MT-Thema: Smartphones im Schulalltag Moderne Handys an vielen Schulen in der Region unerwünscht Smartphones müssen in der Tasche bleiben / Im Unterricht für Recherchezwecke manchmal nützlich Von Nadine Schwan Minden (mt). Informatikunterricht am Rats: Diesmal dürfen die Schüler ihr Smartphones aus der Tasche holen, sonst ist das tabu. Sie bauen Roboter und sollen das Ergebnis fotografieren. Leider funktioniert das mit der klaren Trennung nicht so gut - einer spielt heimlich mit der App Quizduell. Smartphones gehören mittlerweile zum Schulbild: Inzwischen besitzen fast drei Viertel (72 Prozent) aller Zwölf- bis 19-Jährigen ein eigenes. Das zeigt die JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi-)Media) 2013.Für Jugendliche sind Smartphones kaum noch wegzudenken. Mal eben die Facebook-Kontakte checken, sich mit den Freunden verabreden oder im Internet surfen - was vor Jahren noch undenkbar war, ist dank der modernen Technologie möglich. Spicken oder Hausaufgaben abschreiben sind dadurch einfacher geworden als früher. Viele Schulen reagieren darauf."Die Mobbing-Gefahr ist einfach zu groß"Im Besselgymnasium gibt es wie auch in vielen anderen Schulen keine feste Regelung. "Die Smartphones sollen während des Unterrichts ausgeschaltet in der Tasche bleiben. Außer sie werden für Recherchezwecke im Auftrag des Lehrers genutzt", sagt Andy Kracht. Der stellvertretende Schulleiter des Bessels baut das manchmal im Unterricht mit ein. "Ich hatte letztens eine Vertretungsstunde zum Thema Mathe in der Fernsehserie Simpsons, da konnten die Schüler mit dem Handy recherchieren", sagt der Mathe- und Geschichtslehrer. Das sei aber eher die Ausnahme. "Was Schüler aber gerne machen, ist das Tafelbild abzufotografieren", sagt Kracht. Das werde dann an Klassenkameraden geschickt, die an dem Tag fehlen. Ob der Lehrer das erlaubt, ist individuelle Handhabe.Mit dem Smartphone verändert sich auch das Lernverhalten, sagt Rats-Schulleiter Karl-Friedrich Schmidt. Darauf reagiert das Gymnasium nun mit einer Änderung im Lehrplan. "Schüler müssen nicht mehr Jahreszahlen herbeten, sondern beispielsweise mit historischen Texten umgehen können." Künftig kommt es immer mehr darauf an, dass sie filtern und bewerten können, sagt Schmidt. Und das lernt man nicht mit der App Quizduell, sondern in der Schule.Trotzdem: Am Rats sollen Smartphones aus bleiben. "Grundsätzlich haben wir ein Handyverbot", sagt Schmidt. Ausnahmen gibt es dennoch. Im Unterricht würden die Smartphones bei Bedarf zu Recherchezwecken eingesetzt.Schüler Eike Rommelmann hat sich mittlerweile an das Verbot an seiner Schule gewöhnt. "Wenn man immer mit dem Handy spielt, dann kann man auch nicht aufpassen", sagt der 18-Jährige. Maximilian Sander würde das Handy gerne öfter im Fremdsprachen-Unterricht benutzen. "Mit Google geht das wesentlich schneller", sagt der 19-Jährige. Das Bedürfnis zwischendurch mit Freunden zu schreiben haben beide nicht: "Es sind ja eh alle hier, mit denen wir schreiben würden", sagt Eike Rommelmann.Strenger ist es am Gymnasium Porta Westfalica. "Bei uns ist die Handy-Nutzung untersagt, das Mobbing-Potenzial ist zu groß", sagt Schulleiter Wigbert Pieper. Er spricht aus Erfahrung. Schon einmal hätten Schüler mit dem Smartphone andere Jugendliche ungünstig fotografiert und dann die Bilder herumgeschickt. "Das Problem konnten wir zum Glück lösen, da die Fotos noch nicht im Internet waren", sagt Pieper. Bis ein Handyfoto im Netz landet, dauert es nur Sekunden. "Zwölf- oder 16-Jährige sind oft nicht sensibel genug und wissen nicht, was sie da anrichten können", sagt er.Telefonieren auch im Sekretariat möglichÄhnlich sieht das Schulleiter Friedrich Schepsmeier vom Gymnasium Petershagen. "Bei uns sind weder Handys noch Smartphones erlaubt", sagt er. Auch hier herrscht die Angst vor Missbrauch.Das sieht auch Martina Mähler von der Verbundschule Hille so. Die Abteilungsleiterin der Jahrgangsstufen 5 bis 7 sagt: "Wir haben ja gar nichts gegen diese neuen Medien, nur das, was damit an Unfug getrieben wird, wollen wir verhindern."Auch an der Freiherr-von-Vincke-Realschule gibt es ein Handyverbot. Mitnehmen dürfen die Schüler die Mobiltelefone zwar, schalten sie sie aber an oder klingelt eins im Unterricht, werden sie den Jugendlichen abgenommen. "Wer seine Eltern anrufen will, kann das im Sekretariat machen", sagt Schulleiterin Ria Urban.Das ist auch am Herder-Gymnasium so. Ist das Handy im Unterricht unerlaubt an, wird es dem Schüler abgenommen und im Sekretariat verwahrt, sagt Schulleiter Dr. Ernst-Dieter Köpper. Ganz verbieten könne man den Schülern ihr Handy aber nicht, so Köpper. In den Pausen dürfen sie es wieder anschalten.
MT-Thema: Smartphones im Schulalltag

Moderne Handys an vielen Schulen in der Region unerwünscht

Minden (mt). Informatikunterricht am Rats: Diesmal dürfen die Schüler ihr Smartphones aus der Tasche holen, sonst ist das tabu. Sie bauen Roboter und sollen das Ergebnis fotografieren. Leider funktioniert das mit der klaren Trennung nicht so gut - einer spielt heimlich mit der App Quizduell.

Am Ratsgymnasium nur selten erlaubt: Sophia Jordan (18), Sarah Korte (18), Maximilian Sander (19) und Eike Rommelmann (18) fotografieren das Tafelbild ab. - © MT-Foto: Nadine Schwan
Am Ratsgymnasium nur selten erlaubt: Sophia Jordan (18), Sarah Korte (18), Maximilian Sander (19) und Eike Rommelmann (18) fotografieren das Tafelbild ab. - © MT-Foto: Nadine Schwan

Smartphones gehören mittlerweile zum Schulbild: Inzwischen besitzen fast drei Viertel (72 Prozent) aller Zwölf- bis 19-Jährigen ein eigenes. Das zeigt die JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi-)Media) 2013.

Viele Schulen verbieten die Handys - © MINDEN
Viele Schulen verbieten die Handys - © MINDEN

Für Jugendliche sind Smartphones kaum noch wegzudenken. Mal eben die Facebook-Kontakte checken, sich mit den Freunden verabreden oder im Internet surfen - was vor Jahren noch undenkbar war, ist dank der modernen Technologie möglich. Spicken oder Hausaufgaben abschreiben sind dadurch einfacher geworden als früher. Viele Schulen reagieren darauf.

"Die Mobbing-Gefahr ist einfach zu groß"

Im Besselgymnasium gibt es wie auch in vielen anderen Schulen keine feste Regelung. "Die Smartphones sollen während des Unterrichts ausgeschaltet in der Tasche bleiben. Außer sie werden für Recherchezwecke im Auftrag des Lehrers genutzt", sagt Andy Kracht. Der stellvertretende Schulleiter des Bessels baut das manchmal im Unterricht mit ein. "Ich hatte letztens eine Vertretungsstunde zum Thema Mathe in der Fernsehserie Simpsons, da konnten die Schüler mit dem Handy recherchieren", sagt der Mathe- und Geschichtslehrer. Das sei aber eher die Ausnahme. "Was Schüler aber gerne machen, ist das Tafelbild abzufotografieren", sagt Kracht. Das werde dann an Klassenkameraden geschickt, die an dem Tag fehlen. Ob der Lehrer das erlaubt, ist individuelle Handhabe.

Mit dem Smartphone verändert sich auch das Lernverhalten, sagt Rats-Schulleiter Karl-Friedrich Schmidt. Darauf reagiert das Gymnasium nun mit einer Änderung im Lehrplan. "Schüler müssen nicht mehr Jahreszahlen herbeten, sondern beispielsweise mit historischen Texten umgehen können." Künftig kommt es immer mehr darauf an, dass sie filtern und bewerten können, sagt Schmidt. Und das lernt man nicht mit der App Quizduell, sondern in der Schule.

Trotzdem: Am Rats sollen Smartphones aus bleiben. "Grundsätzlich haben wir ein Handyverbot", sagt Schmidt. Ausnahmen gibt es dennoch. Im Unterricht würden die Smartphones bei Bedarf zu Recherchezwecken eingesetzt.

Schüler Eike Rommelmann hat sich mittlerweile an das Verbot an seiner Schule gewöhnt. "Wenn man immer mit dem Handy spielt, dann kann man auch nicht aufpassen", sagt der 18-Jährige. Maximilian Sander würde das Handy gerne öfter im Fremdsprachen-Unterricht benutzen. "Mit Google geht das wesentlich schneller", sagt der 19-Jährige. Das Bedürfnis zwischendurch mit Freunden zu schreiben haben beide nicht: "Es sind ja eh alle hier, mit denen wir schreiben würden", sagt Eike Rommelmann.

Strenger ist es am Gymnasium Porta Westfalica. "Bei uns ist die Handy-Nutzung untersagt, das Mobbing-Potenzial ist zu groß", sagt Schulleiter Wigbert Pieper. Er spricht aus Erfahrung. Schon einmal hätten Schüler mit dem Smartphone andere Jugendliche ungünstig fotografiert und dann die Bilder herumgeschickt. "Das Problem konnten wir zum Glück lösen, da die Fotos noch nicht im Internet waren", sagt Pieper. Bis ein Handyfoto im Netz landet, dauert es nur Sekunden. "Zwölf- oder 16-Jährige sind oft nicht sensibel genug und wissen nicht, was sie da anrichten können", sagt er.

Telefonieren auch im Sekretariat möglich

Ähnlich sieht das Schulleiter Friedrich Schepsmeier vom Gymnasium Petershagen. "Bei uns sind weder Handys noch Smartphones erlaubt", sagt er. Auch hier herrscht die Angst vor Missbrauch.

Das sieht auch Martina Mähler von der Verbundschule Hille so. Die Abteilungsleiterin der Jahrgangsstufen 5 bis 7 sagt: "Wir haben ja gar nichts gegen diese neuen Medien, nur das, was damit an Unfug getrieben wird, wollen wir verhindern."

Auch an der Freiherr-von-Vincke-Realschule gibt es ein Handyverbot. Mitnehmen dürfen die Schüler die Mobiltelefone zwar, schalten sie sie aber an oder klingelt eins im Unterricht, werden sie den Jugendlichen abgenommen. "Wer seine Eltern anrufen will, kann das im Sekretariat machen", sagt Schulleiterin Ria Urban.

Das ist auch am Herder-Gymnasium so. Ist das Handy im Unterricht unerlaubt an, wird es dem Schüler abgenommen und im Sekretariat verwahrt, sagt Schulleiter Dr. Ernst-Dieter Köpper. Ganz verbieten könne man den Schülern ihr Handy aber nicht, so Köpper. In den Pausen dürfen sie es wieder anschalten.

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