Mit 300 km/h durch Portas Süden? Planungsauftrag für ICE-Neubaustrecke steht kurz bevor Thomas Lieske Porta Westfalica/Minden. In 30 Minuten von Hannover nach Bielefeld, in 90 Minuten bis zum Knotenpunkt Hamm: Das klingt für viele Pendler verlockend. Der sogenannte „Deutschlandtakt“ der Bahn soll es möglich machen – mit 300 km/h geht es dann auf der Schiene durch OWL. Je weiter die Ausbaupläne voranschreiten – mittlerweile gibt es einen dritten Gutachterentwurf –, desto wahrscheinlicher wird ein Trassenverlauf durch den Portaner Süden. Eisbergen, Lohfeld, Veltheim, Möllbergen. Direkt profitieren wird die Stadt vom Deutschlandtakt aber nicht. Denn der nächste Halt ist Bielefeld. Rund 8.000 Einwohner wären betroffen Die Trassenvariante, die den Portaner Süden durchziehen würde, gilt derzeit in der Diskussion als die wahrscheinlichste. Wie das Bundesverkehrsministerium mitteilt, müsse die ICE-Strecke möglichst gerade verlaufen, damit der Zug durchgängig mit 300 km/h fahren könne. Die bisherige Bahntrasse von Hannover nach Bielefeld hat viele Kurven und Zwischenstationen. Sie würden das Zugtempo drosseln. Auch die angedachte Variante mit einem Durchbruch des Jakobsbergs ist zwar nicht offiziell vom Tisch, aber ebenso unwahrscheinlich aufgrund des Aufwandes. Bei einem Verlauf durch den Portaner Süden wären rund 8.000 Einwohner, verteilt über die verschiedenen Stadtteile. Und dagegen regt sich seit 2016 Widerstand. In der Bigtab, der Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau, haben sich Portaner, Mindener und Schaumburger Bürger zusammengetan, um Möglichkeiten zu finden, gegen die Ausbauvariante vorzugehen. „Es ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, das Schienennetz auszubauen“ sagt Thomas Rippke. Er ist Vorsitzender der Bigtab. „Aber es sind pauschal Minutenwerte für die Fahrstrecken genannt worden, die nie weiter überprüft wurden“, sagt Rippke. Und diese Minutenvorgaben geben laut Rippke die Rahmenbedingungen für den Deutschlandtakt vor, nach dem die Trassen demnächst geplant würden. Es könnte jederzeit losgehen Das aktuelle Gutachten zum Ausbau der Strecke soll als Grundlage dienen, damit der Bund und die Bahn eine Finanzierungsvereinbarung treffen können. Diese wäre gleichzeitig der Startschuss für die verbindlichen Planungen der Bahn. Wie eine MT-Anfrage im Bundestag ergab, könnte diese Vereinbarung noch in diesem Jahr unterzeichnet werden. Dann kämen weitere Gutachter ins Spiel, die einen Streckenverlauf herausfiltern müssten, der den geringsten Widerstand aufweist. Viele Hindernisse auf der möglichen Trasse Den Widerstand entlang der möglichen Trasse schätzt Thomas Rippke von der Bigtab als ziemlich hoch ein. Widerstand – damit ist nicht unbedingt der Protest von Bürgern gemeint. Es sind Naturschutzgebiete, das Wesergebirge, Wasserbrunnen der Stadtwerke Minden, Siedlungen – Rippke spricht auch von möglichen Umsiedlungen durch die Bahn –, die Weser. Im weiteren Verlauf des Planfeststellungsverfahrens müssten dann Wege gefunden werden, diese Hindernisse zu bereinigen. Bürgerbeteiligung wohl im Sommer 2021 Geht es jetzt schnell mit der Finanzierungsvereinbarung, gäbe es vermutlich im Zeitraum August/September 2021 eine Bürgerbeteiligung. Dann könnten sich Bürgerinitiativen wie die Bigtab, aber auch Naturschutzverbände und andere Interessenverbände – auch pro Bahnausbau – zu Wort melden und Bedenken anmelden. Auch Kommunen haben ein Wörtchen mitzureden. In Porta Westfalica war bisher viel Gegenwind für den trassenfernen Ausbau durch den Portaner Süden zu vernehmen. Die Stadt ließ zuletzt prüfen, ob das neue Durchführungsbeschleunigungsgesetz für den Bahnausbau womöglich rechtswidrig sei – ohne positive Erkenntnisse. Der Kreis Schaumburg stellt derzeit jährlich 100.000 Euro zur Verfügung um eigene Gutachter zu beauftragen, die Argumente gegen eine neue Trasse finden sollen. Auswirkungen auf hiesige Kommunen Käme eine Neubaustrecke fernab der bestehenden Trasse, hätte das auch Auswirkungen auf den Bahnverkehr in Minden und Porta Westfalica. Die Schnellverbindungen über Minden könnten gekappt werden, weil die ICE auf die Neubautrasse verlagert würden, die keinen Halt in Minden vorsieht. Damit wäre auch die Strecke durch Porta betroffen. Es gäbe zwar freie Kapazitäten, um den Regionalverkehr auszubauen. Doch aus verschiedenen Gutachterentwürfen geht hervor, dass weniger der Personen-, sondern vielmehr der Güterverkehr ausgebaut werden könnte. NDR-Reportage Mitglieder der Bigtab waren mit einem Filmteam des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in einem Flugzeug unterwegs, um den möglichen Trassenverlauf abzufliegen. Die Reportage zur neuen ICE-Trasse ist am Montag ab 22 Uhr im NDR-Fernsehen zu sehen. Der Deutschlandtakt – Strecke Hannover–Hamm ist im Masterplan 2030 Der Deutschlandtakt soll überall in Deutschland das Schienennetz zwischen Knotenpunkten ertüchtigen. Ziel ist es, die Fahrzeiten zwischen Großstädten deutlich zu verbessern. Dafür müssen etliche Kilometer Schiene saniert oder neu gebaut werden. Seit August liegt ein neuer Gutachterentwurf zu den Ausbauplänen des Bundes under Bahn vor. Der plädiert dafür, die Strecke Hannover-Hamm in den Masterplan 2030 aufzunehmen. Außerdem soll dieser Streckenabschnitt in einer Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Bahn geregelt werden. Damit könnten die konkreten Ausbauplanungen jederzeit losgehen. Die Neubaustrecke – ein trassennaher Ausbau der bestehenden ICE-Strecke kommt wegen der vorgegebenen Fahrtzeiten wohl nicht in Frage – könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit den Portaner Süden in mehreren Ortsteilen durchschneiden. Gegen die Ausbaupläne fern der vorhandenen Trasse regt sich seit 2016 Widerstand. Die Bürgerinitiative (BI) „Big Tab“ war lange vor allem im Schaumburger Land aktiv. Nun hängen sich Engagierte aus Porta Westfalica und Minden immer mehr an diese Initiative. Die BI will unter anderem Bürger und Kommunen dazu ermutigen, in den Vorprüfungen für den Trassenverlauf Einwände anzugeben, die gegen einen Verlauf durchs Portaner Land sprechen. Noch in diesem Jahr könnte das Großvorhaben starten.

Mit 300 km/h durch Portas Süden? Planungsauftrag für ICE-Neubaustrecke steht kurz bevor

An dieser Stelle könnte die neue ICE-Trasse das Wesergebirge durchschneiden und durch den Portaner Süden über Lohfeld, Eisbergen, Veltheim und Möllbergen Richtung Vlotho und Bielefeld verlaufen. © Foto: Bigtab/privat

Porta Westfalica/Minden. In 30 Minuten von Hannover nach Bielefeld, in 90 Minuten bis zum Knotenpunkt Hamm: Das klingt für viele Pendler verlockend. Der sogenannte „Deutschlandtakt“ der Bahn soll es möglich machen – mit 300 km/h geht es dann auf der Schiene durch OWL. Je weiter die Ausbaupläne voranschreiten – mittlerweile gibt es einen dritten Gutachterentwurf –, desto wahrscheinlicher wird ein Trassenverlauf durch den Portaner Süden. Eisbergen, Lohfeld, Veltheim, Möllbergen. Direkt profitieren wird die Stadt vom Deutschlandtakt aber nicht. Denn der nächste Halt ist Bielefeld.

Rund 8.000 Einwohner wären betroffen

Die Trassenvariante, die den Portaner Süden durchziehen würde, gilt derzeit in der Diskussion als die wahrscheinlichste. Wie das Bundesverkehrsministerium mitteilt, müsse die ICE-Strecke möglichst gerade verlaufen, damit der Zug durchgängig mit 300 km/h fahren könne. Die bisherige Bahntrasse von Hannover nach Bielefeld hat viele Kurven und Zwischenstationen. Sie würden das Zugtempo drosseln. Auch die angedachte Variante mit einem Durchbruch des Jakobsbergs ist zwar nicht offiziell vom Tisch, aber ebenso unwahrscheinlich aufgrund des Aufwandes.

Bei einem Verlauf durch den Portaner Süden wären rund 8.000 Einwohner, verteilt über die verschiedenen Stadtteile. Und dagegen regt sich seit 2016 Widerstand. In der Bigtab, der Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau, haben sich Portaner, Mindener und Schaumburger Bürger zusammengetan, um Möglichkeiten zu finden, gegen die Ausbauvariante vorzugehen. „Es ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, das Schienennetz auszubauen“ sagt Thomas Rippke. Er ist Vorsitzender der Bigtab. „Aber es sind pauschal Minutenwerte für die Fahrstrecken genannt worden, die nie weiter überprüft wurden“, sagt Rippke. Und diese Minutenvorgaben geben laut Rippke die Rahmenbedingungen für den Deutschlandtakt vor, nach dem die Trassen demnächst geplant würden.

Es könnte jederzeit losgehen

Das aktuelle Gutachten zum Ausbau der Strecke soll als Grundlage dienen, damit der Bund und die Bahn eine Finanzierungsvereinbarung treffen können. Diese wäre gleichzeitig der Startschuss für die verbindlichen Planungen der Bahn. Wie eine MT-Anfrage im Bundestag ergab, könnte diese Vereinbarung noch in diesem Jahr unterzeichnet werden. Dann kämen weitere Gutachter ins Spiel, die einen Streckenverlauf herausfiltern müssten, der den geringsten Widerstand aufweist.

Viele Hindernisse auf der möglichen Trasse

Den Widerstand entlang der möglichen Trasse schätzt Thomas Rippke von der Bigtab als ziemlich hoch ein. Widerstand – damit ist nicht unbedingt der Protest von Bürgern gemeint. Es sind Naturschutzgebiete, das Wesergebirge, Wasserbrunnen der Stadtwerke Minden, Siedlungen – Rippke spricht auch von möglichen Umsiedlungen durch die Bahn –, die Weser. Im weiteren Verlauf des Planfeststellungsverfahrens müssten dann Wege gefunden werden, diese Hindernisse zu bereinigen.

Bürgerbeteiligung wohl im Sommer 2021

Geht es jetzt schnell mit der Finanzierungsvereinbarung, gäbe es vermutlich im Zeitraum August/September 2021 eine Bürgerbeteiligung. Dann könnten sich Bürgerinitiativen wie die Bigtab, aber auch Naturschutzverbände und andere Interessenverbände – auch pro Bahnausbau – zu Wort melden und Bedenken anmelden. Auch Kommunen haben ein Wörtchen mitzureden. In Porta Westfalica war bisher viel Gegenwind für den trassenfernen Ausbau durch den Portaner Süden zu vernehmen. Die Stadt ließ zuletzt prüfen, ob das neue Durchführungsbeschleunigungsgesetz für den Bahnausbau womöglich rechtswidrig sei – ohne positive Erkenntnisse. Der Kreis Schaumburg stellt derzeit jährlich 100.000 Euro zur Verfügung um eigene Gutachter zu beauftragen, die Argumente gegen eine neue Trasse finden sollen.

Auswirkungen auf hiesige Kommunen

Käme eine Neubaustrecke fernab der bestehenden Trasse, hätte das auch Auswirkungen auf den Bahnverkehr in Minden und Porta Westfalica. Die Schnellverbindungen über Minden könnten gekappt werden, weil die ICE auf die Neubautrasse verlagert würden, die keinen Halt in Minden vorsieht. Damit wäre auch die Strecke durch Porta betroffen. Es gäbe zwar freie Kapazitäten, um den Regionalverkehr auszubauen. Doch aus verschiedenen Gutachterentwürfen geht hervor, dass weniger der Personen-, sondern vielmehr der Güterverkehr ausgebaut werden könnte.

NDR-Reportage

Mitglieder der Bigtab waren mit einem Filmteam des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in einem Flugzeug unterwegs, um den möglichen Trassenverlauf abzufliegen. Die Reportage zur neuen ICE-Trasse ist am Montag ab 22 Uhr im NDR-Fernsehen zu sehen.

Der Deutschlandtakt – Strecke Hannover–Hamm ist im Masterplan 2030

Der Deutschlandtakt soll überall in Deutschland das Schienennetz zwischen Knotenpunkten ertüchtigen. Ziel ist es, die Fahrzeiten zwischen Großstädten deutlich zu verbessern. Dafür müssen etliche Kilometer Schiene saniert oder neu gebaut werden. Seit August liegt ein neuer Gutachterentwurf zu den Ausbauplänen des Bundes under Bahn vor. Der plädiert dafür, die Strecke Hannover-Hamm in den Masterplan 2030 aufzunehmen. Außerdem soll dieser Streckenabschnitt in einer Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Bahn geregelt werden. Damit könnten die konkreten Ausbauplanungen jederzeit losgehen.

Die Neubaustrecke – ein trassennaher Ausbau der bestehenden ICE-Strecke kommt wegen der vorgegebenen Fahrtzeiten wohl nicht in Frage – könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit den Portaner Süden in mehreren Ortsteilen durchschneiden. Gegen die Ausbaupläne fern der vorhandenen Trasse regt sich seit 2016 Widerstand. Die Bürgerinitiative (BI) „Big Tab“ war lange vor allem im Schaumburger Land aktiv. Nun hängen sich Engagierte aus Porta Westfalica und Minden immer mehr an diese Initiative. Die BI will unter anderem Bürger und Kommunen dazu ermutigen, in den Vorprüfungen für den Trassenverlauf Einwände anzugeben, die gegen einen Verlauf durchs Portaner Land sprechen. Noch in diesem Jahr könnte das Großvorhaben starten.

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