Nachfrage nach Immobilien lässt Preise im Kreis klettern: Ein Experte rät trotzdem zum Kauf Malina Reckordt Minden. Immobilien jeglicher Art gehen derzeit weg wie warme Semmeln. Gründe dafür gibt es genug: sei es der anstehende Nachwuchs, die zu klein gewordene 3-Zimmer-Wohnung für ein dauerhaftes Homeoffice, die plötzlich entdeckte Landliebe, die niedrigen Zinsen oder aber die reine Kapitalanlage. Die Nachfrage nach neuen oder alten Einfamilienhäusern, Grundstücken oder alten Bauernhöfen ist riesig und das, obwohl Objekte immer teurer werden – innerhalb des vergangenen Jahres in Minden um satte elf Prozent. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Landesbausparkasse West. So kosten erschlossene Baugrundstücke durchschnittlich 205 Euro pro Quadratmeter, Einstiegspreise liegen bei 140 Euro. Für ein neues Einfamilienhaus muss man laut Studie um die 260.000 Euro zahlen, für ein gebrauchtes 215.000 Euro. Wer auf der Suche nach einem gebrauchten, frei stehenden Einfamilienhaus in Minden ist, muss dafür im Durchschnitt 330.000 Euro einplanen. Günstiger wird es laut Studie im Umland von Minden. Denn bezogen auf den gesamten Kreis Minden-Lübbecke liegt der Durchschnittspreis für ein neues Reihenhaus bei 225.000 Euro, gebraucht bei 190.000 Euro. Wie groß der Preisunterschied von Grundstücken oder Immobilien auf dem Land und in der Stadt ist, lässt sich jedoch gar nicht immer so genau sagen, meint Immobilienmakler Sven Weihe. Andere angefragte Makler wollten sich zu dem Thema nicht äußern beziehungsweise meldeten sich auf eine Anfrage nicht zurück. „In ländlicheren Kommunen, wie Stemwede, gibt es teurere und günstigere Objekte, das gilt aber genauso für Minden“, so der Makler. Auf dem Land sei es schon noch günstiger als in der Stadt, aber mittlerweile auch deutlich teurer als noch vor zwei oder drei Jahren. Insbesondere seien derzeit Resthöfe gefragt, da immer mehr Menschen sich zum Teil selbst versorgen oder Tiere, wie Schafe und Hühner halten wollen. „Wenn Leute aufs Land gehen wollen, dann soll es auch authentisch sein, also ein Objekt, das auch zum Land passt“, so Weihe. Und dennoch würden auch die klassischen 50-er/60-er Jahre Häuser aus Mangel an Alternativen verkauft. Obwohl die Preise insgesamt hoch sind, scheint das die Käufer nicht abzuschrecken, denn Sven Weihe spricht von einem „absoluten Verkäufermarkt“ in der Region. Entsprechend groß sei die Kundenkartei von Weser Bergland Immobilien. „Wenn neue Immobilien ins Angebot aufgenommen werden, schauen wir direkt, ob aus dem Kundenstamm jemand in Frage kommt“, sagt Sven Weihe. Viele Immobilien gehen daher gar nicht in die öffentliche Vermarktung, sondern würden über den direkten Weg den Kunden angeboten. Einzig im Frühjahr sei der Verkaufsprozess ins Stocken geraten – was jedoch nicht an mangelnder Nachfrage lag. „Vor allem ältere Hausbesitzer waren zu der Zeit sehr vorsichtig und wollten nur ungern fremde Menschen für Besichtigungen im Haus haben“, sagt Weihe. Inzwischen habe sich das aber wieder gelegt. Ein Trend, den die Corona-Pandemie wieder hervorgebracht haben könnte, ist das Thema Mehrgenerationen-Wohnen, egal ob auf dem Land oder in der Stadt. „Wenn Kinder nicht in den Kindergarten oder die Schule können, ist das einfach praktisch, wenn Großeltern sich kümmern können“, sagt Weihe. So haben sich enorm viele Kunden für ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung in Barkhausen interessiert. „Die meisten Interessenten haben sich einfach darüber gefreut, dass sie dort mit den Großeltern gemeinsam leben könnten“, erinnert sich Daniel Behrendt, Immobilienberater bei Weser Bergland Immobilien. Eine Prognose, wie sich die Situation auf dem Markt entwickelt, wagen Weihe und Behrendt nicht. „Sicherlich wird das Zinsniveau entscheidend sein“, meint Weihe. Er rät eher zum Abwarten, wenn Menschen eine Finanzierung aufnehmen müssen, um sich eine Kapitalanlage in Form eines teuren Neubaus zuzulegen. Weihe vergleicht den Immobilienmarkt mit dem Aktienmarkt: „Wenn das Thema in aller Munde ist und jeder meint, er müsse ein Immobilieninvestment tätigen, ist es eigentlich schon zu spät.“ Anders sieht der Makler die Situation bei Leuten, die ein Objekt zur Eigennutzung erwerben wollen. „Das Zinsniveau kann man jetzt sehr gut mitnehmen. Wie sich das in Zukunft entwickelt, kann niemand sagen.“ Dennoch: Jeder sollte sich ein Kompromissniveau setzen und nicht auf Biegen und Brechen eine Immobilie erwerben. „Es muss jetzt und künftig finanzierbar sein – auch wenn nach zehn oder 15 Jahren die Zinsbindung ausläuft“, sagt der Makler. Weihe rät allen Hausinteressenten vorab mit der Bank die Finanzierung zu klären, um schnell agieren zu können. „Ansonsten ist die Immobilie weg.“

Nachfrage nach Immobilien lässt Preise im Kreis klettern: Ein Experte rät trotzdem zum Kauf

Die Nachfrage nach Immobilien und Grundstücken ist hoch, die Preise dafür allerdings auch. Makler Sven Weihe rät trotzdem zum Kauf, insbesondere aufgrund der niedrigen Zinsen. Foto: Laci Perenyi / Imago Images © imago images/Laci Perenyi

Minden. Immobilien jeglicher Art gehen derzeit weg wie warme Semmeln. Gründe dafür gibt es genug: sei es der anstehende Nachwuchs, die zu klein gewordene 3-Zimmer-Wohnung für ein dauerhaftes Homeoffice, die plötzlich entdeckte Landliebe, die niedrigen Zinsen oder aber die reine Kapitalanlage. Die Nachfrage nach neuen oder alten Einfamilienhäusern, Grundstücken oder alten Bauernhöfen ist riesig und das, obwohl Objekte immer teurer werden – innerhalb des vergangenen Jahres in Minden um satte elf Prozent. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Landesbausparkasse West. So kosten erschlossene Baugrundstücke durchschnittlich 205 Euro pro Quadratmeter, Einstiegspreise liegen bei 140 Euro. Für ein neues Einfamilienhaus muss man laut Studie um die 260.000 Euro zahlen, für ein gebrauchtes 215.000 Euro. Wer auf der Suche nach einem gebrauchten, frei stehenden Einfamilienhaus in Minden ist, muss dafür im Durchschnitt 330.000 Euro einplanen.

Günstiger wird es laut Studie im Umland von Minden. Denn bezogen auf den gesamten Kreis Minden-Lübbecke liegt der Durchschnittspreis für ein neues Reihenhaus bei 225.000 Euro, gebraucht bei 190.000 Euro. Wie groß der Preisunterschied von Grundstücken oder Immobilien auf dem Land und in der Stadt ist, lässt sich jedoch gar nicht immer so genau sagen, meint Immobilienmakler Sven Weihe. Andere angefragte Makler wollten sich zu dem Thema nicht äußern beziehungsweise meldeten sich auf eine Anfrage nicht zurück.

„In ländlicheren Kommunen, wie Stemwede, gibt es teurere und günstigere Objekte, das gilt aber genauso für Minden“, so der Makler. Auf dem Land sei es schon noch günstiger als in der Stadt, aber mittlerweile auch deutlich teurer als noch vor zwei oder drei Jahren. Insbesondere seien derzeit Resthöfe gefragt, da immer mehr Menschen sich zum Teil selbst versorgen oder Tiere, wie Schafe und Hühner halten wollen. „Wenn Leute aufs Land gehen wollen, dann soll es auch authentisch sein, also ein Objekt, das auch zum Land passt“, so Weihe. Und dennoch würden auch die klassischen 50-er/60-er Jahre Häuser aus Mangel an Alternativen verkauft.

Malina Reckordt

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Obwohl die Preise insgesamt hoch sind, scheint das die Käufer nicht abzuschrecken, denn Sven Weihe spricht von einem „absoluten Verkäufermarkt“ in der Region. Entsprechend groß sei die Kundenkartei von Weser Bergland Immobilien. „Wenn neue Immobilien ins Angebot aufgenommen werden, schauen wir direkt, ob aus dem Kundenstamm jemand in Frage kommt“, sagt Sven Weihe. Viele Immobilien gehen daher gar nicht in die öffentliche Vermarktung, sondern würden über den direkten Weg den Kunden angeboten.

Einzig im Frühjahr sei der Verkaufsprozess ins Stocken geraten – was jedoch nicht an mangelnder Nachfrage lag. „Vor allem ältere Hausbesitzer waren zu der Zeit sehr vorsichtig und wollten nur ungern fremde Menschen für Besichtigungen im Haus haben“, sagt Weihe. Inzwischen habe sich das aber wieder gelegt.

Ein Trend, den die Corona-Pandemie wieder hervorgebracht haben könnte, ist das Thema Mehrgenerationen-Wohnen, egal ob auf dem Land oder in der Stadt. „Wenn Kinder nicht in den Kindergarten oder die Schule können, ist das einfach praktisch, wenn Großeltern sich kümmern können“, sagt Weihe. So haben sich enorm viele Kunden für ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung in Barkhausen interessiert. „Die meisten Interessenten haben sich einfach darüber gefreut, dass sie dort mit den Großeltern gemeinsam leben könnten“, erinnert sich Daniel Behrendt, Immobilienberater bei Weser Bergland Immobilien.

Eine Prognose, wie sich die Situation auf dem Markt entwickelt, wagen Weihe und Behrendt nicht. „Sicherlich wird das Zinsniveau entscheidend sein“, meint Weihe. Er rät eher zum Abwarten, wenn Menschen eine Finanzierung aufnehmen müssen, um sich eine Kapitalanlage in Form eines teuren Neubaus zuzulegen. Weihe vergleicht den Immobilienmarkt mit dem Aktienmarkt: „Wenn das Thema in aller Munde ist und jeder meint, er müsse ein Immobilieninvestment tätigen, ist es eigentlich schon zu spät.“

Anders sieht der Makler die Situation bei Leuten, die ein Objekt zur Eigennutzung erwerben wollen. „Das Zinsniveau kann man jetzt sehr gut mitnehmen. Wie sich das in Zukunft entwickelt, kann niemand sagen.“ Dennoch: Jeder sollte sich ein Kompromissniveau setzen und nicht auf Biegen und Brechen eine Immobilie erwerben. „Es muss jetzt und künftig finanzierbar sein – auch wenn nach zehn oder 15 Jahren die Zinsbindung ausläuft“, sagt der Makler. Weihe rät allen Hausinteressenten vorab mit der Bank die Finanzierung zu klären, um schnell agieren zu können. „Ansonsten ist die Immobilie weg.“

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