NRW-Wirtschaftsminister Duin hört in Minden Sorgen der Binnenschifffahrt "Riesiges Potenzial auf dem Wasser" / Wahlkampf mal anders Von Hartmut Nolte Minden (mt). Wahlkampf mal anders präsentierten der SPD-Kandidat Achim Post und NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin am Montag im Hotel Holiday Inn. Üblicherweise geht es sonst nach dem Schema: Prominenter Redner stellt in mindestens 45 Minuten Vorzüge und Erfolge der eigenen Politik vor und sieht beim politischen Gegner nur Negatives. Anschließend eine mehr oder minder parteiisch geprägte Diskussion.Hier war es anders. "Ich bin gekommen, um mich von ihnen informieren zu lassen, wie die Lage in der Binnenschifffahrt von denen gesehen wird, die sie betreiben", sagt der Minister gleich zu Beginn. Nach einem kurzen Statement wurde der Redner zum aufmerksamen Zuhörer, stellte kurze Nachfragen und machte sich kurze Notizen. Die konnte er am nächsten Tag für die Sitzung der SPD-Fraktion im Landtag gebrauchen, in der es um eben diese Fragen ging.Diese Chance ließen sich die Mindener Binnenschiffer nicht entgehen. Jürgen Schlieter und seine Kollegen sprachen Punkt für Punkt an, wo der Schuh drückt und Henning Buchholz, hier als Privatmann und nicht in der Funktion des Chefs des Wasser- und Schifffahrtsamtes Minden, konnte seine Besorgnis in Ministerohren geben.In der Hauptsorge war er sich mit den Partikulierern einig: Personalmangel. Die Schiffer spüren ihn, wenn eine Schleuse am Datteln-Herne Kanal wegen Personalmangel am Wochenende geschlossen wird. "Der Lkw fährt bei einer Sperrung mal eben um zwei Ecken und ist wieder auf dem Weg, beim Binnenschiff dauert ein Umweg Tage", klagten sie.Seit 1993 sei das Personal der WSV in Deutschland jährlich um 1,5 Prozent abgebaut worden, erinnerte Buchholz. "Trotz mehr Aufgaben haben wir weniger Leute als vor der Wiedervereinigung." Und nun solle mit der Reform weiter gespart werden. Das habe das Durchschnittsalter inzwischen auf über 50 Jahre angehoben. Schichtarbeit erhöhe zudem das Krankheitsrisiko.Zweites Problem Investitionsstau: Die Anlagen sind überaltert und modernem Verkehr nicht mehr gewachsen. Erhaltung statt Ausbau fordern deshalb die Binnenschiffer angesichts knapper werdender Mittel. Sie fordern drittens von der Politik den Abbau von Wettbewerbsnachteilen gegenüber ausländischen Kollegen. "Wenn schon Europa, dann zu gleichen Bedingungen für alle." Zum Beispiel bei Gefahrguttransport und Versicherungspflicht. Viertes Problem: Wer mehr Güter von der Straße auf das umweltfreundlichere Schiff verlagern wolle, müsse dafür auch was tun. Zum Beispiel bei Massengütern und Schwertransporten."Wir müssen uns bewusst machen, welche Rolle die Binnenschifffahrt spielen könnte," hatte Duin zu Anfang gesagt. "Auf dem Wasser liegt ein riesiges Potenzial", war er sich mit seinen Gästen einig. Wie das besser ausgeschöpft werden kann, dafür nahm er aus Minden Anregungen aus der Praxis mit. Sein Schlusswort war kurz: "Danke".

NRW-Wirtschaftsminister Duin hört in Minden Sorgen der Binnenschifffahrt

Minden (mt). Wahlkampf mal anders präsentierten der SPD-Kandidat Achim Post und NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin am Montag im Hotel Holiday Inn.

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin. - © Foto: MT-Archiv
NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin. - © Foto: MT-Archiv

Üblicherweise geht es sonst nach dem Schema: Prominenter Redner stellt in mindestens 45 Minuten Vorzüge und Erfolge der eigenen Politik vor und sieht beim politischen Gegner nur Negatives. Anschließend eine mehr oder minder parteiisch geprägte Diskussion.

Hier war es anders. "Ich bin gekommen, um mich von ihnen informieren zu lassen, wie die Lage in der Binnenschifffahrt von denen gesehen wird, die sie betreiben", sagt der Minister gleich zu Beginn. Nach einem kurzen Statement wurde der Redner zum aufmerksamen Zuhörer, stellte kurze Nachfragen und machte sich kurze Notizen. Die konnte er am nächsten Tag für die Sitzung der SPD-Fraktion im Landtag gebrauchen, in der es um eben diese Fragen ging.

Diese Chance ließen sich die Mindener Binnenschiffer nicht entgehen. Jürgen Schlieter und seine Kollegen sprachen Punkt für Punkt an, wo der Schuh drückt und Henning Buchholz, hier als Privatmann und nicht in der Funktion des Chefs des Wasser- und Schifffahrtsamtes Minden, konnte seine Besorgnis in Ministerohren geben.

In der Hauptsorge war er sich mit den Partikulierern einig: Personalmangel. Die Schiffer spüren ihn, wenn eine Schleuse am Datteln-Herne Kanal wegen Personalmangel am Wochenende geschlossen wird. "Der Lkw fährt bei einer Sperrung mal eben um zwei Ecken und ist wieder auf dem Weg, beim Binnenschiff dauert ein Umweg Tage", klagten sie.

Seit 1993 sei das Personal der WSV in Deutschland jährlich um 1,5 Prozent abgebaut worden, erinnerte Buchholz. "Trotz mehr Aufgaben haben wir weniger Leute als vor der Wiedervereinigung." Und nun solle mit der Reform weiter gespart werden. Das habe das Durchschnittsalter inzwischen auf über 50 Jahre angehoben. Schichtarbeit erhöhe zudem das Krankheitsrisiko.

In den deutschen Wasserstraßen steckt noch viel ungenutzte Transportkapazität. MT-Archiv - © foto: Manfred Otto
In den deutschen Wasserstraßen steckt noch viel ungenutzte Transportkapazität. MT-Archiv - © foto: Manfred Otto

Zweites Problem Investitionsstau: Die Anlagen sind überaltert und modernem Verkehr nicht mehr gewachsen. Erhaltung statt Ausbau fordern deshalb die Binnenschiffer angesichts knapper werdender Mittel. Sie fordern drittens von der Politik den Abbau von Wettbewerbsnachteilen gegenüber ausländischen Kollegen. "Wenn schon Europa, dann zu gleichen Bedingungen für alle." Zum Beispiel bei Gefahrguttransport und Versicherungspflicht. Viertes Problem: Wer mehr Güter von der Straße auf das umweltfreundlichere Schiff verlagern wolle, müsse dafür auch was tun. Zum Beispiel bei Massengütern und Schwertransporten.

"Wir müssen uns bewusst machen, welche Rolle die Binnenschifffahrt spielen könnte," hatte Duin zu Anfang gesagt. "Auf dem Wasser liegt ein riesiges Potenzial", war er sich mit seinen Gästen einig. Wie das besser ausgeschöpft werden kann, dafür nahm er aus Minden Anregungen aus der Praxis mit. Sein Schlusswort war kurz: "Danke".

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