Nabu bemängelt Flächenverbrauch im Kreis Minden (mt/hwa). Im Kampf gegen das Artensterben hat es bundesweit kaum Fortschritte gegeben, von einer erfolgversprechenden Wende in der EU Agrarpolitik ist nichts zu spüren: Das bemängeln Sandra Meier und Lothar Meckling, Pressesprecherin und Vorsitzende?r des Naturschutzbundes Nabu im Kreis Minden-Lübbecke in ihrem Rückblick auf das Jahr 2020. Die Leistung der Landwirtschaft werde durch Preis-Dumping der großen Supermarktketten nicht ausreichend entlohnt, eine Förderung des Arten- und Biotopschutzes damit unmöglich gemacht. Ein Beispiel: Wenn ein Lerchenpaar seine Jungen groß bekommen soll, muss das Nest sechs bis acht Wochen vor Bewirtschaftung geschützt sein. Das sei aber nur auf extensiv bewirtschafteten Flächen oder in Randbereichen überhaupt denkbar, so die beiden Nabu-Vertreter. Darum appelliert der Verband neben seiner Forderung nach einer Agrarwende, alle Grünwege und Randstreifen in der Feldmark zu erhalten. Dies würde Feldvogelarten und vielen Kleinsäugern aber auch wirbellosen Tieren wie Insekten und anderen Arten helfen. Der Flächenverbrauch schreitet laut Nabu auch im Kreis Minden-Lübbecke immer weiter voran. Daher hatten sich die Naturschützer gegen den Neubau eines Logistikzentrums in Porta ausgesprochen. Mit Sorge betrachten sie auch die Gewerbegebietsplanung in Päpinghausen auf mehr als einem Quadratkilometer. Am Regioport in Minden bleibe immer noch die Frage nach dem Bedarf ungeklärt. Als besonders schwerwiegende Planung sieht der Nabu mit seinen ostwestfälisch-lippischen Partnerkreisen den Bau einer ICE-Neubautrasse von Hannover nach Bielefeld an und hat sich für einen trassennahen Ausbau ausgesprochen. Allein über 60 Stellungnahmen wurden vom Nabu Minden-Lübbecke im Zusammenhang mit öffentlichen Planverfahren abgegeben. Hierbei handelt es sich um Verfahren, zu denen meist mehrere Aktenordner durchgearbeitet werden müssen. Auch hier sehen die Nabu-Vertreter große Probleme. Um überhaupt noch etwas für den Naturschutz herauszuholen, sei ein immenser Aufwand von Nöten, den das Ehrenamt nebenbei leisten müsse. Oft reiche nicht mehr die übliche Ortskenntnis und Wissen über besondere Vorkommen von Tieren und Pflanzen aus, vielmehr seien fundierte Kenntnisse über Planungs- und Verwaltungsrecht notwendig. Um gegen das Artensterben zu protestieren unterstützt der Nabu die „Volksinitiative Artenvielfalt“ der Naturschutzverbände in Nordrhein-Westfalen. Im Nabu-Besucherzentrum Moorhus in Lübbecke werden Unterschriften für die Initiative gesammelt. Der Naturschutz ist den Menschen im Kreis offenbar nicht gleichgültig. In den vergangenen Jahren ist die Mitgliederzahl auf 2.400 gewachsen, der Nabu ist damit der größte Umweltschutzverband im Kreisgebiet. Vom Lockdown blieb aber auch er nicht verschont: „Wir hatten gerade begonnen, das Besucherzentrum Moorhus unter strengen Hygieneauflagen zu öffnen“, so Meier und Meckling, dann habe die zweite Welle erneut zu einer Schließung geführt. Eine Spende der Schülerschaft der Gesamtschule Hüllhorst über 2.000 Euro sei in dieser Phase enorm hilfreich gewesen, um die Krisenzeit zu überbrücken, so die Vorstandsmitglieder. Auch die Umweltpädagogen im Regionalzentrum Moorhus waren nicht untätig. Neben kleineren Präsenzveranstaltungen im Sommer sei weiter für die Zukunft geplant worden, sagte Nicolai Meyer. Beispielsweise konnte das Bildungsmodul „Kleine Moorkunde“ für die Durchführung in Kleingruppen unter Corona-Auflagen umgestaltet und ein neues Angebot einer digitalen Nachhaltigkeitsrallye über die Bildungsapp Biparcours entwickelt werden. Für das Große Torfmoor wurde in Zusammenarbeit mit Biologischer Station, dem Kreis Minden-Lübbecke und Zertifizierten Natur- und Landschaftsführern die von der NRW Stiftung Naturschutz, Heimat und Kulturpflege finanzierte Lauschtour eingerichtet. Über eine App, die unter www.lauschtour.de heruntergeladen werden kann, können an 16 Lauschpunkten Informationen über das Große Torfmoor abgerufen werden, ohne dass man dafür eine Internetverbindung benötigt. Diverse Arbeiten im Großen Torfmoor beschäftigten die mobile Einsatztruppe, wie deren Organisator Eckhard Schlömer berichtet. Dabei wurden Wege instandgehalten, Hinweispfähle und Absperrungen erneuert und die Beweidung und Betreuung des Moores abgestimmt. Ein Schwerpunkt im Winterhalbjahr ist immer das Schneiteln von Kopfweiden und Schneiden von Hecken, um sie als Lebensraum für Insekten und Vögel zu erhalten. Im Sommer setzte die Trockenheit den Obstwiesen des Nabu zu. Geschädigte Bäume mussten ersetzt oder die Bestände ergänzt werden. Mit Hilfe von Spenden konnten 25 alte Obstbaumsorten gekauft und von Freiwilligen gepflanzt werden. Die Beringung von Weißstorch, Uhu und weit über 100 jungen Steinkäuzen im vergangenen Jahr kosteten viele Stunden Arbeit. In vielen Fällen konnte der Nabu beim Schutz von bedrohten Fledermäusen Behörden und Privatleuten Hilfestellung leisten.
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Nabu bemängelt Flächenverbrauch im Kreis

Auch für den Steinkauz ist ein intakter Lebensraum wichtig. 100 dieser Vögel wurden im vergangenen Jahr beringt. Foto: Privat © x

Minden (mt/hwa). Im Kampf gegen das Artensterben hat es bundesweit kaum Fortschritte gegeben, von einer erfolgversprechenden Wende in der EU Agrarpolitik ist nichts zu spüren: Das bemängeln Sandra Meier und Lothar Meckling, Pressesprecherin und Vorsitzende?r des Naturschutzbundes Nabu im Kreis Minden-Lübbecke in ihrem Rückblick auf das Jahr 2020.

Die Leistung der Landwirtschaft werde durch Preis-Dumping der großen Supermarktketten nicht ausreichend entlohnt, eine Förderung des Arten- und Biotopschutzes damit unmöglich gemacht. Ein Beispiel: Wenn ein Lerchenpaar seine Jungen groß bekommen soll, muss das Nest sechs bis acht Wochen vor Bewirtschaftung geschützt sein. Das sei aber nur auf extensiv bewirtschafteten Flächen oder in Randbereichen überhaupt denkbar, so die beiden Nabu-Vertreter. Darum appelliert der Verband neben seiner Forderung nach einer Agrarwende, alle Grünwege und Randstreifen in der Feldmark zu erhalten. Dies würde Feldvogelarten und vielen Kleinsäugern aber auch wirbellosen Tieren wie Insekten und anderen Arten helfen.

Der Flächenverbrauch schreitet laut Nabu auch im Kreis Minden-Lübbecke immer weiter voran. Daher hatten sich die Naturschützer gegen den Neubau eines Logistikzentrums in Porta ausgesprochen. Mit Sorge betrachten sie auch die Gewerbegebietsplanung in Päpinghausen auf mehr als einem Quadratkilometer. Am Regioport in Minden bleibe immer noch die Frage nach dem Bedarf ungeklärt. Als besonders schwerwiegende Planung sieht der Nabu mit seinen ostwestfälisch-lippischen Partnerkreisen den Bau einer ICE-Neubautrasse von Hannover nach Bielefeld an und hat sich für einen trassennahen Ausbau ausgesprochen. Allein über 60 Stellungnahmen wurden vom Nabu Minden-Lübbecke im Zusammenhang mit öffentlichen Planverfahren abgegeben. Hierbei handelt es sich um Verfahren, zu denen meist mehrere Aktenordner durchgearbeitet werden müssen. Auch hier sehen die Nabu-Vertreter große Probleme. Um überhaupt noch etwas für den Naturschutz herauszuholen, sei ein immenser Aufwand von Nöten, den das Ehrenamt nebenbei leisten müsse. Oft reiche nicht mehr die übliche Ortskenntnis und Wissen über besondere Vorkommen von Tieren und Pflanzen aus, vielmehr seien fundierte Kenntnisse über Planungs- und Verwaltungsrecht notwendig. Um gegen das Artensterben zu protestieren unterstützt der Nabu die „Volksinitiative Artenvielfalt“ der Naturschutzverbände in Nordrhein-Westfalen. Im Nabu-Besucherzentrum Moorhus in Lübbecke werden Unterschriften für die Initiative gesammelt.

Der Naturschutz ist den Menschen im Kreis offenbar nicht gleichgültig. In den vergangenen Jahren ist die Mitgliederzahl auf 2.400 gewachsen, der Nabu ist damit der größte Umweltschutzverband im Kreisgebiet. Vom Lockdown blieb aber auch er nicht verschont: „Wir hatten gerade begonnen, das Besucherzentrum Moorhus unter strengen Hygieneauflagen zu öffnen“, so Meier und Meckling, dann habe die zweite Welle erneut zu einer Schließung geführt. Eine Spende der Schülerschaft der Gesamtschule Hüllhorst über 2.000 Euro sei in dieser Phase enorm hilfreich gewesen, um die Krisenzeit zu überbrücken, so die Vorstandsmitglieder.

Auch die Umweltpädagogen im Regionalzentrum Moorhus waren nicht untätig. Neben kleineren Präsenzveranstaltungen im Sommer sei weiter für die Zukunft geplant worden, sagte Nicolai Meyer. Beispielsweise konnte das Bildungsmodul „Kleine Moorkunde“ für die Durchführung in Kleingruppen unter Corona-Auflagen umgestaltet und ein neues Angebot einer digitalen Nachhaltigkeitsrallye über die Bildungsapp Biparcours entwickelt werden.

Für das Große Torfmoor wurde in Zusammenarbeit mit Biologischer Station, dem Kreis Minden-Lübbecke und Zertifizierten Natur- und Landschaftsführern die von der NRW Stiftung Naturschutz, Heimat und Kulturpflege finanzierte Lauschtour eingerichtet. Über eine App, die unter www.lauschtour.de heruntergeladen werden kann, können an 16 Lauschpunkten Informationen über das Große Torfmoor abgerufen werden, ohne dass man dafür eine Internetverbindung benötigt.

Diverse Arbeiten im Großen Torfmoor beschäftigten die mobile Einsatztruppe, wie deren Organisator Eckhard Schlömer berichtet. Dabei wurden Wege instandgehalten, Hinweispfähle und Absperrungen erneuert und die Beweidung und Betreuung des Moores abgestimmt.

Ein Schwerpunkt im Winterhalbjahr ist immer das Schneiteln von Kopfweiden und Schneiden von Hecken, um sie als Lebensraum für Insekten und Vögel zu erhalten. Im Sommer setzte die Trockenheit den Obstwiesen des Nabu zu. Geschädigte Bäume mussten ersetzt oder die Bestände ergänzt werden. Mit Hilfe von Spenden konnten 25 alte Obstbaumsorten gekauft und von Freiwilligen gepflanzt werden. Die Beringung von Weißstorch, Uhu und weit über 100 jungen Steinkäuzen im vergangenen Jahr kosteten viele Stunden Arbeit. In vielen Fällen konnte der Nabu beim Schutz von bedrohten Fledermäusen Behörden und Privatleuten Hilfestellung leisten.

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