Neulinge im Mindener Stadtrat leben sich ein Monika Jäger Minden. 54 Mitglieder hat Mindens Rat. Sechs der 20 Neuen erzählen. Bettina Lauer, SPD Die Architektin ist neu im Rat, aber nicht neu in kommunalpolitischer Arbeit. Als sachkundige Bürgerin hat sie bereits mitgemacht, und ihr Herzensthema ist, die Stadt – besonders die Obere Altstadt – „wohnfreundlicher“, zu machen. Ein Thema, das sie auch beruflich vertritt. So bewirbt sich das Architekturbüro, bei dem sie arbeitet, gerade für die Umgestaltung des Rampenlochs. Da sind Interessenkonflikte möglich. Und darum musste die 53-jährige auch, wie sie selbst sagt, „eine Kröte schlucken“: Die Fraktion folgte ihrem Wunsch nach einem Sitz im Bauausschuss nicht. Gerade weil sie vom Fach sei, weil sie zum Beispiel immer mit Bebauungsplänen zu tun hat, könnte sie doch gut sehen, wo es vielleicht mal knirscht – so ihr Argument. Jetzt wird sie ihr Know-How in diesem Bereich im fraktionellen Arbeitskreis einbringen. Zentrale Themen sind für Lauer neben der Innenstadtentwicklung Umweltpolitik, Klimaschutz und neue Lösungen für Verkehr. Die erste Ratssitzung fand sie sachlich und hat die Gelegenheit genutzt, sich erstmal umzuschauen. Es seien ja viele fremde Menschen auf einmal, auch wenn sie einige bereits vom Sehen oder aus anderen Zusammenhängen her kannte. Aktiv sein wird sie im Ausschuss für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz und im Umweltausschuss. Pascal Brongkoll, CDU Er ist in der konstituierenden Sitzung gleich aufgestanden und ans Mikro getreten, um die CDU zu unterstützen. Pascal Brongkoll war zwölf Jahre lang Soldat, ist jetzt Kreisinspektor im JobCenter und sagt trotzdem: „Ich war aufgeregt. So eine erste Ratssitzung, das ist schon was Besonderes.“ Nervös sei er gewesen, aber auch dankbar für diese Chance. Danach hat er das Geschehen durchaus kritisch betrachtet. „Ich fand auffällig, wie manche Fraktionen ihre Mehrheiten sichtbar gemacht haben“, sagt er und spielt damit auf die Grünen und die SPD an, die bei vielen Themen an einem Strang zogen. „Und die AfD war ja auch so, wie man das kennt: Einfach mal was sagen, egal, wie viel oder wenig dahinter steckt.“ Die Pausengespräche mit anderen Stadtverordneten fand er „durchweg positiv“, es sei deutlich geworden, dass hier parteiübergreifend miteinander geredet werde und dass viele den Neuen gegenüber aufgeschlossen sind. Warum ist er in der Kommunalpolitik? „Ich möchte was bewegen.“ Frischen Wind hält er für wichtig und auch nötig. Kann er dieser frische Wind sein? „Ich bin ein Mensch, der Sachen hinterfragt, der sich aber auch mit Themen auseinandersetzen möchte, bevor Entscheidungen fallen.“ Und wird man ihn öfter am Mikrofon sehen? „Ich wurde dazu gewählt, die Interessen der Bürgerinnen und Bürger zu vertreten. und dazu gehört auch, Stellung zu beziehenr.“ Brongkoll wird Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss, im Jugendhilfeausschuss, Sozialausschuss und im Ausschuss für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz sein. Gesine Frank, Die Linke Eigentlich sei sie ja eher jemand, der in Bürgerinitiativen aktiv ist, sagt Gesine Frank. So wie im Verein für aktuelle Kunst, im Bigtab-Vorstand oder bei der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes, Bund der Antifaschisten). Aber seit zehn Jahren ist sie auch in politischen Gremien unterwegs, für die Linken etwa im Kreisvorstand, als Basisgruppensprecherin und als Delegierte auf Landesparteitagen. Und weil sie den Polit-Betrieb kennt, sei so eine Ratssitzung wie die in Minden keine Herausforderung gewesen. Sie möchte politisch auch deshalb arbeiten, um die Stimme der Frauen hörbar zu machen. Mit der zweiten Linken Stadtverordneten im Rat, Angela Gradler-Gebecke, und sachkundigen Bürgern wird sie sich die Ausschüsse teilen. Sie will sich unter anderem intensiv Kulturthemen widmen. „Das wollte ich unbedingt, ich habe ja auch selbst Kunst studiert“, sagt die Web-Entwicklerin. Mit Blick auf die Folgen der Corona-Krise sagt sie: „Wenn der Rotstift an Bildung, Soziales und Kultur angesetzt werden sollte, werden wir Linken von allen Fraktionen Solidarität einfordern, um gemeinsam zum Wohl der Kommunen in Berlin und Düsseldorf für mehr Geld anzuklopfen.“ Da das Einarbeiten in die Themen bestimmt Zeit braucht, beispielsweise, wenn es um den Haushalt geht, plant sie, einige ihrer Ehrenämter aufzugeben. „Bei den Linken bin ich ja eher wegen internationaler Themen eingetreten. Aber die Kommune ist die kleinste Einheit. Und es ist für mich selbstverständlich, mich auf dieser Ebene zu engagieren.“ Gesine Frank ist Mitglied im Ausschuss für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz sowie beratend in den Ausschüssen für Stadtentwicklung, Kultur, Wahlprüfung und dem Betriebsausschuss. Daniela Michels, Grüne Schon einmal hat Daniela Michels in der Mindener Kommunalpolitik mitgemacht, acht Jahre als sachkundige Bürgerin – bis vor sechs Jahren. Dann setzte ihre Partei sie in der Wahlvorbereitung nicht mal auf die Reserveliste. Das saß – und Michels konzentrierte sich danach auf die Kreispolitik. „Das habe ich gebraucht, um jetzt richtig mit der neuen Grünen-Fraktion durchstarten zu können“, sagt die 51-jährige. In der Kreistagsfraktion sei sie anders mitgenommen worden, und durch den Blick über den Tellerrand habe sie viel gelernt. Und wenn künftig im Rat Entscheidungen zu treffen seien, schade es bestimmt nicht, diese andere Perspektive zu kennen. Ganz verabschiedet hat sie sich aus den Mindener Themen nie: Manchmal kam sie als Zuschauerin. Und doch war sie in der konstituierenden Sitzung auch nervös. „Mein Tisch quietschte jedes Mal, wenn ich was aufschrieb.“ Wohl fühlte sie sich mit ihrem Sitznachbarn, Dr. Konrad Winckler, der ebenfalls neu im Rat ist. „Wir kannten uns schon aus dem Wahlkampf.“ Und nein, Berührungsängste habe sie nicht, sagt die gelernte Technische Zeichnerin Ihre Arbeitsthemen? „Müll, Straßen, Feuerwehr.“ Auch sie wird den Ausschuss für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz begleiten, ebenso den Betriebsausschuss. Raphael Lorenz, SPD „Ich bin ganz ohne Vorkenntnisse in den Rat gegangen“: Raphael Lorenz ist direkt und nimmt kein Blatt vor den Mund, und doch war er, wie er sagt, am Anfang der Sitzung aufgeregt. „Man ist eben der Neue, ein bisschen wie am ersten Schultag, wo alle erst einmal ihren Platz finden müssen.“ Dabei wusste er schon seit eineinhalb Jahren, dass er versuchen wird, die Nachfolge der scheidenden Stadtverordneten Sabine Flintzak einzunehmen. Und er wusste auch, dass das mit zwei kleinen Kindern gutes Zeitmanagement brauchen wird. Die erste Sitzung? „Das war so, wie man es sich vorstellt.“ Die Diversität der Gesellschaft sei im Rat abgebildet, sagt der 34-Jährige MKB-Werkstattleiter: „Die Parteivertreter verhalten sich hier genauso wie die in Berlin.“ Argumentationswege und die Sprachwahl seien sehr ähnlich. Insgesamt war alles eher förmlich und schwerfällig, findet Lorenz, und sagt „Ich wünsche mir mehr Dynamik.“ Wie will er dazu beitragen? „Ich werde dann, wenn ich was zu sagen habe, mit meiner Expertise ans Mikro treten.“ Seine Themen sind Umwelt und Klima, besonders aber das Arbeiten an einer fahrradfreundlichen Welt. Einen festen Platz hat er im Sportausschuss. Emelie Segler, Grüne Sie ist die jüngste von allen, und dass sie immer wieder darauf angesprochen wird, nimmt Emelie Segler gelassen. Sie hat gerade Abi gemacht, in Coronazeiten, gehört zu dem Jahrgang, der keine großen Partys feiert, der keine langen Auslandsreisen macht. Für sie war der politische Umgang mit der Pandemie Anstoß, sich persönlich zu engagieren. „Politik und Kommunalpolitik haben mich schon immer interessiert“, sagt sie. „Mich hat dann wirklich geärgert, wie im Zusammenhang mit Corona die politischen Schwerpunkte festgelegt wurden. Am Anfang waren Kinder und Jugendliche überhaupt nicht im Blick.“ Das wollte sie ändern. Dass sie bei den Grünen dann direkt auf die Liste kam, hat sie zwar überrascht, aber auch gefreut. Und dann war sie plötzlich auch gewählt und im Rat. Ihr Ziel: Jugendliche sollen leichter politisch mitmachen können. Leichter auch als sie selbst, sollen eine Stimme bekommen, auch wenn sie nicht Stadtverordnete sind. „Das ist mir wirklich ein Herzensthema.“ Der Jugendbeirat könne da ein wichtiges und gutes Instrument sein. Hat sich jetzt, in der zweiten Welle, aus ihrer Sicht die Lage für Jugendliche verbessert? Teils, teils, sagt sie. „Jugendhäuser sind weiter offen, das ist gut. Aber in all den Monaten ist nicht genug getan worden, um den Abwesenheitsunterricht zu gestalten.“ Welche Probleme es in den Schulen gibt, sieht sie ständig bei ihren zwei kleineren Brüdern. Ihre Lebensplanung hat sie auf das neue Ehrenamt abgestellt. Eigentlich wollte sie zum Verwaltungsstudium nach Hamburg. Doch die duale Ausbildung hätte sie nicht mit voller Kraft machen können, wenn sie zugleich in Minden in Ausschüssen mitarbeiten will. Darum wird sie jetzt in Bielefeld Politikwissenschaften studieren. Die erste Ratssitzung? „Das war alles schon so, wie ich es mir vorgestellt hatte.“ Besonders hat sie gefreut, dass viele Stadtverordnete auch aus anderen Fraktionen auf sie zugekommen sind und mit ihr geredet haben. Gleichzeitig mit ihr ist auch ihr Vater für die Grünen im Rat. „Wegen ihm bin ich aber ja nicht in die Politik gegangen, sondern weil ich selbst etwas ändern will. Wir sind zwei Personen, nicht ,die Seglers’.“ Sie wird im Frauenausschuss und im Jugendhilfeausschuss arbeiten und sich dafür einsetzten, dass ein Jugendbeirat kommt und gut ausgestattet wird.

Neulinge im Mindener Stadtrat leben sich ein

Konstituirende Sitzung des Mindener Rates November 2020. Für viele der 20 Neuen war es die erste Ratssitzung überhaupt. Foto: Monika Jäger © x

Minden. 54 Mitglieder hat Mindens Rat. Sechs der 20 Neuen erzählen.

Bettina Lauer, SPD

Die Architektin ist neu im Rat, aber nicht neu in kommunalpolitischer Arbeit. Als sachkundige Bürgerin hat sie bereits mitgemacht, und ihr Herzensthema ist, die Stadt – besonders die Obere Altstadt – „wohnfreundlicher“, zu machen. Ein Thema, das sie auch beruflich vertritt. So bewirbt sich das Architekturbüro, bei dem sie arbeitet, gerade für die Umgestaltung des Rampenlochs. Da sind Interessenkonflikte möglich. Und darum musste die 53-jährige auch, wie sie selbst sagt, „eine Kröte schlucken“: Die Fraktion folgte ihrem Wunsch nach einem Sitz im Bauausschuss nicht. Gerade weil sie vom Fach sei, weil sie zum Beispiel immer mit Bebauungsplänen zu tun hat, könnte sie doch gut sehen, wo es vielleicht mal knirscht – so ihr Argument. Jetzt wird sie ihr Know-How in diesem Bereich im fraktionellen Arbeitskreis einbringen.

Bettina Lauer, SPD. Fotos: privat - © y
Bettina Lauer, SPD. Fotos: privat - © y

Zentrale Themen sind für Lauer neben der Innenstadtentwicklung Umweltpolitik, Klimaschutz und neue Lösungen für Verkehr. Die erste Ratssitzung fand sie sachlich und hat die Gelegenheit genutzt, sich erstmal umzuschauen. Es seien ja viele fremde Menschen auf einmal, auch wenn sie einige bereits vom Sehen oder aus anderen Zusammenhängen her kannte.

Daniela Michels, Die Grünen. - © x
Daniela Michels, Die Grünen. - © x

Aktiv sein wird sie im Ausschuss für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz und im Umweltausschuss.

Pascal Brongkoll, CDU

Gesine Frank, Die Linke. - © privat
Gesine Frank, Die Linke. - © privat

Er ist in der konstituierenden Sitzung gleich aufgestanden und ans Mikro getreten, um die CDU zu unterstützen. Pascal Brongkoll war zwölf Jahre lang Soldat, ist jetzt Kreisinspektor im JobCenter und sagt trotzdem: „Ich war aufgeregt. So eine erste Ratssitzung, das ist schon was Besonderes.“ Nervös sei er gewesen, aber auch dankbar für diese Chance.

Raphael Lorenz, SPD. - © y
Raphael Lorenz, SPD. - © y

Danach hat er das Geschehen durchaus kritisch betrachtet. „Ich fand auffällig, wie manche Fraktionen ihre Mehrheiten sichtbar gemacht haben“, sagt er und spielt damit auf die Grünen und die SPD an, die bei vielen Themen an einem Strang zogen. „Und die AfD war ja auch so, wie man das kennt: Einfach mal was sagen, egal, wie viel oder wenig dahinter steckt.“ Die Pausengespräche mit anderen Stadtverordneten fand er „durchweg positiv“, es sei deutlich geworden, dass hier parteiübergreifend miteinander geredet werde und dass viele den Neuen gegenüber aufgeschlossen sind.

Pascal Brongkoll, CDU. - © y
Pascal Brongkoll, CDU. - © y

Warum ist er in der Kommunalpolitik? „Ich möchte was bewegen.“ Frischen Wind hält er für wichtig und auch nötig. Kann er dieser frische Wind sein? „Ich bin ein Mensch, der Sachen hinterfragt, der sich aber auch mit Themen auseinandersetzen möchte, bevor Entscheidungen fallen.“ Und wird man ihn öfter am Mikrofon sehen? „Ich wurde dazu gewählt, die Interessen der Bürgerinnen und Bürger zu vertreten. und dazu gehört auch, Stellung zu beziehenr.“

Emelie Segler, Die Grünen. - © y
Emelie Segler, Die Grünen. - © y

Brongkoll wird Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss, im Jugendhilfeausschuss, Sozialausschuss und im Ausschuss für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz sein.

Gesine Frank, Die Linke

Eigentlich sei sie ja eher jemand, der in Bürgerinitiativen aktiv ist, sagt Gesine Frank. So wie im Verein für aktuelle Kunst, im Bigtab-Vorstand oder bei der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes, Bund der Antifaschisten). Aber seit zehn Jahren ist sie auch in politischen Gremien unterwegs, für die Linken etwa im Kreisvorstand, als Basisgruppensprecherin und als Delegierte auf Landesparteitagen. Und weil sie den Polit-Betrieb kennt, sei so eine Ratssitzung wie die in Minden keine Herausforderung gewesen.

Sie möchte politisch auch deshalb arbeiten, um die Stimme der Frauen hörbar zu machen. Mit der zweiten Linken Stadtverordneten im Rat, Angela Gradler-Gebecke, und sachkundigen Bürgern wird sie sich die Ausschüsse teilen. Sie will sich unter anderem intensiv Kulturthemen widmen. „Das wollte ich unbedingt, ich habe ja auch selbst Kunst studiert“, sagt die Web-Entwicklerin.

Mit Blick auf die Folgen der Corona-Krise sagt sie: „Wenn der Rotstift an Bildung, Soziales und Kultur angesetzt werden sollte, werden wir Linken von allen Fraktionen Solidarität einfordern, um gemeinsam zum Wohl der Kommunen in Berlin und Düsseldorf für mehr Geld anzuklopfen.“

Da das Einarbeiten in die Themen bestimmt Zeit braucht, beispielsweise, wenn es um den Haushalt geht, plant sie, einige ihrer Ehrenämter aufzugeben. „Bei den Linken bin ich ja eher wegen internationaler Themen eingetreten. Aber die Kommune ist die kleinste Einheit. Und es ist für mich selbstverständlich, mich auf dieser Ebene zu engagieren.“

Gesine Frank ist Mitglied im Ausschuss für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz sowie beratend in den Ausschüssen für Stadtentwicklung, Kultur, Wahlprüfung und dem Betriebsausschuss.

Daniela Michels, Grüne

Schon einmal hat Daniela Michels in der Mindener Kommunalpolitik mitgemacht, acht Jahre als sachkundige Bürgerin – bis vor sechs Jahren. Dann setzte ihre Partei sie in der Wahlvorbereitung nicht mal auf die Reserveliste. Das saß – und Michels konzentrierte sich danach auf die Kreispolitik. „Das habe ich gebraucht, um jetzt richtig mit der neuen Grünen-Fraktion durchstarten zu können“, sagt die 51-jährige. In der Kreistagsfraktion sei sie anders mitgenommen worden, und durch den Blick über den Tellerrand habe sie viel gelernt.

Und wenn künftig im Rat Entscheidungen zu treffen seien, schade es bestimmt nicht, diese andere Perspektive zu kennen. Ganz verabschiedet hat sie sich aus den Mindener Themen nie: Manchmal kam sie als Zuschauerin. Und doch war sie in der konstituierenden Sitzung auch nervös. „Mein Tisch quietschte jedes Mal, wenn ich was aufschrieb.“ Wohl fühlte sie sich mit ihrem Sitznachbarn, Dr. Konrad Winckler, der ebenfalls neu im Rat ist. „Wir kannten uns schon aus dem Wahlkampf.“ Und nein, Berührungsängste habe sie nicht, sagt die gelernte Technische Zeichnerin

Ihre Arbeitsthemen? „Müll, Straßen, Feuerwehr.“ Auch sie wird den Ausschuss für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz begleiten, ebenso den Betriebsausschuss.

Raphael Lorenz, SPD

„Ich bin ganz ohne Vorkenntnisse in den Rat gegangen“: Raphael Lorenz ist direkt und nimmt kein Blatt vor den Mund, und doch war er, wie er sagt, am Anfang der Sitzung aufgeregt. „Man ist eben der Neue, ein bisschen wie am ersten Schultag, wo alle erst einmal ihren Platz finden müssen.“

Dabei wusste er schon seit eineinhalb Jahren, dass er versuchen wird, die Nachfolge der scheidenden Stadtverordneten Sabine Flintzak einzunehmen. Und er wusste auch, dass das mit zwei kleinen Kindern gutes Zeitmanagement brauchen wird. Die erste Sitzung? „Das war so, wie man es sich vorstellt.“ Die Diversität der Gesellschaft sei im Rat abgebildet, sagt der 34-Jährige MKB-Werkstattleiter: „Die Parteivertreter verhalten sich hier genauso wie die in Berlin.“ Argumentationswege und die Sprachwahl seien sehr ähnlich. Insgesamt war alles eher förmlich und schwerfällig, findet Lorenz, und sagt „Ich wünsche mir mehr Dynamik.“ Wie will er dazu beitragen? „Ich werde dann, wenn ich was zu sagen habe, mit meiner Expertise ans Mikro treten.“ Seine Themen sind Umwelt und Klima, besonders aber das Arbeiten an einer fahrradfreundlichen Welt. Einen festen Platz hat er im Sportausschuss.

Emelie Segler, Grüne

Sie ist die jüngste von allen, und dass sie immer wieder darauf angesprochen wird, nimmt Emelie Segler gelassen. Sie hat gerade Abi gemacht, in Coronazeiten, gehört zu dem Jahrgang, der keine großen Partys feiert, der keine langen Auslandsreisen macht. Für sie war der politische Umgang mit der Pandemie Anstoß, sich persönlich zu engagieren. „Politik und Kommunalpolitik haben mich schon immer interessiert“, sagt sie. „Mich hat dann wirklich geärgert, wie im Zusammenhang mit Corona die politischen Schwerpunkte festgelegt wurden. Am Anfang waren Kinder und Jugendliche überhaupt nicht im Blick.“ Das wollte sie ändern.

Dass sie bei den Grünen dann direkt auf die Liste kam, hat sie zwar überrascht, aber auch gefreut. Und dann war sie plötzlich auch gewählt und im Rat. Ihr Ziel: Jugendliche sollen leichter politisch mitmachen können. Leichter auch als sie selbst, sollen eine Stimme bekommen, auch wenn sie nicht Stadtverordnete sind. „Das ist mir wirklich ein Herzensthema.“ Der Jugendbeirat könne da ein wichtiges und gutes Instrument sein.

Hat sich jetzt, in der zweiten Welle, aus ihrer Sicht die Lage für Jugendliche verbessert? Teils, teils, sagt sie. „Jugendhäuser sind weiter offen, das ist gut. Aber in all den Monaten ist nicht genug getan worden, um den Abwesenheitsunterricht zu gestalten.“ Welche Probleme es in den Schulen gibt, sieht sie ständig bei ihren zwei kleineren Brüdern.

Ihre Lebensplanung hat sie auf das neue Ehrenamt abgestellt. Eigentlich wollte sie zum Verwaltungsstudium nach Hamburg. Doch die duale Ausbildung hätte sie nicht mit voller Kraft machen können, wenn sie zugleich in Minden in Ausschüssen mitarbeiten will. Darum wird sie jetzt in Bielefeld Politikwissenschaften studieren.

Die erste Ratssitzung? „Das war alles schon so, wie ich es mir vorgestellt hatte.“ Besonders hat sie gefreut, dass viele Stadtverordnete auch aus anderen Fraktionen auf sie zugekommen sind und mit ihr geredet haben. Gleichzeitig mit ihr ist auch ihr Vater für die Grünen im Rat. „Wegen ihm bin ich aber ja nicht in die Politik gegangen, sondern weil ich selbst etwas ändern will. Wir sind zwei Personen, nicht ,die Seglers’.“

Sie wird im Frauenausschuss und im Jugendhilfeausschuss arbeiten und sich dafür einsetzten, dass ein Jugendbeirat kommt und gut ausgestattet wird.

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