NRW-Landtagswahl: Christina Weng setzt sich für Gesundheitsthemen ein Minden. Christina Weng will weitermachen in Düsseldorf, noch einmal fünf Jahre, dann ist sie 66, hat 48 Jahre gearbeitet, dann könnte es vielleicht Zeit sein für den politischen Ruhestand, aber nicht jetzt. Jetzt hat sie noch viel vor. Außerdem habe sie das versprochen, als sie 2017 angetreten ist, sagt die SPD-Landtagskandidatin. „Ich finde, man kann Wählern und Wählerinnen nicht alle fünf Jahre jemanden Neues zumuten." So ein politisches System wie das in Düsseldorf braucht Einarbeitungszeit. Zeit, sich zu vernetzen, zu verstehen, wie alles funktioniert. Jetzt, beim zweiten Mal, da würde sie vom Start weg mittendrin sein. Was auch für die Fraktion nicht schlecht sein könnte, denn die werde sich sehr verändern: Viele Erfahrene, gerade im Bereich Gesundheitspolitik, („das sind richtige politische Kaliber") hören aus Altersgründen auf. Falls die SPD die Mehrheit bekommt – und selbstredend geht Weng davon aus – hat sich die Hahlerin einiges vorgenommen. Es geht gerade um Gesundheitspolitik, da sagt sie – „ich würde mir ganz unbedingt wünschen, dass der Bereich Gesundheit einen Chef oder eine Chefin bekommt, der oder die eigene berufliche Erfahrung mit dieser komplexen Aufgabenstellung hat." Wäre das ein Job für sie? Die Antwort ist interpretationsfähig: „Ich weiß, wie Gesundheitspolitik in NRW sein sollte. Und aktuell ist sie absolut nicht in meinem Sinn." Zentrale Punkte: Krankenhäuser rekommunalisieren und nicht private Unternehmen reich machen, die Finanzierung neu regeln, bessere Arbeitsbedingungen schaffen, Kindermedizin stärken und Medizin gendern, also für unterschiedliche Gesundheitsanforderungen von Männern und Frauen sensibilisieren – die Liste ist lang. Corona sei gerade für arme Menschen und Kinder „eine Katastrophe" gewesen, und die Lage sei immer noch nicht so, dass man ernsthaft einen Ausblick wagen könne. „Wir sorgen nicht dafür, dass ,Resilienz’ mehr als nur ein schönes Wort ist." Überhaupt müsse auf soziale Politik und kommunale Handlungsfähigkeit deutlich mehr Wert gelegt werden: „Die Chance eines Menschen beginnt doch, wenn er ganz klein ist. Da müssen wir doch mit allem ansetzen." All das sind Themen, für die Weng sich auch bisher im Landtag in ihren Reden eingesetzt hat – Fachkräftemangel, beispielsweise, Coronapolitik, Lage der Hebammen. Dabei nimmt sie auch immer mal wieder Bezug auf ihre Berufserfahrung, spricht von sich, bietet Projektionsfläche. Oft ist sie ans Pult getreten, wenn es um Anträge der AfD ging. „Ich war immer so der Joker gegen die AfD", sagt sie, und dann erzählt sie kurz, wie sie da hineingewachsen ist. „Ich biete keine Angriffsfläche. Ich rede mit der Würde des Hauses. Ich rede zum Thema." Inzwischen, so ihr Eindruck, haben die Störungsversuche deutlich nachgelassen. Arroganz, sagen ihre Gegner. Innere Gelassenheit, die Freunde. Hat sie diese Fähigkeit, sich vom Moment zu distanzieren, in der Ausbildung zur Krankenschwester, zur Fachkraft in der Intensivpflege, im berufsbegleitenden Studium zur Pflegedirektorin, in den Jahren als Personalrätin gelernt? Spontane Antwort: „Ich bin Schwester vierer Brüder." Die mit der großen Klappe, die Starke, die, die selbst in größter Hektik tiefenentspannt bleibt – dass sie so wirke, darüber habe sie sich lange kaum Gedanken gemacht. „Ich bin eben anders aufgewachsen." Eine ihrer beiden Enkelinnen hat ihr neulich eine Karte gemalt. An die „abenteuerlustige, offenherzige, mutige Oma." Zeit mit der Familie ist wichtig, stärkend, besonders. Aber politisch ist noch so viel zu tun. Privates und berufliches Engagement hat sie schon als junge Frau verbunden. Lange alleinerziehend, mit Zwillingen, immer auf der Suche nach Möglichkeiten, dazu zu lernen – da hat sie selbst gespürt, wie wichtig ein durchlässiges Bildungssystem ist. Heute steht das als politisches Credo auf ihrer Agenda. Sie war 27 Jahre Personalrätin und 17 Jahre Personalratsvorsitzende in den Mühlenkreiskliniken – auch in Zeiten des Umbruchs, wo es um Neubau, organisatorische Neustrukturierung zur GmbH und vieles mehr ging. Und als sie feststellte, dass sie ihre Arbeit als Personalrätin besser machen würde, wenn sie engere Kontakte zur Kommunalpolitik hat, ist sie dort aktiv geworden. 1996 trat sie in der SPD ein, 2002 war sie stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende, 2014 stellvertretende Kreisvorsitzende, 2017 im Landtag – mit 42,66 Prozent der Erststimmen. „Ich habe immer versucht, alle Handlungsspielräume auszunutzen", sagt sie rückblickend. Und jetzt ein Landtagswahlkampf, in dem es nicht nur um NRW-Politik geht. In dem die Menschen sich Sorgen machen wegen Corona und des Kriegs in der Ukraine, über Bundeskanzler Scholz und seine Rede zur „Zeitenwende" diskutieren, sich fragen, ob sie künftig ihre Heizung noch bezahlen können. „Unsicherheit in unserem sicheren Land", sagt Weng. „Gerade wird in Europa all das zerschossen, was uns wichtig ist – das haben wir doch für undenkbar gehalten." Gerade deswegen sei eine Landtagswahl „alles andere als trivial". Wenn hier Stabilität bestehe, könne anderen besser geholfen werden. „Bei allen Problemen, die wir hier haben, und an denen wir arbeiten müssen, bedeutet das nicht, dass wir die humanitäre Katastrophe anderswo nicht verhindern müssen." Und auch dafür seien eine starke Regierung und eine Landesregierung wichtig. „Scholz war nicht mein Lieblingskanzler-Kandidat. Aber ich bin extrem froh, dass wir ihn jetzt haben." Und dann, nach all den starken Worten, den deutlichen Zielen, den klaren Ansagen zu Plänen, sagt sie noch das: „Ich bin gläubige Christin. Ich glaube fest daran, dass wir auf die Zukunft und auf uns vertrauen müssen – im Wissen, dass wir Menschen in der Lage sind, es gut zu machen." Zur Person: Christina Weng ist 1961 in Minden geboren und lebt in Hahlen. Die 61-Jährige hat zwei erwachsene Töchter und zwei Enkelkinder. Nach einer Ausbildung zur Krankenschwester bildete sie sich zur Fachkrankenschwester für Innere und Intensivmedizin weiter, von 2000 bis 2008 studierte sie angewandte Gesundheitswissenschaften, Gesundheitsmanagement und -ökonomieSie ist seit 1996 Mitglied der SPDIm Landtag ist sie Mitglied im Innenausschuss und Ausschuss für Arbeit, Soziales und GesundheitMitglied in der Gewerkschaft Verdi, aktive Mitarbeit auf Regional-, Landes-und Bundesebene sowie im Aktionskomitee „Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke" christina-weng.de

NRW-Landtagswahl: Christina Weng setzt sich für Gesundheitsthemen ein

Christina Weng möchte für die SPD wieder in den Landtag. Eines ihrer wichtigsten Ziele: Gesundheitspolitik zu gestalten. MT-Foto: Monika Jäger © mob

Minden. Christina Weng will weitermachen in Düsseldorf, noch einmal fünf Jahre, dann ist sie 66, hat 48 Jahre gearbeitet, dann könnte es vielleicht Zeit sein für den politischen Ruhestand, aber nicht jetzt. Jetzt hat sie noch viel vor. Außerdem habe sie das versprochen, als sie 2017 angetreten ist, sagt die SPD-Landtagskandidatin. „Ich finde, man kann Wählern und Wählerinnen nicht alle fünf Jahre jemanden Neues zumuten."

So ein politisches System wie das in Düsseldorf braucht Einarbeitungszeit. Zeit, sich zu vernetzen, zu verstehen, wie alles funktioniert. Jetzt, beim zweiten Mal, da würde sie vom Start weg mittendrin sein. Was auch für die Fraktion nicht schlecht sein könnte, denn die werde sich sehr verändern: Viele Erfahrene, gerade im Bereich Gesundheitspolitik, („das sind richtige politische Kaliber") hören aus Altersgründen auf.

Falls die SPD die Mehrheit bekommt – und selbstredend geht Weng davon aus – hat sich die Hahlerin einiges vorgenommen. Es geht gerade um Gesundheitspolitik, da sagt sie – „ich würde mir ganz unbedingt wünschen, dass der Bereich Gesundheit einen Chef oder eine Chefin bekommt, der oder die eigene berufliche Erfahrung mit dieser komplexen Aufgabenstellung hat."


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Wäre das ein Job für sie? Die Antwort ist interpretationsfähig: „Ich weiß, wie Gesundheitspolitik in NRW sein sollte. Und aktuell ist sie absolut nicht in meinem Sinn." Zentrale Punkte: Krankenhäuser rekommunalisieren und nicht private Unternehmen reich machen, die Finanzierung neu regeln, bessere Arbeitsbedingungen schaffen, Kindermedizin stärken und Medizin gendern, also für unterschiedliche Gesundheitsanforderungen von Männern und Frauen sensibilisieren – die Liste ist lang.

Corona sei gerade für arme Menschen und Kinder „eine Katastrophe" gewesen, und die Lage sei immer noch nicht so, dass man ernsthaft einen Ausblick wagen könne. „Wir sorgen nicht dafür, dass ,Resilienz’ mehr als nur ein schönes Wort ist." Überhaupt müsse auf soziale Politik und kommunale Handlungsfähigkeit deutlich mehr Wert gelegt werden: „Die Chance eines Menschen beginnt doch, wenn er ganz klein ist. Da müssen wir doch mit allem ansetzen."

All das sind Themen, für die Weng sich auch bisher im Landtag in ihren Reden eingesetzt hat – Fachkräftemangel, beispielsweise, Coronapolitik, Lage der Hebammen. Dabei nimmt sie auch immer mal wieder Bezug auf ihre Berufserfahrung, spricht von sich, bietet Projektionsfläche.

Oft ist sie ans Pult getreten, wenn es um Anträge der AfD ging. „Ich war immer so der Joker gegen die AfD", sagt sie, und dann erzählt sie kurz, wie sie da hineingewachsen ist. „Ich biete keine Angriffsfläche. Ich rede mit der Würde des Hauses. Ich rede zum Thema." Inzwischen, so ihr Eindruck, haben die Störungsversuche deutlich nachgelassen. Arroganz, sagen ihre Gegner. Innere Gelassenheit, die Freunde.

Hat sie diese Fähigkeit, sich vom Moment zu distanzieren, in der Ausbildung zur Krankenschwester, zur Fachkraft in der Intensivpflege, im berufsbegleitenden Studium zur Pflegedirektorin, in den Jahren als Personalrätin gelernt? Spontane Antwort: „Ich bin Schwester vierer Brüder." Die mit der großen Klappe, die Starke, die, die selbst in größter Hektik tiefenentspannt bleibt – dass sie so wirke, darüber habe sie sich lange kaum Gedanken gemacht. „Ich bin eben anders aufgewachsen." Eine ihrer beiden Enkelinnen hat ihr neulich eine Karte gemalt. An die „abenteuerlustige, offenherzige, mutige Oma." Zeit mit der Familie ist wichtig, stärkend, besonders. Aber politisch ist noch so viel zu tun.

Privates und berufliches Engagement hat sie schon als junge Frau verbunden. Lange alleinerziehend, mit Zwillingen, immer auf der Suche nach Möglichkeiten, dazu zu lernen – da hat sie selbst gespürt, wie wichtig ein durchlässiges Bildungssystem ist. Heute steht das als politisches Credo auf ihrer Agenda. Sie war 27 Jahre Personalrätin und 17 Jahre Personalratsvorsitzende in den Mühlenkreiskliniken – auch in Zeiten des Umbruchs, wo es um Neubau, organisatorische Neustrukturierung zur GmbH und vieles mehr ging. Und als sie feststellte, dass sie ihre Arbeit als Personalrätin besser machen würde, wenn sie engere Kontakte zur Kommunalpolitik hat, ist sie dort aktiv geworden.

1996 trat sie in der SPD ein, 2002 war sie stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende, 2014 stellvertretende Kreisvorsitzende, 2017 im Landtag – mit 42,66 Prozent der Erststimmen. „Ich habe immer versucht, alle Handlungsspielräume auszunutzen", sagt sie rückblickend.

Und jetzt ein Landtagswahlkampf, in dem es nicht nur um NRW-Politik geht. In dem die Menschen sich Sorgen machen wegen Corona und des Kriegs in der Ukraine, über Bundeskanzler Scholz und seine Rede zur „Zeitenwende" diskutieren, sich fragen, ob sie künftig ihre Heizung noch bezahlen können. „Unsicherheit in unserem sicheren Land", sagt Weng. „Gerade wird in Europa all das zerschossen, was uns wichtig ist – das haben wir doch für undenkbar gehalten."

Gerade deswegen sei eine Landtagswahl „alles andere als trivial". Wenn hier Stabilität bestehe, könne anderen besser geholfen werden. „Bei allen Problemen, die wir hier haben, und an denen wir arbeiten müssen, bedeutet das nicht, dass wir die humanitäre Katastrophe anderswo nicht verhindern müssen." Und auch dafür seien eine starke Regierung und eine Landesregierung wichtig. „Scholz war nicht mein Lieblingskanzler-Kandidat. Aber ich bin extrem froh, dass wir ihn jetzt haben."

Und dann, nach all den starken Worten, den deutlichen Zielen, den klaren Ansagen zu Plänen, sagt sie noch das: „Ich bin gläubige Christin. Ich glaube fest daran, dass wir auf die Zukunft und auf uns vertrauen müssen – im Wissen, dass wir Menschen in der Lage sind, es gut zu machen."

Zur Person:

Christina Weng ist 1961 in Minden geboren und lebt in Hahlen. Die 61-Jährige hat zwei erwachsene Töchter und zwei Enkelkinder. Nach einer Ausbildung zur Krankenschwester bildete sie sich zur Fachkrankenschwester für Innere und Intensivmedizin weiter, von 2000 bis 2008 studierte sie angewandte Gesundheitswissenschaften, Gesundheitsmanagement und -ökonomieSie ist seit 1996 Mitglied der SPDIm Landtag ist sie Mitglied im Innenausschuss und Ausschuss für Arbeit, Soziales und GesundheitMitglied in der Gewerkschaft Verdi, aktive Mitarbeit auf Regional-, Landes-und Bundesebene sowie im Aktionskomitee „Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke" christina-weng.de

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