Neustart im Sommerbad und in der Gastronomie: Endlich mehr Leben Jan Henning Rogge Minden. Das Wasser ist kalt. Wirklich kalt. Trotzdem lassen es sich die gut 200 Gäste über den Tag verteilt nicht nehmen, die ersten Bahnen des Jahres im Sommerbad zu ziehen – die ersten Bahnen in einem Schwimmbad seit vielen Monaten überhaupt. Die meisten bleiben nur kurz, schwimmen ein paar mal hin und zurück, dann reicht es. „Mal schauen, ob ich noch eine Bahn schaffe. Vielleicht reicht auch eine halbe“, sagt eine Frau. Auch einige Kinder sind da, sie tragen Neoprenanzüge, was ihnen von so manch erwachsenem Badegast neidische Blicke einträgt. Madeleine Morgenstern und Frank Marik sind am Sonntagmittag extra aus Herford angereist – weil ihre Kinder Mila und Till endlich wieder schwimmen wollten. „Das haben sie sehr vermisst“, sagt Morgenstern. Zwischendurch habe es deshalb sogar Tränen gegeben. „Es gibt nicht viel, wo man wieder schwimmen kann“, sagt Marik, „das war die erste Gelegenheit, die haben wir ergriffen.“ In Herford soll das erste Freibad am Mittwoch öffnen. Da ist es egal, dass die Beckentemperatur weit unter dem gewohnten liegt. Till gibt alles, um für ein schönes Fotomotiv zu sorgen – und springt gerne noch mal ins wahrhaftig kühle Nass – seine Schwester bleibt diesmal lieber auf dem Startblock sitzen. Auch das Team des Sommerbads hatte sich auf diesen Tag vorbereitet. Viele Menschen hatten in den letzten Tagen und Wochen angerufen und gefragt, wann geöffnet würde – sogar ein Anruf eines Hannoveraners war dabei, der den weiten Weg auf sich nehmen wollte, um endlich wieder schwimmen gehen zu können. Das regnerische Wetter der vergangenen Wochen hat aber auch von den Ehrenamtlichen des Sommerbad-Teams Geduld gefordert – nicht alles ist rechtzeitig fertig geworden. Zum Beispiel das Planschbecken, dass noch mit Farbe abgedichtet werden muss. „Dazu war es einfach zu feucht“, sagt Rolf Köker, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. Dass das Nichtschwimmerbecken nicht fertig werden würde, war dagegen abzusehen. „Das soll dann Ende Mai fertig werden.“ Das Becken wurde komplett saniert und mit Folie ausgekleidet. „Das soll 20 Jahre halten“, sagt Schwimmmeisterin Ortrud Rappe. Auch die Rutsche soll dann wieder bereit stehen, dazu wurde eine neue Förderpumpe eingebaut. „Da müssen jetzt noch die Fugen geglättet werden, damit sich niemand verletzt“, sagt Köker. Besonders stolz ist das Sommerbad-Team darauf, dass es im Nichtschwimmer nun eine Rollstuhlrampe gibt. Außerdem wurde der komplette Weg von der Johansenstraße bis zum Becken rollstuhlgerecht gestaltet: Eine lange Rampe führt nun zum niedriger gelegenen Eingang, statt Treppen führen nun ebenfalls Rampen bis zur unteren Ebene, auf der sich der große Nichtschwimmerbereich befindet. Künftig können Rollstuhlfahrer dann mit dafür geeigneten Rollstühlen in das Becken fahren. Auch die alten Umkleidekabinen wurden erneuert, hier gibt es nun nicht nur komplett neue Kabinen und Schließfächer sondern auch extra große Umkleiden für Familien und Menschen, die mehr Platz zum umziehen brauchen. Ebenfalls neu sind die sanitären Anlagen. Nicht alles konnte der Verein umsetzen: Die Beckenränder wurden zwar neu gepflastert, die übrigen Wege aber nicht. Und auch das Planschbecken muss weiterhin jedes Jahr mit Farbe abgedichtet werden, hier hofft der Förderverein auf Spenden, um das Becken dauerhaft mit Folie zu versiegeln. Die Liegewiesen sind ebenfalls nicht gerade in Bestform: Die Baufahrzeuge haben Spuren hinterlassen, zusätzlich zu dem Auf- und Ab, dass hier schon lange herrscht. An diesem Pfingsttagen stört das aber niemanden: Alle sind froh, die bleiernen Lockdowntage mit einem Sprung ins Wasser abzuspülen und danach die Sonne, die dann nachmittags doch noch rauskommt, bei Pommes und Bratwurst auf der Terrasse zu genießen. Bedingung für den Eintritt ist wie üblich ein Corona-Test, der nicht älter als 48 Sunden ist. Nicht nur im Sommerbad ist das Leben zurück: In zahlreichen Biergärten der Region freuten sich die Gäste über ihr erstes frisch gezapftes Bier, viele Gastronomen hatten ihre Außengastronomie auf den großen Tag vorbereitet. „Wir freuen uns, dass es wieder losgeht“, sagt Philipp Pudenz, Geschäftsführer des Hotel Bad Mindens, der sich über einen gut gefüllten Biergarten freut. Der Freude taten dann auch die Schauer um die Mittagszeit keinen Abbruch – hier und andernorts hielten die Gäste einfach unter den Schirmen aus. Während sich der Besucherandrang in der Mindener Innenstadt am Sonntag in Grenzen hielt – hier hatten nur wenige Gastronomen bereits am ersten Tag nach dem Wegfall der Einschränkungen geöffnet – konnten die Biergärten nicht über mangelnde Kunden klagen. An der Schiffmühle war zeitweise kein freier Platz mehr zu bekommen, auch die Außengastronomie des Anno an der Hufschmiede war gut besucht. Im Hotel Bad Minden waren vor allem viele Stammkunden zu Gast. „Viele haben sich lange nicht gesehen und haben sich richtig gefreut, endlich wieder unter Leuten zu sein. Man hat gemerkt, dass manchen richtig ein Stein vom Herzen gefallen ist“, sagt Pudenz. Insgesamt wurden die Erwartungen des Gastronomen übertroffen. „Es ist ja schon eine Hemmschwelle für den einen oder anderen, für ein Bier ins Testzentrum zu gehen. Aber die ersten haben schon um 11 Uhr angerufen und gefragt, wann wir denn öffnen.“ Für ihn war es ein besonderer Moment, endlich wieder Gäste empfangen zu dürfen. „Ich fand es schön, dass wir sie mit vergleichsweise wenig glücklich machen konnten – wir bieten ja sonst viel mehr an, der Biergarten ist ja nur ein kleiner Teil.“ Doch der Neustart ist auch nicht unproblematisch. „Das ist schon ein Kraftakt, den Betrieb von null auf hundert wieder hochzufahren.“ Trotzdem hofft Pudenz nun, dass mit sinkender Inzidenz bald auch wieder kleinere Veranstaltungen möglich werden. „Da warten viele Menschen drauf, die ihre Hochzeiten verschoben haben. Die würden gerne wenigstens mit 50 Personen feiern. Und für unseren Betrieb sind solche Veranstaltungen das wichtigste Standbein.

Neustart im Sommerbad und in der Gastronomie: Endlich mehr Leben

Mila und Till sind extra aus Herford angereist, um endlich wieder zu schwimmen. Mit Neoprenanzügen waren sie bestens auf das kalte Wasser vorbereitet. MT-Foto: Jan Henning Rogge © jhr

Minden. Das Wasser ist kalt. Wirklich kalt. Trotzdem lassen es sich die gut 200 Gäste über den Tag verteilt nicht nehmen, die ersten Bahnen des Jahres im Sommerbad zu ziehen – die ersten Bahnen in einem Schwimmbad seit vielen Monaten überhaupt. Die meisten bleiben nur kurz, schwimmen ein paar mal hin und zurück, dann reicht es. „Mal schauen, ob ich noch eine Bahn schaffe. Vielleicht reicht auch eine halbe“, sagt eine Frau. Auch einige Kinder sind da, sie tragen Neoprenanzüge, was ihnen von so manch erwachsenem Badegast neidische Blicke einträgt.

Madeleine Morgenstern und Frank Marik sind am Sonntagmittag extra aus Herford angereist – weil ihre Kinder Mila und Till endlich wieder schwimmen wollten. „Das haben sie sehr vermisst“, sagt Morgenstern. Zwischendurch habe es deshalb sogar Tränen gegeben. „Es gibt nicht viel, wo man wieder schwimmen kann“, sagt Marik, „das war die erste Gelegenheit, die haben wir ergriffen.“ In Herford soll das erste Freibad am Mittwoch öffnen. Da ist es egal, dass die Beckentemperatur weit unter dem gewohnten liegt. Till gibt alles, um für ein schönes Fotomotiv zu sorgen – und springt gerne noch mal ins wahrhaftig kühle Nass – seine Schwester bleibt diesmal lieber auf dem Startblock sitzen.

Auch das Team des Sommerbads hatte sich auf diesen Tag vorbereitet. Viele Menschen hatten in den letzten Tagen und Wochen angerufen und gefragt, wann geöffnet würde – sogar ein Anruf eines Hannoveraners war dabei, der den weiten Weg auf sich nehmen wollte, um endlich wieder schwimmen gehen zu können. Das regnerische Wetter der vergangenen Wochen hat aber auch von den Ehrenamtlichen des Sommerbad-Teams Geduld gefordert – nicht alles ist rechtzeitig fertig geworden. Zum Beispiel das Planschbecken, dass noch mit Farbe abgedichtet werden muss. „Dazu war es einfach zu feucht“, sagt Rolf Köker, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. Dass das Nichtschwimmerbecken nicht fertig werden würde, war dagegen abzusehen. „Das soll dann Ende Mai fertig werden.“ Das Becken wurde komplett saniert und mit Folie ausgekleidet. „Das soll 20 Jahre halten“, sagt Schwimmmeisterin Ortrud Rappe. Auch die Rutsche soll dann wieder bereit stehen, dazu wurde eine neue Förderpumpe eingebaut. „Da müssen jetzt noch die Fugen geglättet werden, damit sich niemand verletzt“, sagt Köker.


Besonders stolz ist das Sommerbad-Team darauf, dass es im Nichtschwimmer nun eine Rollstuhlrampe gibt. Außerdem wurde der komplette Weg von der Johansenstraße bis zum Becken rollstuhlgerecht gestaltet: Eine lange Rampe führt nun zum niedriger gelegenen Eingang, statt Treppen führen nun ebenfalls Rampen bis zur unteren Ebene, auf der sich der große Nichtschwimmerbereich befindet. Künftig können Rollstuhlfahrer dann mit dafür geeigneten Rollstühlen in das Becken fahren.

Auch die alten Umkleidekabinen wurden erneuert, hier gibt es nun nicht nur komplett neue Kabinen und Schließfächer sondern auch extra große Umkleiden für Familien und Menschen, die mehr Platz zum umziehen brauchen. Ebenfalls neu sind die sanitären Anlagen.

Nicht alles konnte der Verein umsetzen: Die Beckenränder wurden zwar neu gepflastert, die übrigen Wege aber nicht. Und auch das Planschbecken muss weiterhin jedes Jahr mit Farbe abgedichtet werden, hier hofft der Förderverein auf Spenden, um das Becken dauerhaft mit Folie zu versiegeln. Die Liegewiesen sind ebenfalls nicht gerade in Bestform: Die Baufahrzeuge haben Spuren hinterlassen, zusätzlich zu dem Auf- und Ab, dass hier schon lange herrscht. An diesem Pfingsttagen stört das aber niemanden: Alle sind froh, die bleiernen Lockdowntage mit einem Sprung ins Wasser abzuspülen und danach die Sonne, die dann nachmittags doch noch rauskommt, bei Pommes und Bratwurst auf der Terrasse zu genießen. Bedingung für den Eintritt ist wie üblich ein Corona-Test, der nicht älter als 48 Sunden ist.

Nicht nur im Sommerbad ist das Leben zurück: In zahlreichen Biergärten der Region freuten sich die Gäste über ihr erstes frisch gezapftes Bier, viele Gastronomen hatten ihre Außengastronomie auf den großen Tag vorbereitet. „Wir freuen uns, dass es wieder losgeht“, sagt Philipp Pudenz, Geschäftsführer des Hotel Bad Mindens, der sich über einen gut gefüllten Biergarten freut. Der Freude taten dann auch die Schauer um die Mittagszeit keinen Abbruch – hier und andernorts hielten die Gäste einfach unter den Schirmen aus.

Während sich der Besucherandrang in der Mindener Innenstadt am Sonntag in Grenzen hielt – hier hatten nur wenige Gastronomen bereits am ersten Tag nach dem Wegfall der Einschränkungen geöffnet – konnten die Biergärten nicht über mangelnde Kunden klagen. An der Schiffmühle war zeitweise kein freier Platz mehr zu bekommen, auch die Außengastronomie des Anno an der Hufschmiede war gut besucht. Im Hotel Bad Minden waren vor allem viele Stammkunden zu Gast. „Viele haben sich lange nicht gesehen und haben sich richtig gefreut, endlich wieder unter Leuten zu sein. Man hat gemerkt, dass manchen richtig ein Stein vom Herzen gefallen ist“, sagt Pudenz.

Insgesamt wurden die Erwartungen des Gastronomen übertroffen. „Es ist ja schon eine Hemmschwelle für den einen oder anderen, für ein Bier ins Testzentrum zu gehen. Aber die ersten haben schon um 11 Uhr angerufen und gefragt, wann wir denn öffnen.“ Für ihn war es ein besonderer Moment, endlich wieder Gäste empfangen zu dürfen. „Ich fand es schön, dass wir sie mit vergleichsweise wenig glücklich machen konnten – wir bieten ja sonst viel mehr an, der Biergarten ist ja nur ein kleiner Teil.“

Doch der Neustart ist auch nicht unproblematisch. „Das ist schon ein Kraftakt, den Betrieb von null auf hundert wieder hochzufahren.“ Trotzdem hofft Pudenz nun, dass mit sinkender Inzidenz bald auch wieder kleinere Veranstaltungen möglich werden. „Da warten viele Menschen drauf, die ihre Hochzeiten verschoben haben. Die würden gerne wenigstens mit 50 Personen feiern. Und für unseren Betrieb sind solche Veranstaltungen das wichtigste Standbein.

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