Mit UV-Licht Abwasser desinfizieren - Testanlage auf dem Gelände der Mindener Kläranlage Bakterien aus Kanada eingeflogen Von Ulrike Mißbach Minden-Leteln (mt). Abwasser mit UV-Licht desinfizieren? Das Herforder Unternehmen Xylem Walter Solutions macht es möglich. In Kooperation mit den Städtischen Betrieben Minden (SBM) testet es zurzeit auf dem Gelände der Kläranlage in Leteln ein neu entwickeltes System. "In einigen Ländern und Regionen muss Abwasser desinfiziert werden, um eine vorgeschriebene Keimbelastung einzuhalten. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Abwasser in trockenen Gebieten zur Bewässerung wiederverwendet wird", erklärt Birk Röhring, Teamleiter in der Forschung und Entwicklung des Herforder Herstellers von chemikalienfreien Wasseraufbereitungsanlangen. "UV-Licht ist hervorragend geeignet, da es die DNA von Viren und Bakterien zerstört, ohne dass umweltbedenkliche Mittel wie Chlor zum Einsatz kommen. Die Krankheitserreger können sich nicht mehr vermehren und sterben ab."Obgleich es in Deutschland derzeit noch keinen Bedarf für dieses System gibt, war Xylem froh, dass es die Leistungsfähigkeit der neu entwickelten Anlage in Minden testen konnte. Ausreichender Durchfluss, gewünschte Abwasserqualität und die Nähe zum Unternehmen waren vor rund einem Jahr die Hauptgründe für das Herforder Unternehmen, die Städtischen Betriebe für das ungewöhnliche Projekt anzusprechen.Für den Versuch wird ein Teil des Mindener Abwassers nach der Behandlung der Kläranlage durch das neue System geleitet, bevor es dann in die Weser fließt. Das für die UV-Desinfektion erforderliche ultraviolette (UVC) Licht wird dazu in röhrenförmigen, 600 Watt starken UV-Strahlen erzeugt. Das Abwasser wird an den Strahlen, die versetzt mit einem Winkel von genau 45 Grad vertikal in einem Kanal angeordnet sind, vorbeigeleitet und von dem UV-Licht bestrahlt. Durch den Versuchsaufbau sahen die Herforder vor allem ihre eigene Ingenieurleistung in der Praxis bestätigt. Da die für eine Prüfung geforderten Keime nicht im Mindener Abwasser vorkommen, wurden entsprechende Bakterienstämme aus Kanada eingeflogen und dem Abwasser zugeführt. Die nach der Desinfektion entnommenen Wasserproben wurden anschließend wieder nach Kanada zur genauen Analyse geschickt. Zeitweise waren auch amerikanische Prüfer vor Ort.Birk Röhring freut sich über die gute Zusammenarbeit mit Christian Gahre (Betriebsleiter Klärwerk) und seinen Mitarbeitern. "Die gute Zusammenarbeit trägt mit dazu bei, dass wir unser neues System auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig platzieren konnten", betont Birk Röhring. So konnten erste Anlagen bereits nach Großbritannien und in die USA verkauft werden. Während die Testanlage in Minden mit lediglich 48 UV-Strahlen bestückt ist, hat Xylem inzwischen bereits eine Anlage mit über 1100 UV-Strahlen entwickelt. In Lagares (Spanien) sollen ab Frühjahr 2014 stündlich mehr als 7000 Kubikmeter Abwasser aufbereitet werden.

Mit UV-Licht Abwasser desinfizieren - Testanlage auf dem Gelände der Mindener Kläranlage

Minden-Leteln (mt). Abwasser mit UV-Licht desinfizieren? Das Herforder Unternehmen Xylem Walter Solutions macht es möglich. In Kooperation mit den Städtischen Betrieben Minden (SBM) testet es zurzeit auf dem Gelände der Kläranlage in Leteln ein neu entwickeltes System.

Birk Röhring (l.) und Christian Gahre kontrollieren die Anlage auf dem Gelände der Kläranlage. - © MT-Foto: Manfred Otto
Birk Röhring (l.) und Christian Gahre kontrollieren die Anlage auf dem Gelände der Kläranlage. - © MT-Foto: Manfred Otto

"In einigen Ländern und Regionen muss Abwasser desinfiziert werden, um eine vorgeschriebene Keimbelastung einzuhalten. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Abwasser in trockenen Gebieten zur Bewässerung wiederverwendet wird", erklärt Birk Röhring, Teamleiter in der Forschung und Entwicklung des Herforder Herstellers von chemikalienfreien Wasseraufbereitungsanlangen. "UV-Licht ist hervorragend geeignet, da es die DNA von Viren und Bakterien zerstört, ohne dass umweltbedenkliche Mittel wie Chlor zum Einsatz kommen. Die Krankheitserreger können sich nicht mehr vermehren und sterben ab."

Obgleich es in Deutschland derzeit noch keinen Bedarf für dieses System gibt, war Xylem froh, dass es die Leistungsfähigkeit der neu entwickelten Anlage in Minden testen konnte. Ausreichender Durchfluss, gewünschte Abwasserqualität und die Nähe zum Unternehmen waren vor rund einem Jahr die Hauptgründe für das Herforder Unternehmen, die Städtischen Betriebe für das ungewöhnliche Projekt anzusprechen.

Für den Versuch wird ein Teil des Mindener Abwassers nach der Behandlung der Kläranlage durch das neue System geleitet, bevor es dann in die Weser fließt. Das für die UV-Desinfektion erforderliche ultraviolette (UVC) Licht wird dazu in röhrenförmigen, 600 Watt starken UV-Strahlen erzeugt. Das Abwasser wird an den Strahlen, die versetzt mit einem Winkel von genau 45 Grad vertikal in einem Kanal angeordnet sind, vorbeigeleitet und von dem UV-Licht bestrahlt. Durch den Versuchsaufbau sahen die Herforder vor allem ihre eigene Ingenieurleistung in der Praxis bestätigt. Da die für eine Prüfung geforderten Keime nicht im Mindener Abwasser vorkommen, wurden entsprechende Bakterienstämme aus Kanada eingeflogen und dem Abwasser zugeführt. Die nach der Desinfektion entnommenen Wasserproben wurden anschließend wieder nach Kanada zur genauen Analyse geschickt. Zeitweise waren auch amerikanische Prüfer vor Ort.

Bestrahlung: In der Testanlage werden die Abwässer desinfiziert. - © Foto: pr
Bestrahlung: In der Testanlage werden die Abwässer desinfiziert. - © Foto: pr

Birk Röhring freut sich über die gute Zusammenarbeit mit Christian Gahre (Betriebsleiter Klärwerk) und seinen Mitarbeitern. "Die gute Zusammenarbeit trägt mit dazu bei, dass wir unser neues System auf dem internationalen Markt wettbewerbsfähig platzieren konnten", betont Birk Röhring. So konnten erste Anlagen bereits nach Großbritannien und in die USA verkauft werden. Während die Testanlage in Minden mit lediglich 48 UV-Strahlen bestückt ist, hat Xylem inzwischen bereits eine Anlage mit über 1100 UV-Strahlen entwickelt. In Lagares (Spanien) sollen ab Frühjahr 2014 stündlich mehr als 7000 Kubikmeter Abwasser aufbereitet werden.

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