Mutmaßlicher Rechtsterrorist soll sich selbst getötet haben Stefan Koch Minden/Porta Westfalica-Kleinenbremen. Am Ende richtete er die Gewalt gegen sich selbst: Nachdem am Montagmittag der mutmaßliche Unterstützer eines rechtsradikalen Terrornetzwerkes aus Kleinenbremen leblos in seiner Gefängniszelle der Justizvollzugsanstalt Dortmund aufgefunden wurde, gehen die Ermittler von einer Selbsttötung aus. Wie ein Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund erklärte, seien die Ermittlungen zum Tod von Ulf R. aufgenommen worden, so dass am Donnerstag eine Obduktion der Leiche stattfand. Da sich der 46-Jährige allein in seiner Zelle befunden habe, gebe es bislang keine Zweifel an einem Suizid. Zu einem möglicherweise vorhandenen Abschiedsschreiben des ehemaligen Lageristen wollte sich die Staatsanwaltschaft gestern nicht äußern. Nach Hinweisen eines V-Mannes aus der rechten Szene war die Bundesanwaltschaft auf das Netzwerk „Gruppe S." aufmerksam geworden. Im Februar ließ die Bundesanwaltschaft an 13 Orten in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen Wohnungen durchsuchen und nahm nach Razzien zwölf Tatverdächtige fest. Darunter auch den 55-jährigen Fliesenleger Thomas N. aus Minden, der zu den vier Hauptverdächtigen gehört, den 35-jährigen Mindener Markus K., der an der Organisation mehrerer rechtsextremer Demonstrationen in Bad Nenndorf beteiligt sein soll, und Ulf R.. Der Lagerarbeiter aus Kleinenbremen soll auf Facebook mit dem hauptverdächtigen Mindener befreundet gewesen sein. Er soll zugesagt haben, den harten Kern der Gruppe mit Hilfe bei Anschlägen sowie einem Betrag von 50.000 Euro für die Beschaffung von Waffen unterstützen zu wollen. Bei der Razzia am 14. Februar fand die Polizei mehrere scharfe Waffen und selbst gebaute Handgranaten bei ihm. Letzte stellte der Kampfmittelräumdienst sicher. Nach ersten Vernehmungen hatte Ulf R. seine Beteiligung an der Terrorzelle eingeräumt und Hinweise auf ein Depot in einem nahe gelegenen Wald gegeben.Beobachter bemerkten, wie er in Handschellen und mit einem Tuch über dem Kopf aus einem Haus in einen Zivilwagen der Polizei gebracht wurde. Danach fuhren die Beamten mit dem Beschuldigten in den Wald, wo er ihnen Verstecke gezeigt haben soll. Auch vor seiner Inhaftierung war Ulf R. der Polizei bekannt. So soll er sich in der Reichsbürgerszene bewegt haben, so dass ihm deswegen 2018 der Waffenschein entzogen wurde. Beobachter der rechten Szene stellten fest, dass nach Bekanntwerden des Todes von Ulf R. im Netz wilde Verschwörungstheorien über dessen Ableben kursierten. In einer neonazistischen Gruppe des Messengers Telegram spielten die Urheber auf Rudolf Hess an, über dessen Selbstmord sich in der Szene bis heute eine Mordtheorie hält. Bis zu seiner Festnahme war über den 46-Jährigen, der als Lagerarbeiter bei einem Mindener Unternehmen beschäftigt war, wenig bekannt. Ein Kenner der örtlichen Szene in Kleinenbremen erklärt, dass sich Ulf R. in der Öffentlichkeit weitgehend zurückgehalten habe und nicht mit anderen aktiven Rechtsradikalen in Erscheinung getreten sei. Auch in der Nachbarschaft habe er sich unauffällig verhalten. „Da war wohl alles mehr oder weniger unter dem Deckel geblieben", meint der Beobachter. Vor allem nach der Zerschlagung des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) habe sich die überörtliche Szene auch mit ihren Verlautbarungen in Sozialen Netzwerken zurückgehalten, um gegenüber Ermittlungsbehörden nicht weiter aufzufallen. Anmerkung der Redaktion: Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, es sei denn, es gibt besondere Gründe für eine erhöhte Aufmerksamkeit. Wir halten uns möglichst zurück, da es bei Suiziden eine hohe Nachahmerquote gibt.Sollten Sie sich von besonderen Lebensumständen betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie 24 Stunden am Tag Hilfe und Beratung.

Mutmaßlicher Rechtsterrorist soll sich selbst getötet haben

Nach bundesweiten Razzien im Februar brachte die Polizei die Festgenommenen nach Karlsruhe zu den Haftrichtern des Bundesgerichtshofs (BGH). Seitdem befand sich Ulf R. in Untersuchungshaft. Foto: Uli Deck/dpa

Minden/Porta Westfalica-Kleinenbremen. Am Ende richtete er die Gewalt gegen sich selbst: Nachdem am Montagmittag der mutmaßliche Unterstützer eines rechtsradikalen Terrornetzwerkes aus Kleinenbremen leblos in seiner Gefängniszelle der Justizvollzugsanstalt Dortmund aufgefunden wurde, gehen die Ermittler von einer Selbsttötung aus. Wie ein Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund erklärte, seien die Ermittlungen zum Tod von Ulf R. aufgenommen worden, so dass am Donnerstag eine Obduktion der Leiche stattfand. Da sich der 46-Jährige allein in seiner Zelle befunden habe, gebe es bislang keine Zweifel an einem Suizid. Zu einem möglicherweise vorhandenen Abschiedsschreiben des ehemaligen Lageristen wollte sich die Staatsanwaltschaft gestern nicht äußern.

Nach Hinweisen eines V-Mannes aus der rechten Szene war die Bundesanwaltschaft auf das Netzwerk „Gruppe S." aufmerksam geworden. Im Februar ließ die Bundesanwaltschaft an 13 Orten in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen Wohnungen durchsuchen und nahm nach Razzien zwölf Tatverdächtige fest. Darunter auch den 55-jährigen Fliesenleger Thomas N. aus Minden, der zu den vier Hauptverdächtigen gehört, den 35-jährigen Mindener Markus K., der an der Organisation mehrerer rechtsextremer Demonstrationen in Bad Nenndorf beteiligt sein soll, und Ulf R..

Der Lagerarbeiter aus Kleinenbremen soll auf Facebook mit dem hauptverdächtigen Mindener befreundet gewesen sein. Er soll zugesagt haben, den harten Kern der Gruppe mit Hilfe bei Anschlägen sowie einem Betrag von 50.000 Euro für die Beschaffung von Waffen unterstützen zu wollen. Bei der Razzia am 14. Februar fand die Polizei mehrere scharfe Waffen und selbst gebaute Handgranaten bei ihm. Letzte stellte der Kampfmittelräumdienst sicher.

Nach ersten Vernehmungen hatte Ulf R. seine Beteiligung an der Terrorzelle eingeräumt und Hinweise auf ein Depot in einem nahe gelegenen Wald gegeben.Beobachter bemerkten, wie er in Handschellen und mit einem Tuch über dem Kopf aus einem Haus in einen Zivilwagen der Polizei gebracht wurde. Danach fuhren die Beamten mit dem Beschuldigten in den Wald, wo er ihnen Verstecke gezeigt haben soll.

Auch vor seiner Inhaftierung war Ulf R. der Polizei bekannt. So soll er sich in der Reichsbürgerszene bewegt haben, so dass ihm deswegen 2018 der Waffenschein entzogen wurde. Beobachter der rechten Szene stellten fest, dass nach Bekanntwerden des Todes von Ulf R. im Netz wilde Verschwörungstheorien über dessen Ableben kursierten. In einer neonazistischen Gruppe des Messengers Telegram spielten die Urheber auf Rudolf Hess an, über dessen Selbstmord sich in der Szene bis heute eine Mordtheorie hält.

Bis zu seiner Festnahme war über den 46-Jährigen, der als Lagerarbeiter bei einem Mindener Unternehmen beschäftigt war, wenig bekannt. Ein Kenner der örtlichen Szene in Kleinenbremen erklärt, dass sich Ulf R. in der Öffentlichkeit weitgehend zurückgehalten habe und nicht mit anderen aktiven Rechtsradikalen in Erscheinung getreten sei. Auch in der Nachbarschaft habe er sich unauffällig verhalten. „Da war wohl alles mehr oder weniger unter dem Deckel geblieben", meint der Beobachter. Vor allem nach der Zerschlagung des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) habe sich die überörtliche Szene auch mit ihren Verlautbarungen in Sozialen Netzwerken zurückgehalten, um gegenüber Ermittlungsbehörden nicht weiter aufzufallen.

Anmerkung der Redaktion:

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, es sei denn, es gibt besondere Gründe für eine erhöhte Aufmerksamkeit. Wir halten uns möglichst zurück, da es bei Suiziden eine hohe Nachahmerquote gibt.

Sollten Sie sich von besonderen Lebensumständen betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie 24 Stunden am Tag Hilfe und Beratung.

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