Nach Impfung mit Astrazeneca: Zahlreiche Ausfälle im Rettungsdienst Sebastian Radermacher,Thomas Lieske Minden. Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen: Gleich eine ganze Reihe von Mitarbeitern des Rettungsdienstes im Kreis Minden-Lübbecke hat am Freitag mit teils starken Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung zu kämpfen, die sie am Donnerstag erhalten hatten. Alle waren mit Astrazeneca geimpft worden. Die Folge: Nach MT-Informationen sind mindestens 21 Beschäftigte aus dem Rettungsdienst am Freitag krankheitsbedingt ausgefallen. Das hat auch Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft - die Stimmung in den Rettungswachen ist angespannt. Die Informationen sind dem Mindener Tageblatt von vier voneinander unabhängigen Quellen zugespielt worden. Demnach musste die Portaner Rettungswache in der Nacht zu Freitag einen Rettungswagen abmelden. Die Besatzung hatte demnach mit hohem Fieber zu kämpfen. Weitaus dramatischer stellt sich die Lage nach ersten Erkenntnissen in der Rettungswache Rahden dar: Dort sollen neun Mitarbeiter ausgefallen sein, weil sie über heftige Nebenwirkungen der Impfung klagen. Die Folge: Zwischenzeitlich sei kein Rettungswagen mehr verfügbar gewesen, das Notarztfahrzeug konnte nach MT-Informationen nur notdürftig besetzt werden. Mittlerweile soll ein Rettungswagen der Wache Lübbecke aushelfen. Dadurch fehlt dort allerdings ein reguläres Rettungsmittel. Auch in der Rettungswache Minden ist es am Freitag zu Personalausfall gekommen. Das bestätigt Feuerwehrchef Heino Nordmeyer. Wie viele Kollegen ausgefallen seien, kann er zunächst nicht sagen. Nach MT-Informationen gehen erste Schilderungen von acht bis zehn Mitarbeitern aus. Offenbar sind Feuerwehrleute, die eigentlich auf dem Löschzug eingesetzt gewesen wären, nun im Rettungsdienst eingesprungen, damit keines der Fahrzeuge abgemeldet werden müsse. Informationen der Städte und des Kreises zu entsprechenden Nachfragen stehen bisher noch aus. Die Impfaktion am Donnerstag hatte der Krisenstab des Kreises kurzfristig angeordnet. Wie Gesundheitsdezernent Hans-Joerg Deichholz auf MT-Anfrage mitteilt, habe der Kreis Ende vergangener Woche die Information erhalten, dass in den folgenden Tagen Astrazeneca-Impfstoff geliefert werde. Dieser darf bekanntlich nicht bei Menschen über 65 Jahre verwendet werden. Das Gesundheitsministerium habe darauf gedrängt, diesen ab Mitte der Woche zu verimpfen, so der Dezernent. Der Krisenstab entschied daraufhin, den gesamten Rettungsdienst sowie Berufsfeuerwehrleute und Pflegedienstmitarbeiter am Donnerstag impfen zu lassen. Der Rettungsdienst sei ein wesentlicher Bereich des Gesundheitssystems, den man so schnell wie möglich durchimpfen wollte, begründet Deichholz. Trotz der nun gemeldeten krankheitsbedingten Ausfälle betont er: „Wir werden den Rettungsdienst sicherstellen.“ Auch wenn zurzeit die Teams nicht in „optimaler Stärke“ unterwegs seien. Deichholz erklärt auf MT-Anfrage, dass am Donnerstag insgesamt 320 Astrazeneca-Impfungen an Feuerwehrleute, Rettungsdienstkräfte und Pflegedienstmitarbeiter verabreicht wurden. Und er bestätigt, dass mehrere Personen im Nachhinein über Nebenwirkungen klagen. Eine genaue Zahl kann er am Freitagvormittag nicht nennen. Nach Rücksprache mit der ärztlichen Leiterin des Impfzentrums handele es sich um normale Impfreaktionen. „Es gibt Chargen, in denen es mal mehr, mal weniger Nebenwirkungen gibt. Es kann zu einer Häufung von Reaktionen kommen. Dass diese gerade jetzt auftritt, damit haben wir nicht gerechnet.“ Und weiter: „Wir gehen davon aus, dass die Nebenwirkungen relativ schnell wieder abklingen.“ Im und vor dem Impfzentrum herrschten am Donnerstag teils „chaotische Zustände“, wie das MT von verschiedenen Quellen erfuhr. Und das hatte mehrere Gründe. Zum einen wurden die genannten 320 Personen mit Astrazeneca geimpft, zum anderen strömten kurzfristig am Nachmittag auch noch zahlreiche Senioren nach Unterlübbe, die ebenfalls geimpft werden sollten. Denn wie Deichholz erklärt, hatte der Kreis kurzfristig eine zusätzliche Charge des Biontech-Impfstoffes erhalten, der im Impfzentrum verwendet werden sollte. Eigentlich wären am Donnerstag keine Senioren in Unterlübbe geimpft worden. Das Problem: „Die Senioren kamen nachmittags pulkweise am Impfzentrum an. Es bildeten sich lange Warteschlangen“, so Deichholz. Obendrein habe es noch technische Probleme mit dem System gegeben, was zu weiteren Wartezeiten geführt habe. Es sei alles zusammengekommen, Deichholz sprach von einer „logistischen Überforderung“. 174 Senioren wurden am Donnerstag geimpft. Ein Senior aus Minden meldete sich beim MT: „Ich habe kurzfristig über meinen Hausarzt für mich und meine 83-jährige Frau einen Termin bekommen. Wir haben dort eine Stunde in der Kälte gestanden – es tat sich nichts. Dann sind wir wieder nach Hause gefahren“, sagt der 85-Jährige. Derzeit steht noch eine ganze Reihe von Anfragen an Kommunen und das Landesgesundheitsministerium aus. Dieser Artikel wird im Laufe des Tages aktualisiert.

Nach Impfung mit Astrazeneca: Zahlreiche Ausfälle im Rettungsdienst

Zahlreiche Mitarbeiter aus Rettungsdienst, Feuerwehr und Pflegediensten sind am Donnerstag mit dem AstraZeneca-Stoff geimpft worden. Nun klagen die Rettungswachen über teils massiven Personalausfall. © Thomas Lieske

Minden. Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen: Gleich eine ganze Reihe von Mitarbeitern des Rettungsdienstes im Kreis Minden-Lübbecke hat am Freitag mit teils starken Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung zu kämpfen, die sie am Donnerstag erhalten hatten. Alle waren mit Astrazeneca geimpft worden. Die Folge: Nach MT-Informationen sind mindestens 21 Beschäftigte aus dem Rettungsdienst am Freitag krankheitsbedingt ausgefallen. Das hat auch Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft - die Stimmung in den Rettungswachen ist angespannt.

Die Informationen sind dem Mindener Tageblatt von vier voneinander unabhängigen Quellen zugespielt worden. Demnach musste die Portaner Rettungswache in der Nacht zu Freitag einen Rettungswagen abmelden. Die Besatzung hatte demnach mit hohem Fieber zu kämpfen. Weitaus dramatischer stellt sich die Lage nach ersten Erkenntnissen in der Rettungswache Rahden dar: Dort sollen neun Mitarbeiter ausgefallen sein, weil sie über heftige Nebenwirkungen der Impfung klagen. Die Folge: Zwischenzeitlich sei kein Rettungswagen mehr verfügbar gewesen, das Notarztfahrzeug konnte nach MT-Informationen nur notdürftig besetzt werden. Mittlerweile soll ein Rettungswagen der Wache Lübbecke aushelfen. Dadurch fehlt dort allerdings ein reguläres Rettungsmittel.

Auch in der Rettungswache Minden ist es am Freitag zu Personalausfall gekommen. Das bestätigt Feuerwehrchef Heino Nordmeyer. Wie viele Kollegen ausgefallen seien, kann er zunächst nicht sagen. Nach MT-Informationen gehen erste Schilderungen von acht bis zehn Mitarbeitern aus. Offenbar sind Feuerwehrleute, die eigentlich auf dem Löschzug eingesetzt gewesen wären, nun im Rettungsdienst eingesprungen, damit keines der Fahrzeuge abgemeldet werden müsse. Informationen der Städte und des Kreises zu entsprechenden Nachfragen stehen bisher noch aus.

Die Impfaktion am Donnerstag hatte der Krisenstab des Kreises kurzfristig angeordnet. Wie Gesundheitsdezernent Hans-Joerg Deichholz auf MT-Anfrage mitteilt, habe der Kreis Ende vergangener Woche die Information erhalten, dass in den folgenden Tagen Astrazeneca-Impfstoff geliefert werde. Dieser darf bekanntlich nicht bei Menschen über 65 Jahre verwendet werden. Das Gesundheitsministerium habe darauf gedrängt, diesen ab Mitte der Woche zu verimpfen, so der Dezernent. Der Krisenstab entschied daraufhin, den gesamten Rettungsdienst sowie Berufsfeuerwehrleute und Pflegedienstmitarbeiter am Donnerstag impfen zu lassen. Der Rettungsdienst sei ein wesentlicher Bereich des Gesundheitssystems, den man so schnell wie möglich durchimpfen wollte, begründet Deichholz. Trotz der nun gemeldeten krankheitsbedingten Ausfälle betont er: „Wir werden den Rettungsdienst sicherstellen.“ Auch wenn zurzeit die Teams nicht in „optimaler Stärke“ unterwegs seien.

Deichholz erklärt auf MT-Anfrage, dass am Donnerstag insgesamt 320 Astrazeneca-Impfungen an Feuerwehrleute, Rettungsdienstkräfte und Pflegedienstmitarbeiter verabreicht wurden. Und er bestätigt, dass mehrere Personen im Nachhinein über Nebenwirkungen klagen. Eine genaue Zahl kann er am Freitagvormittag nicht nennen. Nach Rücksprache mit der ärztlichen Leiterin des Impfzentrums handele es sich um normale Impfreaktionen. „Es gibt Chargen, in denen es mal mehr, mal weniger Nebenwirkungen gibt. Es kann zu einer Häufung von Reaktionen kommen. Dass diese gerade jetzt auftritt, damit haben wir nicht gerechnet.“ Und weiter: „Wir gehen davon aus, dass die Nebenwirkungen relativ schnell wieder abklingen.“

Im und vor dem Impfzentrum herrschten am Donnerstag teils „chaotische Zustände“, wie das MT von verschiedenen Quellen erfuhr. Und das hatte mehrere Gründe. Zum einen wurden die genannten 320 Personen mit Astrazeneca geimpft, zum anderen strömten kurzfristig am Nachmittag auch noch zahlreiche Senioren nach Unterlübbe, die ebenfalls geimpft werden sollten. Denn wie Deichholz erklärt, hatte der Kreis kurzfristig eine zusätzliche Charge des Biontech-Impfstoffes erhalten, der im Impfzentrum verwendet werden sollte. Eigentlich wären am Donnerstag keine Senioren in Unterlübbe geimpft worden.

Das Problem: „Die Senioren kamen nachmittags pulkweise am Impfzentrum an. Es bildeten sich lange Warteschlangen“, so Deichholz. Obendrein habe es noch technische Probleme mit dem System gegeben, was zu weiteren Wartezeiten geführt habe. Es sei alles zusammengekommen, Deichholz sprach von einer „logistischen Überforderung“. 174 Senioren wurden am Donnerstag geimpft.

Ein Senior aus Minden meldete sich beim MT: „Ich habe kurzfristig über meinen Hausarzt für mich und meine 83-jährige Frau einen Termin bekommen. Wir haben dort eine Stunde in der Kälte gestanden – es tat sich nichts. Dann sind wir wieder nach Hause gefahren“, sagt der 85-Jährige.

Derzeit steht noch eine ganze Reihe von Anfragen an Kommunen und das Landesgesundheitsministerium aus. Dieser Artikel wird im Laufe des Tages aktualisiert.

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