Netzwerk holt Schulen in Pflege Betreuung alter Menschen ist großes Thema der Zukunft / Junge Menschen informieren sich Von Tanja Watermann Minden (tw). Zum internationalen "Tag der Pflege" gab es in diesem Jahr in Minden besonders viele Aktionen. Allen voran wurde das "Schulnetzwerk Altenpflege" gegründet, das unter dem Verbund "LiVe - Lernen in Vernetzung" steht. Außerdem hatten interessierte Schüler die Möglichkeit einen authentischen Einblick in die verschiedenen Ausbildungen in der Altenpflege zu erhalten. In Deutschland wird der "Tag der Pflege" seit 1967 immer am 12. Mai begangen. Denn er geht auf den Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale zurück, die als Pionierin der modernen Krankenpflege gilt. Am Freitag konnten Interessierte an der Geburtsstunde des "Schulnetzwerkes Altenpflege" teilhaben, bei dem es darum geht, junge Schüler für die Pflegeberufe zu begeistern, mit Vorurteilen aufzuräumen und das Image der Altenpflege nachhaltig zu verbessern.Zahlreiche Vertreter aus der Politik, darunter Landrat Dr. Ralf Niermann, sowie Seniorenbeiräte und Vertretungen der Schulen und der Altenpflegeeinrichtungen gratulierten Michael Haas, dem Leiter des Evangelischen Fachseminars für Altenpflege und gleichzeitig Sprecher dieses landesweit einmaligen Projektes LiVe, zu einem gelungenen Auftakt. Das Netzwerk "LiVe" spannt den Bogen zwischen den Einrichtungen der Altenhilfe und den Schülern der Haupt- und Realschulen sowie den berufsbildenden Schulen und Gymnasien. Es stellt feste Patenschaften bereit, die Schülern und Lehrern alle Fragen rund um das Berufsfeld "Pflege" beantworten.Die Feierstunde mit rund 150 Gästen wurde abgerundet von einem Fachvortrag von Prof. Dr. Klaus Müller, Fachhochschule der Diakonie Bielefeld, über das Potenzial und die Bedeutung der Altenpflege als Beruf.Bei Praktikum Pflege in den USA kennenlernenViele Schüler und junge Menschen, die vor der schwierigen Frage der Berufswahl stehen, nutzten den Samstag um sich in den Einrichtungen der Altenhilfe direkt zu informieren. Im Haus Emmaus hatten sich vier Jugendliche eingefunden und ließen sich von der Heimleitung Lieseltraud Lange-Riechmann und Schwester Martina Kruse, die sich um die Praxisanleitungen kümmert, informieren. "Unsere erste Priorität und Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass es unseren Bewohnern gut geht", erklärte Lange-Riechmann. "Waschen, Füttern und Körperpflege machen wir nebenbei." Dass man Gelerntes nicht eins zu eins umsetzen könne, betonte Schwester Martina. "Ihr seid ganz nah bei den Menschen, da ist es wichtig, individuell zu reagieren und auf die Wünsche einzugehen." Ilse Schey, die 100-jährige Bewohnerin im Haus Emmaus, die vom täglichen Spaziergang zurückkam und sich über den Besuch der jungen potenziellen Nachwuchskräfte freute, bestätigte, dass sich vieles geändert hat. "Früher gab es um Punkt acht Uhr Frühstück. Jetzt kann ich dann zum Frühstück gehen, wenn ich es möchte", erzählte die resolute Rentnerin mit einem Lächeln und setzte sich mit zwei weiteren Bewohnerinnen gleich mit in die Runde.Für Dennis Esau war der Vormittag im Haus Emmaus eine Bestätigung seines Berufswunsches. Er möchte gerne ein Praktikum machen, um festzustellen, ob ihm die Arbeit liegt. "Ich mag den Kontakt mit älteren Menschen. Die handwerklichen Berufe interessieren mich längst nicht so wie die Altenpflege." Doch erzählte der 19-Jährige auch ganz offen über die Schwierigkeiten mit dem Image des Berufes. "Seit der 9. Klasse ist es eigentlich mein Ziel, mit älteren Menschen zu arbeiten. Doch viele haben mich gewarnt: ,Das ist doch ein Mädchenberuf, das kannst Du nicht machen." Doch jetzt sei er sich sicher.Genauso wie Devon Senger (16), der sich gefragt hatte, wie er sich in die Gesellschaft integrieren und etwas zurückgeben kann. Für den sportlichen Kreisliga-Fußballspieler war klar, dass er auch sein Hobby für den Berufswunsch zurückfahren würde.Die 15-jährige Schülerin Inga Baumann hatte bereits am Sozialpraktikum des Ratsgymnasiums teilgenommen und je 20 Stunden in sozialen Einrichtungen geholfen. Ein freiwilliges Praktikum in den Sommerferien hatte ihren Berufswunsch verstärkt. Im nächsten Jahr möchte sie drei Monate nach Frankreich gehen und danach ein Jahr nach Amerika, um sich dort über die Altenpflege zu informieren. Für das mindestens 10000 Euro teure Praktikum versucht die engagierte Schülerin; noch ein Stipendium zu erhalten, da es sonst schwierig ist, ihren Traum zu finanzieren.Trotz Schichtdienstes für junge Mütter interessantJacqueline Schöneich (24) ist junge Mutter hatte bereits Erfahrungen in der Altenpflege und möchte nun die Ausbildung zum Altenpflegehelfer machen. "Die Arbeitszeiten sind trotz des Schichtdienstes flexibel und gerade für junge Mütter interessant", betonte Heimleiterin Lange-Riechmann.Für die Jugendlichen war es eine tolle Erfahrung. "Ich habe mir den Alltag hier ganz anders vorgestellt", sagte Dennis Esau begeistert, "Es ist toll, dass so auf die Menschen eingegangen wird. Mein Berufswunsch hat sich bestätigt."Interessierte Schülerinnen und Schüler können sich an die Paten in ihren Schulen wenden, wenn sie nähere Auskünfte über das weite Berufsfeld in der Altenpflege wissen möchten.

Netzwerk holt Schulen in Pflege

Minden (tw). Zum internationalen "Tag der Pflege" gab es in diesem Jahr in Minden besonders viele Aktionen. Allen voran wurde das "Schulnetzwerk Altenpflege" gegründet, das unter dem Verbund "LiVe - Lernen in Vernetzung" steht. Außerdem hatten interessierte Schüler die Möglichkeit einen authentischen Einblick in die verschiedenen Ausbildungen in der Altenpflege zu erhalten.

Gründung: Michael Haas, Leiter des Ev. Fachseminars und Sprecher des LiVe-Verbundes, stellte die Ziele des "Schulnetzwerks Altenpflege" vor.
Gründung: Michael Haas, Leiter des Ev. Fachseminars und Sprecher des LiVe-Verbundes, stellte die Ziele des "Schulnetzwerks Altenpflege" vor.

In Deutschland wird der "Tag der Pflege" seit 1967 immer am 12. Mai begangen. Denn er geht auf den Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale zurück, die als Pionierin der modernen Krankenpflege gilt. Am Freitag konnten Interessierte an der Geburtsstunde des "Schulnetzwerkes Altenpflege" teilhaben, bei dem es darum geht, junge Schüler für die Pflegeberufe zu begeistern, mit Vorurteilen aufzuräumen und das Image der Altenpflege nachhaltig zu verbessern.

Tag der Pflege: Im Haus Emmaus informieren sich junge Menschen über Altenpflege-Berufe und sind dort gleich in der Familie integriert. - © Fotos: Watermann
Tag der Pflege: Im Haus Emmaus informieren sich junge Menschen über Altenpflege-Berufe und sind dort gleich in der Familie integriert. - © Fotos: Watermann

Zahlreiche Vertreter aus der Politik, darunter Landrat Dr. Ralf Niermann, sowie Seniorenbeiräte und Vertretungen der Schulen und der Altenpflegeeinrichtungen gratulierten Michael Haas, dem Leiter des Evangelischen Fachseminars für Altenpflege und gleichzeitig Sprecher dieses landesweit einmaligen Projektes LiVe, zu einem gelungenen Auftakt. Das Netzwerk "LiVe" spannt den Bogen zwischen den Einrichtungen der Altenhilfe und den Schülern der Haupt- und Realschulen sowie den berufsbildenden Schulen und Gymnasien. Es stellt feste Patenschaften bereit, die Schülern und Lehrern alle Fragen rund um das Berufsfeld "Pflege" beantworten.

Die Feierstunde mit rund 150 Gästen wurde abgerundet von einem Fachvortrag von Prof. Dr. Klaus Müller, Fachhochschule der Diakonie Bielefeld, über das Potenzial und die Bedeutung der Altenpflege als Beruf.

Bei Praktikum Pflege in den USA kennenlernen

Viele Schüler und junge Menschen, die vor der schwierigen Frage der Berufswahl stehen, nutzten den Samstag um sich in den Einrichtungen der Altenhilfe direkt zu informieren. Im Haus Emmaus hatten sich vier Jugendliche eingefunden und ließen sich von der Heimleitung Lieseltraud Lange-Riechmann und Schwester Martina Kruse, die sich um die Praxisanleitungen kümmert, informieren. "Unsere erste Priorität und Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass es unseren Bewohnern gut geht", erklärte Lange-Riechmann. "Waschen, Füttern und Körperpflege machen wir nebenbei." Dass man Gelerntes nicht eins zu eins umsetzen könne, betonte Schwester Martina. "Ihr seid ganz nah bei den Menschen, da ist es wichtig, individuell zu reagieren und auf die Wünsche einzugehen." Ilse Schey, die 100-jährige Bewohnerin im Haus Emmaus, die vom täglichen Spaziergang zurückkam und sich über den Besuch der jungen potenziellen Nachwuchskräfte freute, bestätigte, dass sich vieles geändert hat. "Früher gab es um Punkt acht Uhr Frühstück. Jetzt kann ich dann zum Frühstück gehen, wenn ich es möchte", erzählte die resolute Rentnerin mit einem Lächeln und setzte sich mit zwei weiteren Bewohnerinnen gleich mit in die Runde.

Für Dennis Esau war der Vormittag im Haus Emmaus eine Bestätigung seines Berufswunsches. Er möchte gerne ein Praktikum machen, um festzustellen, ob ihm die Arbeit liegt. "Ich mag den Kontakt mit älteren Menschen. Die handwerklichen Berufe interessieren mich längst nicht so wie die Altenpflege." Doch erzählte der 19-Jährige auch ganz offen über die Schwierigkeiten mit dem Image des Berufes. "Seit der 9. Klasse ist es eigentlich mein Ziel, mit älteren Menschen zu arbeiten. Doch viele haben mich gewarnt: ,Das ist doch ein Mädchenberuf, das kannst Du nicht machen." Doch jetzt sei er sich sicher.

Genauso wie Devon Senger (16), der sich gefragt hatte, wie er sich in die Gesellschaft integrieren und etwas zurückgeben kann. Für den sportlichen Kreisliga-Fußballspieler war klar, dass er auch sein Hobby für den Berufswunsch zurückfahren würde.

Die 15-jährige Schülerin Inga Baumann hatte bereits am Sozialpraktikum des Ratsgymnasiums teilgenommen und je 20 Stunden in sozialen Einrichtungen geholfen. Ein freiwilliges Praktikum in den Sommerferien hatte ihren Berufswunsch verstärkt. Im nächsten Jahr möchte sie drei Monate nach Frankreich gehen und danach ein Jahr nach Amerika, um sich dort über die Altenpflege zu informieren. Für das mindestens 10000 Euro teure Praktikum versucht die engagierte Schülerin; noch ein Stipendium zu erhalten, da es sonst schwierig ist, ihren Traum zu finanzieren.

Trotz Schichtdienstes für junge Mütter interessant

Jacqueline Schöneich (24) ist junge Mutter hatte bereits Erfahrungen in der Altenpflege und möchte nun die Ausbildung zum Altenpflegehelfer machen. "Die Arbeitszeiten sind trotz des Schichtdienstes flexibel und gerade für junge Mütter interessant", betonte Heimleiterin Lange-Riechmann.

Für die Jugendlichen war es eine tolle Erfahrung. "Ich habe mir den Alltag hier ganz anders vorgestellt", sagte Dennis Esau begeistert, "Es ist toll, dass so auf die Menschen eingegangen wird. Mein Berufswunsch hat sich bestätigt."

Interessierte Schülerinnen und Schüler können sich an die Paten in ihren Schulen wenden, wenn sie nähere Auskünfte über das weite Berufsfeld in der Altenpflege wissen möchten.

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