Neustart: Mindener stellt Luxusautos auf Yacht-Show in Monaco vor Henning Wandel Minden. „Hoffen wir, dass es diesmal klappt“, schreibt Paul Klassen, während der Autotransporter am Schwarzen Weg vom Hof rollt. Die kurze Textnachricht kommt nicht von ungefähr: Im Februar 2020 standen die Luxusfahrzeuge des Mindener Unternehmens schon in Genf, als der renommierte Autosalon wegen der beginnenden Pandemie doch noch kurzfristig abgesagt wurde. Dort wollte Klassen unter anderem einen verlängerten Range Rover präsentieren, der anschließend als luxuriöses Präsidentenfahrzeug nach Afrika verschifft werden sollte. Auch eine gepanzerte Mercedes G-Klasse war mit an Bord, der im Inneren ebenfalls nach bester Klassen-Manier ausgestattete „Bunker“. Es sollte der nächste große Aufschlag werden in der Welt der Superreichen. Umso herber wirkte das Aus der Messe. Etwa 300.000 Euro habe er verloren, sagt Klassen kurz vor dem Neustart in der kommenden Woche auf der Monaco Yacht Show. Diesmal hat er als Hauptattraktion einen veredelten Mercedes-Maybach GLS im Gepäck. Der neue Besitzer wartet schon auf seiner Yacht auf das neue Auto, dass die Mindener farblich und beim Interieur auf das Schiff abgestimmt haben. Klassen kooperiert dabei mit der Werft und hat auch den Kapitänsstand auf der Yacht ausgestattet. Wie fast alles, was die Mindener herstellen, ist auch der Edel-SUV ein Unikat: Wer die Fahrertür öffnet, kann das Schild mit der Seriennummer 1 kaum übersehen. Die Exklusivität hat ihren Preis: 300.000 Euro ruft Klassen dafür auf, das Basisfahrzeug von Mercedes ist ab 165.000 Euro zu haben. Das Yacht-Projekt hatte Paul Klassen schon eine Weile auf dem Zettel, genauso wie einen überarbeiteten Rolls Royce Cullinan. Auch den gibt es inzwischen, allerdings zunächst nicht in der ursprünglich geplanten verlängerten Version. Gut 500 Fahrzeuge hat Paul Klassen seit dem Start vor acht Jahren unter seinem Markennamen verkauft, seit 2019 ist er auch vom Kraftfahrtbundesamt als Autohersteller zertifiziert. Das Geschäft wächst stetig, auch wenn es nach der Krimkrise zwischenzeitlich schwierig war, wie er sagt – damals war Russland der mit Abstand wichtigste Markt. Und auch nach dem großen Corona-Ausbruch im Februar 2020 gab es viele Fragezeichen: „Wer braucht jetzt noch unsere Autos?“, habe er sich gefragt, als es für die Menschen nichts Wichtigeres zu geben schien, als irgendwo Toilettenpapier zu ergattern. Im Rückblick brachte die Pandemie dann aber sogar einen kräftigen Schub, der Umsatz habe sich fast verdoppelt, sagt Paul Klassen: Vor Corona lagen die Erlöse bei sieben bis acht Millionen Euro, aktuell bei knapp 15 Millionen: „Wir haben in nur zwei Monaten fast unseren gesamten Bestand verkauft.“ Und weil in der Pandemie ganz neue Anforderungen entstanden sind, hat er in einigen Modellen auch gleich Trennwände zum Fahrerbereich und spezielle Lüftungssysteme installiert. So sollen seine VIP-Kunden bestmöglich geschützt sein. Es ist wohl auch diese Kurzentschlossenheit, die das Geschäft des 44-Jährigen ausmacht. Nach den ersten ausgebauten Mercedes Sprinter-Modellen für den russischen Markt oder exzentrische Fußball-Profis kamen Staatskarossen für afrikanische Präsidenten, gepanzerte Geländewagen oder auf die Yacht abgestimmte Luxuslimousinen. Der nächste Schritt führt Paul Klassen wieder ein Stück zurück zu den Wurzeln und greift gleichzeitig den aktuellen Branchentrend auf: Elektrofahrzeuge. Kaum ist Mercedes mit dem elektrischen Van EQV auf dem Markt, hat Klassen bereits eine eigene Version fertig, die ebenfalls in Monaco vorgestellt werden soll. Trotz seines Innenausbaus mit elektrischen Maybach-Sitzen und Fernseher im Fonds soll die Reichweite bei 400 Kilometern liegen, wie Klassens persönlicher Test ergeben habe: „Alle haben gedacht, das geht nicht. Aber wir haben es trotzdem geschafft“, sagt er. Mit der Entwicklung ist er ins Risiko gegangen, die Kunden muss er jetzt erst einmal gewinnen. Mit dem EQV nimmt Klassen daher auch neue Käuferschichten in den Blick. Die Mercedes-Vans mit dem großen K anstelle des Sterns sollen in größerer Stückzahl verkauft werden, als Familienauto. Das für Klassen typische Ambiente bleibt dabei erhalten, wirkt aber doch Alltagstauglicher als die übrigen Modelle, die im Schwarzen Weg ausgestellt sind. Und mit dem Verkauf in Kooperation mit einem Mercedes-Vertragshändler sollen seine Fahrzeuge auch entsprechend sichtbarer werden. Das wäre eine Abkehr von dem bisherigen Credo der Super-Exklusivität, die Vans keine Unikate mehr. 20 bis 30 Exemplare will er pro Jahr verkaufen, als EQV oder mit dem klassischen Verbrennungsmotor. Und mit einem Preis zwischen 80.000 und 120.000 Euro soll sich die Klassen-Variante im Bereich der Serien-Fahrzeuge bewegen. Für die Top-Variante liegt auch der Mercedes jenseits der 100.000 Euro. Dass diese Strategie die Marke beschädigen könnte, glaubt Paul Klassen nicht. Vor allem vom Elektrobereich verspricht er sich neue Impulse – gerade auch mit seinem Messeauftritt in Monaco. Denn Fürst Albert II. gilt als bekennender Umweltschützer und unterstützt unter anderem die Formel E. Der Fürst als Gast auf der Yacht Show – das käme Paul Klassen gerade recht. Über einen seiner Kunden hat er schonmal die Fühler ausgestreckt.

Neustart: Mindener stellt Luxusautos auf Yacht-Show in Monaco vor

Ton in Ton mit der Yacht: Der speziell für einen Kunden gebaute Mercedes-Maybach GLS ist ein Unikat und wird das neue Flaggschiff auf der Monaco-Yacht-Show, die am kommenden Mittwoch beginnt. MT-Fotos: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. „Hoffen wir, dass es diesmal klappt“, schreibt Paul Klassen, während der Autotransporter am Schwarzen Weg vom Hof rollt. Die kurze Textnachricht kommt nicht von ungefähr: Im Februar 2020 standen die Luxusfahrzeuge des Mindener Unternehmens schon in Genf, als der renommierte Autosalon wegen der beginnenden Pandemie doch noch kurzfristig abgesagt wurde. Dort wollte Klassen unter anderem einen verlängerten Range Rover präsentieren, der anschließend als luxuriöses Präsidentenfahrzeug nach Afrika verschifft werden sollte. Auch eine gepanzerte Mercedes G-Klasse war mit an Bord, der im Inneren ebenfalls nach bester Klassen-Manier ausgestattete „Bunker“. Es sollte der nächste große Aufschlag werden in der Welt der Superreichen. Umso herber wirkte das Aus der Messe. Etwa 300.000 Euro habe er verloren, sagt Klassen kurz vor dem Neustart in der kommenden Woche auf der Monaco Yacht Show.

Diesmal hat er als Hauptattraktion einen veredelten Mercedes-Maybach GLS im Gepäck. Der neue Besitzer wartet schon auf seiner Yacht auf das neue Auto, dass die Mindener farblich und beim Interieur auf das Schiff abgestimmt haben. Klassen kooperiert dabei mit der Werft und hat auch den Kapitänsstand auf der Yacht ausgestattet. Wie fast alles, was die Mindener herstellen, ist auch der Edel-SUV ein Unikat: Wer die Fahrertür öffnet, kann das Schild mit der Seriennummer 1 kaum übersehen. Die Exklusivität hat ihren Preis: 300.000 Euro ruft Klassen dafür auf, das Basisfahrzeug von Mercedes ist ab 165.000 Euro zu haben. Das Yacht-Projekt hatte Paul Klassen schon eine Weile auf dem Zettel, genauso wie einen überarbeiteten Rolls Royce Cullinan. Auch den gibt es inzwischen, allerdings zunächst nicht in der ursprünglich geplanten verlängerten Version.

Gut 500 Fahrzeuge hat Paul Klassen seit dem Start vor acht Jahren unter seinem Markennamen verkauft, seit 2019 ist er auch vom Kraftfahrtbundesamt als Autohersteller zertifiziert. Das Geschäft wächst stetig, auch wenn es nach der Krimkrise zwischenzeitlich schwierig war, wie er sagt – damals war Russland der mit Abstand wichtigste Markt. Und auch nach dem großen Corona-Ausbruch im Februar 2020 gab es viele Fragezeichen: „Wer braucht jetzt noch unsere Autos?“, habe er sich gefragt, als es für die Menschen nichts Wichtigeres zu geben schien, als irgendwo Toilettenpapier zu ergattern.


Im Rückblick brachte die Pandemie dann aber sogar einen kräftigen Schub, der Umsatz habe sich fast verdoppelt, sagt Paul Klassen: Vor Corona lagen die Erlöse bei sieben bis acht Millionen Euro, aktuell bei knapp 15 Millionen: „Wir haben in nur zwei Monaten fast unseren gesamten Bestand verkauft.“ Und weil in der Pandemie ganz neue Anforderungen entstanden sind, hat er in einigen Modellen auch gleich Trennwände zum Fahrerbereich und spezielle Lüftungssysteme installiert. So sollen seine VIP-Kunden bestmöglich geschützt sein.

Blau steht für Elektro: Paul Klassen präsentiert auf der Messe auch einen umgebauten Mercedes EQV. - © Alex Lehn
Blau steht für Elektro: Paul Klassen präsentiert auf der Messe auch einen umgebauten Mercedes EQV. - © Alex Lehn

Es ist wohl auch diese Kurzentschlossenheit, die das Geschäft des 44-Jährigen ausmacht. Nach den ersten ausgebauten Mercedes Sprinter-Modellen für den russischen Markt oder exzentrische Fußball-Profis kamen Staatskarossen für afrikanische Präsidenten, gepanzerte Geländewagen oder auf die Yacht abgestimmte Luxuslimousinen. Der nächste Schritt führt Paul Klassen wieder ein Stück zurück zu den Wurzeln und greift gleichzeitig den aktuellen Branchentrend auf: Elektrofahrzeuge. Kaum ist Mercedes mit dem elektrischen Van EQV auf dem Markt, hat Klassen bereits eine eigene Version fertig, die ebenfalls in Monaco vorgestellt werden soll. Trotz seines Innenausbaus mit elektrischen Maybach-Sitzen und Fernseher im Fonds soll die Reichweite bei 400 Kilometern liegen, wie Klassens persönlicher Test ergeben habe: „Alle haben gedacht, das geht nicht. Aber wir haben es trotzdem geschafft“, sagt er. Mit der Entwicklung ist er ins Risiko gegangen, die Kunden muss er jetzt erst einmal gewinnen.

Mit dem EQV nimmt Klassen daher auch neue Käuferschichten in den Blick. Die Mercedes-Vans mit dem großen K anstelle des Sterns sollen in größerer Stückzahl verkauft werden, als Familienauto. Das für Klassen typische Ambiente bleibt dabei erhalten, wirkt aber doch Alltagstauglicher als die übrigen Modelle, die im Schwarzen Weg ausgestellt sind. Und mit dem Verkauf in Kooperation mit einem Mercedes-Vertragshändler sollen seine Fahrzeuge auch entsprechend sichtbarer werden. Das wäre eine Abkehr von dem bisherigen Credo der Super-Exklusivität, die Vans keine Unikate mehr. 20 bis 30 Exemplare will er pro Jahr verkaufen, als EQV oder mit dem klassischen Verbrennungsmotor. Und mit einem Preis zwischen 80.000 und 120.000 Euro soll sich die Klassen-Variante im Bereich der Serien-Fahrzeuge bewegen. Für die Top-Variante liegt auch der Mercedes jenseits der 100.000 Euro.

Dass diese Strategie die Marke beschädigen könnte, glaubt Paul Klassen nicht. Vor allem vom Elektrobereich verspricht er sich neue Impulse – gerade auch mit seinem Messeauftritt in Monaco. Denn Fürst Albert II. gilt als bekennender Umweltschützer und unterstützt unter anderem die Formel E. Der Fürst als Gast auf der Yacht Show – das käme Paul Klassen gerade recht. Über einen seiner Kunden hat er schonmal die Fühler ausgestreckt.

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