Neues Hebammenstudium: Bewerbung noch bis Ende Februar möglich Christine Riechmann Minden. Bereits mehr als 40 Bewerbungen für den neuen Hebammenstudiengang sind bisher bei der Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken eingegangen. „Wir freuen uns sehr, dass das so gut angenommen wird, obwohl das Bewerbungsverfahren so kurzfristig angesetzt wurde“, sagt Oliver Neuhaus, Direktor der Akademie. Nachdem die Akademisierung des Hebammenberufes feststand und damit das Aus der Mindener Hebammenschule, kam erst im vergangenen September die Zusage der Landesregierung für die refinanzierten Studienplätze an der FH Bielefeld (das MT berichtete). In Kooperation mit den Hebammenschulen in Minden und Paderborn werden ab September 2021 jährlich 45 Hebammen in OWL ausgebildet – wovon 20 Plätze nach Minden gehen. Zuvor herrschte große Sorge, dass ab 2023 keine Geburtshelferinnen mehr in der Region ausgebildet werden können. Noch bis zum 28. Februar können sich Interessierte für den Bachelor-Studiengang „Angewandte Hebammenwissenschaften“ bewerben. Zugangsvoraussetzung ist die Fachhochschulreife oder das Abitur. Der theoretische Teil des dreieinhalbjährigen Studiums wird an der Fachhochschule in Bielefeld gelehrt, die praktische Ausbildung, die etwas mehr als 50 Prozent umfasst und im Wechsel erfolgt, absolvieren die Studierenden in der Geburtshilfe der Mühlenkreiskliniken an den Standorten Minden, Bad Oeynhausen und Lübbecke. Die Praxisanleitung erfolgt an der Akademie für Gesundheitsberufe in Minden als drittem Lernort. „Ganz bewusst ist der Studiengang mit einem hohen Praxisanteil konzipiert worden“, erklärt Martina Höfel, Leiterin der Hebammenschule an der Akademie. Hebamme sei ein praktischer Beruf und mit Ende des Studiums müssten die Studierenden handlungsbereit sein. Auch deshalb werde den Bewerbern ein Praktikum vor Beginn des Studiums empfohlen. „Das ist nicht Pflicht, aber durchaus sinnvoll“, so Meike Meier, leitende Hebamme am Johannes Wesling Klinikum (JWK) und Lehrkraft an der Akademie. Spaß am Umgang mit Kindern reiche nämlich nicht aus – und das würde in einem Praktikum schnell deutlich. Auswahlkriterien sei neben der schriftlichen Bewerbung, in der die Motivation genauso angeschaut wird wie die Auseinandersetzung mit dem Berufsfeld, das Bewerbungsgespräch. „Dabei geht es dann auch um die sogenannten Soft Skills“, so die Hebamme. „Wir schauen uns die Person hinter der Bewerbung an.“ Bewerber müssten nicht nur stressresistent, offen und kommunikativ sein, sondern auch Fähigkeiten in Sachen Beziehungsaufbau haben. Mit etwa 1.000 Euro im ersten Jahr und 100 Euro zusätzlich alle weiteren 14 Monate, werde das Studium verhältnismäßig gut vergütet – zumal nur die gängigen Semestergebühren anfielen und keine weiteren Studiengebühren, so Akademie-Direktor Oliver Neuhaus. Männliche Bewerber gibt es für den neuen Studiengang bisher nicht. Und auch in der schulischen Ausbildung waren Männer, die mit der Reform der Hebammenausbildung seit Januar 2020 auch Hebamme und nicht mehr Entbindungspfleger genannt werden, zuvor in Minden nicht vertreten. „Für den letzten Kurs hat es zwei Bewerber gegeben, aber die hatten nicht die passenden Voraussetzungen“, erinnert sich Martina Höfel. Mit der deutlichen Aufstockung der Ausbildungskapazitäten – durch das Studium werden im Vergleich zur schulischen Ausbildung jährlich dreimal so viele Hebammen fertig – und der Hoffnung auf den Klebeeffekt, erwartet auch der Hebammenverband dem Mangel entgegenzuwirken. „Wir sind sehr froh, dass es jetzt losgeht“, sagt Simone Könemann, Kreisvorsitzende des Verbands. Nach wie vor sei die Situation angespannt und Frauen müssten sich, sobald der Schwangerschaftstest positiv ist, eine Hebamme suchen. Den Mangel bestätigt auch JWK-Hebamme Meike Meier: „Mit weiter steigenden Geburtenzahlen benötigen wir sowohl in der klinischen, als auch in der außerklinischen Versorgung dringend Nachwuchs.“ Erst Ende Dezember musste der Kreißsaal-Betrieb im Mindener Klinikum aufgrund krankheitsbedingter Ausfälle eingeschränkt werden (das MT berichtete). Simone Könemann setzt zudem darauf, dass der Hebammenberuf durch die Akademisierung eine Aufwertung erfährt – sowohl im finanziellen Bereich als auch im Vergleich zu den Ärzten. „Wir können im medizinischen Bereich mehr auf Augenhöhe agieren.“ Beides mache den Beruf attraktiver. Infos zum Studium gibt es unter www.muehlenkreiskliniken.de/hebammenstudium. Bewerbungen für das Hebammenstudium können an folgende E-Mail-Adresse geschickt werden: Akademie-pzhw@muehlenkreisklinken.de (cs)

Neues Hebammenstudium: Bewerbung noch bis Ende Februar möglich

Mareike Höfel, Oliver Neuhaus und Meike Meier (v. l.) zeigen die computergesteuerte Puppe im Simulationszentrum der Akademie für Gesundheitsberufe, mit der verschiedene Geburtsszenarien dargestellt werden können.
Foto: Christine Riechmann
© Christine Riechmann

Minden. Bereits mehr als 40 Bewerbungen für den neuen Hebammenstudiengang sind bisher bei der Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken eingegangen. „Wir freuen uns sehr, dass das so gut angenommen wird, obwohl das Bewerbungsverfahren so kurzfristig angesetzt wurde“, sagt Oliver Neuhaus, Direktor der Akademie.

Nachdem die Akademisierung des Hebammenberufes feststand und damit das Aus der Mindener Hebammenschule, kam erst im vergangenen September die Zusage der Landesregierung für die refinanzierten Studienplätze an der FH Bielefeld (das MT berichtete). In Kooperation mit den Hebammenschulen in Minden und Paderborn werden ab September 2021 jährlich 45 Hebammen in OWL ausgebildet – wovon 20 Plätze nach Minden gehen. Zuvor herrschte große Sorge, dass ab 2023 keine Geburtshelferinnen mehr in der Region ausgebildet werden können.

Noch bis zum 28. Februar können sich Interessierte für den Bachelor-Studiengang „Angewandte Hebammenwissenschaften“ bewerben. Zugangsvoraussetzung ist die Fachhochschulreife oder das Abitur. Der theoretische Teil des dreieinhalbjährigen Studiums wird an der Fachhochschule in Bielefeld gelehrt, die praktische Ausbildung, die etwas mehr als 50 Prozent umfasst und im Wechsel erfolgt, absolvieren die Studierenden in der Geburtshilfe der Mühlenkreiskliniken an den Standorten Minden, Bad Oeynhausen und Lübbecke. Die Praxisanleitung erfolgt an der Akademie für Gesundheitsberufe in Minden als drittem Lernort.

„Ganz bewusst ist der Studiengang mit einem hohen Praxisanteil konzipiert worden“, erklärt Martina Höfel, Leiterin der Hebammenschule an der Akademie. Hebamme sei ein praktischer Beruf und mit Ende des Studiums müssten die Studierenden handlungsbereit sein. Auch deshalb werde den Bewerbern ein Praktikum vor Beginn des Studiums empfohlen. „Das ist nicht Pflicht, aber durchaus sinnvoll“, so Meike Meier, leitende Hebamme am Johannes Wesling Klinikum (JWK) und Lehrkraft an der Akademie. Spaß am Umgang mit Kindern reiche nämlich nicht aus – und das würde in einem Praktikum schnell deutlich.

Auswahlkriterien sei neben der schriftlichen Bewerbung, in der die Motivation genauso angeschaut wird wie die Auseinandersetzung mit dem Berufsfeld, das Bewerbungsgespräch. „Dabei geht es dann auch um die sogenannten Soft Skills“, so die Hebamme. „Wir schauen uns die Person hinter der Bewerbung an.“ Bewerber müssten nicht nur stressresistent, offen und kommunikativ sein, sondern auch Fähigkeiten in Sachen Beziehungsaufbau haben.

Mit etwa 1.000 Euro im ersten Jahr und 100 Euro zusätzlich alle weiteren 14 Monate, werde das Studium verhältnismäßig gut vergütet – zumal nur die gängigen Semestergebühren anfielen und keine weiteren Studiengebühren, so Akademie-Direktor Oliver Neuhaus.

Männliche Bewerber gibt es für den neuen Studiengang bisher nicht. Und auch in der schulischen Ausbildung waren Männer, die mit der Reform der Hebammenausbildung seit Januar 2020 auch Hebamme und nicht mehr Entbindungspfleger genannt werden, zuvor in Minden nicht vertreten. „Für den letzten Kurs hat es zwei Bewerber gegeben, aber die hatten nicht die passenden Voraussetzungen“, erinnert sich Martina Höfel.

Mit der deutlichen Aufstockung der Ausbildungskapazitäten – durch das Studium werden im Vergleich zur schulischen Ausbildung jährlich dreimal so viele Hebammen fertig – und der Hoffnung auf den Klebeeffekt, erwartet auch der Hebammenverband dem Mangel entgegenzuwirken. „Wir sind sehr froh, dass es jetzt losgeht“, sagt Simone Könemann, Kreisvorsitzende des Verbands. Nach wie vor sei die Situation angespannt und Frauen müssten sich, sobald der Schwangerschaftstest positiv ist, eine Hebamme suchen. Den Mangel bestätigt auch JWK-Hebamme Meike Meier: „Mit weiter steigenden Geburtenzahlen benötigen wir sowohl in der klinischen, als auch in der außerklinischen Versorgung dringend Nachwuchs.“ Erst Ende Dezember musste der Kreißsaal-Betrieb im Mindener Klinikum aufgrund krankheitsbedingter Ausfälle eingeschränkt werden (das MT berichtete).

Simone Könemann setzt zudem darauf, dass der Hebammenberuf durch die Akademisierung eine Aufwertung erfährt – sowohl im finanziellen Bereich als auch im Vergleich zu den Ärzten. „Wir können im medizinischen Bereich mehr auf Augenhöhe agieren.“ Beides mache den Beruf attraktiver.

Infos zum Studium gibt es unter www.muehlenkreiskliniken.de/hebammenstudium.

Bewerbungen für das Hebammenstudium können an folgende E-Mail-Adresse geschickt werden: Akademie-pzhw@muehlenkreisklinken.de (cs)

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