Nach Verkauf der Obermarktpassage: Hoffnung in Minden nicht allzu groß Stefan Koch,Monika Jäger Minden. Die Corona-Krise wird die Innenstädte nachhaltig verändern, vermuten Forscher und Zukunftsplaner. So sagte etwa der Hamburger Stadtforscher Thomas Krüger Anfang Juni unter anderem einen „Aderlass beim stationären Einzelhandel“ mit reduzierten Verkaufsflächen voraus (Tagesschau, 11. Juni) – die Zunahme des Online-Handels werde sich nicht zurückdrehen lassen. Auch Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, berichtet immer wieder davon, dass sich der Einzelhandel in massiven Schwierigkeiten befinde. 70.000 Händler sähen sich zurzeit bundesweit in ihrer Existenz bedroht. Und jetzt kommt die Nachricht, dass der ehemalige Mindener Einzelhandels-Sammelpunkt, die Obermarkt-Passage, einen neuen Besitzer hat. Einen, der nun erst einmal ein Vierteljahr in Ruhe nachdenken will, was daraus werden soll. Einer, dem es sehr recht wäre, wenn bis dahin keiner über die Immobilie spekuliert. Ob er sich schonmal angesehen hat, was er gekauft hat, oder ob die Passage Teil eines Immobilien-Portfolios war? Da der Passauer Unternehmer sich vorerst nicht äußern will, bleibt auch das Spekulation. Nicht gesprochen hat er jedenfalls mit der Mindener Werbegemeinschaft. Deren Vorsitzende ist Daniela Drabert, die auch Chefin des Hauses Hagemeyer ist. Mit Blick auf die Innenstadt sagt sie klar zu einer künftigen Nutzung: „Von der Idee, dort wieder Einzelhandel anzusiedeln, wird sich wohl jeder lösen müssen.“ Denn zum einen bezweifelt sie, dass sich in diesen Zeiten ausreichend Mieter finden lassen, zum anderen habe in Minden die Idee einer langen Fußgängerzone zwischen Wesertor und Obermarkt nachweislich nicht funktioniert. Die meisten Geschäfte wollten sich so zentral wie möglich ansiedeln. Was heißt das für die Passage? Für die müsse nun ein ausgeklügeltes Konzept entwickelt werden. Eine Nutzung würde Drabert begrüßen, denn seit der Schließung fehle die bequeme Verbindung zwischen ZOB und Oberstadt. Auch eine Wiedereröffnung der Parkflächen mit dem Mietparkplätzen wäre für alle, die in der Innenstadt arbeiten, wichtig. Karl-Ernst Hunting, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, Zweigstelle Minden, sieht in dem Kauf eine „Chance für durchgreifende Maßnahmen“. Ein richtiges Konzept bei der Nutzung der städtebaulichen Immobilie könnte der Obermarktpassage wichtige Impulse geben. Aber: „Die Erfahrungen der Vergangenheit mahnen, die Hoffnungen nicht zu groß werden zu lassen.“ Pessimistisch äußert sich Wolfgang Hüsing, der als Geschäftsmann und Immobilieneigentümer die Mindener Innenstadtentwicklung im Auge behält. Er hält den Kauf für eine übereilte Entscheidung und sieht in der Gemengelage unterschiedlicher Eigentumsverhältnisse in dem Gesamtkomplex ein Problem bei der weiteren Entwicklung. Seiner Meinung nach hätte man vor der Vermarktung die Wohnanlage des Objektes von den Geschäftsräumen trennen müssen. Michael Lax, Vorstandsmitglied der Immobilien- und Standortgemeinschaft Obermarkt-Quartier, weiß schon seit einigen Tagen von dem Eigentümerwechsel. „Wir hoffen, dass der neue Eigentümer damit etwas Positives für die Stadt und Obermarktstraße bewirken kann“, sagt Lax. Vor allem müsse die Anbindung der Obermarktstraße zum ZOB wieder für die Bevölkerung passierbar sein. Wichtig sei auch, dass in das Gebäude wieder Arztpraxen und Geschäfte einzögen. Der Mindener Geschäftsmann Phi-lipp Hausdörffer, der in der Vergangenheit ebenfalls auf Investorensuche war, erklärt, dass er schon seit acht Wochen von dem Eigentumsübergang weiß. „Ich freue mich sehr darüber, dass es zu dem Verkauf gekommen ist und Ansätze, die wir seit Jahren geplant haben, eine Berücksichtigung finden.“ Ihm schwebt ein Stadtteilzentrum vor, in dem die Stadtbibliothek, die VHS und das Kommunalarchiv präsent sind – „die sind unserer Meinung nach dort gut aufgehoben“, spricht Hausdörffer für eine Unternehmergruppe, mit der er zusammenarbeite. „Ich würde mich gern an der weiteren Entwicklung des Objekts beteiligen.“ Arno Sebening, neuer Geschäftsführer der Parkhaus GmbH und der Geschäftsstelle Minden-Herford des Handelsverbandes OWL, hatte aus dem MT von dem Verkauf erfahren. „Das lässt positiv hoffen“, meint er. Der Investor müsse jetzt erst einmal eine Bestandsaufnahme vom Zustand des Gebäudes und der Tiefgarage vornehmen. „Wenn wir in das Projekt einbezogen werden sollten, sind wir offen für Gespräche zur Belebung des Quartiers.“

Nach Verkauf der Obermarktpassage: Hoffnung in Minden nicht allzu groß

Mindens Innenstadt hat eine sehr langgezogene Fußgängerzone, die vom Wesertor bis zum Obermarkt reicht. Diese Idee aus dem vergangenen Jahrhundert funktioniert aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr, denn die meisten Geschäfte möchten ins Zentrum. © Foto: MT-Archiv

Minden. Die Corona-Krise wird die Innenstädte nachhaltig verändern, vermuten Forscher und Zukunftsplaner. So sagte etwa der Hamburger Stadtforscher Thomas Krüger Anfang Juni unter anderem einen „Aderlass beim stationären Einzelhandel“ mit reduzierten Verkaufsflächen voraus (Tagesschau, 11. Juni) – die Zunahme des Online-Handels werde sich nicht zurückdrehen lassen. Auch Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, berichtet immer wieder davon, dass sich der Einzelhandel in massiven Schwierigkeiten befinde. 70.000 Händler sähen sich zurzeit bundesweit in ihrer Existenz bedroht.

Und jetzt kommt die Nachricht, dass der ehemalige Mindener Einzelhandels-Sammelpunkt, die Obermarkt-Passage, einen neuen Besitzer hat. Einen, der nun erst einmal ein Vierteljahr in Ruhe nachdenken will, was daraus werden soll. Einer, dem es sehr recht wäre, wenn bis dahin keiner über die Immobilie spekuliert.

Ob er sich schonmal angesehen hat, was er gekauft hat, oder ob die Passage Teil eines Immobilien-Portfolios war? Da der Passauer Unternehmer sich vorerst nicht äußern will, bleibt auch das Spekulation. Nicht gesprochen hat er jedenfalls mit der Mindener Werbegemeinschaft. Deren Vorsitzende ist Daniela Drabert, die auch Chefin des Hauses Hagemeyer ist. Mit Blick auf die Innenstadt sagt sie klar zu einer künftigen Nutzung: „Von der Idee, dort wieder Einzelhandel anzusiedeln, wird sich wohl jeder lösen müssen.“ Denn zum einen bezweifelt sie, dass sich in diesen Zeiten ausreichend Mieter finden lassen, zum anderen habe in Minden die Idee einer langen Fußgängerzone zwischen Wesertor und Obermarkt nachweislich nicht funktioniert. Die meisten Geschäfte wollten sich so zentral wie möglich ansiedeln.

Was heißt das für die Passage? Für die müsse nun ein ausgeklügeltes Konzept entwickelt werden. Eine Nutzung würde Drabert begrüßen, denn seit der Schließung fehle die bequeme Verbindung zwischen ZOB und Oberstadt. Auch eine Wiedereröffnung der Parkflächen mit dem Mietparkplätzen wäre für alle, die in der Innenstadt arbeiten, wichtig.

Karl-Ernst Hunting, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, Zweigstelle Minden, sieht in dem Kauf eine „Chance für durchgreifende Maßnahmen“. Ein richtiges Konzept bei der Nutzung der städtebaulichen Immobilie könnte der Obermarktpassage wichtige Impulse geben. Aber: „Die Erfahrungen der Vergangenheit mahnen, die Hoffnungen nicht zu groß werden zu lassen.“

Pessimistisch äußert sich Wolfgang Hüsing, der als Geschäftsmann und Immobilieneigentümer die Mindener Innenstadtentwicklung im Auge behält. Er hält den Kauf für eine übereilte Entscheidung und sieht in der Gemengelage unterschiedlicher Eigentumsverhältnisse in dem Gesamtkomplex ein Problem bei der weiteren Entwicklung. Seiner Meinung nach hätte man vor der Vermarktung die Wohnanlage des Objektes von den Geschäftsräumen trennen müssen.

Michael Lax, Vorstandsmitglied der Immobilien- und Standortgemeinschaft Obermarkt-Quartier, weiß schon seit einigen Tagen von dem Eigentümerwechsel. „Wir hoffen, dass der neue Eigentümer damit etwas Positives für die Stadt und Obermarktstraße bewirken kann“, sagt Lax. Vor allem müsse die Anbindung der Obermarktstraße zum ZOB wieder für die Bevölkerung passierbar sein. Wichtig sei auch, dass in das Gebäude wieder Arztpraxen und Geschäfte einzögen.

Der Mindener Geschäftsmann Phi-lipp Hausdörffer, der in der Vergangenheit ebenfalls auf Investorensuche war, erklärt, dass er schon seit acht Wochen von dem Eigentumsübergang weiß. „Ich freue mich sehr darüber, dass es zu dem Verkauf gekommen ist und Ansätze, die wir seit Jahren geplant haben, eine Berücksichtigung finden.“ Ihm schwebt ein Stadtteilzentrum vor, in dem die Stadtbibliothek, die VHS und das Kommunalarchiv präsent sind – „die sind unserer Meinung nach dort gut aufgehoben“, spricht Hausdörffer für eine Unternehmergruppe, mit der er zusammenarbeite. „Ich würde mich gern an der weiteren Entwicklung des Objekts beteiligen.“

Arno Sebening, neuer Geschäftsführer der Parkhaus GmbH und der Geschäftsstelle Minden-Herford des Handelsverbandes OWL, hatte aus dem MT von dem Verkauf erfahren. „Das lässt positiv hoffen“, meint er. Der Investor müsse jetzt erst einmal eine Bestandsaufnahme vom Zustand des Gebäudes und der Tiefgarage vornehmen. „Wenn wir in das Projekt einbezogen werden sollten, sind wir offen für Gespräche zur Belebung des Quartiers.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden