Nach Empfehlung zu Kreuzimpfungen: KVWL übt Kritik und sieht Arztpraxen erneut unter Druck Minden (mt/ps). Nach der jüngsten Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) und dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz, dass Astrazeneca-Erstgeimpfte künftig in der Regel mit einem mRNA-Impfstoff wie Moderna oder Biontech eine sogenannte Kreuzimpfung erhalten sollen, erwartet der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) eine weitere nervenaufreibende Phase für die niedergelassenen Ärzte in der Region. Hintergrund der Entscheidung ist die Tatsache, dass alle Menschen auf diese Weise so gut wie möglich gegen die Delta-Variante des Virus geschützt werden sollen. Der Abstand zwischen einer ersten Impfung mit Astrazeneca und einer Folgeimpfung mit Biontech oder Moderna soll dabei mindestens vier Wochen betragen. „Für die Praxen heißt das ab heute wieder glühende Telefone, denn viele Patienten werden verunsichert sein und sich fragen, was diese Entscheidung konkret für sie bedeutet. Zugleich werden die Ärzte erklären müssen, dass sie in dieser Woche noch nicht ausreichend mRNA-Impfstoff für alle Astrazeneca-Impflinge haben, die in den nächsten Tagen mit ihrer Zweitimpfung dran wären“, erklärt die KVWL-Vorstandsetage um Dr. Dirk Spelmeyer, Dr. Volker Schrage und Thomas Müller. Die Ärzte müssen ihren Impfstoff bis jeweils Dienstagmittag für die kommende Woche bestellen, so dass die Lieferungen für diese Woche die aktuellen Entwicklungen noch nicht abbilden. Nachbestellungen seien auch unter diesen besonderen Bedingungen nicht möglich. Nicht vergessen werden dürfeauch der organisatorische Aufwand, der mit der Verlegung von Zweitterminen für das Praxispersonal einhergehe. Viele Patienten, die erst in ein bis zwei Monaten für die Zweitimpfung einbestellt worden wären, werden nun kurzfristig Termine noch in den Sommerferien vereinbaren wollen. Der Vorstand der KVWL schließt zudem nicht aus, dass die durch die STIKO-Empfehlung ausgelöste steigende Nachfrage nach Zweitimpfungen mit einem mRNA-Impfstoff in nächster Zeit kaum noch Erstimpfungen in den Praxen zulassen könnte. „Noch gibt es keine Aussagen dazu, wie viel Impfstoff der Bund in den nächsten Wochen bereitstellt, um die Zusagen der Gesundheitsministerkonferenz zu erfüllen. Unsere Mitglieder stehen also mal wieder vor einem organisatorischen Dilemma“, so Spelmeyer, Schrage und Müller. Vorrangig geimpft werden sollten weiterhin noch nicht geschützte Erwachsene mit einem erhöhten Risiko für schwere Covid-19-Verläufe, genauso wie Menschen mit engem Kontakt zu vulnerablen Personengruppen. „Dass eine heterologe Impfung, also die Verwendung von zwei unterschiedlichen Impfstoffen, mit Blick auf die Ausbreitung der Delta-Variante medizinisch gesehen sinnvoll ist, ist für uns unbestritten. Aber es kann doch nicht sein, dass nach mehr als 16 Monaten Pandemie offensichtlich immer noch nicht allen klar ist, dass derartige Entscheidungen immer ein kleines Erdbeben unter Bürgern, Ärzten und allen weiteren Beteiligten auslösen und die Umsetzung Zeit benötigt. Dass unsere Mitglieder immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt werden, ist für uns nicht mehr nachvollziehbar“, so der KVWL-Vorstand abschließend

Nach Empfehlung zu Kreuzimpfungen: KVWL übt Kritik und sieht Arztpraxen erneut unter Druck

Seit der neuesten Empfehlung sollen Astrazeneca-Erstgeimpfte nun mit mRNA-Impfstoff die zweite Impfung erhalten. Die Umsetzung kritisiert die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe nun. Symbolfoto: © imago images/Steinach

Minden (mt/ps). Nach der jüngsten Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) und dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz, dass Astrazeneca-Erstgeimpfte künftig in der Regel mit einem mRNA-Impfstoff wie Moderna oder Biontech eine sogenannte Kreuzimpfung erhalten sollen, erwartet der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) eine weitere nervenaufreibende Phase für die niedergelassenen Ärzte in der Region. Hintergrund der Entscheidung ist die Tatsache, dass alle Menschen auf diese Weise so gut wie möglich gegen die Delta-Variante des Virus geschützt werden sollen. Der Abstand zwischen einer ersten Impfung mit Astrazeneca und einer Folgeimpfung mit Biontech oder Moderna soll dabei mindestens vier Wochen betragen.

„Für die Praxen heißt das ab heute wieder glühende Telefone, denn viele Patienten werden verunsichert sein und sich fragen, was diese Entscheidung konkret für sie bedeutet. Zugleich werden die Ärzte erklären müssen, dass sie in dieser Woche noch nicht ausreichend mRNA-Impfstoff für alle Astrazeneca-Impflinge haben, die in den nächsten Tagen mit ihrer Zweitimpfung dran wären“, erklärt die KVWL-Vorstandsetage um Dr. Dirk Spelmeyer, Dr. Volker Schrage und Thomas Müller. Die Ärzte müssen ihren Impfstoff bis jeweils Dienstagmittag für die kommende Woche bestellen, so dass die Lieferungen für diese Woche die aktuellen Entwicklungen noch nicht abbilden. Nachbestellungen seien auch unter diesen besonderen Bedingungen nicht möglich. Nicht vergessen werden dürfeauch der organisatorische Aufwand, der mit der Verlegung von Zweitterminen für das Praxispersonal einhergehe. Viele Patienten, die erst in ein bis zwei Monaten für die Zweitimpfung einbestellt worden wären, werden nun kurzfristig Termine noch in den Sommerferien vereinbaren wollen.

Der Vorstand der KVWL schließt zudem nicht aus, dass die durch die STIKO-Empfehlung ausgelöste steigende Nachfrage nach Zweitimpfungen mit einem mRNA-Impfstoff in nächster Zeit kaum noch Erstimpfungen in den Praxen zulassen könnte. „Noch gibt es keine Aussagen dazu, wie viel Impfstoff der Bund in den nächsten Wochen bereitstellt, um die Zusagen der Gesundheitsministerkonferenz zu erfüllen. Unsere Mitglieder stehen also mal wieder vor einem organisatorischen Dilemma“, so Spelmeyer, Schrage und Müller. Vorrangig geimpft werden sollten weiterhin noch nicht geschützte Erwachsene mit einem erhöhten Risiko für schwere Covid-19-Verläufe, genauso wie Menschen mit engem Kontakt zu vulnerablen Personengruppen.


„Dass eine heterologe Impfung, also die Verwendung von zwei unterschiedlichen Impfstoffen, mit Blick auf die Ausbreitung der Delta-Variante medizinisch gesehen sinnvoll ist, ist für uns unbestritten. Aber es kann doch nicht sein, dass nach mehr als 16 Monaten Pandemie offensichtlich immer noch nicht allen klar ist, dass derartige Entscheidungen immer ein kleines Erdbeben unter Bürgern, Ärzten und allen weiteren Beteiligten auslösen und die Umsetzung Zeit benötigt. Dass unsere Mitglieder immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt werden, ist für uns nicht mehr nachvollziehbar“, so der KVWL-Vorstand abschließend

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