Nachhaltig leben: Hier entsteht Mindens erste Klimaschutzsiedlung Monika Jäger Minden. Mindens erste Klimaschutzsiedlung soll in den kommenden Jahren zwischen Hahler Straße und dem Sportplatz am Mittelweg entstehen – ein ambitioniertes Projekt, dessen Weiterentwicklung der Mindener Bauausschuss jetzt zustimmte. Dabei setzte sich das Architekturbüro Parallel mit der Wilhelm Fahrenkamp Grundstücks GmbH gegen die Entwürfe der Diakonie Stiftung Salem mit der Firma Projektbau und den Architekten Frohne und Schnitker durch. Klimaschutzsiedlung, das ist nicht einfach nur ein Slogan. Wer so etwas bauen will, unterwirft sich klaren Regeln. Zu diesen gehören sehr geringer Energieverbrauch und deutlich reduzierte Kohlendioxid-Emissionen. Nachhaltiges Bauen ist selbstverständlich, und auch bei der Herstellung der Baustoffe muss auf Klimafreundlichkeit geachtet worden sein. Heizen und Wärmen sollten mit erneuerbaren Energien erfolgen. Und obendrein muss das neue Quartier auch städtebauliche und soziale Qualitäten haben. „Es soll ein Wohlfühlgebiet werden“– das sagt nicht nur Architekt Thomas Engel, das erhofft sich auch Mindens Bau-Beigeordneter Lars Bursian. Wohlfühlen sollen sich aber auch die Menschen, die jetzt schon drumrum wohnen und sich aktuell Sorgen machen – wegen der Verkehrserschließung, wegen einer alten Esche auf dem Gelände, wegen der aus ihrer Sicht zu großen Anzahl Wohnungen und der vielen neuen Nachbarn. Die Architekten wollen am Ende für alles Lösungen anbieten. Die Esche zum Beispiel ist fester Bestandteil der Planungen – sie wird den Kindern Schatten spenden, die hier künftig in die neue Kindertagesstätte gehen. Die Verkehrsführung ins und aus dem Areal müsse bei der Bauleitplanung ausführlich behandelt werden, sagt Bursian, da seien mehrere Varianten denkbar – unter anderem auch die Öffnung des Mittelwegs. „Wenn Wohnbebauung dazukommt, wird immer jemand unzufrieden sein“, sagt der Stadtplaner aber auch – aus Erfahrung. Für alles solle die beste Lösung gefunden werden. „Aber was kein Weg ist: Nur Einfamilienhäuser zu bauen. Das kann nicht die Art sein, wie wir uns mit der Stadt Minden in die Zukunft aufmachen.“ Da jetzt durch den Beschluss im Bauausschuss von Anfang an Architekt und Investor dabei sind und alle Beteiligungsverfahren begleiten, könnten sich die Bürger und die Planer intensiv mit allen Fragen konkret beschäftigen. Ob all das konkret umgesetzt werden soll, darüber ist dann in einem zweiten Schritt zu entscheiden. Architekt Thomas Engel betritt hier Neuland – eine Klimaschutzsiedlung in so großem Stil habe auch er noch nicht gebaut, sagt er. Die Wohngebäude sollen beispielsweise nicht nur nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen geplant werden, sondern auch nach den Regularien der Energieagentur NRW und mit der Fachhochschule Bielefeld, Campus Minden. 104 Wohnungen sollen entstehen: 44 Zweizimmereinheiten für Singles und Alleinerziehende, 40 Dreizimmerwohnungen, zehn mit vier bis fünf Zimmern. Alles soll barrierefrei erstellt werden, überall sollen auch Balkone sein. Etwa zehn der Wohnungen sind rollstuhlgerecht geplant. Alles sollen Mietwohnungen werden. Die dreigeschossigen Gebäude werden allerdings keine Kellerräume haben. Das hängt mit der Energieerzeugung zusammen: Da die Wärme und das heiße Wasser über Photovoltaikanlagen auf allen Dächern erzeugt werden, sind beispielsweise keine Gasleitungen nötig, ebenso wenig wie Heizungsräume. Einzig unter dem Begegnungszentrum wird ein Keller sein, in diesem stehen die Batterien beziehungsweise Energiespeicher. Räder sollen in speziellen Fahrradgebäuden untergestellt werden, und damit die Abfallcontainer nicht einfach herumstehen, sollen für sie versenkbare Müllstationen an den Zufahrten der Wohnstraßen eingerichtet werden. E-Car-Sharing wird ebenso mit eingeplant wie Ladestationen für E-Autos. In die Siedlung soll sowohl über die Beethoven- als auch über die Schumannstraße gefahren werden können, in der Mitte wird eine Mauer die Durchfahrt verhindern. So soll unnötiger Verkehr rausgehalten werden. Alles soll „so grün wie nur möglich“ (Engel) werden. Ein öffentlicher Grünzug, halböffentliche Höfe vor und zwischen den Gebäuden, schattenspendende Bäume und vertikale Gärten an den Fassaden gehören zum Konzept. Auch an gemeinsame Mietergärten ist gedacht. Das Begegnungszentrum stellen sich die Planer als ein Herzstück für die Bildung eines Wir-Gefühls vor, als Anlaufstelle für alle. Während sich im Erdgeschoss Erwachsene treffen und im zweiten Stock Musikräume und Gästezimmer entstehen sollen, könnte im ersten Obergeschoss beispielsweise Homeschooling für Schüler sein, nachmittags könnten sich hier Jugendliche treffen. Für all das wäre die Unterstützung durch ein Quartiermanagement sinnvoll, sagt Engel im Gespräch, worauf Bursian gleich deutlich macht, dass das eher vom Quartiersmanager Bärenkämpen mit gemacht werden könnte, als dass hier eine weitere Person eingestellt würde. Aber auch das müsse im Zuge der weiteren Entwicklungen natürlich noch besprochen werden. Mit den Plänen für die 104 Wohnungen unterschiedlicher Größe werde der gesamte Mix am Markt abgebildet. Fehler, die früher beispielsweise in Bärenkämpen gemacht worden seien, sollten hier nicht wiederholt werden: Eine Durchmischung sei wichtig und werde sich aufgrund des Zuschnitts auch ergeben, so Bursian. Besonderes Augenmerk richten die Planer auf den Neubau der Kita Tausendfüßler, die ihr aktuelles Domizil demnächst verlassen muss. Das Besondere am Neubau an der Schumannstraße: Hier werden im Erdgeschoss die Kinder spielen, darüber sollen unabhängig davon acht Wohnungen im ersten und zweiten Obergeschoss entstehen. Bis zu fünf Gruppen könnten hier betreut werden, so die Planer, und unter anderem wird jede einen eigenen Schlafraum sowie WC-Wickelräume und Garderoben erhalten. Vor die Kita kommt ein Kreisel als „Kiss and Ride“-Zone, für Kinder, die mit dem Auto gebracht werden. Auch hier werde der Gedanke „so viel Grün wie möglich“ intensiv verfolgt. Die Mietwohnungen könnten auch von sozialen Einrichtungen angemietet werden, so die Planer. Oben wohnen Familien, darunter werden Kinder betreut: Kann das funktionieren? Klar, denkt Engel, und auch Bau-Beigeordneter Bursian sieht da keinen Widerspruch. Zum einen würde Seniorenwohnen und Kinderbetreuung unter dem Gedanken des Mehrgenerationenhauses ja durchaus funktionieren, zum anderen wären Personen, die außer Haus arbeiten, doch sowieso nur morgens und abends dort. Auf jeden Fall wüsste jeder, der dort einzieht, auf was er sich einlässt. Und eine Kita als Flachbau mit ungenutztem Raum darüber sei angesichts des wachsenden Bedarfs an Wohnraum nicht mehr zeitgemäß. Vieles ist noch zu klären, auch wenn die Grundidee des neuen Quartiers schon sehr klar scheint. Wie wird es beispielsweise mit Entwässerung und Regenwasserversickerung? Wo und wie wird Lärmschutz nötig sein? Das Grundstück gehört zurzeit noch der Stadt, die es erworben hat, um hier Ziele des Handlungskonzeptes Wohnen umzusetzen. Jetzt wird „Parallel“ die Planungen vertiefen, erst dann gilt es, über den Verkauf zu entscheiden.

Nachhaltig leben: Hier entsteht Mindens erste Klimaschutzsiedlung

Das Areal zwischen Beethoven- und Schumannstraße ist noch unbebaut. Es soll künftig von zwei Seiten erschlossen werden, damit nicht auf einer Straße zu viel Verkehrsbelastung liegt. © MT-Foto: Thomas Lieske

Minden. Mindens erste Klimaschutzsiedlung soll in den kommenden Jahren zwischen Hahler Straße und dem Sportplatz am Mittelweg entstehen – ein ambitioniertes Projekt, dessen Weiterentwicklung der Mindener Bauausschuss jetzt zustimmte. Dabei setzte sich das Architekturbüro Parallel mit der Wilhelm Fahrenkamp Grundstücks GmbH gegen die Entwürfe der Diakonie Stiftung Salem mit der Firma Projektbau und den Architekten Frohne und Schnitker durch.

Klimaschutzsiedlung, das ist nicht einfach nur ein Slogan. Wer so etwas bauen will, unterwirft sich klaren Regeln. Zu diesen gehören sehr geringer Energieverbrauch und deutlich reduzierte Kohlendioxid-Emissionen. Nachhaltiges Bauen ist selbstverständlich, und auch bei der Herstellung der Baustoffe muss auf Klimafreundlichkeit geachtet worden sein. Heizen und Wärmen sollten mit erneuerbaren Energien erfolgen. Und obendrein muss das neue Quartier auch städtebauliche und soziale Qualitäten haben.

- © Pendzialek Tobias
© Pendzialek Tobias

„Es soll ein Wohlfühlgebiet werden“– das sagt nicht nur Architekt Thomas Engel, das erhofft sich auch Mindens Bau-Beigeordneter Lars Bursian. Wohlfühlen sollen sich aber auch die Menschen, die jetzt schon drumrum wohnen und sich aktuell Sorgen machen – wegen der Verkehrserschließung, wegen einer alten Esche auf dem Gelände, wegen der aus ihrer Sicht zu großen Anzahl Wohnungen und der vielen neuen Nachbarn.

Viel Grün, überall kleine Plätze und Höfe, Raum zum Abstellen von Fahrrädern und Ladestationen für E-Autos: In dem neuen Quartier soll nachhaltig gelebt werden können. Visualisierungen: Büro Parallel - © Pendzialek Tobias
Viel Grün, überall kleine Plätze und Höfe, Raum zum Abstellen von Fahrrädern und Ladestationen für E-Autos: In dem neuen Quartier soll nachhaltig gelebt werden können. Visualisierungen: Büro Parallel - © Pendzialek Tobias

Die Architekten wollen am Ende für alles Lösungen anbieten. Die Esche zum Beispiel ist fester Bestandteil der Planungen – sie wird den Kindern Schatten spenden, die hier künftig in die neue Kindertagesstätte gehen. Die Verkehrsführung ins und aus dem Areal müsse bei der Bauleitplanung ausführlich behandelt werden, sagt Bursian, da seien mehrere Varianten denkbar – unter anderem auch die Öffnung des Mittelwegs.

„Wenn Wohnbebauung dazukommt, wird immer jemand unzufrieden sein“, sagt der Stadtplaner aber auch – aus Erfahrung. Für alles solle die beste Lösung gefunden werden. „Aber was kein Weg ist: Nur Einfamilienhäuser zu bauen. Das kann nicht die Art sein, wie wir uns mit der Stadt Minden in die Zukunft aufmachen.“ Da jetzt durch den Beschluss im Bauausschuss von Anfang an Architekt und Investor dabei sind und alle Beteiligungsverfahren begleiten, könnten sich die Bürger und die Planer intensiv mit allen Fragen konkret beschäftigen. Ob all das konkret umgesetzt werden soll, darüber ist dann in einem zweiten Schritt zu entscheiden.

Architekt Thomas Engel betritt hier Neuland – eine Klimaschutzsiedlung in so großem Stil habe auch er noch nicht gebaut, sagt er. Die Wohngebäude sollen beispielsweise nicht nur nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen geplant werden, sondern auch nach den Regularien der Energieagentur NRW und mit der Fachhochschule Bielefeld, Campus Minden.

104 Wohnungen sollen entstehen: 44 Zweizimmereinheiten für Singles und Alleinerziehende, 40 Dreizimmerwohnungen, zehn mit vier bis fünf Zimmern. Alles soll barrierefrei erstellt werden, überall sollen auch Balkone sein. Etwa zehn der Wohnungen sind rollstuhlgerecht geplant. Alles sollen Mietwohnungen werden.

Die dreigeschossigen Gebäude werden allerdings keine Kellerräume haben. Das hängt mit der Energieerzeugung zusammen: Da die Wärme und das heiße Wasser über Photovoltaikanlagen auf allen Dächern erzeugt werden, sind beispielsweise keine Gasleitungen nötig, ebenso wenig wie Heizungsräume. Einzig unter dem Begegnungszentrum wird ein Keller sein, in diesem stehen die Batterien beziehungsweise Energiespeicher.

Räder sollen in speziellen Fahrradgebäuden untergestellt werden, und damit die Abfallcontainer nicht einfach herumstehen, sollen für sie versenkbare Müllstationen an den Zufahrten der Wohnstraßen eingerichtet werden. E-Car-Sharing wird ebenso mit eingeplant wie Ladestationen für E-Autos. In die Siedlung soll sowohl über die Beethoven- als auch über die Schumannstraße gefahren werden können, in der Mitte wird eine Mauer die Durchfahrt verhindern. So soll unnötiger Verkehr rausgehalten werden. Alles soll „so grün wie nur möglich“ (Engel) werden. Ein öffentlicher Grünzug, halböffentliche Höfe vor und zwischen den Gebäuden, schattenspendende Bäume und vertikale Gärten an den Fassaden gehören zum Konzept. Auch an gemeinsame Mietergärten ist gedacht.

Das Begegnungszentrum stellen sich die Planer als ein Herzstück für die Bildung eines Wir-Gefühls vor, als Anlaufstelle für alle. Während sich im Erdgeschoss Erwachsene treffen und im zweiten Stock Musikräume und Gästezimmer entstehen sollen, könnte im ersten Obergeschoss beispielsweise Homeschooling für Schüler sein, nachmittags könnten sich hier Jugendliche treffen.

Für all das wäre die Unterstützung durch ein Quartiermanagement sinnvoll, sagt Engel im Gespräch, worauf Bursian gleich deutlich macht, dass das eher vom Quartiersmanager Bärenkämpen mit gemacht werden könnte, als dass hier eine weitere Person eingestellt würde. Aber auch das müsse im Zuge der weiteren Entwicklungen natürlich noch besprochen werden.

Mit den Plänen für die 104 Wohnungen unterschiedlicher Größe werde der gesamte Mix am Markt abgebildet. Fehler, die früher beispielsweise in Bärenkämpen gemacht worden seien, sollten hier nicht wiederholt werden: Eine Durchmischung sei wichtig und werde sich aufgrund des Zuschnitts auch ergeben, so Bursian.

Besonderes Augenmerk richten die Planer auf den Neubau der Kita Tausendfüßler, die ihr aktuelles Domizil demnächst verlassen muss. Das Besondere am Neubau an der Schumannstraße: Hier werden im Erdgeschoss die Kinder spielen, darüber sollen unabhängig davon acht Wohnungen im ersten und zweiten Obergeschoss entstehen. Bis zu fünf Gruppen könnten hier betreut werden, so die Planer, und unter anderem wird jede einen eigenen Schlafraum sowie WC-Wickelräume und Garderoben erhalten. Vor die Kita kommt ein Kreisel als „Kiss and Ride“-Zone, für Kinder, die mit dem Auto gebracht werden. Auch hier werde der Gedanke „so viel Grün wie möglich“ intensiv verfolgt.

Die Mietwohnungen könnten auch von sozialen Einrichtungen angemietet werden, so die Planer. Oben wohnen Familien, darunter werden Kinder betreut: Kann das funktionieren? Klar, denkt Engel, und auch Bau-Beigeordneter Bursian sieht da keinen Widerspruch. Zum einen würde Seniorenwohnen und Kinderbetreuung unter dem Gedanken des Mehrgenerationenhauses ja durchaus funktionieren, zum anderen wären Personen, die außer Haus arbeiten, doch sowieso nur morgens und abends dort. Auf jeden Fall wüsste jeder, der dort einzieht, auf was er sich einlässt. Und eine Kita als Flachbau mit ungenutztem Raum darüber sei angesichts des wachsenden Bedarfs an Wohnraum nicht mehr zeitgemäß.

Vieles ist noch zu klären, auch wenn die Grundidee des neuen Quartiers schon sehr klar scheint. Wie wird es beispielsweise mit Entwässerung und Regenwasserversickerung? Wo und wie wird Lärmschutz nötig sein? Das Grundstück gehört zurzeit noch der Stadt, die es erworben hat, um hier Ziele des Handlungskonzeptes Wohnen umzusetzen. Jetzt wird „Parallel“ die Planungen vertiefen, erst dann gilt es, über den Verkauf zu entscheiden.

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