Nicht immer der Reihe nach: Kreis reagiert beim Impfen mitunter spontan Thomas Lieske,Sebastian Radermacher Minden/Hille-Unterlübbe. 16 Tage hat Silvia Bodes aus Bad Oeynhausen um einen Impftermin gekämpft. Als Berufsbetreuerin rutschte sie Mitte Februar in die Impfpriorität eins. Die Wartezeit allein wäre für sie nicht schlimm gewesen, sagt sie. Was sie schwer verärgert hat: „Plötzlich muss ich in der Zeitung lesen, dass der Kreis mit der Impfung von Personen aus der Kategorie zwei beginnen will und dass ständig Leute aus der dritten Kategorie geimpft werden", sagt Bodes. Sie wisse von vielen Menschen aus der ersten Kategorie, die ihre Namen und Telefonnummern beim Gesundheitsamt hinterlegt hätten. Ein Anruf bei übrig gebliebenem Impfstoff sei nie gekommen. Sie beklagt zudem, dass sie bei Nachfragen zum Vorgehen bei der Terminvergabe bei der Hotline 116117, dem Gesundheitsamt, dem Bürgertelefon und dem Impfzentrum jeweils verschiedene Aussagen bekommen habe. Am Donnerstag dann plötzlich eine Reaktion: Sie darf am Freitag um 16 Uhr doch noch zum Impfen kommen. Zwischenzeitlich hatte sie das Gesundheitsministerium eingeschaltet und überlegte sogar, mit einer einstweiligen Verfügung auf Auskunft vorzugehen, weil Nachfragen an die Impfzentrumsleitung und den Kreis „einfach nicht beantwortet wurden". Ähnlich geht es einem 83-jährigen Mindener, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Mir hat man gesagt, ich soll jeden Tag wieder anrufen. Aber ich bekomme einfach keinen Termin. Und dann muss man ständig in der Zeitung lesen, dass viele andere, die nicht dran wären, vorgezogen werden." Nachfrage beim Kreis: Wie kann das sein? Wird die Impfreihenfolge nicht eingehalten? Grundsätzlich sei derzeit noch zwischen den Impfungen mit den Stoffen von Biontech und Astrazeneca zu unterscheiden. Die Terminvergabe für über 80-Jährige laufe derzeit noch – und zwar über die Kassenärztliche Vereinigung und die Hotline 116117. „Hier haben noch immer nicht alle Impfwilligen einen Termin erhalten", erklärt Kreissprecherin Mirjana Lenz. Beim Impfstoff Astrazeneca kontaktiert das Impfzentrum nach und nach die priorisierten Personen. Für Lehrer von Grund- und Förderschulen sowie Erzieher soll am Montag ein Online-Portal für die Anmeldung zur Impfung mit Astrazeneca starten. Es wird ab 7 Uhr unter https://impftermine.minden-luebbecke.de zur Verfügung stehen, teilt der Kreis mit. Diese Seite ist explizit nicht für Impftermine mit Biontech und auch nicht für andere Personengruppen gedacht. Bei der Impfung müssen sich die Berufsgruppen aus Kitas und Schulen und ihre Berechtigung ausweisen. Polizisten sollen demnächst zentral geimpft werden. Die Terminvergabe erfolgt nicht über dieses System. Das gilt auch für die Impfung von Personal in der Eingliederungshilfe. Dieses soll möglichst in den Einrichtungen geimpft werden, weil dort ohnehin mobile Impfteams unterwegs sind, erklärt Kreissprecher Florian Hemann. Dies sei nötig, weil viele Menschen mit Behinderung in ihrer Bewegung stark eingeschränkt sind. Deshalb soll die Impfung von Bewohnern und Mitarbeitern solcher Einrichtungen nicht im Impfzentrum erfolgen. Ein Sonderfall sei es, wenn Impfstoff ungeplant übrig bleibe. „Soweit es darum geht, Impfdosen wegen der drohenden Haltbarkeitsgrenze nicht verwerfen zu müssen, werden Menschen dieser Altersgruppe – insbesondere mit erheblichen Krankheitsbildern – immer vorrangig berücksichtigt", sagt Lenz. Allerdings müsse dabei immer abgewogen werden, wie viel Zeit noch übrig bleibe, bis der Impfstoff verfällt. Deshalb sei etwa entschieden worden, in der vergangenen Woche Biontech-Stoff an 18 Feuerwehrleute aus Hille zu verimpfen, die eigentlich noch nicht an der Reihe gewesen wären. Im Corona-Impfzentrum in Hille wird ab der kommenden Woche unter Volllast gearbeitet. Das teilte Kreisdirektorin Cornelia Schöder am Donnerstag im Kreisausschuss für Sicherheit, Rettungsdienst und Katastrophenschutz mit. Demnach würden dann täglich rund 400 Biontech- sowie 300 Astrazeneca-Impfungen verabreicht – „an sieben Tagen in der Woche". Zudem seien weiterhin die mobilen Teams unterwegs. Mit der ersten Impfung seien sie zum Beispiel in fast allen Pflegeheimen durch, berichtete Schöder. In der nächsten Woche startet außerdem die Impfaktion für Erzieher, Lehrer sowie für Beschäftigte in der Eingliederungshilfe. In der umgebauten Sporthalle in Unterlübbe haben bis einschließlich Mittwoch 8.268 Personen die erste Corona-Impfung erhalten, rund 350 die zweite, berichtete Schöder. Über die mobilen Teams seien etwas mehr als 8.000 Menschen bislang immunisiert worden. Die Kreisdirektorin ging in ihrem Sachstandsbericht auch auf die kurzfristige Impfaktion für freiwillige Feuerwehrleute aus Hille ein, die für Kritik gesorgt hatte. Obwohl sie nicht zur höchsten Priorität gehören, waren 18 Mitglieder der Löschgruppen Rothenuffeln, Oberlübbe und Unterlübbe mit dem Biontech-Stoff geimpft worden, den Kliniken kurzfristig zur Verfügung gestellt hatten. Das Vorgehen sei unglücklich gewesen, räumte Schöder ein. Aber: „Bevor Impfstoff verfällt, sollte man zusehen, dass er verimpft wird." Die Ausschussmitglieder stimmten ihr zu und wollten der Öffentlichkeit zwingend signalisieren, dass sie hinter der Entscheidung stehen. „Das Vorgehen war richtig. Impfstoff soll nicht verfallen", sagte etwa Torsten Kuhlmann (SPD) und erntete dafür Zustimmung aus dem Gremium.

Nicht immer der Reihe nach: Kreis reagiert beim Impfen mitunter spontan

Im Impfzentrum in Unterlübbe sind auch schon einige Menschen geimpft worden, die noch nicht an der Reihe waren. Der Kreis begründet dies mit übrig gebliebenen Impfstoffen. MT-Foto: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden/Hille-Unterlübbe. 16 Tage hat Silvia Bodes aus Bad Oeynhausen um einen Impftermin gekämpft. Als Berufsbetreuerin rutschte sie Mitte Februar in die Impfpriorität eins. Die Wartezeit allein wäre für sie nicht schlimm gewesen, sagt sie. Was sie schwer verärgert hat: „Plötzlich muss ich in der Zeitung lesen, dass der Kreis mit der Impfung von Personen aus der Kategorie zwei beginnen will und dass ständig Leute aus der dritten Kategorie geimpft werden", sagt Bodes. Sie wisse von vielen Menschen aus der ersten Kategorie, die ihre Namen und Telefonnummern beim Gesundheitsamt hinterlegt hätten.

Ein Anruf bei übrig gebliebenem Impfstoff sei nie gekommen. Sie beklagt zudem, dass sie bei Nachfragen zum Vorgehen bei der Terminvergabe bei der Hotline 116117, dem Gesundheitsamt, dem Bürgertelefon und dem Impfzentrum jeweils verschiedene Aussagen bekommen habe. Am Donnerstag dann plötzlich eine Reaktion: Sie darf am Freitag um 16 Uhr doch noch zum Impfen kommen. Zwischenzeitlich hatte sie das Gesundheitsministerium eingeschaltet und überlegte sogar, mit einer einstweiligen Verfügung auf Auskunft vorzugehen, weil Nachfragen an die Impfzentrumsleitung und den Kreis „einfach nicht beantwortet wurden".

Ähnlich geht es einem 83-jährigen Mindener, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Mir hat man gesagt, ich soll jeden Tag wieder anrufen. Aber ich bekomme einfach keinen Termin. Und dann muss man ständig in der Zeitung lesen, dass viele andere, die nicht dran wären, vorgezogen werden."

Nachfrage beim Kreis: Wie kann das sein? Wird die Impfreihenfolge nicht eingehalten? Grundsätzlich sei derzeit noch zwischen den Impfungen mit den Stoffen von Biontech und Astrazeneca zu unterscheiden. Die Terminvergabe für über 80-Jährige laufe derzeit noch – und zwar über die Kassenärztliche Vereinigung und die Hotline 116117. „Hier haben noch immer nicht alle Impfwilligen einen Termin erhalten", erklärt Kreissprecherin Mirjana Lenz. Beim Impfstoff Astrazeneca kontaktiert das Impfzentrum nach und nach die priorisierten Personen. Für Lehrer von Grund- und Förderschulen sowie Erzieher soll am Montag ein Online-Portal für die Anmeldung zur Impfung mit Astrazeneca starten. Es wird ab 7 Uhr unter https://impftermine.minden-luebbecke.de zur Verfügung stehen, teilt der Kreis mit. Diese Seite ist explizit nicht für Impftermine mit Biontech und auch nicht für andere Personengruppen gedacht.

Bei der Impfung müssen sich die Berufsgruppen aus Kitas und Schulen und ihre Berechtigung ausweisen. Polizisten sollen demnächst zentral geimpft werden. Die Terminvergabe erfolgt nicht über dieses System. Das gilt auch für die Impfung von Personal in der Eingliederungshilfe. Dieses soll möglichst in den Einrichtungen geimpft werden, weil dort ohnehin mobile Impfteams unterwegs sind, erklärt Kreissprecher Florian Hemann. Dies sei nötig, weil viele Menschen mit Behinderung in ihrer Bewegung stark eingeschränkt sind. Deshalb soll die Impfung von Bewohnern und Mitarbeitern solcher Einrichtungen nicht im Impfzentrum erfolgen.

Ein Sonderfall sei es, wenn Impfstoff ungeplant übrig bleibe. „Soweit es darum geht, Impfdosen wegen der drohenden Haltbarkeitsgrenze nicht verwerfen zu müssen, werden Menschen dieser Altersgruppe – insbesondere mit erheblichen Krankheitsbildern – immer vorrangig berücksichtigt", sagt Lenz. Allerdings müsse dabei immer abgewogen werden, wie viel Zeit noch übrig bleibe, bis der Impfstoff verfällt. Deshalb sei etwa entschieden worden, in der vergangenen Woche Biontech-Stoff an 18 Feuerwehrleute aus Hille zu verimpfen, die eigentlich noch nicht an der Reihe gewesen wären.

Im Corona-Impfzentrum in Hille wird ab der kommenden Woche unter Volllast gearbeitet. Das teilte Kreisdirektorin Cornelia Schöder am Donnerstag im Kreisausschuss für Sicherheit, Rettungsdienst und Katastrophenschutz mit. Demnach würden dann täglich rund 400 Biontech- sowie 300 Astrazeneca-Impfungen verabreicht – „an sieben Tagen in der Woche". Zudem seien weiterhin die mobilen Teams unterwegs. Mit der ersten Impfung seien sie zum Beispiel in fast allen Pflegeheimen durch, berichtete Schöder. In der nächsten Woche startet außerdem die Impfaktion für Erzieher, Lehrer sowie für Beschäftigte in der Eingliederungshilfe.

In der umgebauten Sporthalle in Unterlübbe haben bis einschließlich Mittwoch 8.268 Personen die erste Corona-Impfung erhalten, rund 350 die zweite, berichtete Schöder. Über die mobilen Teams seien etwas mehr als 8.000 Menschen bislang immunisiert worden.

Die Kreisdirektorin ging in ihrem Sachstandsbericht auch auf die kurzfristige Impfaktion für freiwillige Feuerwehrleute aus Hille ein, die für Kritik gesorgt hatte. Obwohl sie nicht zur höchsten Priorität gehören, waren 18 Mitglieder der Löschgruppen Rothenuffeln, Oberlübbe und Unterlübbe mit dem Biontech-Stoff geimpft worden, den Kliniken kurzfristig zur Verfügung gestellt hatten. Das Vorgehen sei unglücklich gewesen, räumte Schöder ein. Aber: „Bevor Impfstoff verfällt, sollte man zusehen, dass er verimpft wird." Die Ausschussmitglieder stimmten ihr zu und wollten der Öffentlichkeit zwingend signalisieren, dass sie hinter der Entscheidung stehen. „Das Vorgehen war richtig. Impfstoff soll nicht verfallen", sagte etwa Torsten Kuhlmann (SPD) und erntete dafür Zustimmung aus dem Gremium.

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