Mühsamer Wiederaufbau: So geht es der KSG ein Jahr nach dem Brand im Bootshaus Sebastian Radermacher Minden. Die Erinnerung an die Nacht auf den 16. Januar 2021 ist bei Achim Riemekasten nach einem Jahr noch präsent. Gegen 3 Uhr reißt ihn sein klingelndes Telefon aus dem Schlaf: Im Bootshaus der Kanusportgemeinschaft (KSG) der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule ist ein Feuer ausgebrochen. Ob es die Feuerwehr oder Polizei war, die ihn kontaktierte, kann er nicht mehr sagen – der Schock und die Hektik waren zu groß. Vor Ort muss der Vereinsvorsitzende mit ansehen, welchen Schaden die Flammen angerichtet haben. Der südliche Anbau, in dem das Feuer im Erdgeschoss ausbrach, wird komplett zerstört. Mit einem großen Aufgebot gelingt es der Feuerwehr, ein Übergreifen der Flammen auf das Haupthaus zu verhindern. Doch ein Großteil der Einrichtung – darunter sämtliche Fitnessgeräte – ist nicht mehr zu retten. Besonders bitter: Erst kurz zuvor war der Bereich mit viel Mühe fertig eingerichtet worden. Im Rahmen des Förderprogramms „Moderne Sportstätten“ hatte die KSG rund 100.000 Euro in neue Elektrik, Jalousien und eine komplett neue Heizungsanlage investiert – zwei Tage später bricht wegen eines technischen Defekts das Feuer aus. „Das Schlimmste war gar nicht der Brand an sich“, sagt Achim Riemekasten rückblickend. „Es war der Ruß, der nach oben zog und sich im gesamten Gebäude verteilte.“ Seit diesem 16. Januar ist fast kein Tag vergangen, an dem der 70-Jährige und seine Mitstreiter bei der Kanusportgemeinschaft nicht mit den Folgen des Feuers konfrontiert wurden. „Wir haben jeden Tag hier gewerkelt – und sind immer noch nicht fertig.“ Im Bootshaus mussten alle Räume entkernt und neu gestrichen werden. Küche und Büro wurden ausgeräumt, sämtliche Utensilien, drunter auch alle Pokale der KSG und die Ausrüstung wie Schwimmwesten, wurden von der Firma Droste speziell gereinigt. „Alles war schwarz“, sagt Riemekasten. Auch die rund 100 Boote in der Halle mussten die Aktiven unter aufwendigem Einsatz von den Rußpartikeln befreien. Die KSG schätzt den Sachschaden auf bis zu 500.000 Euro. Die Beseitigung der Mängel, die durch das Feuer entstanden sind, würde von der Versicherung übernommen, erklärt Riemekasten. Die Abwicklung ist aber aufwendig und langwierig. „Wir haben mehr als ein halbes Jahr nur Daten für die Kostenvoranschläge für das Inventar rausgesucht.“ Doch auch auf die KSG kommen Kosten zu, zum Beispiel für die Erneuerung des Daches. Dieses war erst ein Jahr zuvor neu gedeckt worden, die Flammen beschädigten eine Fläche von rund 50 Quadratmetern. Bei der Reparatur habe der Dachdecker dann plötzlich Risse bemerkt. Ob der Brand dafür verantwortlich ist? Darüber gab es zwischen KSG und Versicherung unterschiedliche Ansichten. „Wir haben eine Einigung erzielt, was aber bedeutet, dass uns Kosten entstehen“, sagt Riemekasten. Wie hoch der Eigenanteil für das Dach am Ende sein wird, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar.Bevor der Dachdecker endlich loslegen kann, müssen noch Stützpfeiler zur Verstärkung eingebaut werden. Erst wenn das Dach wieder komplett repariert ist, kann die KSG sich daran machen, den Fitnessraum herzurichten, Decken und Wände zu verkleiden, den Fußboden zu verlegen. „Bei jedem Gewerk kommen viele Kleinigkeiten zusammen, das ist mühsam“, sagt der KSG-Vorsitzende mit Blick auf den Sanierungsfortschritt. Er dankt in diesem Zusammenhang vor allem der benachbarten DLRG für ihre Unterstützung in dieser schwierigen Zeit. Auch das Fach-Werk Minden habe über das Projekt „Packt an“ geholfen, die Zusammenarbeit mit dem Kreissportbund sei ebenfalls gut – und die KSG-Jugend habe beim Wiederaufbau kräftig mitgeholfen. Gemeinsam habe man einen Beitrag geleistet, um das Gebäude schnellstmöglich wieder zu modernisieren. „Coronabedingt konnten wir leider nie alle Leute zum Helfen zusammentrommeln“, bedauert Riemekasten. Nicht nur der Brand machte 2021 zu einem schwierigen Jahr Damit spricht er ein zweites Problem an, das 2021 für die Kanusportgemeinschaft zu einem sehr schwierigen und ernüchternden Jahr gemacht hat. Denn die Pandemie hat auch das Angebot und die Veranstaltungen der KSG stark eingeschränkt – im zweiten Jahr in Folge. Das habe sich letztlich auch in der Entwicklung der Mitgliederzahl bemerkbar gemacht. Aktuell hat der Verein rund 350 Mitglieder, berichtet Riemekasten. „Wir lagen aber früher schon mal bei über 500.“ Trotzdem habe die KSG ihr Bestmögliches getan, um auch in Zeiten der Pandemie verschiedene Angebote, Veranstaltungen und Kurse auf die Beine zu stellen – meist in der freien Natur. Einfach war das nicht: „Immer wieder galten für einzelne Nutzergruppen unterschiedliche Corona-Regeln.“ Der Wiederaufbau des vom Brand zerstörten Anbaus ist auch für 2022 das Hauptanliegen der vielen Ehrenamtlichen. Achim Riemekasten geht davon aus, dass die Sanierungsarbeiten im Laufe des Jahres abgeschlossen werden. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.“ Und er hofft, dass die Gesamtkosten für den Verein am Ende zu stemmen sein werden. Eine genaue Summe stehe noch längst nicht fest – man müsse zusehen, dass alles bezahlbar sei.Wie geht es 2022 weiter? Irgendwann möchte er seine Gedanken wieder auf die vielen weiteren Themen lenken, die das Engagement für die Kanusportgemeinschaft mit sich bringt. „Es wäre schön, wenn wir wieder Zeit für andere Dinge hätten“, sagt Riemekasten. Zum Beispiel für die Planung einiger Veranstaltungen, die 2022 – sofern es die Pandemie zulässt – stattfinden sollen. Er nennt die für Ende Mai geplante Klassenfahrt mit Sport-Schwerpunkt mit sechs Klassen der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, das Hafenfest in Bad Essen oder auch – noch unter Vorbehalt – den Weserdrachencup im Juni. Die Organisation eines Tags der offenen Tür mit Frühlingsfest stehe ebenfalls im Raum. "Es gab auch einige Lichtblicke" Wie er das Jahr 2021 abschließend mit drei Worten beschreiben soll? Zwei Begriffe kommen Achim Riemekasten sofort in den Sinn: „Erschreckend“ und „arbeitsintensiv“, sagt der 70-Jährige. Dann muss er kurz überlegen, „denn schließlich war nicht alles schlecht“. Er entscheidet sich für „positiv“. Die Begründung: Es sei zwar ein durchaus existenzbedrohendes Jahr gewesen, „aber es gab auch einige Lichtblicke und ich bin schon immer ein positiv gestimmter Mensch gewesen“, betont Riemekasten, der die Kanusportgemeinschaft mit aufgebaut hat und sich seit 1988 für den Verein engagiert.Aufgeben war für ihn noch nie eine Option. Wie lange er dieses Pensum in Zukunft beibehalten kann? Er zuckt mit den Schultern. „Wir müssen hier erst einmal alles wieder aufbauen. Dann können wir schauen, ob man an den Strukturen etwas ändern sollte und ob sich jemand findet, der mich irgendwann mal ablöst“, erzählt Riemekasten und lächelt.

Mühsamer Wiederaufbau: So geht es der KSG ein Jahr nach dem Brand im Bootshaus

Vorsitzender Achim Riemekasten steht in dem Raum, in dem das Feuer ausbrach, und öffnet einen der zahlreichen Kartons, in dem die von Ruß und Rauch gereinigten Utensilien der KSG verpackt worden sind. MT-Fotos: Alex Lehn

Minden. Die Erinnerung an die Nacht auf den 16. Januar 2021 ist bei Achim Riemekasten nach einem Jahr noch präsent. Gegen 3 Uhr reißt ihn sein klingelndes Telefon aus dem Schlaf: Im Bootshaus der Kanusportgemeinschaft (KSG) der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule ist ein Feuer ausgebrochen. Ob es die Feuerwehr oder Polizei war, die ihn kontaktierte, kann er nicht mehr sagen – der Schock und die Hektik waren zu groß. Vor Ort muss der Vereinsvorsitzende mit ansehen, welchen Schaden die Flammen angerichtet haben. Der südliche Anbau, in dem das Feuer im Erdgeschoss ausbrach, wird komplett zerstört. Mit einem großen Aufgebot gelingt es der Feuerwehr, ein Übergreifen der Flammen auf das Haupthaus zu verhindern. Doch ein Großteil der Einrichtung – darunter sämtliche Fitnessgeräte – ist nicht mehr zu retten.

Besonders bitter: Erst kurz zuvor war der Bereich mit viel Mühe fertig eingerichtet worden. Im Rahmen des Förderprogramms „Moderne Sportstätten“ hatte die KSG rund 100.000 Euro in neue Elektrik, Jalousien und eine komplett neue Heizungsanlage investiert – zwei Tage später bricht wegen eines technischen Defekts das Feuer aus. „Das Schlimmste war gar nicht der Brand an sich“, sagt Achim Riemekasten rückblickend. „Es war der Ruß, der nach oben zog und sich im gesamten Gebäude verteilte.“ Seit diesem 16. Januar ist fast kein Tag vergangen, an dem der 70-Jährige und seine Mitstreiter bei der Kanusportgemeinschaft nicht mit den Folgen des Feuers konfrontiert wurden. „Wir haben jeden Tag hier gewerkelt – und sind immer noch nicht fertig.“

Alle Pokale waren verrußt und mussten gereinigt werden. - © Alex Lehn
Alle Pokale waren verrußt und mussten gereinigt werden. - © Alex Lehn
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Im Bootshaus mussten alle Räume entkernt und neu gestrichen werden. Küche und Büro wurden ausgeräumt, sämtliche Utensilien, drunter auch alle Pokale der KSG und die Ausrüstung wie Schwimmwesten, wurden von der Firma Droste speziell gereinigt. „Alles war schwarz“, sagt Riemekasten. Auch die rund 100 Boote in der Halle mussten die Aktiven unter aufwendigem Einsatz von den Rußpartikeln befreien.

Im Bereich des Fitnessraumes brach das Feuer nachts aus und richtete großen Schaden an. MT-Archivfoto: Rogge - © Jan Henning Rogge
Im Bereich des Fitnessraumes brach das Feuer nachts aus und richtete großen Schaden an. MT-Archivfoto: Rogge - © Jan Henning Rogge

Die KSG schätzt den Sachschaden auf bis zu 500.000 Euro. Die Beseitigung der Mängel, die durch das Feuer entstanden sind, würde von der Versicherung übernommen, erklärt Riemekasten. Die Abwicklung ist aber aufwendig und langwierig. „Wir haben mehr als ein halbes Jahr nur Daten für die Kostenvoranschläge für das Inventar rausgesucht.“ Doch auch auf die KSG kommen Kosten zu, zum Beispiel für die Erneuerung des Daches. Dieses war erst ein Jahr zuvor neu gedeckt worden, die Flammen beschädigten eine Fläche von rund 50 Quadratmetern. Bei der Reparatur habe der Dachdecker dann plötzlich Risse bemerkt. Ob der Brand dafür verantwortlich ist? Darüber gab es zwischen KSG und Versicherung unterschiedliche Ansichten. „Wir haben eine Einigung erzielt, was aber bedeutet, dass uns Kosten entstehen“, sagt Riemekasten. Wie hoch der Eigenanteil für das Dach am Ende sein wird, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar.

Bevor der Dachdecker endlich loslegen kann, müssen noch Stützpfeiler zur Verstärkung eingebaut werden. Erst wenn das Dach wieder komplett repariert ist, kann die KSG sich daran machen, den Fitnessraum herzurichten, Decken und Wände zu verkleiden, den Fußboden zu verlegen. „Bei jedem Gewerk kommen viele Kleinigkeiten zusammen, das ist mühsam“, sagt der KSG-Vorsitzende mit Blick auf den Sanierungsfortschritt.

Auch die rund 100 Boote in der Halle mussten die Aktiven unter aufwendigem Einsatz von den Rußpartikeln befreien. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn
Auch die rund 100 Boote in der Halle mussten die Aktiven unter aufwendigem Einsatz von den Rußpartikeln befreien. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn

Er dankt in diesem Zusammenhang vor allem der benachbarten DLRG für ihre Unterstützung in dieser schwierigen Zeit. Auch das Fach-Werk Minden habe über das Projekt „Packt an“ geholfen, die Zusammenarbeit mit dem Kreissportbund sei ebenfalls gut – und die KSG-Jugend habe beim Wiederaufbau kräftig mitgeholfen. Gemeinsam habe man einen Beitrag geleistet, um das Gebäude schnellstmöglich wieder zu modernisieren. „Coronabedingt konnten wir leider nie alle Leute zum Helfen zusammentrommeln“, bedauert Riemekasten.

Nicht nur der Brand machte 2021 zu einem schwierigen Jahr

Damit spricht er ein zweites Problem an, das 2021 für die Kanusportgemeinschaft zu einem sehr schwierigen und ernüchternden Jahr gemacht hat. Denn die Pandemie hat auch das Angebot und die Veranstaltungen der KSG stark eingeschränkt – im zweiten Jahr in Folge. Das habe sich letztlich auch in der Entwicklung der Mitgliederzahl bemerkbar gemacht. Aktuell hat der Verein rund 350 Mitglieder, berichtet Riemekasten. „Wir lagen aber früher schon mal bei über 500.“ Trotzdem habe die KSG ihr Bestmögliches getan, um auch in Zeiten der Pandemie verschiedene Angebote, Veranstaltungen und Kurse auf die Beine zu stellen – meist in der freien Natur. Einfach war das nicht: „Immer wieder galten für einzelne Nutzergruppen unterschiedliche Corona-Regeln.“

Für die Umkleide hat die KSG Schränke, die früher in einem Schwimmbad genutzt wurden, angeschafft. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn
Für die Umkleide hat die KSG Schränke, die früher in einem Schwimmbad genutzt wurden, angeschafft. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn

Der Wiederaufbau des vom Brand zerstörten Anbaus ist auch für 2022 das Hauptanliegen der vielen Ehrenamtlichen. Achim Riemekasten geht davon aus, dass die Sanierungsarbeiten im Laufe des Jahres abgeschlossen werden. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.“ Und er hofft, dass die Gesamtkosten für den Verein am Ende zu stemmen sein werden. Eine genaue Summe stehe noch längst nicht fest – man müsse zusehen, dass alles bezahlbar sei.

Wie geht es 2022 weiter?

Irgendwann möchte er seine Gedanken wieder auf die vielen weiteren Themen lenken, die das Engagement für die Kanusportgemeinschaft mit sich bringt. „Es wäre schön, wenn wir wieder Zeit für andere Dinge hätten“, sagt Riemekasten. Zum Beispiel für die Planung einiger Veranstaltungen, die 2022 – sofern es die Pandemie zulässt – stattfinden sollen. Er nennt die für Ende Mai geplante Klassenfahrt mit Sport-Schwerpunkt mit sechs Klassen der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, das Hafenfest in Bad Essen oder auch – noch unter Vorbehalt – den Weserdrachencup im Juni. Die Organisation eines Tags der offenen Tür mit Frühlingsfest stehe ebenfalls im Raum.

"Es gab auch einige Lichtblicke"

Wie er das Jahr 2021 abschließend mit drei Worten beschreiben soll? Zwei Begriffe kommen Achim Riemekasten sofort in den Sinn: „Erschreckend“ und „arbeitsintensiv“, sagt der 70-Jährige. Dann muss er kurz überlegen, „denn schließlich war nicht alles schlecht“. Er entscheidet sich für „positiv“. Die Begründung: Es sei zwar ein durchaus existenzbedrohendes Jahr gewesen, „aber es gab auch einige Lichtblicke und ich bin schon immer ein positiv gestimmter Mensch gewesen“, betont Riemekasten, der die Kanusportgemeinschaft mit aufgebaut hat und sich seit 1988 für den Verein engagiert.

Aufgeben war für ihn noch nie eine Option. Wie lange er dieses Pensum in Zukunft beibehalten kann? Er zuckt mit den Schultern. „Wir müssen hier erst einmal alles wieder aufbauen. Dann können wir schauen, ob man an den Strukturen etwas ändern sollte und ob sich jemand findet, der mich irgendwann mal ablöst“, erzählt Riemekasten und lächelt.

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