Nächster Corona-Rückschlag für die Gastronomie: In Minden werden massenweise Weihnachtsfeiern abgesagt Stefan Koch Minden. Der Anstieg der Infektionszahlen hat auch in der heimischen Gastronomie zu einem massiven Einbruch bei den Weihnachtsfeiern geführt. War vor einem Jahr die Branche durch den Lockdown komplett zur Schließung verdammt, so sagen nun seit Wochen fast alle Unternehmen ihre größeren Zusammenkünfte ab. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Nordrhein-Westfalen (Dehoga) forderte bereits in der vergangenen Woche eine Fortsetzung der staatlichen Überbrückungshilfen und des Kurzarbeitergeldes über den Jahreswechsel hinaus. Aber nicht allen Mindener Gastronomiebetrieben könnte das helfen. Viele hoffen jetzt darauf, durch einen Lieferservice ihre Umsatzeinbußen auszugleichen. „Große Sorge bereitet der Branche, dass jetzt im zweiten Jahr in Folge das für die Gastronomie so eminent wichtige Jahresendgeschäft wieder empfindlich getroffen wird, nicht nur durch die Einführung der 2G-Regelungen“, erklärte Haakon Herbst, Regionalpräsident im Dehoga Nordrhein-Westfalen. „Im letzten Jahr waren wir ab November geschlossen, in diesem haben wir uns auf einem akzeptablen Weg befunden, wenn auch nicht mit 2019 vergleichbar.“ Die pandemische Entwicklung, so der Dehoga-Regionalpräsident, und die damit einhergehende steigende Verunsicherung in der Bevölkerung und der Wirtschaft bedeuten für die Branche deutlich geringere Umsätze wegen fehlender Weihnachtsfeiern, mehr abgesagten anderen Veranstaltungen und weniger Gästen. „Für viele Betriebe heißt das: Quasi-Lockdown“, sagt Herbst. „Wir mussten bislang auf 4.500 Gäste verzichten“ Alle vom MT befragten Gastronomiebetriebe bestätigen, dass die größeren Arbeitgeber die Weihnachtsfeiern für ihre Belegschaft abgesagt haben. „Wir mussten bislang auf 4.500 Gäste verzichten“, sagt Arno Borcherding, Eigentümer des Kaisersaals. „Von Mitte November bis Ende des Jahres war ich sonst immer ausgebucht.“ Auch die kleineren privaten Feiern wie beispielsweise Geburtstage bröckelten jetzt ab. Er hat schon seit Montag in seinem Betrieb die 2G-Regel eingeführt aber trotzdem fehle es an Anmeldungen.„Man kann sagen, dass alle Firmenfeiern mit mehr als 20 Personen abgesagt worden, sind“, bestätigt auch Philipp Pudenz vom Hotel Bad Minden.“ Vor zwei Wochen hatte die Welle der Abbestellungen eingesetzt. „Vorher war für den Dezember jeder Tag ausgebucht.“ Auch der Catering-Bereich ist betroffen. Zudem habe es Abbrüche bei den Tagungen gegeben. Laut Pudenz macht die Bankett-Gastronomie das Kerngeschäft aus. „Wir sind in der Lage, Feiern bis zu mit 1.000 Personen an einem Tag zu bedienen.“ Das verdeutlich die Größenordnung des Einbruchs.„Die Weihnachtsfeiern machen jetzt nur noch die Hälfte dessen aus, was wir in der Zeit vor Corona hatten“, berichtet auch Ralf Poth, Inhaber des Grotehofes. „Die großen Firmen haben gar nicht erst gebucht.“ Nur kleinere Abteilungsfeiern oder Familienfeiern gebe es noch. Meist seien es nicht mehr als 20 Personen. Poth hat in Gesprächen festgestellt, dass die 2G-Regelung von den meisten Gästen akzeptiert würde. Bislang sei sein Betrieb unter 3G-Bedingungen gelaufen. Auch Caterer haben immer mehr Probleme Nicht nur für die großen Gastronomiebetriebe fällt mit dem Anwachsen der Infektionsrate das Weihnachtsgeschäft schlecht aus. „Wir erleben das auch“, sagt Karin Kisker von La Cantina an der Obermarktstraße. Bislang habe es nur zwei Absagen gegeben, aber sie fürchte, dass es noch mehr werden könnten. Kisker hofft, mit Catering über die Runden zu kommen. „Das hat beim Lockdown im vergangenen Jahr gut geklappt.“ Die Kunden holen die Essen ab, einen Lieferservice gibt es nicht.Und auch im Bavaria hatte sich das Catering bewährt und soll auch in diesem Jahr wieder über die Weihnachtsausfälle hinweg helfen. „Es gibt Gänseessen außer Haus“, sagt die Chefin Kim Krokowski. Auch sie hatte noch vor zwei Jahren Tische für die großen Feiern eindecken lassen, musste vor einem Jahr aber vorübergehend dicht machen.Dehoga-Regionalpräsident Herbst befürchtet, dass durch die erneut angespannte Lage die Existenz von Hotels und Gaststätten gefährdet sein könnte. „Wir sind bis dato mehrheitlich gerade so eben durch die Auswirkungen der Pandemie gekommen. Auch wegen der staatlichen Unterstützung“, meint er. Diese wäre vergeblich gewesen, wenn nun die Betriebe ohne weitere Hilfe auskommen müssten und aufgäben.Das sagen die Gastronomen zu staatlichen Hilfen Pudenz vom Hotel Bad Minden: „Möglich, dass wir demnächst wieder eine solche Unterstützung brauchen.“ Er versuche aber alles, um das abzuwenden. Schon im April, als das Geschäft wieder angezogen war, hatte er sich auf einen großangelegten Start für die Zeit nach dem Lockdown vorbereitet. Optimistisch hatte der Betrieb ein Team aus Minijobbern und Festangestellten für die erwartete Nachfrage reaktiviert, geschult und ausgebaut. Borcherding vom Kaisersaal denkt nicht, dass er überhaupt eine Chance hätte, Überbrückungshilfe zu bekommen. Denn dazu müssten die Betriebsergebnisse mit denen der Vorjahre verglichen werden können. Seinen Betrieb hatte er aber im Sommer modernisiert, vergrößert und damit verändert. Sogar eine spezielle Lüftungsanlage wurde eingebaut, um die Gäste vor Coronainfektionen zu schützen. Dafür gebe es keine staatliche Unterstützung.Kurzarbeitergeld hatte Jörg Mallwitz vom Seriösen Fußgänger schon im vergangenen Jahr nicht erhalten. Die Zahl der festangestellten Kräfte hatte dazu nicht ausgereicht. Gleichwohl sind bis auf eine Ausnahme alle Weihnachtsfeiern bei ihm abgesagt worden. „Normalerweise würde jetzt jeden Tag eine bei mir stattfinden.“ Immerhin habe er keine Personalprobleme. Denn seine Kräfte – die meisten sind Studierende als Minijobber – seien nach dem Lockdown zurückgekehrt.

Nächster Corona-Rückschlag für die Gastronomie: In Minden werden massenweise Weihnachtsfeiern abgesagt

Vor zwei Jahren hatte auch das Bavaria für die großen Weihnachtsfeiern von Firmen eingedeckt. Diesmal bleiben erneut die Gäste weg. Foto: privat

Minden. Der Anstieg der Infektionszahlen hat auch in der heimischen Gastronomie zu einem massiven Einbruch bei den Weihnachtsfeiern geführt. War vor einem Jahr die Branche durch den Lockdown komplett zur Schließung verdammt, so sagen nun seit Wochen fast alle Unternehmen ihre größeren Zusammenkünfte ab. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Nordrhein-Westfalen (Dehoga) forderte bereits in der vergangenen Woche eine Fortsetzung der staatlichen Überbrückungshilfen und des Kurzarbeitergeldes über den Jahreswechsel hinaus. Aber nicht allen Mindener Gastronomiebetrieben könnte das helfen. Viele hoffen jetzt darauf, durch einen Lieferservice ihre Umsatzeinbußen auszugleichen.

„Große Sorge bereitet der Branche, dass jetzt im zweiten Jahr in Folge das für die Gastronomie so eminent wichtige Jahresendgeschäft wieder empfindlich getroffen wird, nicht nur durch die Einführung der 2G-Regelungen“, erklärte Haakon Herbst, Regionalpräsident im Dehoga Nordrhein-Westfalen. „Im letzten Jahr waren wir ab November geschlossen, in diesem haben wir uns auf einem akzeptablen Weg befunden, wenn auch nicht mit 2019 vergleichbar.“ Die pandemische Entwicklung, so der Dehoga-Regionalpräsident, und die damit einhergehende steigende Verunsicherung in der Bevölkerung und der Wirtschaft bedeuten für die Branche deutlich geringere Umsätze wegen fehlender Weihnachtsfeiern, mehr abgesagten anderen Veranstaltungen und weniger Gästen. „Für viele Betriebe heißt das: Quasi-Lockdown“, sagt Herbst.

„Wir mussten bislang auf 4.500 Gäste verzichten“

Malina Reckordt

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Alle vom MT befragten Gastronomiebetriebe bestätigen, dass die größeren Arbeitgeber die Weihnachtsfeiern für ihre Belegschaft abgesagt haben. „Wir mussten bislang auf 4.500 Gäste verzichten“, sagt Arno Borcherding, Eigentümer des Kaisersaals. „Von Mitte November bis Ende des Jahres war ich sonst immer ausgebucht.“ Auch die kleineren privaten Feiern wie beispielsweise Geburtstage bröckelten jetzt ab. Er hat schon seit Montag in seinem Betrieb die 2G-Regel eingeführt aber trotzdem fehle es an Anmeldungen.

„Man kann sagen, dass alle Firmenfeiern mit mehr als 20 Personen abgesagt worden, sind“, bestätigt auch Philipp Pudenz vom Hotel Bad Minden.“ Vor zwei Wochen hatte die Welle der Abbestellungen eingesetzt. „Vorher war für den Dezember jeder Tag ausgebucht.“ Auch der Catering-Bereich ist betroffen. Zudem habe es Abbrüche bei den Tagungen gegeben. Laut Pudenz macht die Bankett-Gastronomie das Kerngeschäft aus. „Wir sind in der Lage, Feiern bis zu mit 1.000 Personen an einem Tag zu bedienen.“ Das verdeutlich die Größenordnung des Einbruchs.

„Die Weihnachtsfeiern machen jetzt nur noch die Hälfte dessen aus, was wir in der Zeit vor Corona hatten“, berichtet auch Ralf Poth, Inhaber des Grotehofes. „Die großen Firmen haben gar nicht erst gebucht.“ Nur kleinere Abteilungsfeiern oder Familienfeiern gebe es noch. Meist seien es nicht mehr als 20 Personen. Poth hat in Gesprächen festgestellt, dass die 2G-Regelung von den meisten Gästen akzeptiert würde. Bislang sei sein Betrieb unter 3G-Bedingungen gelaufen.

Auch Caterer haben immer mehr Probleme

Nicht nur für die großen Gastronomiebetriebe fällt mit dem Anwachsen der Infektionsrate das Weihnachtsgeschäft schlecht aus. „Wir erleben das auch“, sagt Karin Kisker von La Cantina an der Obermarktstraße. Bislang habe es nur zwei Absagen gegeben, aber sie fürchte, dass es noch mehr werden könnten. Kisker hofft, mit Catering über die Runden zu kommen. „Das hat beim Lockdown im vergangenen Jahr gut geklappt.“ Die Kunden holen die Essen ab, einen Lieferservice gibt es nicht.

Und auch im Bavaria hatte sich das Catering bewährt und soll auch in diesem Jahr wieder über die Weihnachtsausfälle hinweg helfen. „Es gibt Gänseessen außer Haus“, sagt die Chefin Kim Krokowski. Auch sie hatte noch vor zwei Jahren Tische für die großen Feiern eindecken lassen, musste vor einem Jahr aber vorübergehend dicht machen.

Dehoga-Regionalpräsident Herbst befürchtet, dass durch die erneut angespannte Lage die Existenz von Hotels und Gaststätten gefährdet sein könnte. „Wir sind bis dato mehrheitlich gerade so eben durch die Auswirkungen der Pandemie gekommen. Auch wegen der staatlichen Unterstützung“, meint er. Diese wäre vergeblich gewesen, wenn nun die Betriebe ohne weitere Hilfe auskommen müssten und aufgäben.

Das sagen die Gastronomen zu staatlichen Hilfen

Pudenz vom Hotel Bad Minden: „Möglich, dass wir demnächst wieder eine solche Unterstützung brauchen.“ Er versuche aber alles, um das abzuwenden. Schon im April, als das Geschäft wieder angezogen war, hatte er sich auf einen großangelegten Start für die Zeit nach dem Lockdown vorbereitet. Optimistisch hatte der Betrieb ein Team aus Minijobbern und Festangestellten für die erwartete Nachfrage reaktiviert, geschult und ausgebaut.

Borcherding vom Kaisersaal denkt nicht, dass er überhaupt eine Chance hätte, Überbrückungshilfe zu bekommen. Denn dazu müssten die Betriebsergebnisse mit denen der Vorjahre verglichen werden können. Seinen Betrieb hatte er aber im Sommer modernisiert, vergrößert und damit verändert. Sogar eine spezielle Lüftungsanlage wurde eingebaut, um die Gäste vor Coronainfektionen zu schützen. Dafür gebe es keine staatliche Unterstützung.

Kurzarbeitergeld hatte Jörg Mallwitz vom Seriösen Fußgänger schon im vergangenen Jahr nicht erhalten. Die Zahl der festangestellten Kräfte hatte dazu nicht ausgereicht. Gleichwohl sind bis auf eine Ausnahme alle Weihnachtsfeiern bei ihm abgesagt worden. „Normalerweise würde jetzt jeden Tag eine bei mir stattfinden.“ Immerhin habe er keine Personalprobleme. Denn seine Kräfte – die meisten sind Studierende als Minijobber – seien nach dem Lockdown zurückgekehrt.

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