Neue Rad-Symbole auf dem Asphalt: Wem gehört die Straße? Monika Jäger Minden (mt). Radfahrer haben auf bestimmten Straßen die Wahl: Radweg oder Fahrbahn? Wer sich für die Straße entscheidet, bekommt dann allerdings oft den Ärger der Autofahrer zu spüren: Hupen, Flüche, gefährliches Überholen. Dabei ist die Pflicht, Radwege zu benutzen, an zahlreichen Stellen im Innenstadtbereich seit Jahren aufgehoben. Nur: Das wissen nicht alle. Viele halten diese Regelung zudem für gefährlich. Die Stadt Minden will künftig für mehr Klarheit sorgen und markiert darum bestimmte Straßen, auf denen auch Radfahrer unterwegs sein dürfen, mit weißen Symbolen auf dem Asphalt. Die Königstraße gehört dazu, ebenso die Hahler Straße. MT-Leser schreiben jetzt, sie seien vor allem auf den engen Straßen im inneren Ring verunsichert. „Wie soll man als Autofahrer beim Überholen eines Fahrrades 1,5 Meter Abstand halten? Das Stück Hahler Straße stadteinwärts ist sehr schmal", so ein Ehepaar – und gibt sich kurz darauf selbst die Antwort: „Da muss man unter Umständen die ganze Zeit hinter ihm bleiben, weil man eigentlich den Mindestabstand nicht einhalten kann." Genau das hat der Gesetzgeber so vorgesehen, und genau das setzt die Stadt Minden – gerade im Fahrradklimatest ein Stück nach unten gerutscht – auch um. Dabei sind zwar die weißen Markierungen neu, nicht aber die Rechtslage. „Die Radwegebenutzungspflicht an der Hahler Straße wurde bereits 1998 aufgehoben", teilt Katharina Heß von der Pressestelle der Stadt Minden mit. Der Anlass war seinerzeit eine neue Straßenverkehrs-Ordnung von 1997. Diese setzte Erkenntnisse aus der Unfallforschung um. Schon im Jahr 1992 nämlich hatte die Bundesanstalt für Straßenwesen die Ergebnisse einer Studie zur Sicherheit auf Radwegen vorgelegt. Ergebnis: Abbiegende Autofahrer, Ausfahrten und holprige Bordsteine gehören zu den unterschätzten Gefahrenquellen für Radweg-Radler. Und mehr: das Benutzen eines Radweges sei an Kreuzungen bis zu fünfmal so gefährlich wie das Fahren auf der Fahrbahn, so die Experten damals. Seit 2009 geht diese Regelung noch einen Schritt weiter: Seither geht die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer vor. Erst an zweiter Stelle steht, dass der Verkehr flüssig fließt. Auch auf der Hahler Straße dürfen schon seit 1998 Radler innerhalb der Ringstraße auf der Fahrbahn fahren. Das sei auch deswegen sicherer, so die Pressestelle, weil sie vom Kfz-Verkehr besser gesehen werden könnten und beispielsweise nicht durch parkende Fahrzeuge verdeckt würden. Gut zu wissen: „Die Nutzung des vorhandenen, aber nicht mehr beschilderten Radweges ist nach wie vor erlaubt und kommt dem Sicherheitsgefühl vieler Radfahrer entgegen." Radfahrer, die sich auf den Radwegen wohler fühlen, dürfen diese also weiterhin benutzen. Radwege müssen nur dann benutzt werden, wenn dort die blauen Verkehrszeichen stehen: Beispielsweise das weiße Radsymbol oder Fußgänger und Radfahrer in Weiß auf blauem Grund. Piktogramme mit den Fahrrädern sind künftig auch im inneren Ring am Königswall zu finden – hier gibt es keinen Radweg – sowie an der Marienstraße, der Stiftstraße, Hahler Straße, Königstraße und Rodenbecker Straße, wo jeweils die Radwege-Benutzungspflicht aufgehoben ist. Übrigens sind diese Symbole nicht der einzige Weg, den Autofahrern zu signalisieren, dass ihnen die Straßen längst nicht mehr allein gehören. Rot markierte Bereiche signalisieren das in Minden künftig an vielen weiteren Orten. Radfahrstreifen, Rad-Furten an Kreuzungen und auch Wartezonen an Ampeln werden bis zum Jahresende schrittweise eingefärbt. Deutlicher markiert werden die Wege für kreuzende Radler auch entlang der Ringstraße (Hahler Straße, Königstraße, Rodenbecker Straße), der Portastraße (Wittekindsalleee, Johansenstraße) und an der Kreuzung Lübbecker Straße / Mindener Straße / Schwabenring. So sollen Autofahrer nochmals besonders auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer achten. Die Autorin ist erreichbar unter (0571) 882-148 oder Monika.Jaeger@MT.de Kommentar: Lebenslanges Lernen Von Monika Jäger Wem gehört die Straße: Radfahrern, Autofahrern, oder beiden? Dass Fragen wie diese heiß diskutiert werden, zeigt vor allem, wie sehr sich der Verkehr ständig ändert: Früher war die Rechtslage ganz anders. Und weil das Tempo solcher Veränderungen weiter zunehmen wird, reicht künftig auch eine einzige, lebenslang gültige Führerscheinprüfung nicht mehr aus. Was stattdessen sinnvoll ist – die Diskussion darüber ist überfällig. Die eigentliche Frage ist darum auch diese: Wie sollen sich alle Verkehrsteilnehmer künftig lebenslang immer wieder auf neue Gegebenheiten einstellen? Dabei wird es nicht damit getan sein, allen nur theoretisch neue Verkehrsschilder und -regeln beizubringen. Viel wichtiger wäre, dass sich jeder regelmäßig von Profis in der Praxis die besten Strategien zeigen lässt, um mit dem komplexer werdenden Verkehr umzugehen. Nur ein Beispiel: Demnächst müssen Autofahrer auch auf E-Roller achten. Was bedeutet das genau? Und wie wird das. wenn die ersten selbstfahrenden Autos auf den Straßen sind? Reicht dann das individuelle Erfahrungswissen noch aus, um selbst wirklich sicher unterwegs zu sein? Zurzeit heißt es „Idiotentest", wenn erwachsene Autofahrer „nachgeprüft" werden – etwas, wofür man sich schämt. Künftig muss es beschämend sein, sich nicht für neue Anforderungen weiterzubilden. Auch auf den Straßen.

Neue Rad-Symbole auf dem Asphalt: Wem gehört die Straße?

Weiße Piktogramme auf dem Asphalt signalisieren: Hier dürfen Radfahrer unterwegs sein, nicht nur Autos. Diese Regelung ist nicht neu. Jetzt fällt sie nur mehr auf. MT- © Foto: Alexander Lehn

Minden (mt). Radfahrer haben auf bestimmten Straßen die Wahl: Radweg oder Fahrbahn? Wer sich für die Straße entscheidet, bekommt dann allerdings oft den Ärger der Autofahrer zu spüren: Hupen, Flüche, gefährliches Überholen. Dabei ist die Pflicht, Radwege zu benutzen, an zahlreichen Stellen im Innenstadtbereich seit Jahren aufgehoben. Nur: Das wissen nicht alle. Viele halten diese Regelung zudem für gefährlich.

Die Stadt Minden will künftig für mehr Klarheit sorgen und markiert darum bestimmte Straßen, auf denen auch Radfahrer unterwegs sein dürfen, mit weißen Symbolen auf dem Asphalt. Die Königstraße gehört dazu, ebenso die Hahler Straße. MT-Leser schreiben jetzt, sie seien vor allem auf den engen Straßen im inneren Ring verunsichert. „Wie soll man als Autofahrer beim Überholen eines Fahrrades 1,5 Meter Abstand halten? Das Stück Hahler Straße stadteinwärts ist sehr schmal", so ein Ehepaar – und gibt sich kurz darauf selbst die Antwort: „Da muss man unter Umständen die ganze Zeit hinter ihm bleiben, weil man eigentlich den Mindestabstand nicht einhalten kann."

Genau das hat der Gesetzgeber so vorgesehen, und genau das setzt die Stadt Minden – gerade im Fahrradklimatest ein Stück nach unten gerutscht – auch um. Dabei sind zwar die weißen Markierungen neu, nicht aber die Rechtslage. „Die Radwegebenutzungspflicht an der Hahler Straße wurde bereits 1998 aufgehoben", teilt Katharina Heß von der Pressestelle der Stadt Minden mit. Der Anlass war seinerzeit eine neue Straßenverkehrs-Ordnung von 1997. Diese setzte Erkenntnisse aus der Unfallforschung um.

Schon im Jahr 1992 nämlich hatte die Bundesanstalt für Straßenwesen die Ergebnisse einer Studie zur Sicherheit auf Radwegen vorgelegt. Ergebnis: Abbiegende Autofahrer, Ausfahrten und holprige Bordsteine gehören zu den unterschätzten Gefahrenquellen für Radweg-Radler. Und mehr: das Benutzen eines Radweges sei an Kreuzungen bis zu fünfmal so gefährlich wie das Fahren auf der Fahrbahn, so die Experten damals.

Seit 2009 geht diese Regelung noch einen Schritt weiter: Seither geht die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer vor. Erst an zweiter Stelle steht, dass der Verkehr flüssig fließt.

Auch auf der Hahler Straße dürfen schon seit 1998 Radler innerhalb der Ringstraße auf der Fahrbahn fahren. Das sei auch deswegen sicherer, so die Pressestelle, weil sie vom Kfz-Verkehr besser gesehen werden könnten und beispielsweise nicht durch parkende Fahrzeuge verdeckt würden. Gut zu wissen: „Die Nutzung des vorhandenen, aber nicht mehr beschilderten Radweges ist nach wie vor erlaubt und kommt dem Sicherheitsgefühl vieler Radfahrer entgegen." Radfahrer, die sich auf den Radwegen wohler fühlen, dürfen diese also weiterhin benutzen.

Radwege müssen nur dann benutzt werden, wenn dort die blauen Verkehrszeichen stehen: Beispielsweise das weiße Radsymbol oder Fußgänger und Radfahrer in Weiß auf blauem Grund.

Piktogramme mit den Fahrrädern sind künftig auch im inneren Ring am Königswall zu finden – hier gibt es keinen Radweg – sowie an der Marienstraße, der Stiftstraße, Hahler Straße, Königstraße und Rodenbecker Straße, wo jeweils die Radwege-Benutzungspflicht aufgehoben ist. Übrigens sind diese Symbole nicht der einzige Weg, den Autofahrern zu signalisieren, dass ihnen die Straßen längst nicht mehr allein gehören. Rot markierte Bereiche signalisieren das in Minden künftig an vielen weiteren Orten. Radfahrstreifen, Rad-Furten an Kreuzungen und auch Wartezonen an Ampeln werden bis zum Jahresende schrittweise eingefärbt. Deutlicher markiert werden die Wege für kreuzende Radler auch entlang der Ringstraße (Hahler Straße, Königstraße, Rodenbecker Straße), der Portastraße (Wittekindsalleee, Johansenstraße) und an der Kreuzung Lübbecker Straße / Mindener Straße / Schwabenring. So sollen Autofahrer nochmals besonders auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer achten.

Die Autorin ist erreichbar unter (0571) 882-148 oder Monika.Jaeger@MT.de

Kommentar: Lebenslanges Lernen

Von Monika Jäger

Wem gehört die Straße: Radfahrern, Autofahrern, oder beiden? Dass Fragen wie diese heiß diskutiert werden, zeigt vor allem, wie sehr sich der Verkehr ständig ändert: Früher war die Rechtslage ganz anders. Und weil das Tempo solcher Veränderungen weiter zunehmen wird, reicht künftig auch eine einzige, lebenslang gültige Führerscheinprüfung nicht mehr aus. Was stattdessen sinnvoll ist – die Diskussion darüber ist überfällig.

Die eigentliche Frage ist darum auch diese: Wie sollen sich alle Verkehrsteilnehmer künftig lebenslang immer wieder auf neue Gegebenheiten einstellen?

Dabei wird es nicht damit getan sein, allen nur theoretisch neue Verkehrsschilder und -regeln beizubringen. Viel wichtiger wäre, dass sich jeder regelmäßig von Profis in der Praxis die besten Strategien zeigen lässt, um mit dem komplexer werdenden Verkehr umzugehen. Nur ein Beispiel: Demnächst müssen Autofahrer auch auf E-Roller achten. Was bedeutet das genau? Und wie wird das. wenn die ersten selbstfahrenden Autos auf den Straßen sind? Reicht dann das individuelle Erfahrungswissen noch aus, um selbst wirklich sicher unterwegs zu sein?

Zurzeit heißt es „Idiotentest", wenn erwachsene Autofahrer „nachgeprüft" werden – etwas, wofür man sich schämt. Künftig muss es beschämend sein, sich nicht für neue Anforderungen weiterzubilden. Auch auf den Straßen.

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