Netzwerk denkt global und handelt lokal Friedenswoche Minden wird 40 Jahre/Eine-Welt-Dorf wird zehn/Unesco-Kommission würdigt Projektideen Von Hans-Jürgen Amtage Minden (mt). Krieg entsteht im Kopf der Menschen. Also muss auch der Frieden im Kopf der Menschen entstehen. Konkrete Projekte helfen, Frieden zu stiften. Als der Präsident der Deutschen Unesco-Kommission, Walter Hirche (71) diese Worte im Eine-Welt-Dorf oberhalb des Weingartens am Samstag sprach, war gerade wieder Friede in der von Kindern geschaffenen kleinen Welt eingezogen. Sintflutartige Regenfälle hatten kurz zuvor für Unruhe in dem Dorf gesorgt, wo fröhlich gefeiert werden sollte. Denn es waren gleich zwei Jubiläen zu begehen: 40 Jahre Aktionsgemeinschaft Friedenswoche und zehn Jahre Eine-Welt-Dorf. Zudem galt es neun neue Unesco-Projekte aus ganz Deutschland auszuzeichnen, die im Rahmen von "Nachhaltigkeit lernen - Bildung für nachhaltige Entwicklung" wirken, und das Sommerfest der Mlango/Afrika-Gruppe zu feiern.Unter einer schnell aufgebauten Zeltstadt mitten im kleinen Dorf erinnerte der ehemalige niedersächsische Wirtschaftsminister und jetzige Unesco-Präsident Hirche an die inzwischen 1531 UN-Projekte in Deutschland, die dazu beitragen, "von unten etwas zu bewegen - durch das selber anpacken und selber machen".Dabei ist "Nachhaltigkeit lernen" ein Schwerpunkt im Fachbereich Bildung der Deutschen Unesco-Kommission. Zur entsprechenden Weltdekade der Vereinten Nationen, die bis 2014 läuft, hat sie ein Deutsches Nationalkomitee einberufen. Das hat einen nationalen Aktionsplan entwickelt und führt Partner, Projekte und Initiativen zusammen - in Minden beispielsweise das Eine-Welt-Dorf oder das Projekt BOA - Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Oberen Altstadt.An die Vielfalt und intensive Arbeit in und an diesen verschiedenen Projekten erinnerte zuvor Bürgermeister Michael Buhre in seiner Begrüßung. Sie würden dazu beitragen, Menschen zu befähigen, globale Probleme anzugehen und Lösungen zu finden. Dafür stehe auch die Aktionsgemeinschaft Friedenswoche Minden (Friwo), die vor 40 Jahren gegründet wurde."Weltweit denken und lokal handeln", beschreibt Falk Bloech das Motto der Friwo. Alles habe Mitte der 1960er-Jahre mit den niederländischen Friedenswochen begonnen, erinnerte der Vorsitzende. Die Kirchen hatten diese Aktionen organisiert, die Bloech 1970 eine Woche lang besuchte. "Ich war beeindruckt, wie die Holländer die großen Weltprobleme so herunter buchstabierten, dass jeder einzelne Mensch sich einbringen konnte."Warum so etwas nicht auch in Minden ausprobieren, lautete die sich daraus ergebende Fragestellung. "In einer Stadt anfangen und dann hoffen, dass sich das Konzept in ganz Deutschland durchsetzt."Die Idee, gemeinsam eine Friedenswoche durchzuführen und unter ein Thema mit vielen Einzelveranstaltungen zu stellen, wurde aufgegriffen. Dabei war allen Beteiligten klar: "Der weite Friedensbegriff ,Friede ist mehr als Krieg beinhaltet auch soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Menschenrechte."Acht Gruppen, darunter eine Jugendgruppe der Kirchengemeinde Dankersen, der Internationale Versöhnungsbund und die Teestube, beteiligten sich. Es gab erstmalig das ökumenische politische Nachtgebet mit mehr als 500 Teilnehmern in der Marienkirche zum Thema Umweltschutz, das aber auch auf Skepsis gestoßen sei. Aktionsplanungen und Diskussionen in der Kirche würden den Frieden in den Gotteshäusern stören, so die Kritik.Davon unbeeindruckt entwickelte sich das Aktionsmodell Friedenswoche deutschlandweit. 4000 Kirchengemeinden beteiligten sich bereits Anfang der 1980er-Jahre an den Friedenswochen.Die Ausdauer der Mindener Friwo zahlte sich aus. Es begann die Arbeit mit Gastarbeiterkindern, weitere Projekte folgten, verwurzelt wurde die Friwo in der Oberen Altstadt. Aufgebaut wurde ein Netzwerk, das inzwischen international arbeitet. Ganz nach dem Motto, das schon zu Beginn galt: "Global denken, lokal handeln".

Netzwerk denkt global und handelt lokal

Minden (mt). Krieg entsteht im Kopf der Menschen. Also muss auch der Frieden im Kopf der Menschen entstehen. Konkrete Projekte helfen, Frieden zu stiften.

Siegfried Menze (l.) und Falk Bloech (r.) von der Friedenswoche freuten sich mit dem Präsidenten der Deutschen Unesco-Kommission, Walter Hirche (2.v.r.), und Bürgermeister Michael Buhre über das Doppeljubiläum "40 Jahre Friwo und zehn Jahre Eine-Welt-Dorf".
Siegfried Menze (l.) und Falk Bloech (r.) von der Friedenswoche freuten sich mit dem Präsidenten der Deutschen Unesco-Kommission, Walter Hirche (2.v.r.), und Bürgermeister Michael Buhre über das Doppeljubiläum "40 Jahre Friwo und zehn Jahre Eine-Welt-Dorf".

Als der Präsident der Deutschen Unesco-Kommission, Walter Hirche (71) diese Worte im Eine-Welt-Dorf oberhalb des Weingartens am Samstag sprach, war gerade wieder Friede in der von Kindern geschaffenen kleinen Welt eingezogen. Sintflutartige Regenfälle hatten kurz zuvor für Unruhe in dem Dorf gesorgt, wo fröhlich gefeiert werden sollte. Denn es waren gleich zwei Jubiläen zu begehen: 40 Jahre Aktionsgemeinschaft Friedenswoche und zehn Jahre Eine-Welt-Dorf. Zudem galt es neun neue Unesco-Projekte aus ganz Deutschland auszuzeichnen, die im Rahmen von "Nachhaltigkeit lernen - Bildung für nachhaltige Entwicklung" wirken, und das Sommerfest der Mlango/Afrika-Gruppe zu feiern.

Unter einer schnell aufgebauten Zeltstadt mitten im kleinen Dorf erinnerte der ehemalige niedersächsische Wirtschaftsminister und jetzige Unesco-Präsident Hirche an die inzwischen 1531 UN-Projekte in Deutschland, die dazu beitragen, "von unten etwas zu bewegen - durch das selber anpacken und selber machen".

Dabei ist "Nachhaltigkeit lernen" ein Schwerpunkt im Fachbereich Bildung der Deutschen Unesco-Kommission. Zur entsprechenden Weltdekade der Vereinten Nationen, die bis 2014 läuft, hat sie ein Deutsches Nationalkomitee einberufen. Das hat einen nationalen Aktionsplan entwickelt und führt Partner, Projekte und Initiativen zusammen - in Minden beispielsweise das Eine-Welt-Dorf oder das Projekt BOA - Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Oberen Altstadt.

An die Vielfalt und intensive Arbeit in und an diesen verschiedenen Projekten erinnerte zuvor Bürgermeister Michael Buhre in seiner Begrüßung. Sie würden dazu beitragen, Menschen zu befähigen, globale Probleme anzugehen und Lösungen zu finden. Dafür stehe auch die Aktionsgemeinschaft Friedenswoche Minden (Friwo), die vor 40 Jahren gegründet wurde.

"Weltweit denken und lokal handeln", beschreibt Falk Bloech das Motto der Friwo. Alles habe Mitte der 1960er-Jahre mit den niederländischen Friedenswochen begonnen, erinnerte der Vorsitzende. Die Kirchen hatten diese Aktionen organisiert, die Bloech 1970 eine Woche lang besuchte. "Ich war beeindruckt, wie die Holländer die großen Weltprobleme so herunter buchstabierten, dass jeder einzelne Mensch sich einbringen konnte."

Kinder der Eine-Welt-Schule präsentierten ein Lied unter dem Motto "Minden singt". MT- - © Fotos: Hans-Jürgen Amtage
Kinder der Eine-Welt-Schule präsentierten ein Lied unter dem Motto "Minden singt". MT- - © Fotos: Hans-Jürgen Amtage

Warum so etwas nicht auch in Minden ausprobieren, lautete die sich daraus ergebende Fragestellung. "In einer Stadt anfangen und dann hoffen, dass sich das Konzept in ganz Deutschland durchsetzt."

Die Idee, gemeinsam eine Friedenswoche durchzuführen und unter ein Thema mit vielen Einzelveranstaltungen zu stellen, wurde aufgegriffen. Dabei war allen Beteiligten klar: "Der weite Friedensbegriff ,Friede ist mehr als Krieg beinhaltet auch soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Menschenrechte."

Acht Gruppen, darunter eine Jugendgruppe der Kirchengemeinde Dankersen, der Internationale Versöhnungsbund und die Teestube, beteiligten sich. Es gab erstmalig das ökumenische politische Nachtgebet mit mehr als 500 Teilnehmern in der Marienkirche zum Thema Umweltschutz, das aber auch auf Skepsis gestoßen sei. Aktionsplanungen und Diskussionen in der Kirche würden den Frieden in den Gotteshäusern stören, so die Kritik.

Davon unbeeindruckt entwickelte sich das Aktionsmodell Friedenswoche deutschlandweit. 4000 Kirchengemeinden beteiligten sich bereits Anfang der 1980er-Jahre an den Friedenswochen.

Die Ausdauer der Mindener Friwo zahlte sich aus. Es begann die Arbeit mit Gastarbeiterkindern, weitere Projekte folgten, verwurzelt wurde die Friwo in der Oberen Altstadt. Aufgebaut wurde ein Netzwerk, das inzwischen international arbeitet. Ganz nach dem Motto, das schon zu Beginn galt: "Global denken, lokal handeln".

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