Mit Künstlicher Intelligenz in die Zukunft: Dr. Jan Borggrefe übernimmt Radiologie der Mühlenkreiskliniken Anja Peper Minden. Früher war mehr Lametta. Der Einstand von Dr. Jan Borggrefe als Chefarzt wäre in Vor-Corona-Zeiten mit deutlich mehr Tamtam verbunden gewesen. Damals gab's noch Sekt und Schnittchen im Hörsaal – und natürlich ausgiebiges Händeschütteln. Statt dessen befasst sich der 38-Jährige gleich am Morgen seines zweiten Arbeitstages mit einem komplexen Aneurysma. Der Radiologe hat Anfang August die Nachfolge von Professor Dr. Wolf-Dieter Reinbold übernommen, der Ende Juli mit 68 Jahren in den Ruhestand gegangen ist. Ein paar Schnittchen hat Dr. Borggrefe für seine Mitarbeiter selbst bestellt. Der Privatdozent ist nun Direktor des Universitätsinstitut für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin. Zudem verantwortet er als Direktor der Konzernradiologie auch die radiologischen Standorte in Bad Oeynhausen, Lübbecke und Rahden. Insgesamt ist er für knapp 60 Mitarbeiter verantwortlich, darunter aktuell 23 Ärzte. In absehbarer Zeit sollen es 26 sein. Dr. Borggrefe, der von Köln nach Minden gewechselt ist, möchte die Radiologie um- und ausbauen. Sein Fach ist gerade massiv im Umbruch: Künstliche Intelligenz (KI) durchdringt alle Bereiche, kann schnellere Diagnosen liefern und verbessert so die Chancen auf Heilung. „Hier entsteht etwas Großes“, hat er einem jungen Kollegen vor ein paar Tagen zugesagt. So hat sich Jan Borggrefe ohne große Umschweife in die Arbeit gestürzt. Seit 2016 war er Oberarzt am Universitätsklinikum Köln. „Dort hatten wir eine große Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Das ist ein Zukunftsfeld. Das ist einer der Gründe, warum ich hierher geholt wurde.“ An den Mühlenkreiskliniken (MKK) plant er ein Interdisziplinäres Datenlabor für Künstliche Intelligenz und Statistik (IDKIS). Die Ruhr-Universität-Bochum, die ihn nach Minden berufen hat, werde 180.000 Euro beisteuern, so der Chefarzt. Jetzt muss er für das Projekt Drittmittel einwerben und für die künftige Server-Infrastruktur noch einen passenden Raum finden. Keine einfache Aufgabe. Doch die Marschrichtung ist klar: „Wir müssen hier investieren, um universitäre Strukturen zu schaffen.“ Obwohl das Johannes Wesling Klinikum schon seit vier Jahren Universitätsklinikum ist, muss es sich in Konkurrenz zu Bielefeld immer wieder neu behaupten. Die Lobby des Standortes könnte offenbar besser sein. Radiologie ist weit mehr als Röntgen. Je nachdem, welcher Bereich untersucht wird, setzen die Ärzte unterschiedliche Verfahren ein. Bilder öffnen neue Blickwinkel: Die wichtigsten radiologische Techniken sind das Röntgen, die Computertomographie (CT) oder auch die Magnetresonanztomographie (MRT). Mit deren Hilfe werden Organsysteme, Gefäße, Nervenbahnen und Tumorzellen bildlich dargestellt. So erkennen Mediziner Krankheiten, beurteilen deren Verlauf und gehen differenziert dagegen vor. Digitale bildgebende Verfahren werden telemedizinisch über Router und ISDN-Leitungen von den Krankenhäusern in Schaumburg, wie auch von den Krankenhäusern in Lübbecke, Rahden und Oeynhausen nach Minden transferiert und von dort aus wieder an die einzelnen Standorte zurück. Der Patient wird dezentral untersucht. An den Mühlenkreiskliniken ist bildgebende Diagnostik über die Zentrale in Minden rund um die Uhr möglich. Bilder und Befunde können mehr als 30 Jahre lang gespeichert werden. Viele der Geräte in der Radiologie wurden zum Umzug des Klinikums nach Häverstädt (2008) angeschafft, sind also inzwischen zwölf Jahre alt. Das Tempo des technischen Fortschritts lasse sich durchaus mit dem eines Smartphones vergleichen, sagen Fachleute. Folglich wird eines der ersten großen Themen von Dr. Borggrefe, sich für Unterstützung stark zu machen. „Einige der neuen Geräte“, sagt er, „sind der absolute Hammer.“ Also sehr gut. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der minimalinvasiven Behandlung des Gehirns und der Wirbelsäule sowie in der MRT- und CT-Diagnostik des gesamten Körpers. Auch im Bereich der Aneurysmatherapie ist Privatdozent Dr. Jan Borggrefe ein national gefragter Experte. Durch seine Berufung wird auch der Bereich der Schlaganfalltherapie gestärkt. Das Einzugsgebiet von Patienten mit einem Schlaganfall reicht übrigens von Bielefeld bis Hannover. Es gibt also reichlich zu tun. Gemeinsam mit Dr. Borggrefe sind drei Oberärzte nach Minden gewechselt. Und auch die Familie hat den Umzug vom Rhein an die Weser mitgemacht: Verheiratet er mit der Dermatologin Dr. Inga Borggrefe, das Paar hat drei Jungs – sechs, vier und ein Jahr alt. Die Drei können eine Menge Ramba Zamba veranstalten und ihr Vater ist neben seinem anspruchsvollen Job auch noch Familienmensch. Folglich ist nicht zu befürchten, dass es ihm langweilig wird in Minden. „Im Vergleich zu vielen Großstädten kann man hier noch vieles möglich machen“, sagt er. Gerade in Corona-Zeiten sei der Familie ein Garten zunehmend wichtig geworden. Die Suche nach einem Haus in Minden erwies sich allerdings als deutlich schwieriger als erwartet. Davon war Familie Borggrefe dann doch überrascht: „In Köln habe ich jede Wohnung, die ich mir angesehen habe, auch bekommen. In Minden nicht.“ Erst nach einem halben Jahr hat es geklappt mit dem Haus. Seinem beruflichen Elan steht also nichts mehr im Weg. Auch bei der Kinder-Uni würde er gerne kindgerechte Vorträge über Radiologie halten. Allerdings ist noch unklar, wann die beliebte Reihe wieder starten kann, sagt Klinikums-Pressesprecher Christian Busse. Bei dem gemeinsamen Projekt des Campus Minden und MT clever gehen Kinder zwischen acht und zwölf Jahren auf medizinische Entdeckungsreise. Die Corona-Krise machte dem ein Strich durch die Rechnung. Zum Werdegang: Dr. Jan Borggrefe war seit 2016 Oberarzt am Universitätsklinikum Köln. Seit 2018 war er als geschäftsführender Oberarzt in der Leitung des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie tätig. Sein Medizinstudium beendete er im Jahr 2008 an der Christian-Albrecht-Universität Kiel mit der Approbation. Dort hat der 1,95 Meter-Mann auch Handball gespielt (Rückraum) und bringt naturgemäß Interesse für GWD mit. Es folgten Promotion und Facharztanerkennung. Im Jahr 2016 habilitierte Dr. Borggrefe und erhielt damit die Lehrberechtigung.

Mit Künstlicher Intelligenz in die Zukunft: Dr. Jan Borggrefe übernimmt Radiologie der Mühlenkreiskliniken

Gleich in die Vollen: Ohne große Umschweife hat sich Dr. Jan Borggrefe in die Arbeit gestürzt. Er steht für die neue Generation an Medizinern: Mit ihm sind gleich drei Oberärzte nach Minden gewechselt. © Foto: MKK/Olaf Stange

Minden. Früher war mehr Lametta. Der Einstand von Dr. Jan Borggrefe als Chefarzt wäre in Vor-Corona-Zeiten mit deutlich mehr Tamtam verbunden gewesen. Damals gab's noch Sekt und Schnittchen im Hörsaal – und natürlich ausgiebiges Händeschütteln. Statt dessen befasst sich der 38-Jährige gleich am Morgen seines zweiten Arbeitstages mit einem komplexen Aneurysma. Der Radiologe hat Anfang August die Nachfolge von Professor Dr. Wolf-Dieter Reinbold übernommen, der Ende Juli mit 68 Jahren in den Ruhestand gegangen ist.

Ein paar Schnittchen hat Dr. Borggrefe für seine Mitarbeiter selbst bestellt. Der Privatdozent ist nun Direktor des Universitätsinstitut für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin. Zudem verantwortet er als Direktor der Konzernradiologie auch die radiologischen Standorte in Bad Oeynhausen, Lübbecke und Rahden. Insgesamt ist er für knapp 60 Mitarbeiter verantwortlich, darunter aktuell 23 Ärzte. In absehbarer Zeit sollen es 26 sein. Dr. Borggrefe, der von Köln nach Minden gewechselt ist, möchte die Radiologie um- und ausbauen. Sein Fach ist gerade massiv im Umbruch: Künstliche Intelligenz (KI) durchdringt alle Bereiche, kann schnellere Diagnosen liefern und verbessert so die Chancen auf Heilung. „Hier entsteht etwas Großes“, hat er einem jungen Kollegen vor ein paar Tagen zugesagt.

So hat sich Jan Borggrefe ohne große Umschweife in die Arbeit gestürzt. Seit 2016 war er Oberarzt am Universitätsklinikum Köln. „Dort hatten wir eine große Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Das ist ein Zukunftsfeld. Das ist einer der Gründe, warum ich hierher geholt wurde.“ An den Mühlenkreiskliniken (MKK) plant er ein Interdisziplinäres Datenlabor für Künstliche Intelligenz und Statistik (IDKIS). Die Ruhr-Universität-Bochum, die ihn nach Minden berufen hat, werde 180.000 Euro beisteuern, so der Chefarzt. Jetzt muss er für das Projekt Drittmittel einwerben und für die künftige Server-Infrastruktur noch einen passenden Raum finden. Keine einfache Aufgabe. Doch die Marschrichtung ist klar: „Wir müssen hier investieren, um universitäre Strukturen zu schaffen.“ Obwohl das Johannes Wesling Klinikum schon seit vier Jahren Universitätsklinikum ist, muss es sich in Konkurrenz zu Bielefeld immer wieder neu behaupten. Die Lobby des Standortes könnte offenbar besser sein.

Radiologie ist weit mehr als Röntgen. Je nachdem, welcher Bereich untersucht wird, setzen die Ärzte unterschiedliche Verfahren ein. Bilder öffnen neue Blickwinkel: Die wichtigsten radiologische Techniken sind das Röntgen, die Computertomographie (CT) oder auch die Magnetresonanztomographie (MRT). Mit deren Hilfe werden Organsysteme, Gefäße, Nervenbahnen und Tumorzellen bildlich dargestellt. So erkennen Mediziner Krankheiten, beurteilen deren Verlauf und gehen differenziert dagegen vor.

Digitale bildgebende Verfahren werden telemedizinisch über Router und ISDN-Leitungen von den Krankenhäusern in Schaumburg, wie auch von den Krankenhäusern in Lübbecke, Rahden und Oeynhausen nach Minden transferiert und von dort aus wieder an die einzelnen Standorte zurück. Der Patient wird dezentral untersucht. An den Mühlenkreiskliniken ist bildgebende Diagnostik über die Zentrale in Minden rund um die Uhr möglich. Bilder und Befunde können mehr als 30 Jahre lang gespeichert werden. Viele der Geräte in der Radiologie wurden zum Umzug des Klinikums nach Häverstädt (2008) angeschafft, sind also inzwischen zwölf Jahre alt. Das Tempo des technischen Fortschritts lasse sich durchaus mit dem eines Smartphones vergleichen, sagen Fachleute. Folglich wird eines der ersten großen Themen von Dr. Borggrefe, sich für Unterstützung stark zu machen. „Einige der neuen Geräte“, sagt er, „sind der absolute Hammer.“ Also sehr gut.

Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der minimalinvasiven Behandlung des Gehirns und der Wirbelsäule sowie in der MRT- und CT-Diagnostik des gesamten Körpers. Auch im Bereich der Aneurysmatherapie ist Privatdozent Dr. Jan Borggrefe ein national gefragter Experte. Durch seine Berufung wird auch der Bereich der Schlaganfalltherapie gestärkt. Das Einzugsgebiet von Patienten mit einem Schlaganfall reicht übrigens von Bielefeld bis Hannover. Es gibt also reichlich zu tun. Gemeinsam mit Dr. Borggrefe sind drei Oberärzte nach Minden gewechselt. Und auch die Familie hat den Umzug vom Rhein an die Weser mitgemacht: Verheiratet er mit der Dermatologin Dr. Inga Borggrefe, das Paar hat drei Jungs – sechs, vier und ein Jahr alt. Die Drei können eine Menge Ramba Zamba veranstalten und ihr Vater ist neben seinem anspruchsvollen Job auch noch Familienmensch. Folglich ist nicht zu befürchten, dass es ihm langweilig wird in Minden.

„Im Vergleich zu vielen Großstädten kann man hier noch vieles möglich machen“, sagt er. Gerade in Corona-Zeiten sei der Familie ein Garten zunehmend wichtig geworden. Die Suche nach einem Haus in Minden erwies sich allerdings als deutlich schwieriger als erwartet. Davon war Familie Borggrefe dann doch überrascht: „In Köln habe ich jede Wohnung, die ich mir angesehen habe, auch bekommen. In Minden nicht.“ Erst nach einem halben Jahr hat es geklappt mit dem Haus.

Seinem beruflichen Elan steht also nichts mehr im Weg. Auch bei der Kinder-Uni würde er gerne kindgerechte Vorträge über Radiologie halten. Allerdings ist noch unklar, wann die beliebte Reihe wieder starten kann, sagt Klinikums-Pressesprecher Christian Busse. Bei dem gemeinsamen Projekt des Campus Minden und MT clever gehen Kinder zwischen acht und zwölf Jahren auf medizinische Entdeckungsreise. Die Corona-Krise machte dem ein Strich durch die Rechnung.

Zum Werdegang: Dr. Jan Borggrefe war seit 2016 Oberarzt am Universitätsklinikum Köln. Seit 2018 war er als geschäftsführender Oberarzt in der Leitung des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie tätig. Sein Medizinstudium beendete er im Jahr 2008 an der Christian-Albrecht-Universität Kiel mit der Approbation. Dort hat der 1,95 Meter-Mann auch Handball gespielt (Rückraum) und bringt naturgemäß Interesse für GWD mit. Es folgten Promotion und Facharztanerkennung. Im Jahr 2016 habilitierte Dr. Borggrefe und erhielt damit die Lehrberechtigung.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden