Neues Verkehrskonzept für Minden: Wie Öffentliche Verkehrsmittel irgendwann gegen Autos punkten könnten Monika Jäger Minden. Bis 2030 soll in Minden der CO2-Ausstoß um 30 Prozent geringer werden als 2011. Das funktioniert nicht mit Druck, sondern nur, wenn alle mitmachen. Darum soll es beispielsweise viel einfacher werden als bisher, mit Bus, Fahrrad oder zu Fuß unterwegs zu sein – und das könnte am Ende vielleicht sogar mehr Spaß machen als Autofahren. Wie so ein Umbau des Stadtverkehrs zu erreichen ist, dafür gibt es ein Konzept. Das haben Mindener Bürger, Engagierte, Spezialisten und eine Fachagentur zusammen erarbeitet, und seit 2016 ist es politisch beschlossen. Darin ist das große Ziel in sieben Handlungsfelder und 57 Einzelmaßnahmen aufgeteilt, die nun nach und nach umgesetzt werden sollen. Wie aktuell die Bilanz des Erreichten aussieht, stellte jetzt Petra Rehling für die Stadt Minden im Klimaausschuss vor. Manches ist geschafft: Das Busnetz wurde beispielsweise umgestrickt, Minden hat 2019 eine eigene Verkehrsgesellschaft gegründet. Radfahrer bekamen mehr Platz – viele Kreuzungen und Fahrstreifen sind mit deutlicher roter Farbe markiert. Es gibt inzwischen auch Carsharing-Angebote. Vieles ist aber noch zu tun. Busse Wenn die „Öffis“ gegen Autos punkten sollen, dann müssen die Verbindungen nicht nur gut getaktet sein. Sondern viele andere Faktoren sind da wichtig. Beispielsweise müsste das Ein- und Aussteigen für alle Menschen leicht sein, das Personal sollte freundlich, kompetent und kundenorientiert sein. Minden will ein Bussystem, das nicht nur Vielfahrer und Insider verstehen: Jeder sollte sich schnell im Busnetz orientieren können. Und auch bei Regen und Schnee soll das Warten auf den Bus zumindest erträglich sein. Eine App, die verbindet Einfach den eigenen Standort und das Ziel eingeben und Handy, Tablet oder Computer zeigen die besten Verbindungen? Eine solche App ist gerade in Arbeit, eine Testversion von „OWL mobil“ liegt vor und kann beispielsweise für Android-Handys im Play Store heruntergeladen werden. Registrierte Kunden können per App auch Tickets kaufen. Dies wäre auch eine Möglichkeit, wie Mindener mehr über ihr Busnetz erfahren könnten – längst nicht alle wissen zum Beispiel, dass es inzwischen einen Ringbus und eine regelmäßig getaktete Verbindung zum Bahnhof gibt. So ist auch „mehr Information“ ein Ziel. Werbung für das Bussystem sei in der Corona-Zeit allerdings nicht aktiv vorangetrieben worden, weil es da ja „eher wenig Sinn machte, allen zu empfehlen, in Massen in Busse zu steigen“, so Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau. Die Informationen an den Haltestellen lassen hingegen mancherorts zu wünschen übrig, und auch am ZOB muss zu oft der Anschluss-Bus erst gesucht werden. Für das Fahrgastinformationssystem müsse noch Software entwickelt werden, da stehe die Ausschreibung noch aus, so Bursian. Und es gebe zwar Displays am ZOB und am Bahnhof – „da brauchen wir aber was Besseres“. Kann das Netz dichter werden? Wie das gesamte Netz aussieht, ist eine politische Entscheidung. Sicher könnte die Taktung noch dichter sein, Busse können früher morgens und später abends fahren, oder Minden könnte sich für ein Anruf-Sammel-System entscheiden: All das wäre buchbar, müsste aber beschlossen und vor allem bezahlt werden. Ein Beispiel: Manche Stadtverordnete fordern immer wieder, dass alle Teile des Netzes an die neuen Kriterien angepasst werden. In Einzelfällen gilt hier noch die alte weniger komfortable Regelung. Die Stadt hat dazu Berechnungen vorgelegt: Die Angleichung würde für eine Linie mit rund 50.000 Euro jährlich zu Buche schlagen. Und eine solche Ausgabe müsste mit in den städtischen Haushalt aufgenommen werden. Im Konzept steht auch ein Bürgerbus – der müsse aber tatsächlich von Bürgern umgesetzt werden und nicht von oben kommen, so Bursian. Besser durchkommen Wenig vor Ampeln warten: Auch das würde den CO2-Ausstoß verringern. Busse bekommen hier die Möglichkeit, sich an diesen Kreuzungen Vorrang zu verschaffen – das System sei weitgehend fertig und es werde in Kürze funktionieren, hieß es im Ausschuss dazu. Auch eine grüne Welle für bestimmte viel benutzte Strecken wäre ein Mittel, um die Umwelt zu schonen. Hier ist die Stadt Minden jedoch beim Einrichten und Umstellen von Ampelanlagen an Kreuzungen immer wieder von der Fachfirma Siemens abhängig. Das berichtete im Ausschuss der Leiter der Städtischen Betriebe Minden, Peter Wansing. Die Siemens-Mitarbeitenden stünden nicht immer zeitnah zur Verfügung. Weniger bezahlen Manches ist auch über den Preis zu regeln. Die Stadt setzt hier auf zwei Neuerungen: Zum 1. Dezember 2021 soll das Klimaticket kommen mit dem Angebot, unbegrenzt für 36 Euro im Monat (29 im Abo) Bus zu fahren. Mit dem Schülerticket können ab 1. Februar 2022 Kinder und Jugendliche Busse und Bahn westfalenweit kostenfrei nutzen Schöner Warten Auf den Bus warten? Das sind im Moment in Minden je nach Haltestelle ganz unterschiedliche Erfahrungen. Zum einen wird sich hier im Zusammenhang mit dem neuen Werbekonzept einiges ändern. Zum anderen sollen Wartezonen künftig barrierefrei umgebaut werden. Dazu wird es taktile Elemente geben, die beispielsweise auf den Einstieg hinweisen. Zudem soll künftig das Haltestellenschild ebenfalls am Eingang positioniert werden. Überall da, wo es möglich ist, soll mehr Platz und Übersicht geschaffen werden. Hierzu wird künftig ein spezielles rotes Pflaster verlegt, das sich mit der Zeit auch als Signal etablieren dürfte, dass hier eine Bushaltestelle ist. All das wurde mit Vertretern des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) und des Beirats für Menschen mit Behinderungen erarbeitet. Wie wichtig diese Kooperation ist, zeigte sich übrigens auch, als es um die Höhe ging, auf der künftig die Fahrpläne hängen. Das Ergebnis ist nun ein Kompromiss: Wer im Rollstuhl sitzt, wird etwas hoch gucken müssen, wer groß gewachsen ist, muss sich etwas herunterbeugen. Mieten und fahren Politik und Verwaltung sind zufrieden, dass das Car-Sharing-Angebot „Minden GO“ gut angenommen wurde. Jetzt wird auch über E-Scooter zum Mieten nachgedacht. Hendrik Mucke (CDU) fragte nach dem Stand. Das sei „ein kompliziertes Feld“, so Bursian, die Verwaltung orientiere sich hier unter anderem an einem Handlungskatalog des Städtetags. Denn Klein- und Mittelstädte möchten aus den schlechten Erfahrungen von Großstädten lernen. Um das wilde Abstellen zu verhindern, könnten Parkverbotszonen ausgewiesen werden, beispielsweise an der Weserpromenade. Langsamfahrstrecken würden gegen Raser helfen. Vor allem sollten diese E-Roller aber ja das Umfeld erschließen und sich nicht nur auf die Innenstadt beschränken. Ob das am Ende komme? Das stehe noch nicht fest. „Erst einmal müssen wir das Konzept diskutieren.“ Chancen Doch nicht alles können Kommunen selbst machen – ein Tempolimit auf grundsätzlich 30 Stundenkilometer innerhalb der Stadt halten zwar viele für sinnvoll, dafür gibt es aber bisher keine gesetzliche Handhabe. Und selbst dann wären die Straßen noch auf schnelles Fahren ausgelegt – langfristig würde es daher nicht nur reichen, die Verkehrsschilder zu ändern, so Bursian. Konkrete Zahlen zu Einsparungen gibt es nicht – das ist auch nicht im Mobilitätskonzept möglich, sondern soll im gesamten Klimaschutzkonzept betrachtet werden. Das allerdings wird nun noch einmal angepasst. Denn seit dessen Verabschiedung hat sich schon wieder vieles rasant verändert.

Neues Verkehrskonzept für Minden: Wie Öffentliche Verkehrsmittel irgendwann gegen Autos punkten könnten

Grafik: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. Bis 2030 soll in Minden der CO2-Ausstoß um 30 Prozent geringer werden als 2011. Das funktioniert nicht mit Druck, sondern nur, wenn alle mitmachen. Darum soll es beispielsweise viel einfacher werden als bisher, mit Bus, Fahrrad oder zu Fuß unterwegs zu sein – und das könnte am Ende vielleicht sogar mehr Spaß machen als Autofahren.

Wie so ein Umbau des Stadtverkehrs zu erreichen ist, dafür gibt es ein Konzept. Das haben Mindener Bürger, Engagierte, Spezialisten und eine Fachagentur zusammen erarbeitet, und seit 2016 ist es politisch beschlossen. Darin ist das große Ziel in sieben Handlungsfelder und 57 Einzelmaßnahmen aufgeteilt, die nun nach und nach umgesetzt werden sollen.

Wie aktuell die Bilanz des Erreichten aussieht, stellte jetzt Petra Rehling für die Stadt Minden im Klimaausschuss vor. Manches ist geschafft: Das Busnetz wurde beispielsweise umgestrickt, Minden hat 2019 eine eigene Verkehrsgesellschaft gegründet. Radfahrer bekamen mehr Platz – viele Kreuzungen und Fahrstreifen sind mit deutlicher roter Farbe markiert. Es gibt inzwischen auch Carsharing-Angebote. Vieles ist aber noch zu tun.


Busse

Wenn die „Öffis“ gegen Autos punkten sollen, dann müssen die Verbindungen nicht nur gut getaktet sein. Sondern viele andere Faktoren sind da wichtig. Beispielsweise müsste das Ein- und Aussteigen für alle Menschen leicht sein, das Personal sollte freundlich, kompetent und kundenorientiert sein. Minden will ein Bussystem, das nicht nur Vielfahrer und Insider verstehen: Jeder sollte sich schnell im Busnetz orientieren können. Und auch bei Regen und Schnee soll das Warten auf den Bus zumindest erträglich sein.

Eine App, die verbindet

Einfach den eigenen Standort und das Ziel eingeben und Handy, Tablet oder Computer zeigen die besten Verbindungen? Eine solche App ist gerade in Arbeit, eine Testversion von „OWL mobil“ liegt vor und kann beispielsweise für Android-Handys im Play Store heruntergeladen werden. Registrierte Kunden können per App auch Tickets kaufen.

Dies wäre auch eine Möglichkeit, wie Mindener mehr über ihr Busnetz erfahren könnten – längst nicht alle wissen zum Beispiel, dass es inzwischen einen Ringbus und eine regelmäßig getaktete Verbindung zum Bahnhof gibt. So ist auch „mehr Information“ ein Ziel. Werbung für das Bussystem sei in der Corona-Zeit allerdings nicht aktiv vorangetrieben worden, weil es da ja „eher wenig Sinn machte, allen zu empfehlen, in Massen in Busse zu steigen“, so Lars Bursian, Beigeordneter für Städtebau.

Die Informationen an den Haltestellen lassen hingegen mancherorts zu wünschen übrig, und auch am ZOB muss zu oft der Anschluss-Bus erst gesucht werden. Für das Fahrgastinformationssystem müsse noch Software entwickelt werden, da stehe die Ausschreibung noch aus, so Bursian. Und es gebe zwar Displays am ZOB und am Bahnhof – „da brauchen wir aber was Besseres“.

Kann das Netz dichter werden?

Wie das gesamte Netz aussieht, ist eine politische Entscheidung. Sicher könnte die Taktung noch dichter sein, Busse können früher morgens und später abends fahren, oder Minden könnte sich für ein Anruf-Sammel-System entscheiden: All das wäre buchbar, müsste aber beschlossen und vor allem bezahlt werden. Ein Beispiel: Manche Stadtverordnete fordern immer wieder, dass alle Teile des Netzes an die neuen Kriterien angepasst werden. In Einzelfällen gilt hier noch die alte weniger komfortable Regelung. Die Stadt hat dazu Berechnungen vorgelegt: Die Angleichung würde für eine Linie mit rund 50.000 Euro jährlich zu Buche schlagen. Und eine solche Ausgabe müsste mit in den städtischen Haushalt aufgenommen werden.

Im Konzept steht auch ein Bürgerbus – der müsse aber tatsächlich von Bürgern umgesetzt werden und nicht von oben kommen, so Bursian.

Besser durchkommen

Wenig vor Ampeln warten: Auch das würde den CO2-Ausstoß verringern. Busse bekommen hier die Möglichkeit, sich an diesen Kreuzungen Vorrang zu verschaffen – das System sei weitgehend fertig und es werde in Kürze funktionieren, hieß es im Ausschuss dazu. Auch eine grüne Welle für bestimmte viel benutzte Strecken wäre ein Mittel, um die Umwelt zu schonen. Hier ist die Stadt Minden jedoch beim Einrichten und Umstellen von Ampelanlagen an Kreuzungen immer wieder von der Fachfirma Siemens abhängig. Das berichtete im Ausschuss der Leiter der Städtischen Betriebe Minden, Peter Wansing. Die Siemens-Mitarbeitenden stünden nicht immer zeitnah zur Verfügung.

Weniger bezahlen

Manches ist auch über den Preis zu regeln. Die Stadt setzt hier auf zwei Neuerungen: Zum 1. Dezember 2021 soll das Klimaticket kommen mit dem Angebot, unbegrenzt für 36 Euro im Monat (29 im Abo) Bus zu fahren. Mit dem Schülerticket können ab 1. Februar 2022 Kinder und Jugendliche Busse und Bahn westfalenweit kostenfrei nutzen

Schöner Warten

Auf den Bus warten? Das sind im Moment in Minden je nach Haltestelle ganz unterschiedliche Erfahrungen. Zum einen wird sich hier im Zusammenhang mit dem neuen Werbekonzept einiges ändern. Zum anderen sollen Wartezonen künftig barrierefrei umgebaut werden.

Dazu wird es taktile Elemente geben, die beispielsweise auf den Einstieg hinweisen. Zudem soll künftig das Haltestellenschild ebenfalls am Eingang positioniert werden. Überall da, wo es möglich ist, soll mehr Platz und Übersicht geschaffen werden. Hierzu wird künftig ein spezielles rotes Pflaster verlegt, das sich mit der Zeit auch als Signal etablieren dürfte, dass hier eine Bushaltestelle ist.

All das wurde mit Vertretern des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) und des Beirats für Menschen mit Behinderungen erarbeitet. Wie wichtig diese Kooperation ist, zeigte sich übrigens auch, als es um die Höhe ging, auf der künftig die Fahrpläne hängen. Das Ergebnis ist nun ein Kompromiss: Wer im Rollstuhl sitzt, wird etwas hoch gucken müssen, wer groß gewachsen ist, muss sich etwas herunterbeugen.

Mieten und fahren

Politik und Verwaltung sind zufrieden, dass das Car-Sharing-Angebot „Minden GO“ gut angenommen wurde. Jetzt wird auch über E-Scooter zum Mieten nachgedacht. Hendrik Mucke (CDU) fragte nach dem Stand. Das sei „ein kompliziertes Feld“, so Bursian, die Verwaltung orientiere sich hier unter anderem an einem Handlungskatalog des Städtetags.

Denn Klein- und Mittelstädte möchten aus den schlechten Erfahrungen von Großstädten lernen. Um das wilde Abstellen zu verhindern, könnten Parkverbotszonen ausgewiesen werden, beispielsweise an der Weserpromenade. Langsamfahrstrecken würden gegen Raser helfen.

Vor allem sollten diese E-Roller aber ja das Umfeld erschließen und sich nicht nur auf die Innenstadt beschränken. Ob das am Ende komme? Das stehe noch nicht fest. „Erst einmal müssen wir das Konzept diskutieren.“

Chancen

Doch nicht alles können Kommunen selbst machen – ein Tempolimit auf grundsätzlich 30 Stundenkilometer innerhalb der Stadt halten zwar viele für sinnvoll, dafür gibt es aber bisher keine gesetzliche Handhabe. Und selbst dann wären die Straßen noch auf schnelles Fahren ausgelegt – langfristig würde es daher nicht nur reichen, die Verkehrsschilder zu ändern, so Bursian.

Konkrete Zahlen zu Einsparungen gibt es nicht – das ist auch nicht im Mobilitätskonzept möglich, sondern soll im gesamten Klimaschutzkonzept betrachtet werden. Das allerdings wird nun noch einmal angepasst. Denn seit dessen Verabschiedung hat sich schon wieder vieles rasant verändert.

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