Normalerweise boomt das Geschäft jetzt: Welche Auswirkungen hat die 2G-Plus-Regel auf heimische Fitnessstudios? Leonie Meyer Minden. Neues Jahr, neue Vorsätze: Zum Jahreswechsel melden sich traditionell viele Menschen in den Fitnessstudios an, um ihre Feiertagskilos loszuwerden. Doch bisher zeigt sich ein anderes Bild in drei Mindener Fitnessstudios. Für die Branche kam in NRW die 2G-Plus-Regel am 28. Dezember hinzu. Das bedeutet, dass Genesene und Geimpfte zusätzlich einen negativen Test benötigen. Dabei darf bei einem Schnelltest das Ergebnis nicht älter als 24 Stunden und beim PCR-Test nicht älter als 48 Stunden sein. Ab Donnerstag sind "Geboosterte" jedoch gleichgestellt und brauchen keinen negativen Test mehr vorlegen. „Die Nachfrage existiert gerade einfach nicht“, sagt Stefan Viering, Inhaber des Fitnessstudios AS Sport. In den ersten Tagen des neuen Jahres wurde noch kein neuer Mitgliedsvertrag abgeschlossen. Ähnlich sah es im Januar 2021 aus. Aufgrund des Lockdowns im vergangen Frühjahr gab es in dem Fitnessstudio an der Ringstraße keine einzige Anmeldung. Noch im Januar und Februar 2020 verzeichnete das AS Sport circa 65 Neuanmeldungen. Wie Inhaber Viering mitteilt, liege diese Zahl über dem normalen Durchschnitt. „Das ist aber auch zum Teil dem insolvent gegangenen Fitnessstudio Aktiv Park Porta in Holzhausen geschuldet.“ Viele der ehemaligen Kunden hatten sich daraufhin beim AS Sport angemeldet. Im Premium Sport-Centrum habe es zum Jahresbeginn 2020 und 2021 Zulauf gegeben, so Inhaberin Petra Bogolowski. Die neuen Anmeldungen würden bisher allerdings fehlen. Unter der 2G-Plus-Bedingung rechne die Bogolowski nicht mit Neuanmeldungen. Ihre Prognose: „Die Leute werden nicht kommen.“ Die 2G-Plus-Regel stellt auch das Fit-X vor eine neue Herausforderung. Im Studio an der Stiftsallee bleibt die Zahl der Neuanmeldungen im Vergleich zum Jahr davor zurück, teilt Pressesprecherin Johanna Pistor mit. Einen Vergleich zum Frühjahr 2020 gibt es nicht, da das Studio erst während der Pandemie im Mai 2020 eröffnete. Aus wettbewerbstechnischen Gründen möchte das Fit-X auch keine konkreten Zahlen offen legen. Ohne die zusätzliche Testpflicht hätte Sprecherin Pistor eine höhere Anmeldequote erwartet. Die immer neu eingeführten Corona-Regeln in Fitnessstudios wirken sich auf das Kundenverhalten aus. Im November 2021 habe die Besucherzahl im AS Sport eindeutig nachgelassen – also bei Einführung der 2G-Regel. „Die Menschen wurden vorsichtiger und wollten nicht mehr zum Sport gehen“, sagt Viering. Er denkt, dass das Studio vor einer neuen Katastrophe steht. Und dann kam pandemiebedingt wieder etwas Neues hinzu: Das Plus. Seitdem müssen sich Genesene und Geimpfte zusätzlich testen – auch für Geboosterte gilt die 2G-Plus-Regel in NRW. Die Kundschaft im AS Sport hat kein Verständnis für die zusätzliche Testpflicht. „Die Impfwilligen haben doch alles getan, damit dieser Schritt eigentlich entfällt. Jetzt kommen die Geboosterten trotzdem nicht drum herum“, sagte Viering bevor das Land NRW am Mittwoch eine neue Coronaschutzverordnung veröffentlichte. Diese sorgt dafür, dass Menschen mit einer Drittimpfung und zweifach geimpfte Personen, die zudem als genesen gelten, auch ohne Testnachweis in Fitnessstudios trainieren dürfen. Auch im Premium Sport-Centrum halte die zusätzliche Testpflicht viele der älteren Kunden vom Trainieren ab. „Die Stimmung unter den Geboosterten ist nicht positiv“, sagt Bogolowski. Die Mitglieder scheuen sich vorm Testen und die ältere Kundschaft sei oft nicht mobil. Im Fit-X weisen die Mitglieder größtenteils Verständnis für die Corona-Regeln. „Wir merken, dass die Menschen Lust auf ihr Training haben“, sagt die Sprecherin. In manchen Studios bedeutet die Umsetzung der neuen Regel einen Mehraufwand. So ist es im Premium Sport-Centrum an der Kutenhauser Straße. Die Kontrollen werden von geschultem Personal durchgeführt. Auch ein noch 30 Minuten gültiges negatives Testergebnis wird für eine Trainingseinheit nicht zugelassen – „das reicht zeitlich nicht aus“. Im AS Sport entsteht kein erhöhter Arbeitsaufwand. Nach Angaben des Inhabers wird der Impfstatus im internen System hinterlegt das negative Testergebnis kontrolliert. Ein Mehraufwand bei den Arbeitsprozessen sei im Fit-X durch die Einführung der zusätzlichen Testpflicht nicht entstanden. Doch Sprecherin Pistor teilt mit, dass „in der letzten Zeit vermehrt gefälschte Testzertifikate aufgefallen“ sind. Bei dem Täuschungsmanöver seien Zertifikate von offiziellen Corona-Teststellen aus der Region als Vorlage genutzt und schließlich verändert worden. „Unser Studio-Team weiß inzwischen sehr genau, worauf man bei der Überprüfung der Zertifikate achten muss.“ Die Fälschungen wurden dementsprechend von der Fitnessstudio-Kette angezeigt. Dennoch wirkt sich die Regel auch auf die Besucheranzahl in den Studios aus. Im Premium Sport-Centrum gehen unter der Woche aufgrund der zusätzlichen Testpflicht weniger Leute zum Training. Die Fläche sei dementsprechend leer und somit auch sicher. Am Wochenende würden die Besucher eher die Zeit nutzen, um noch zum Testen zu fahren. Deshalb herrsche am Wochenende eine relativ normale Frequentierung unter den auferlegten Hygienemaßnahmen. Bei Einführung der 2G-Plus-Regel wurden im Fit-X kurzfristig weniger Besucher gezählt, „inzwischen hat sich aber alles wieder auf dem normalen Niveau eingependelt“, sagt Sprecherin Pistor.Als Folge der Pandemie hat es in den heimischen Studios auch Einbußen gegeben. Nicht nur das AS Sport hatte gezwungenermaßen schließen müssen, deshalb reichten auch die kurzen – eingeschränkten – Öffnungsphasen für einen Gewinn nicht aus. Es habe um die 25 Prozent weniger Kunden gegeben – „das ist auch die durchschnittliche Kundeneinbuße auf dem Gesamtmarkt“, sagt Viering. Das wieder reinzuholen sei schwer. „Da sind wir länger hinterher als die gesamte Pandemie bisher andauert“, sagt der Inhaber. Auch Petra Bogolowski vom Premium Sport-Centrum denkt, dass das Aufholen eine Weile dauern wird. „Spätestens wenn die Test-Problematik entfällt, wird es hoffentlich wieder besser laufen“, sagt die Studio-Inhaberin. Für die Branche gleiche die Einführung der 2G-Plus-Regel dennoch fast dem Lockdown, gibt Viering vom AS Sport zu bedenken. Sie seien die Ersten, die mit neuen Auflagen eingeschränkt werden. „Die Branche, darunter auch wir, ist hart betroffen – und das immer wieder.“

Normalerweise boomt das Geschäft jetzt: Welche Auswirkungen hat die 2G-Plus-Regel auf heimische Fitnessstudios?

Die Inhaberin des Premium Sport-Centrums, Petra Bogolowski, und ihr Sohn Jan Magnus fürchten, dass Neuanmeldungen ausbleiben. MT-Foto: Meyer © x

Minden. Neues Jahr, neue Vorsätze: Zum Jahreswechsel melden sich traditionell viele Menschen in den Fitnessstudios an, um ihre Feiertagskilos loszuwerden. Doch bisher zeigt sich ein anderes Bild in drei Mindener Fitnessstudios. Für die Branche kam in NRW die 2G-Plus-Regel am 28. Dezember hinzu. Das bedeutet, dass Genesene und Geimpfte zusätzlich einen negativen Test benötigen. Dabei darf bei einem Schnelltest das Ergebnis nicht älter als 24 Stunden und beim PCR-Test nicht älter als 48 Stunden sein. Ab Donnerstag sind "Geboosterte" jedoch gleichgestellt und brauchen keinen negativen Test mehr vorlegen.

„Die Nachfrage existiert gerade einfach nicht“, sagt Stefan Viering, Inhaber des Fitnessstudios AS Sport. In den ersten Tagen des neuen Jahres wurde noch kein neuer Mitgliedsvertrag abgeschlossen. Ähnlich sah es im Januar 2021 aus. Aufgrund des Lockdowns im vergangen Frühjahr gab es in dem Fitnessstudio an der Ringstraße keine einzige Anmeldung. Noch im Januar und Februar 2020 verzeichnete das AS Sport circa 65 Neuanmeldungen. Wie Inhaber Viering mitteilt, liege diese Zahl über dem normalen Durchschnitt. „Das ist aber auch zum Teil dem insolvent gegangenen Fitnessstudio Aktiv Park Porta in Holzhausen geschuldet.“ Viele der ehemaligen Kunden hatten sich daraufhin beim AS Sport angemeldet.

Im Premium Sport-Centrum habe es zum Jahresbeginn 2020 und 2021 Zulauf gegeben, so Inhaberin Petra Bogolowski. Die neuen Anmeldungen würden bisher allerdings fehlen. Unter der 2G-Plus-Bedingung rechne die Bogolowski nicht mit Neuanmeldungen. Ihre Prognose: „Die Leute werden nicht kommen.“

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Patrick Schwemmling

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Die 2G-Plus-Regel stellt auch das Fit-X vor eine neue Herausforderung. Im Studio an der Stiftsallee bleibt die Zahl der Neuanmeldungen im Vergleich zum Jahr davor zurück, teilt Pressesprecherin Johanna Pistor mit. Einen Vergleich zum Frühjahr 2020 gibt es nicht, da das Studio erst während der Pandemie im Mai 2020 eröffnete. Aus wettbewerbstechnischen Gründen möchte das Fit-X auch keine konkreten Zahlen offen legen. Ohne die zusätzliche Testpflicht hätte Sprecherin Pistor eine höhere Anmeldequote erwartet.

Die immer neu eingeführten Corona-Regeln in Fitnessstudios wirken sich auf das Kundenverhalten aus. Im November 2021 habe die Besucherzahl im AS Sport eindeutig nachgelassen – also bei Einführung der 2G-Regel. „Die Menschen wurden vorsichtiger und wollten nicht mehr zum Sport gehen“, sagt Viering. Er denkt, dass das Studio vor einer neuen Katastrophe steht. Und dann kam pandemiebedingt wieder etwas Neues hinzu: Das Plus. Seitdem müssen sich Genesene und Geimpfte zusätzlich testen – auch für Geboosterte gilt die 2G-Plus-Regel in NRW.

Die Kundschaft im AS Sport hat kein Verständnis für die zusätzliche Testpflicht. „Die Impfwilligen haben doch alles getan, damit dieser Schritt eigentlich entfällt. Jetzt kommen die Geboosterten trotzdem nicht drum herum“, sagte Viering bevor das Land NRW am Mittwoch eine neue Coronaschutzverordnung veröffentlichte. Diese sorgt dafür, dass Menschen mit einer Drittimpfung und zweifach geimpfte Personen, die zudem als genesen gelten, auch ohne Testnachweis in Fitnessstudios trainieren dürfen.

Auch im Premium Sport-Centrum halte die zusätzliche Testpflicht viele der älteren Kunden vom Trainieren ab. „Die Stimmung unter den Geboosterten ist nicht positiv“, sagt Bogolowski. Die Mitglieder scheuen sich vorm Testen und die ältere Kundschaft sei oft nicht mobil. Im Fit-X weisen die Mitglieder größtenteils Verständnis für die Corona-Regeln. „Wir merken, dass die Menschen Lust auf ihr Training haben“, sagt die Sprecherin.

In manchen Studios bedeutet die Umsetzung der neuen Regel einen Mehraufwand. So ist es im Premium Sport-Centrum an der Kutenhauser Straße. Die Kontrollen werden von geschultem Personal durchgeführt. Auch ein noch 30 Minuten gültiges negatives Testergebnis wird für eine Trainingseinheit nicht zugelassen – „das reicht zeitlich nicht aus“. Im AS Sport entsteht kein erhöhter Arbeitsaufwand. Nach Angaben des Inhabers wird der Impfstatus im internen System hinterlegt das negative Testergebnis kontrolliert. Ein Mehraufwand bei den Arbeitsprozessen sei im Fit-X durch die Einführung der zusätzlichen Testpflicht nicht entstanden. Doch Sprecherin Pistor teilt mit, dass „in der letzten Zeit vermehrt gefälschte Testzertifikate aufgefallen“ sind. Bei dem Täuschungsmanöver seien Zertifikate von offiziellen Corona-Teststellen aus der Region als Vorlage genutzt und schließlich verändert worden. „Unser Studio-Team weiß inzwischen sehr genau, worauf man bei der Überprüfung der Zertifikate achten muss.“ Die Fälschungen wurden dementsprechend von der Fitnessstudio-Kette angezeigt.

Dennoch wirkt sich die Regel auch auf die Besucheranzahl in den Studios aus. Im Premium Sport-Centrum gehen unter der Woche aufgrund der zusätzlichen Testpflicht weniger Leute zum Training. Die Fläche sei dementsprechend leer und somit auch sicher. Am Wochenende würden die Besucher eher die Zeit nutzen, um noch zum Testen zu fahren. Deshalb herrsche am Wochenende eine relativ normale Frequentierung unter den auferlegten Hygienemaßnahmen. Bei Einführung der 2G-Plus-Regel wurden im Fit-X kurzfristig weniger Besucher gezählt, „inzwischen hat sich aber alles wieder auf dem normalen Niveau eingependelt“, sagt Sprecherin Pistor.

Als Folge der Pandemie hat es in den heimischen Studios auch Einbußen gegeben. Nicht nur das AS Sport hatte gezwungenermaßen schließen müssen, deshalb reichten auch die kurzen – eingeschränkten – Öffnungsphasen für einen Gewinn nicht aus. Es habe um die 25 Prozent weniger Kunden gegeben – „das ist auch die durchschnittliche Kundeneinbuße auf dem Gesamtmarkt“, sagt Viering. Das wieder reinzuholen sei schwer. „Da sind wir länger hinterher als die gesamte Pandemie bisher andauert“, sagt der Inhaber. Auch Petra Bogolowski vom Premium Sport-Centrum denkt, dass das Aufholen eine Weile dauern wird. „Spätestens wenn die Test-Problematik entfällt, wird es hoffentlich wieder besser laufen“, sagt die Studio-Inhaberin.

Für die Branche gleiche die Einführung der 2G-Plus-Regel dennoch fast dem Lockdown, gibt Viering vom AS Sport zu bedenken. Sie seien die Ersten, die mit neuen Auflagen eingeschränkt werden. „Die Branche, darunter auch wir, ist hart betroffen – und das immer wieder.“

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