Mit Plastik für Nachhaltigkeit - Corona bescherrt Ornamin Aufwind Henning Wandel Minden. Die verlorenen Umsätze aus dem Corona-Jahr 2020 kommen langsam wieder rein, die Kurzarbeit ist für weite Teile der Belegschaft aufgehoben – und auch sonst geht der Blick bei Ornamin nach vorn: Seit Dezember hat Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter Holger von der Emde seine Tochter Milena mit im Betrieb. Nach ihrem Studium der Biochemie hat sie ebenfalls Anteile übernommen und ist als Produktmanagerin in das Geschäft mit nachhaltigem Kunststoff eingestiegen. Das verändere auch die Perspektive, sagt Holger von der Emde. Es sei eben etwas anderes, ein Unternehmen nicht nur für ein paar Jahre fit zu machen, sondern langfristig für eine Übergabe an die nächste Generation. Kurzfristiges Denken ist aber ohnehin nicht seine Sache. Unter anderem deswegen ist ihm mit Blick in die Zukunft auch nicht Bange: Das Geschäftsmodell ruht unter anderem auf den Säulen demografischer Wandel und Nachhaltigkeit. Grundsätzlich sei die Strategie für die nächsten 20 Jahre gut, sagt von der Emde , „vielleicht auch länger.“ So ist das Pflegegeschirr seit Jahren ein Wachstumsfeld. In Sachen Nachhaltigkeit erweist sich möglicherweise gerade Corona langfristig sogar als weiterer Treiber. Zum Beispiel bei Mehrweglösungen. Hier ist Ornamin schon seit einigen Jahren als Partner eines staatlichen Mehrwegsystems in Luxemburg im Geschäft. Die Idee, nicht mehr nur Kaffee, sondern auch ganze Menüs in Geschirr aus Mehrweg-Kunststoff zu den Kunden zu bringen, ließe sich gut auf die aktuell boomenden Lieferdienste überragen. Ein Münchner Start-up habe damit derzeit großen Erfolg, so von der Emde, der das expandierende Unternehmen mit Geschirr aus Minden beliefert. Spätestens im Juli kommt dann noch ein EU-weites Verbot von Einwegverpackungen aus Kunststoff dazu, dem Bundestag und Bundesrat im vergangenen Jahr zugestimmt haben. Laut Bundesregierung landeten im Jahr 2017 knapp 350.000 Tonnen Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen im Müll. Stündlich würden allein 140.000 To-Go-Becher verbraucht. Für Ornamin bedeutet das Rückenwind, der schon jetzt spürbar ist: „Das hat Fahrt aufgenommen“, sagt von der Emde. Unter dem Strich hat die Pandemie aber auch um den Firmensitz in der Kuckuckstraße keinen Bogen gemacht. Der Umsatz ist um zwölf Prozent auf 12,8 Millionen Euro zurückgegangen. Das liegt vor allem am Zuliefergeschäft, einer weiteren Säule von Ornamin. Hier seien die Bestellungen vereinzelt über mehrere Wochen auf Null gefallen, unterm Strich spricht von der Emde von einem Minus von rund 30 Prozent. Einbrüche habe es zudem bei der Ausstattung von Supermarkt-Regalen gegeben, auch hier ist das Mindener Unternehmen aktiv. Während der Pandemie seien kaum Märkte neu oder umgebaut worden, sagt von der Emde: „Die hatten auch so viel zu tun.“ Doch es gibt bereits wieder Lichtblicke. So würden etwa die Regalsysteme seit Ende des Jahres stärker nachgefragt. Weil das Geschäftsjahr bei Ornamin bereits am 31. Oktober endet, seien diese Impulse nicht mehr in die Zahlen eingeflossen. Die Erfahrungen aus dem Zulieferbereich, der zuletzt immerhin etwa die Hälfte des Umsatzes ausgemacht hatte, hallen da schon deutlicher nach. Von einigen geschäftlichen Verbindungen will sich von der Emde bewusst trennen. In der Krise hätten sich trotz entsprechender Verträge nicht alle Kunden partnerschaftlich verhalten, sagt er. In einer guten Geschäftsbeziehung dürfe es aber nicht nur „um das Wechseln von Geld“ gehen, sagt er kritisch.

Mit Plastik für Nachhaltigkeit - Corona bescherrt Ornamin Aufwind

Aus altem Plastik werden neue Produkte: In Sachen Nachhaltigkeit erweist sich möglicherweise gerade Corona langfristig sogar als weiterer Treiber. MT-Foto: Thomas Lieske (Archiv) © Thomas Lieske

Minden. Die verlorenen Umsätze aus dem Corona-Jahr 2020 kommen langsam wieder rein, die Kurzarbeit ist für weite Teile der Belegschaft aufgehoben – und auch sonst geht der Blick bei Ornamin nach vorn: Seit Dezember hat Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter Holger von der Emde seine Tochter Milena mit im Betrieb. Nach ihrem Studium der Biochemie hat sie ebenfalls Anteile übernommen und ist als Produktmanagerin in das Geschäft mit nachhaltigem Kunststoff eingestiegen. Das verändere auch die Perspektive, sagt Holger von der Emde. Es sei eben etwas anderes, ein Unternehmen nicht nur für ein paar Jahre fit zu machen, sondern langfristig für eine Übergabe an die nächste Generation.

Kurzfristiges Denken ist aber ohnehin nicht seine Sache. Unter anderem deswegen ist ihm mit Blick in die Zukunft auch nicht Bange: Das Geschäftsmodell ruht unter anderem auf den Säulen demografischer Wandel und Nachhaltigkeit. Grundsätzlich sei die Strategie für die nächsten 20 Jahre gut, sagt von der Emde , „vielleicht auch länger.“ So ist das Pflegegeschirr seit Jahren ein Wachstumsfeld. In Sachen Nachhaltigkeit erweist sich möglicherweise gerade Corona langfristig sogar als weiterer Treiber. Zum Beispiel bei Mehrweglösungen. Hier ist Ornamin schon seit einigen Jahren als Partner eines staatlichen Mehrwegsystems in Luxemburg im Geschäft. Die Idee, nicht mehr nur Kaffee, sondern auch ganze Menüs in Geschirr aus Mehrweg-Kunststoff zu den Kunden zu bringen, ließe sich gut auf die aktuell boomenden Lieferdienste überragen. Ein Münchner Start-up habe damit derzeit großen Erfolg, so von der Emde, der das expandierende Unternehmen mit Geschirr aus Minden beliefert.

Spätestens im Juli kommt dann noch ein EU-weites Verbot von Einwegverpackungen aus Kunststoff dazu, dem Bundestag und Bundesrat im vergangenen Jahr zugestimmt haben. Laut Bundesregierung landeten im Jahr 2017 knapp 350.000 Tonnen Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen im Müll. Stündlich würden allein 140.000 To-Go-Becher verbraucht. Für Ornamin bedeutet das Rückenwind, der schon jetzt spürbar ist: „Das hat Fahrt aufgenommen“, sagt von der Emde.

Unter dem Strich hat die Pandemie aber auch um den Firmensitz in der Kuckuckstraße keinen Bogen gemacht. Der Umsatz ist um zwölf Prozent auf 12,8 Millionen Euro zurückgegangen. Das liegt vor allem am Zuliefergeschäft, einer weiteren Säule von Ornamin. Hier seien die Bestellungen vereinzelt über mehrere Wochen auf Null gefallen, unterm Strich spricht von der Emde von einem Minus von rund 30 Prozent. Einbrüche habe es zudem bei der Ausstattung von Supermarkt-Regalen gegeben, auch hier ist das Mindener Unternehmen aktiv. Während der Pandemie seien kaum Märkte neu oder umgebaut worden, sagt von der Emde: „Die hatten auch so viel zu tun.“

Doch es gibt bereits wieder Lichtblicke. So würden etwa die Regalsysteme seit Ende des Jahres stärker nachgefragt. Weil das Geschäftsjahr bei Ornamin bereits am 31. Oktober endet, seien diese Impulse nicht mehr in die Zahlen eingeflossen. Die Erfahrungen aus dem Zulieferbereich, der zuletzt immerhin etwa die Hälfte des Umsatzes ausgemacht hatte, hallen da schon deutlicher nach. Von einigen geschäftlichen Verbindungen will sich von der Emde bewusst trennen. In der Krise hätten sich trotz entsprechender Verträge nicht alle Kunden partnerschaftlich verhalten, sagt er. In einer guten Geschäftsbeziehung dürfe es aber nicht nur „um das Wechseln von Geld“ gehen, sagt er kritisch.

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