Missverständnis um Friedensuhr: Zwei Vorstandsmitglieder geben Posten auf Monika Jäger Minden. Manchmal sind einfache Sätze zu einfach. Und so ist es zwar richtig, dass die in Minden geplante Friedensuhr für Unfrieden gesorgt hat. Doch die Geschichte dahinter ist eine andere. Die Friedensuhr ist ein gemeinsames Projekt der Gesellschaft zur Förderung internationaler Städtepartnerschaften Minden (Gefis) und der drei regionalen Lions Clubs. Ein sichtbares Bekenntnis zum Frieden soll sie sein, eine immerwährende Anzeige der Zeit, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges – dem 8. Mai 1945 – vergangen ist. Als großes digitales Mahnmal wird sie am Mindener Rathaus hängen und immer weiter die Jahre, Monate, Tage, Stunden, Minuten und Sekunden des Friedens zählen. Jedenfalls des Friedens hier vor Ort. Vieles scheint bedacht bei diesem Projekt, das die Mindener Politik übrigens auch formell begrüßt hat. Und doch gab es im Gefis-Vorstand Unstimmigkeiten. Zwei Mitglieder – Schatzmeisterin und Schriftführerin – hätten Sorge gehabt, dass möglicherweise irgendwann auf ihre persönlichen Vermögen zurückgegriffen werden könnte, so Ute Hannemann vom Vorstand. „Dazu gab es keinen Streit, aber wir konnten diese Ängste einfach nicht ausräumen.“ Doch diese seien unbegründet. Sowohl Hannemann als auch ihr Stellvertreter Helmut Wiese haben beruflich mit sehr viel Geld zu tun: Wiese ist Bankkaufmann, Hannemann leitet das Rechnungsprüfungsamt der Stadt Minden. Beide sind sicher: „Es gibt absolut kein Risiko.“ Die Uhr wird zu 45 Prozent aus dem Verfügungsfonds der Stadt Minden bezahlt, 55 Prozent steuern die drei Lions-Clubs dazu. „Das Geld ist inzwischen geflossen“, sagt Wiese. Einziges finanzielles Risiko der Gefis sei die Vandalismus- und Technikversicherung, die mit 300 Euro im Jahr zu Buche schlage. Doch die beiden besorgten Vorstandsmitglieder hätten es lieber gesehen, wenn die Gefis die Uhr als Geschenk der Stadt übermittelt hätte, wie sie auch gegenüber dem MT bestätigten. Das allerdings gehe aus fördertechnischen Gründen nicht, so Hannemann. Erst nach zehn Jahren könnte die Uhr ein Geschenk an Minden werden. „Dann müssen wir mit der Stadt darüber reden, ob eine Schenkung gewollt ist.“ Wiese betont: „Wir haben wirklich an alles gedacht. Da ist nichts offen.“ Allen Mitgliedern sei diese Situation im internen Newsletter beschrieben worden. Viel sei mit den beiden Damen geredet worden. Doch am Ende traten diese doch lieber von der Vorstandsarbeit zurück. Wiese und Hannemann berichteten darüber bei der Mitgliederversammlung, wo die beiden Frauen auch waren. Es sei zu keinem Streit und auch zu keiner Diskussion gekommen. Die Posten im Kern-Vorstand wurden neu besetzt, und beide Frauen erklärten sich auch direkt bereit, im erweiterten Vorstand weiter mitzumachen. Als Dank für ihre bisherige Arbeit gab es dann auch je eine Rispenhortensie für den Garten. Alles sehr freundschaftlich, wie alle Seiten bestätigen. Der neue geschäftsführende Gefis-Vorstand besteht nun aus Ute Hannemann (Vorsitzende), Heinrich Wiese (Stellvertreter), Sylvia Drucks (Beisitzerin), Irene Hartmann (Schriftführerin), Ulrich Hartmann (Schatzmeister). Die Beiräte für die einzelnen Partnerstädte sind bei Vorstandssitzungen ebenfalls dabei und waren so auch bei den Diskussionen über die Friedensuhr anwesend. Irene Hartmann ist Beirätin für Charlottenburg-Wilmersdorf und Ulrich Hartmann für Sutton. Kriemhilde Wehmann bleibt als Beirätin für Tangermünde im erweiterten Vorstand, Elisabeth Jäger (frühere Schatzmeisterin) hat die Aufgabe einer Kassenprüferin übernommen. Die Uhr soll in den nächsten Jahren der Aufhänger für die Beschäftigung mit dem Thema „Frieden“ sein. So arbeiten zwei Historiker aktuell an einer Internetseite „Wir haben mit vielen, die sich hier vor Ort für Frieden einsetzen, Kontakt aufgenommen“, sagt Ute Hannemann „Und dabei haben wir viele offene Türen eingerannt“, fügt Wiese hinzu. Es geht um die Zeit, die nach dem Ende der Kampfhandlungen begonnen hat, um die alltäglichen Mühen der Menschen, um das, was in Minden war, aber auch um europäische Entwicklungen. „Wie ist es wieder gut geworden? Das ist die Geschichte, die wir erzählen wollen“, sagt Hannemann. Es gehe nicht darum, sich auf jene Kräfte zu konzentrieren, die alles auseinanderreißen, sondern um die Bindungskräfte. „Das wird zu wenig erzählt.“ Die Uhr und mehrere damit verbundene Projekte sollen aber noch mehr: Sie sollen die Städtepartnerschaften wieder beleben und vielleicht auch jüngere Leute zum Mitmachen motivieren. „Das ist in Zeiten, wo ein Flug nach Barcelona für 29 Euro zu haben ist, nicht einfach“, sagt Wiese. Das war in den 70er Jahren anders, als die Städtefreundschaften geknüpft wurden und die Gefis entstand. „Wir haben daher auch nach neuen Themen gesucht.“ Die eigentlich für September geplante Friedenskonferenz in Minden sollte die Menschen wieder mehr in Verbindung bringen – auch jene, die bisher nichts mit den Stadt-Partnern zu tun hatten. Kirchengemeinden, Volkshochschule, Künstler. . .all diese hätten mitmachen sollen. Und auch, wenn wegen der Corona-Krise die Konferenz nun auf den kommenden Mai verschoben ist: An diesen Plänen will die Gefis weiter festhalten. „Neuer Verkehr über alte Brücken“ sei es, was sie sich wünschten, sagt Wiese. Die Uhr wird im kommenden Mai längst hängen. Denn die ist schon fertig und bekommt in den nächsten acht Wochen in Minden ihr Gehäuse. Eingeweiht werden soll sie nun irgendwann nach der Kommunalwahl, die am 13. September ist. Die Autorin ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 148 oderMonika.Jaeger@MT.de

Missverständnis um Friedensuhr: Zwei Vorstandsmitglieder geben Posten auf

Minden. Manchmal sind einfache Sätze zu einfach. Und so ist es zwar richtig, dass die in Minden geplante Friedensuhr für Unfrieden gesorgt hat. Doch die Geschichte dahinter ist eine andere.

Bisher nur ein Plakat, demnächst aber ganz real: Die Mindener Friedensuhr. MT- - © Foto: Monika Jäger
Bisher nur ein Plakat, demnächst aber ganz real: Die Mindener Friedensuhr. MT- - © Foto: Monika Jäger

Die Friedensuhr ist ein gemeinsames Projekt der Gesellschaft zur Förderung internationaler Städtepartnerschaften Minden (Gefis) und der drei regionalen Lions Clubs. Ein sichtbares Bekenntnis zum Frieden soll sie sein, eine immerwährende Anzeige der Zeit, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges – dem 8. Mai 1945 – vergangen ist. Als großes digitales Mahnmal wird sie am Mindener Rathaus hängen und immer weiter die Jahre, Monate, Tage, Stunden, Minuten und Sekunden des Friedens zählen. Jedenfalls des Friedens hier vor Ort.

Vieles scheint bedacht bei diesem Projekt, das die Mindener Politik übrigens auch formell begrüßt hat. Und doch gab es im Gefis-Vorstand Unstimmigkeiten. Zwei Mitglieder – Schatzmeisterin und Schriftführerin – hätten Sorge gehabt, dass möglicherweise irgendwann auf ihre persönlichen Vermögen zurückgegriffen werden könnte, so Ute Hannemann vom Vorstand. „Dazu gab es keinen Streit, aber wir konnten diese Ängste einfach nicht ausräumen.“ Doch diese seien unbegründet. Sowohl Hannemann als auch ihr Stellvertreter Helmut Wiese haben beruflich mit sehr viel Geld zu tun: Wiese ist Bankkaufmann, Hannemann leitet das Rechnungsprüfungsamt der Stadt Minden. Beide sind sicher: „Es gibt absolut kein Risiko.“

Die Uhr wird zu 45 Prozent aus dem Verfügungsfonds der Stadt Minden bezahlt, 55 Prozent steuern die drei Lions-Clubs dazu. „Das Geld ist inzwischen geflossen“, sagt Wiese. Einziges finanzielles Risiko der Gefis sei die Vandalismus- und Technikversicherung, die mit 300 Euro im Jahr zu Buche schlage.

Doch die beiden besorgten Vorstandsmitglieder hätten es lieber gesehen, wenn die Gefis die Uhr als Geschenk der Stadt übermittelt hätte, wie sie auch gegenüber dem MT bestätigten. Das allerdings gehe aus fördertechnischen Gründen nicht, so Hannemann. Erst nach zehn Jahren könnte die Uhr ein Geschenk an Minden werden. „Dann müssen wir mit der Stadt darüber reden, ob eine Schenkung gewollt ist.“ Wiese betont: „Wir haben wirklich an alles gedacht. Da ist nichts offen.“ Allen Mitgliedern sei diese Situation im internen Newsletter beschrieben worden. Viel sei mit den beiden Damen geredet worden. Doch am Ende traten diese doch lieber von der Vorstandsarbeit zurück.

Wiese und Hannemann berichteten darüber bei der Mitgliederversammlung, wo die beiden Frauen auch waren. Es sei zu keinem Streit und auch zu keiner Diskussion gekommen. Die Posten im Kern-Vorstand wurden neu besetzt, und beide Frauen erklärten sich auch direkt bereit, im erweiterten Vorstand weiter mitzumachen. Als Dank für ihre bisherige Arbeit gab es dann auch je eine Rispenhortensie für den Garten. Alles sehr freundschaftlich, wie alle Seiten bestätigen.

Der neue geschäftsführende Gefis-Vorstand besteht nun aus Ute Hannemann (Vorsitzende), Heinrich Wiese (Stellvertreter), Sylvia Drucks (Beisitzerin), Irene Hartmann (Schriftführerin), Ulrich Hartmann (Schatzmeister). Die Beiräte für die einzelnen Partnerstädte sind bei Vorstandssitzungen ebenfalls dabei und waren so auch bei den Diskussionen über die Friedensuhr anwesend. Irene Hartmann ist Beirätin für Charlottenburg-Wilmersdorf und Ulrich Hartmann für Sutton. Kriemhilde Wehmann bleibt als Beirätin für Tangermünde im erweiterten Vorstand, Elisabeth Jäger (frühere Schatzmeisterin) hat die Aufgabe einer Kassenprüferin übernommen.

Die Uhr soll in den nächsten Jahren der Aufhänger für die Beschäftigung mit dem Thema „Frieden“ sein. So arbeiten zwei Historiker aktuell an einer Internetseite „Wir haben mit vielen, die sich hier vor Ort für Frieden einsetzen, Kontakt aufgenommen“, sagt Ute Hannemann „Und dabei haben wir viele offene Türen eingerannt“, fügt Wiese hinzu. Es geht um die Zeit, die nach dem Ende der Kampfhandlungen begonnen hat, um die alltäglichen Mühen der Menschen, um das, was in Minden war, aber auch um europäische Entwicklungen. „Wie ist es wieder gut geworden? Das ist die Geschichte, die wir erzählen wollen“, sagt Hannemann. Es gehe nicht darum, sich auf jene Kräfte zu konzentrieren, die alles auseinanderreißen, sondern um die Bindungskräfte. „Das wird zu wenig erzählt.“

Die Uhr und mehrere damit verbundene Projekte sollen aber noch mehr: Sie sollen die Städtepartnerschaften wieder beleben und vielleicht auch jüngere Leute zum Mitmachen motivieren. „Das ist in Zeiten, wo ein Flug nach Barcelona für 29 Euro zu haben ist, nicht einfach“, sagt Wiese. Das war in den 70er Jahren anders, als die Städtefreundschaften geknüpft wurden und die Gefis entstand. „Wir haben daher auch nach neuen Themen gesucht.“ Die eigentlich für September geplante Friedenskonferenz in Minden sollte die Menschen wieder mehr in Verbindung bringen – auch jene, die bisher nichts mit den Stadt-Partnern zu tun hatten. Kirchengemeinden, Volkshochschule, Künstler. . .all diese hätten mitmachen sollen. Und auch, wenn wegen der Corona-Krise die Konferenz nun auf den kommenden Mai verschoben ist: An diesen Plänen will die Gefis weiter festhalten. „Neuer Verkehr über alte Brücken“ sei es, was sie sich wünschten, sagt Wiese.

Die Uhr wird im kommenden Mai längst hängen. Denn die ist schon fertig und bekommt in den nächsten acht Wochen in Minden ihr Gehäuse. Eingeweiht werden soll sie nun irgendwann nach der Kommunalwahl, die am 13. September ist.

Die Autorin ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 148 oderMonika.Jaeger@MT.de

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