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Nachruf zum Tod der Journalistin Kerstin Rickert: Eine Stimme der Kultur ist plötzlich verstummt Sie hat Geheimnisse der Stadt aufgedeckt und vor allem fachkundig und mit feinem Gehör über die Auftritte vieler Stars wie Klaus Doldinger, Candy Dulfer oder Mike Stern im Jazz Club geschrieben. Wenige Tage vor Weihnachten ist MT-Mitarbeiterin Kerstin Rickert im Alter von 59 Jahren unerwartet gestorben. Als Kerstin Otte war sie am 25. Februar 1963 in Minden zur Welt gekommen. Sie wuchs in der Nordstadt auf. Nach dem Abitur am Ratsgymnasium studierte sie in Paderborn Betriebswirtschaftslehre und kehrte anschließend in ihre Heimatstadt zurück. 1993 begann ihre fast 30 Jahren andauernde freie Mitarbeit für die Kulturredaktion des Mindener Tageblatts. Die Mutter einer damals kleinen Tochter schrieb mit großer Fachkenntnis über die samstäglichen Konzerte im Jazz Club, schon bevor ihr Mann Hans-Joachim 1995 zum zweiten Mal Vorsitzender des Clubs wurde. Er hatte 1982 die erste „Jazz Summer Night“ veranstaltet, die seitdem bei freiem Eintritt jährlich mehrere tausend Besucher auf den Marktplatz lockt. Er war vor fünf Jahren im Alter von 62 Jahren gestorben. Ab 2013 weitete Kerstin Rickert ihre Tätigkeit als freie Journalistin deutlich aus. Sie war von da an auch für die Lokalredaktion des MT tätig und berichtete über ein breites Themenspektrum. Darunter war zum Beispiel der erste Rundgang durch den Stollen im Jakobsberg, der in den Kriegsjahren ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme war. Kerstin Rickert tauchte immer tief in die Themen ein und legte viel Wert auf Details, um sie für die Leser greifbar zu machen. Sie liebte klare Worte, fand dabei immer den richtigen Tonfall. Sie war auch beteiligt an dem Magazin „Der Kaiser“, das der Bruns-Verlag im Juli 2018 zur Wiedereröffnung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals herausgebracht hatte. Zuletzt hatte sie für den Kreis Minden-Lübbecke die Texte für das Milla-Landmagazin 2021/22 verfasst. Bereits 2017 war das Buch „Mindener Geheimnisse“ des Bast-Medien-Verlags in Kooperation mit dem Mindener Tageblatt erschienen. Daran wirkte Kerstin Rickert neben Eva-Maria Bast, Erfinderin der Buchreihe, und MT-Redakteur Jürgen Langenkämper als Autorin mit. 50 spannende Geschichten etwa über die Häuserzeile auf dem Scharn oder das Fass in der Fassade eines Böttcher-Hauses in der Videbullenstraße hatte sie darin aufgedeckt. Das Buch war so erfolgreich und noch so viele spannende Geschichten übrig, dass sich der Verlag entschloss, einen zweiten Band herauszugeben, der im November 2020 erschienen ist. Daran, dass Minden als einige der wenigen Städte ein zweites Buch gewidmet wurde, hatten Kerstin Rickerts Geschichten einen maßgeblichen Anteil. Mit ihrer Familie verbrachte sie viele Urlaube am Lago Maggiore, daher sprach sie Italienisch. Mit ihrer Tochter unternahm sie gerne Städtereisen. Die MT-Redaktion trauert um den Verlust einer Persönlichkeit und einer Stimme, die in Minden fehlen wird.
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Nachruf zum Tod der Journalistin Kerstin Rickert: Eine Stimme der Kultur ist plötzlich verstummt

Kerstin Rickert
Foto: Alex Lehn

Sie hat Geheimnisse der Stadt aufgedeckt und vor allem fachkundig und mit feinem Gehör über die Auftritte vieler Stars wie Klaus Doldinger, Candy Dulfer oder Mike Stern im Jazz Club geschrieben. Wenige Tage vor Weihnachten ist MT-Mitarbeiterin Kerstin Rickert im Alter von 59 Jahren unerwartet gestorben.

Als Kerstin Otte war sie am 25. Februar 1963 in Minden zur Welt gekommen. Sie wuchs in der Nordstadt auf. Nach dem Abitur am Ratsgymnasium studierte sie in Paderborn Betriebswirtschaftslehre und kehrte anschließend in ihre Heimatstadt zurück.

1993 begann ihre fast 30 Jahren andauernde freie Mitarbeit für die Kulturredaktion des Mindener Tageblatts. Die Mutter einer damals kleinen Tochter schrieb mit großer Fachkenntnis über die samstäglichen Konzerte im Jazz Club, schon bevor ihr Mann Hans-Joachim 1995 zum zweiten Mal Vorsitzender des Clubs wurde. Er hatte 1982 die erste „Jazz Summer Night“ veranstaltet, die seitdem bei freiem Eintritt jährlich mehrere tausend Besucher auf den Marktplatz lockt. Er war vor fünf Jahren im Alter von 62 Jahren gestorben.

Benjamin Piel

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Jeden Donnerstag von unserem Chefredakteur Benjamin Piel

Ab 2013 weitete Kerstin Rickert ihre Tätigkeit als freie Journalistin deutlich aus. Sie war von da an auch für die Lokalredaktion des MT tätig und berichtete über ein breites Themenspektrum. Darunter war zum Beispiel der erste Rundgang durch den Stollen im Jakobsberg, der in den Kriegsjahren ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme war. Kerstin Rickert tauchte immer tief in die Themen ein und legte viel Wert auf Details, um sie für die Leser greifbar zu machen. Sie liebte klare Worte, fand dabei immer den richtigen Tonfall. Sie war auch beteiligt an dem Magazin „Der Kaiser“, das der Bruns-Verlag im Juli 2018 zur Wiedereröffnung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals herausgebracht hatte. Zuletzt hatte sie für den Kreis Minden-Lübbecke die Texte für das Milla-Landmagazin 2021/22 verfasst.

Bereits 2017 war das Buch „Mindener Geheimnisse“ des Bast-Medien-Verlags in Kooperation mit dem Mindener Tageblatt erschienen. Daran wirkte Kerstin Rickert neben Eva-Maria Bast, Erfinderin der Buchreihe, und MT-Redakteur Jürgen Langenkämper als Autorin mit. 50 spannende Geschichten etwa über die Häuserzeile auf dem Scharn oder das Fass in der Fassade eines Böttcher-Hauses in der Videbullenstraße hatte sie darin aufgedeckt. Das Buch war so erfolgreich und noch so viele spannende Geschichten übrig, dass sich der Verlag entschloss, einen zweiten Band herauszugeben, der im November 2020 erschienen ist. Daran, dass Minden als einige der wenigen Städte ein zweites Buch gewidmet wurde, hatten Kerstin Rickerts Geschichten einen maßgeblichen Anteil.

Mit ihrer Familie verbrachte sie viele Urlaube am Lago Maggiore, daher sprach sie Italienisch. Mit ihrer Tochter unternahm sie gerne Städtereisen. Die MT-Redaktion trauert um den Verlust einer Persönlichkeit und einer Stimme, die in Minden fehlen wird.

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