Nach Dützen verlegt: Diakonie entlastet Mühlenkreiskliniken mit Pflegebetten Anja Peper Minden/Lübbecke. Die Diakonie Stiftung Salem (DSS) kümmert sich ab sofort um Covid-19-Patienten, die nicht mehr ansteckend sind und keine Symptome mehr zeigen. Für sie stehen ab sofort zwölf Einzelzimmer in Dützen bereit. Angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen hat die Diakonie kurzfristig reagiert und das Haus am Gottlieb-Pals-Weg in nur drei Tagen ans Gesundheitsversorgungsnetz angebunden. Der bisherige Plan war, dass dort im Oktober zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften einziehen sollen (Bericht im MT). Jetzt geht es um Soforthilfe: „Diese WG ist komplett isoliert von anderen Bereichen", so DSS-Vorstand Christian Schulz. Ziel ist es, das Johannes Wesling Klinikum zu entlasten, welches die Betten dringend für neue Covid-Patienten braucht. Dr. Elke Lustfeld (Gesundheitsamt) präzisiert, warum Patienten, die längst auf dem Weg der Besserung sind, nicht in Pflegeheime entlassen werden dürfen. Es handelt sich um eine Vorgabe des Robert-Koch-Instituts (RKI), die mit der hohen Empfindlichkeit der PCR-Tests zusammenhängt. Diese hohe Sensitivität führe dazu, dass es mehrere Wochen dauern kann, bis sie ein eindeutig negatives Ergebnis zeigen. Das heißt: „Sie schlagen oft auch dann noch an, wenn Patienten gar nicht mehr ansteckend sind." In solchen Fällen dürfen sie laut RKI nicht ins Pflegeheim, denn die Bewohner dort gelten als besonders gefährdet. Die Heime müssen geschützt werden, so Chefarzt Dr. Carsten Gartung: „Wenn das Virus dort erst grassiert, ist es kaum noch in den Griff zu kriegen." Darum sind er und seine Kollegen aus dem JWK dankbar, dass die Diakonie aus eigenen Ressourcen heraus so kurzfristig eine „Überlaufstation" schaffen konnte. Die ersten drei Patienten sind am Donnerstag eingezogen, weitere folgen in diesen Tagen. Für die Diakonie Stiftung Salem arbeiten aktuell rund 2.800 Menschen mit und ohne Behinderungen. Ohne diese personellen Ressourcen wäre eine Soforthilfe gar nicht möglich gewesen. „Pflegekräfte aus anderen Einrichtungen springen für die Kurzzeitpflege in Dützen ein", so Schulz. Bei der spontan einberufenen Pressekonferenz musste die neue Landrätin Anna Bölling (CDU) auch mehrere schlechte Nachrichten verkünden. Die Zahl der Neuinfektionen bleibt hoch. Binnen 24 Stunden wurden dem Gesundheitsamt 110 neue Fälle gemeldet. Erstmals seit Beginn der Pandemie sind innerhalb von 24 Stunden vier Menschen im Mühlenkreis mit oder am Corona-Virus gestorben. Weil am Krankenhaus Lübbecke 13 Mitarbeiter positiv auf Corona getestet sind, werden dort die Kapazitäten reduziert und weniger neue Patienten angenommen. Aus Doppelzimmern werden zum Beispiel Einbettzimmer. Auch im Krankenhaus Rahden (knapp 80 Betten) gelten ab sofort schärfere Regeln. Dort wurden gestern drei Mitarbeiter und ein Patient positiv auf Corona getestet. Das sind zwar vergleichsweise wenige Fälle. Aber weil es in kleinen Häusern auch weniger Mitarbeiter gibt, die zudem noch rotieren, hat sich der Kreis auch dort für scharfe Gegenmaßnahmen entschieden. Das heißt: Sofortiger Aufnahmestopp, die Notfallversorgung bleibt bestehen. Notfälle werden in Rahden zunächst versorgt, verbleiben aber nur dann stationär, sofern sie nicht im Krankenwagen transportfähig sind. Alle Mitarbeiter und Patienten wurden gestern dort getestet, heute werden die Ergebnisse erwartet. Der Altkreis Lübbecke bereitet dem Krisenstab aktuell besonders viele Sorgen. Unter den vier Toten sind zwei Menschen aus Espelkamp und eine Person aus Hüllhorst und Preußisch Oldendorf. Über das Alter der Opfer machte der Kreis keine Angaben. Wie Kreis-Pressesprecherin Sabine Ohnesorge berichtet , liegt die Zahl der laborbestätigten Fälle nun bei 3363, davon gelten 2373 Fälle als abgeschlossen.

Nach Dützen verlegt: Diakonie entlastet Mühlenkreiskliniken mit Pflegebetten

Die Patienten ziehen in eine ambulant betreute Wohngemeinschaft in Dützen ein. © privat

Minden/Lübbecke. Die Diakonie Stiftung Salem (DSS) kümmert sich ab sofort um Covid-19-Patienten, die nicht mehr ansteckend sind und keine Symptome mehr zeigen. Für sie stehen ab sofort zwölf Einzelzimmer in Dützen bereit. Angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen hat die Diakonie kurzfristig reagiert und das Haus am Gottlieb-Pals-Weg in nur drei Tagen ans Gesundheitsversorgungsnetz angebunden. Der bisherige Plan war, dass dort im Oktober zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften einziehen sollen (Bericht im MT). Jetzt geht es um Soforthilfe: „Diese WG ist komplett isoliert von anderen Bereichen", so DSS-Vorstand Christian Schulz. Ziel ist es, das Johannes Wesling Klinikum zu entlasten, welches die Betten dringend für neue Covid-Patienten braucht.

Dr. Elke Lustfeld (Gesundheitsamt) präzisiert, warum Patienten, die längst auf dem Weg der Besserung sind, nicht in Pflegeheime entlassen werden dürfen. Es handelt sich um eine Vorgabe des Robert-Koch-Instituts (RKI), die mit der hohen Empfindlichkeit der PCR-Tests zusammenhängt. Diese hohe Sensitivität führe dazu, dass es mehrere Wochen dauern kann, bis sie ein eindeutig negatives Ergebnis zeigen. Das heißt: „Sie schlagen oft auch dann noch an, wenn Patienten gar nicht mehr ansteckend sind." In solchen Fällen dürfen sie laut RKI nicht ins Pflegeheim, denn die Bewohner dort gelten als besonders gefährdet. Die Heime müssen geschützt werden, so Chefarzt Dr. Carsten Gartung: „Wenn das Virus dort erst grassiert, ist es kaum noch in den Griff zu kriegen." Darum sind er und seine Kollegen aus dem JWK dankbar, dass die Diakonie aus eigenen Ressourcen heraus so kurzfristig eine „Überlaufstation" schaffen konnte. Die ersten drei Patienten sind am Donnerstag eingezogen, weitere folgen in diesen Tagen. Für die Diakonie Stiftung Salem arbeiten aktuell rund 2.800 Menschen mit und ohne Behinderungen. Ohne diese personellen Ressourcen wäre eine Soforthilfe gar nicht möglich gewesen. „Pflegekräfte aus anderen Einrichtungen springen für die Kurzzeitpflege in Dützen ein", so Schulz.

Bei der spontan einberufenen Pressekonferenz musste die neue Landrätin Anna Bölling (CDU) auch mehrere schlechte Nachrichten verkünden. Die Zahl der Neuinfektionen bleibt hoch. Binnen 24 Stunden wurden dem Gesundheitsamt 110 neue Fälle gemeldet. Erstmals seit Beginn der Pandemie sind innerhalb von 24 Stunden vier Menschen im Mühlenkreis mit oder am Corona-Virus gestorben. Weil am Krankenhaus Lübbecke 13 Mitarbeiter positiv auf Corona getestet sind, werden dort die Kapazitäten reduziert und weniger neue Patienten angenommen. Aus Doppelzimmern werden zum Beispiel Einbettzimmer. Auch im Krankenhaus Rahden (knapp 80 Betten) gelten ab sofort schärfere Regeln. Dort wurden gestern drei Mitarbeiter und ein Patient positiv auf Corona getestet. Das sind zwar vergleichsweise wenige Fälle. Aber weil es in kleinen Häusern auch weniger Mitarbeiter gibt, die zudem noch rotieren, hat sich der Kreis auch dort für scharfe Gegenmaßnahmen entschieden. Das heißt: Sofortiger Aufnahmestopp, die Notfallversorgung bleibt bestehen. Notfälle werden in Rahden zunächst versorgt, verbleiben aber nur dann stationär, sofern sie nicht im Krankenwagen transportfähig sind. Alle Mitarbeiter und Patienten wurden gestern dort getestet, heute werden die Ergebnisse erwartet.

Der Altkreis Lübbecke bereitet dem Krisenstab aktuell besonders viele Sorgen. Unter den vier Toten sind zwei Menschen aus Espelkamp und eine Person aus Hüllhorst und Preußisch Oldendorf. Über das Alter der Opfer machte der Kreis keine Angaben. Wie Kreis-Pressesprecherin Sabine Ohnesorge berichtet , liegt die Zahl der laborbestätigten Fälle nun bei 3363, davon gelten 2373 Fälle als abgeschlossen.

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