssen auch selber gucken und anprobieren und das macht den Unterschied“, erklärt die Händlerin.

Im Stöberparadies der Diakonie Stiftung Salem kostet ein Teil im Schnitt etwa drei Euro. Neben Kleidung finden sich dort auch Möbel, Haushaltsgeräte und Spielwaren. „Wir gehen in Richtung Second-Hand für Jedermann“, berichtet Simon Kühn, der das Geschäft seit vier Jahren leitet. Ein klassisches Sozialkaufhaus, in dem nur Kunden mit Berechtigungsschein einkaufen können, sei der Laden aber nicht. Das Ganze ist bewusst wie ein richtiges Kaufhaus gestaltet.

Die Ware stammt zu hundert Prozent aus Spenden und Haushaltsauflösungen. Alles annehmen kann Kühn aber nicht. „Ich muss darauf achten, dass wir kostendeckend arbeiten“, berichtet der Sozialarbeiter. Spenden anzunehmen, nur um sie dann zu entsorgen, kann er sich nicht leisten. Denn auch Entsorgung kostet Geld und die über 20 Mitarbeiter müssten bezahlt werden. Wenn sie etwas ablehnen müssten, sei häufig Diplomatie gefragt. „Die Wahrnehmung davon, was noch gut ist und was nicht, ist häufig sehr unterschiedlich“, erklärt Kühn.

Zwar können sich auch Menschen, die über sehr wenig Geld verfügen, im Stöberparadies einkleiden, doch hochwertige Ware wird auch dort nicht verschenkt. Bei den Preisen orientiert sich Kühn an gängigen Gebrauchtportalen im Internet und veranschlagt etwa zwei Drittel des Durchschnittspreises. Auf unverschämte Angebote für gute Ware lässt er sich nicht ein. „Das ist ja kein Flohmarkt“, erklärt Kühn.

Besonders Wiederverkäufer würden häufig versuchen, die Preise zu drücken. Doch der überwiegende Teil seiner Kundschaft sei nett, die Atmosphäre familiär: „Wir haben etwa 80 bis 90 Prozent Stammkunden.“ Junge Vintage-Liebhaber seien zwar nicht seine Hauptkundschaft, wer aber Lust am Stöbern habe, könne immer mal wieder einen besonderen Schnapper machen.

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