Notruf fürs Personal: Heidi Bierbaum startet Petition für Pflege- und Reinigungskräfte Anja Peper Minden. Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Viele Pflegekräfte sind nach Monaten der Pandemie am Ende. Einige kehren dem Beruf den Rücken. Fachleute fürchten, es könnten noch deutlich mehr werden. Der Begriff „Pflexit“ (Pflege-Exit) macht die Runde. Fehlende Anerkennung, zu wenig Geld, Personalmangel, Überlastung: Fachleute fordern schon länger fundamentale Verbesserungen für die Pflege. Auch vor Ort gibt es seit Mai eine Initiative für das Personal: Heidi Bierbaum (Jahrgang 1944), seit vielen Jahren Rentnerin, hat eine eigene Petition gestartet. Sie kommt selbst aus dem Beruf und kennt die Bedingungen. Früher war sie selbst Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin und Personalvertretung bei den Mühlenkreiskliniken, hat eine Petition ins Leben gerufen. „Appell: SOS Notruf für das Krankenpflegepersonal in der Coronapandemie“ ist der Titel. Sie hofft auf 350 Unterschriften, das ist das auf der Website angegebene Sammelziel. „Aber tausend Unterschriften wären natürlich besser.“ Auch die Reinigungskräfte in Kliniken sollen Unterstützung bekommen, denn ohne Hygiene könne auch Pflegepersonal nichts ausrichten. Als politisch aktiver Mensch hat Heidi Bierbaum schon viele Petitionen unterschrieben, aber dies ist die erste, die sie selbst online an den Start gebracht hat. Bis Ende August kann man ihr Anliegen noch unterstützen. Wer auf der Website Open Petition (openpetition.de) den Titel („Appell: SOS Notruf für das Krankenpflegepersonal in der Coronapandemie“) ins Suchfeld eingibt, kann direkt unterschreiben. Petitionen helfen Menschen, für ihre Anliegen einzustehen. Bestenfalls stoßen sie – als Brücke zwischen Zivilgesellschaft und Politik – eine Veränderung an. Die berufliche Pflege sei über viele Jahre hinweg herabgewirtschaftet worden, Corona gleiche einem „emotionalen Schock“, sagt Heidi Bierbaum. Konkret möchte sie erreichen, dass Pflege und Reinigungskräften Erholung in einer Reha-Unterstützungsmaßnahme ermöglicht wird. Darum richtet sich die Petition ans Gesundheits- und Finanzministerium. Wegen der angespannten Situation in der Pflege gibt es diverse Initiativen. Mehrere Bundesländer wollen eine Pflegekammer schaffen (Berichte im MT). Wer beruflich in der Pflege tätig ist, soll dort Mitglied werden müssen. Heidi Bierbaum, die 50 Jahre lang in der Gewerkschaft aktiv war, sagt: Eine Pflegekammer sei noch nicht die Lösung. Eine Zwangsmitgliedschaft stoße auf massiven Widerstand. „Viele befürchten, dass es nur einen weiteren Geschäftsführer-Posten gibt und sonst nichts passiert.“ War das Thema Pflege zu Beginn der Pandemie vor anderthalb Jahren noch in aller Munde, rückt es aktuell wieder nach unten auf der Agenda, befürchtet Heidi Bierbaum. Aus ihrer Sicht ein Fehler: „Das Virus wird uns begleiten, da ist kein Ende absehbar.“

Notruf fürs Personal: Heidi Bierbaum startet Petition für Pflege- und Reinigungskräfte

Minden. Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Viele Pflegekräfte sind nach Monaten der Pandemie am Ende. Einige kehren dem Beruf den Rücken. Fachleute fürchten, es könnten noch deutlich mehr werden. Der Begriff „Pflexit“ (Pflege-Exit) macht die Runde.

Heidi Bierbaum sucht weitere Unterstützer für ihre Petition. Foto: privat - © Privat
Heidi Bierbaum sucht weitere Unterstützer für ihre Petition. Foto: privat - © Privat

Fehlende Anerkennung, zu wenig Geld, Personalmangel, Überlastung: Fachleute fordern schon länger fundamentale Verbesserungen für die Pflege. Auch vor Ort gibt es seit Mai eine Initiative für das Personal: Heidi Bierbaum (Jahrgang 1944), seit vielen Jahren Rentnerin, hat eine eigene Petition gestartet. Sie kommt selbst aus dem Beruf und kennt die Bedingungen. Früher war sie selbst Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin und Personalvertretung bei den Mühlenkreiskliniken, hat eine Petition ins Leben gerufen. „Appell: SOS Notruf für das Krankenpflegepersonal in der Coronapandemie“ ist der Titel. Sie hofft auf 350 Unterschriften, das ist das auf der Website angegebene Sammelziel. „Aber tausend Unterschriften wären natürlich besser.“ Auch die Reinigungskräfte in Kliniken sollen Unterstützung bekommen, denn ohne Hygiene könne auch Pflegepersonal nichts ausrichten. Als politisch aktiver Mensch hat Heidi Bierbaum schon viele Petitionen unterschrieben, aber dies ist die erste, die sie selbst online an den Start gebracht hat. Bis Ende August kann man ihr Anliegen noch unterstützen. Wer auf der Website Open Petition (openpetition.de) den Titel („Appell: SOS Notruf für das Krankenpflegepersonal in der Coronapandemie“) ins Suchfeld eingibt, kann direkt unterschreiben.

Petitionen helfen Menschen, für ihre Anliegen einzustehen. Bestenfalls stoßen sie – als Brücke zwischen Zivilgesellschaft und Politik – eine Veränderung an. Die berufliche Pflege sei über viele Jahre hinweg herabgewirtschaftet worden, Corona gleiche einem „emotionalen Schock“, sagt Heidi Bierbaum. Konkret möchte sie erreichen, dass Pflege und Reinigungskräften Erholung in einer Reha-Unterstützungsmaßnahme ermöglicht wird. Darum richtet sich die Petition ans Gesundheits- und Finanzministerium.


Wegen der angespannten Situation in der Pflege gibt es diverse Initiativen. Mehrere Bundesländer wollen eine Pflegekammer schaffen (Berichte im MT). Wer beruflich in der Pflege tätig ist, soll dort Mitglied werden müssen. Heidi Bierbaum, die 50 Jahre lang in der Gewerkschaft aktiv war, sagt: Eine Pflegekammer sei noch nicht die Lösung. Eine Zwangsmitgliedschaft stoße auf massiven Widerstand. „Viele befürchten, dass es nur einen weiteren Geschäftsführer-Posten gibt und sonst nichts passiert.“

War das Thema Pflege zu Beginn der Pandemie vor anderthalb Jahren noch in aller Munde, rückt es aktuell wieder nach unten auf der Agenda, befürchtet Heidi Bierbaum. Aus ihrer Sicht ein Fehler: „Das Virus wird uns begleiten, da ist kein Ende absehbar.“

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