Nagel-Attacke auf Mindener Feuerwehr: Großes Entsetzen nach "absolut perfider Tat" Lea Oetjen,Patrick Schwemling Minden. Ein Angriff auf die Mindener Feuerwehr sorgt für großes Entsetzen. „Absolut perfide", sagt Polizei-Pressesprecher Ralf Steinmeyer zu der Tat, die sich vermutlich in den Abendstunden des vergangenen Sonntags ereignet hat. Nach Angaben der Stadt Minden wurden von einem unbekannter Täter mehrere Nägel und Schrauben im Bereich der Fahrzeugtore vor der Feuerwache an der Marienstraße abgelegt. „Ein Rettungstransportwagen wurde bei der Ausfahrt zu einem Einsatz an den Reifen beschädigt", berichtet Tim Upheber als Leiter der Mindener Feuerwehr. Als einen „üblen Angriff" bezeichnet der Beigeordnete für Städtebau und Feuerschutz, Lars Bursian, die Geschehnisse. Nach dem Schaden am Rettungswagen, der von einer Schraube verursacht worden ist, sei der Bereich der Ausfahrten an der Wache kontrolliert und alle Reifen an den Fahrzeugen geprüft worden. Am Montagmorgen wurde bei Helligkeit erneut der gesamte Hof abgesucht. „Die Einsatzkräfte fanden noch weitere Nägel vor den Hallentoren", sagt Upheber. Dabei habe es sich laut Steinmeyer um mindestens eine Hand voll Nägel und Schrauben gehandelt. Die Feuerwehr reagierte prompt und verfasste eine Sofortmeldung an das NRW-Innenministerium in Düsseldorf und an die Bezirksregierung Detmold. Die Polizei sei dann am Montagvormittag, als die Tat angezeigt wurde, informiert worden. Diese informierte auch den Staatsschutz des Polizeipräsidiums Bielefeld über den Vorfall. Bei der benachbarten Polizeiwache seien keine Nägel oder Schrauben ausgelegt worden, so Polizei-Pressesprecher Steinmeyer. „Wir haben allerdings sofort darauf reagiert. Alle weiteren Polizeiwachen im Kreisgebiet wurden informiert, unsere Beamten und Beamtinnen sensibilisiert", erklärt Steinmeyer. So gebe es nun definitiv verstärkte Kontrollen als Reaktion auf die Tat, die laut dem Polizei-Pressesprecher vor allem Kopfschütteln hinterlasse. In diesem Zusammenhang skizziert der Polizeibeamte auch, wie gefährlich diese Attacke gewesen sei. „Man muss sich ja nur einmal vorstellen, was passiert, wenn der Reifen eines Rettungswagen wegen des Nagels langsam Luft verliert. Im schlimmsten Fall lässt sich das Fahrzeug nicht mehr lenken, muss anhalten und der Patient umgelagert werden - und das obwohl jede Sekunde zählt", wie der Steinmeyer verdeutlicht. Wie viele Einsätze konkret durch die Aktion gefährdet waren, lässt sich rückblickend nicht genau beziffern - „da wir noch nicht wissen, in welchem Zeitraum die Gefahr konkret bestand", wie Stadt-Pressesprecherin Susann Lewerenz auf MT-Anfrage erklärt. Es sei bislang noch nicht geklärt, ab wann die Nägel und Schrauben auf dem Gelände platziert worden. Deshalb tue sich die Berufsfeuerwehr schwer, eine Einsatzzahl zu nennen. „Es wäre einfach wenig seriös die gesamte Zahl der Einsätze von Sonntag bis Montagmorgen hier gegenüberzustellen", so Lewerenz. Letztlich ist es aber auch egal, bei vielen Einsätzen ein zusätzliches Risiko bestand. Dementsprechend verurteilt nicht nur Polizei-Sprecher Steinmeyer diesen Vorfall auf das Schärfste, sondern auch der Beigordnete Bursian. „Wir gehen davon aus, dass hier jemand gezielt der Feuerwehr Minden erheblichen Schaden zufügen wollte", ist er sich angesichts der gezielten Verteilung der spitzen Gegenstände sicher. Von einem Zufall könne man nicht ausgehen. Die Fahrzeuge samt Besatzung würden rund um die Uhr bereitstehen, um der Bevölkerung in Notfällen schnellstmöglich helfen zu können. Es sei „unglaublich", dass jemand die Feuerwehr und den Rettungsdienst bewusst gefährden wollte, so Bursian. Neben der Sachbeschädigung und der Gefahr für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werde mit diesen Taten auch die immer sichere Hilfe für in Not geratene Bürger in Frage gestellt. Nach Angaben von Ralf Steinmeyer stelle eine solche Tat - gerade gegenüber der Feuerwehr - eine absolute Ausnahme dar und würde auch bundesweit so gut wie gar nicht vorkommen. "Bei der Polizei hingegen ist es nichts völlig Außergewöhnliches, gerade im Rahmen von Demonstrationen werden Streifenwagen beschädigt oder angezündet, auch unsere Einsatzkräfte werden häufiger attackiert", sagt der Polizei-Pressesprecher, der auch solche Taten aufs Schärfste verurteilt. Vor etwas sechs Jahren wurde auch die Mindener Polizeiwache, die nur einen Steinwurf entfernt von der Feuerwache beheimatet ist, Opfer einer ähnlichen Tat. In den Morgenstunden des 26. Augusts 2015 wurde ein Streifenwagen direkt vor dem Gebäude angezündet. Seinerzeit sprach Polizeidirektor Detlef Stüven voneinem bisher einzigartigen Fall in Minden-Lübbecke. Auch wurde umgehend die Sicherheit an den sechs Dienststellen im Kreis erhöht. "Dieser einzigartige Fall ist es bis heute auch geblieben", so Steinmeyer. Im Nachgang stellte sich damals übrigens heraus, dass zwei junge, alkoholisierte Männer die Tat begangen hatten. Im Juli 2016 wurden sie vor dem Jugendschöffengericht Minden zu jeweils 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Übrigens: Das gesamte Außengelände der Feuerwache wird live von mehreren Kameras überwacht. So können die Einsatzkräfte zum Beispiel „auf einem Monitor kontrollieren, ob beispielsweise die Tore ordnungsgemäß geschlossen sind", erklärt Lewerenz. Zudem hofft die Polizei auf weitere Hinweise aus der Bevölkerung. Also: Wer hat die Tat beobachtet? Wer hat in dem Zeitraum verdächtige Personen gesehen? Hinweise können bei der Polizei Minden-Lübbecke telefonisch unter (0571) 88660 gemeldet werden. In den sozialen Medien ist der Unmut über diese Aktion unterdessen groß. So schreibt etwa eine Frau aus Minden: „Was für abartige Menschen es doch gibt." Und eine andere findet: „Die sind doch alle nicht mehr ganz dicht." Auf MT.de kommentierte ein Leser: „Dort hatte wohl jemand zu viele Nägel im Kopf." Die Nachricht verteilt sich via Facebook wie ein Lauffeuer. Schon nach kürzester Zeit war der Beitrag mehrfach geteilt. Verabscheuungswürdig Ein Kommentar von Jan Henning Rogge Gelöste Radmuttern an Rettungswagen in Hessen und Rheinland Pfalz, Übergriffe auf Einsatzkräfte in ganz Deutschland, Nägel und Schrauben vor der Fahrzeughalle der Mindener Feuerwache – all das sind Angriffe, die so in einer Reihe stehen müssen. Denn was hier passiert, ist kein besonders dämlicher Dumme-Jungen-Streich, es sind verabscheuungswürdige Angriffe auf das Leben der Einsatzkräfte – und auf die Leben derer, denen sie helfen wollen. Die Entwicklung ist irritierend: Statt Dankbarkeit erfahren Einsatzkräfte, Ehrenamtliche oder Sicherheitskräfte immer häufiger Bedrohungen, Beleidigungen oder Unverständnis. Es ist dringend nötig, dem entgegenzutreten, das Auseinanderdriften aufzuhalten, die Gemeinschaft zu stärken. Auslöser für Übergriffe gibt es viele: Dazu zählen die Entsolidarisierung der Gesellschaft, das mangelnde Verständnis fürs Allgemeinwohl, das nicht ganz falsche Gefühl vieler Menschen, ständig zu kurz zu kommen, Egoismus sowie das Gefühl, dass sie mit den stärksten Ellenbogen am meisten im Leben erreichen. Eine Rechtfertigung für einen so hinterhältigen Anschlag ist das aber nicht. Der bleibt verabscheuungswürdig.

Nagel-Attacke auf Mindener Feuerwehr: Großes Entsetzen nach "absolut perfider Tat"

Vor der Mindener Feuerwache wurde mehr als eine Hand voll Nägel und Schrauben gefunden. Ein Nagel steckte im Reifen eines Rettungswagens. Foto: © Berufsfeuerwehr Minden

Minden. Ein Angriff auf die Mindener Feuerwehr sorgt für großes Entsetzen. „Absolut perfide", sagt Polizei-Pressesprecher Ralf Steinmeyer zu der Tat, die sich vermutlich in den Abendstunden des vergangenen Sonntags ereignet hat. Nach Angaben der Stadt Minden wurden von einem unbekannter Täter mehrere Nägel und Schrauben im Bereich der Fahrzeugtore vor der Feuerwache an der Marienstraße abgelegt. „Ein Rettungstransportwagen wurde bei der Ausfahrt zu einem Einsatz an den Reifen beschädigt", berichtet Tim Upheber als Leiter der Mindener Feuerwehr. Als einen „üblen Angriff" bezeichnet der Beigeordnete für Städtebau und Feuerschutz, Lars Bursian, die Geschehnisse.

Nach dem Schaden am Rettungswagen, der von einer Schraube verursacht worden ist, sei der Bereich der Ausfahrten an der Wache kontrolliert und alle Reifen an den Fahrzeugen geprüft worden. Am Montagmorgen wurde bei Helligkeit erneut der gesamte Hof abgesucht. „Die Einsatzkräfte fanden noch weitere Nägel vor den Hallentoren", sagt Upheber. Dabei habe es sich laut Steinmeyer um mindestens eine Hand voll Nägel und Schrauben gehandelt. Die Feuerwehr reagierte prompt und verfasste eine Sofortmeldung an das NRW-Innenministerium in Düsseldorf und an die Bezirksregierung Detmold.

Die Polizei sei dann am Montagvormittag, als die Tat angezeigt wurde, informiert worden. Diese informierte auch den Staatsschutz des Polizeipräsidiums Bielefeld über den Vorfall. Bei der benachbarten Polizeiwache seien keine Nägel oder Schrauben ausgelegt worden, so Polizei-Pressesprecher Steinmeyer. „Wir haben allerdings sofort darauf reagiert. Alle weiteren Polizeiwachen im Kreisgebiet wurden informiert, unsere Beamten und Beamtinnen sensibilisiert", erklärt Steinmeyer. So gebe es nun definitiv verstärkte Kontrollen als Reaktion auf die Tat, die laut dem Polizei-Pressesprecher vor allem Kopfschütteln hinterlasse.


Ein Nagel steckt im Reifen des Rettungswagens, die restlichen wurden vor der Feuerwache gefunden. Foto: - © Berufsfeuerwehr Minden
Ein Nagel steckt im Reifen des Rettungswagens, die restlichen wurden vor der Feuerwache gefunden. Foto: - © Berufsfeuerwehr Minden

In diesem Zusammenhang skizziert der Polizeibeamte auch, wie gefährlich diese Attacke gewesen sei. „Man muss sich ja nur einmal vorstellen, was passiert, wenn der Reifen eines Rettungswagen wegen des Nagels langsam Luft verliert. Im schlimmsten Fall lässt sich das Fahrzeug nicht mehr lenken, muss anhalten und der Patient umgelagert werden - und das obwohl jede Sekunde zählt", wie der Steinmeyer verdeutlicht. Wie viele Einsätze konkret durch die Aktion gefährdet waren, lässt sich rückblickend nicht genau beziffern - „da wir noch nicht wissen, in welchem Zeitraum die Gefahr konkret bestand", wie Stadt-Pressesprecherin Susann Lewerenz auf MT-Anfrage erklärt. Es sei bislang noch nicht geklärt, ab wann die Nägel und Schrauben auf dem Gelände platziert worden. Deshalb tue sich die Berufsfeuerwehr schwer, eine Einsatzzahl zu nennen. „Es wäre einfach wenig seriös die gesamte Zahl der Einsätze von Sonntag bis Montagmorgen hier gegenüberzustellen", so Lewerenz.

Letztlich ist es aber auch egal, bei vielen Einsätzen ein zusätzliches Risiko bestand. Dementsprechend verurteilt nicht nur Polizei-Sprecher Steinmeyer diesen Vorfall auf das Schärfste, sondern auch der Beigordnete Bursian. „Wir gehen davon aus, dass hier jemand gezielt der Feuerwehr Minden erheblichen Schaden zufügen wollte", ist er sich angesichts der gezielten Verteilung der spitzen Gegenstände sicher. Von einem Zufall könne man nicht ausgehen. Die Fahrzeuge samt Besatzung würden rund um die Uhr bereitstehen, um der Bevölkerung in Notfällen schnellstmöglich helfen zu können. Es sei „unglaublich", dass jemand die Feuerwehr und den Rettungsdienst bewusst gefährden wollte, so Bursian. Neben der Sachbeschädigung und der Gefahr für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werde mit diesen Taten auch die immer sichere Hilfe für in Not geratene Bürger in Frage gestellt.

Nach Angaben von Ralf Steinmeyer stelle eine solche Tat - gerade gegenüber der Feuerwehr - eine absolute Ausnahme dar und würde auch bundesweit so gut wie gar nicht vorkommen. "Bei der Polizei hingegen ist es nichts völlig Außergewöhnliches, gerade im Rahmen von Demonstrationen werden Streifenwagen beschädigt oder angezündet, auch unsere Einsatzkräfte werden häufiger attackiert", sagt der Polizei-Pressesprecher, der auch solche Taten aufs Schärfste verurteilt.

Im August 2015 setzten zwei junge Männer ein Polizeiauto in Brand. Sie wurden rund ein Jahr später zu Bewährungsstrafen verurteilt. Archivfoto: - © Polizei Minden-Lübbecke
Im August 2015 setzten zwei junge Männer ein Polizeiauto in Brand. Sie wurden rund ein Jahr später zu Bewährungsstrafen verurteilt. Archivfoto: - © Polizei Minden-Lübbecke

Vor etwas sechs Jahren wurde auch die Mindener Polizeiwache, die nur einen Steinwurf entfernt von der Feuerwache beheimatet ist, Opfer einer ähnlichen Tat. In den Morgenstunden des 26. Augusts 2015 wurde ein Streifenwagen direkt vor dem Gebäude angezündet. Seinerzeit sprach Polizeidirektor Detlef Stüven voneinem bisher einzigartigen Fall in Minden-Lübbecke. Auch wurde umgehend die Sicherheit an den sechs Dienststellen im Kreis erhöht. "Dieser einzigartige Fall ist es bis heute auch geblieben", so Steinmeyer. Im Nachgang stellte sich damals übrigens heraus, dass zwei junge, alkoholisierte Männer die Tat begangen hatten. Im Juli 2016 wurden sie vor dem Jugendschöffengericht Minden zu jeweils 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Übrigens: Das gesamte Außengelände der Feuerwache wird live von mehreren Kameras überwacht. So können die Einsatzkräfte zum Beispiel „auf einem Monitor kontrollieren, ob beispielsweise die Tore ordnungsgemäß geschlossen sind", erklärt Lewerenz. Zudem hofft die Polizei auf weitere Hinweise aus der Bevölkerung. Also: Wer hat die Tat beobachtet? Wer hat in dem Zeitraum verdächtige Personen gesehen? Hinweise können bei der Polizei Minden-Lübbecke telefonisch unter (0571) 88660 gemeldet werden.

In den sozialen Medien ist der Unmut über diese Aktion unterdessen groß. So schreibt etwa eine Frau aus Minden: „Was für abartige Menschen es doch gibt." Und eine andere findet: „Die sind doch alle nicht mehr ganz dicht." Auf MT.de kommentierte ein Leser: „Dort hatte wohl jemand zu viele Nägel im Kopf." Die Nachricht verteilt sich via Facebook wie ein Lauffeuer. Schon nach kürzester Zeit war der Beitrag mehrfach geteilt.

Verabscheuungswürdig

Ein Kommentar von Jan Henning Rogge

Gelöste Radmuttern an Rettungswagen in Hessen und Rheinland Pfalz, Übergriffe auf Einsatzkräfte in ganz Deutschland, Nägel und Schrauben vor der Fahrzeughalle der Mindener Feuerwache – all das sind Angriffe, die so in einer Reihe stehen müssen. Denn was hier passiert, ist kein besonders dämlicher Dumme-Jungen-Streich, es sind verabscheuungswürdige Angriffe auf das Leben der Einsatzkräfte – und auf die Leben derer, denen sie helfen wollen.

Die Entwicklung ist irritierend: Statt Dankbarkeit erfahren Einsatzkräfte, Ehrenamtliche oder Sicherheitskräfte immer häufiger Bedrohungen, Beleidigungen oder Unverständnis. Es ist dringend nötig, dem entgegenzutreten, das Auseinanderdriften aufzuhalten, die Gemeinschaft zu stärken.

Auslöser für Übergriffe gibt es viele: Dazu zählen die Entsolidarisierung der Gesellschaft, das mangelnde Verständnis fürs Allgemeinwohl, das nicht ganz falsche Gefühl vieler Menschen, ständig zu kurz zu kommen, Egoismus sowie das Gefühl, dass sie mit den stärksten Ellenbogen am meisten im Leben erreichen. Eine Rechtfertigung für einen so hinterhältigen Anschlag ist das aber nicht. Der bleibt verabscheuungswürdig.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden