Miraz Bezar inszeniert Ferdinand von Schirachs "Gott" - Premiere in Minden Ursula Koch Minden. „Es gibt noch keinen Vergleich. Das ist das Schöne, das gibt mir alle Freiheiten“, sagt Miraz Bezar. Der Regisseur aus Berlin inszeniert Ferdinand von Schirachs Schauspiel „Gott“ als Tourneeproduktion für das Eurostudio Landgraf. Das Stadttheater Minden ist nur der Premierenort, sondern hier finden auch die Endproben statt. „Politische Themen interessieren mich. Darum liegt mir Schirach nahe“, sagt der 49-jährige Kurde, der in Bremen aufwuchs, in einer Probenpause. In „Gott“ geht es um Richard Gärtner, 78 Jahre alt, kerngesund. Er, hat aber jeden Lebenswillen verloren, seit seine Frau gestorben ist. Er bittet daher seine Hausärztin, im beim Suizid zu helfen. Die weigert sich. Der Fall beschäftigt den Ethikrat. Wie schon in „Terror“ lässt Schirach Sachverständige aus Justiz, Medizin und Kirche beraten. „Es ist eine schwierige Aufgabe, etwas, das so dokumentarisch angelegt ist, lebendig darzustellen“, sagt Bezar. Darum versuche er Richard Gärtner und seine Emotionen in den Vordergrund zu holen. Was bedeutet der Verlust seiner Frau für ihn, ist für den Regisseur eine zentrale Frage, neben den juristischen und moralischen Erwägungen. „Er hat mit seinem Leben im Guten abgeschlossen. Er braucht jetzt nur noch den Beistand der Gesellschaft“, findet der Regisseur. Darum will er die Gefühlsebene etwas mehr in den Fokus des Publikums rücken. Er und die Schauspieler seien sich der Bedeutung dieser frühen Inszenierung, die neben den Produktionen des Berliner Ensembles und des Düsseldorfer Schauspielhauses, die am Wochenende Premiere hatten, zu den ersten gehört, sehr bewusst. „Wir sind dem Text daher sehr treu geblieben“, sagt Bezar. Das Publikum soll wie auch in der Produktion „Terror“ die Entscheidung treffen. Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen ist das dieses Mal aber nicht nach der Pause möglich, wie Bezar bedauert. „Die Zuschauer sollten die Gelegenheit haben, vor der eigenen Entscheidung mit anderen zu sprechen.“ Weil das Stadttheater aktuell alle Aufführungen ohne Pause organisiert, bleibe leider nichts anderes übrig, als die Zuschauer im Saal per Handzeichen abstimmen zu lassen. „Aber je nach Ergebnis wird sich Herr Gärtner auf unterschiedliche Art von der Bühne verabschieden“, verrät Bezar. Der Regisseur ist Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, hat neben eigenen Kurz- und einem langen Kinofilm mehrere Schauspiel-Inszenierungen realisiert. Bei Landgraf war er mit dem Schauspiel „Aus dem Nichts“ tätig, in dem es um die NSU-Morde ging. Damit hatte Landgraf auch in Minden gastiert. „Das ist sehr gut aufgenommen worden. Das Thema war hochaktuell, weil kurz bevor wir damit auf Tournee gingen der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke ermordet worden war“, erinnert sich Bezar. Mit seinem Spielfilm „Min Dit – die Kinder von Diyarbakir“, für den er das Drehbuch schrieb, den er selbst finanzierte und in kurdischer Sprache in Diyarbakir drehte, gewann Bezar drei Preise beim Filmfestival in Istanbul, unter anderem für die beste Regie. „Es war das erste Mal, dass dort ein kurdischsprachiger Film zugelassen wurde“, berichtet Bezar. Das sei aber eine „Öffnung zum Schein“ gewesen. Der Film handelt von zwei Geschwistern, deren Eltern von Geheimpolizisten ermordet werden. Das Drehbuch war auch für den Deutschen Filmpreis nominiert, Fatih Akin war Co-Produzent. Er sei der Intendantin des Maxim-Gorki-Theater Shermin Langhoff sehr dankbar, dass sie ihn aus seinem filmischen Dasein herausgeholt habe, sagt Bezar heute. Am Film sei die Suche nach Geldgebern häufig sehr kraft- und zeitraubend. „Im Theater ist jeder Abend anders. Das war ein Gedanke, den ich früher nicht ertragen haben. Heute sehe ich die Veränderung als die Kraft des Theaters an.“ „Gott“ feiert am Donnerstag, 17. September, um 20 Uhr Premiere im Stadttheater. Weitere Vorstellungen in Minden folgen am 18., 19. 21. und 22. September um 20 Uhr sowie am 20. September um 18 Uhr. Für alle Vorstellungen sind noch Karten erhältlich bei Express-Ticketservice, Obermarktstraße 26-30, und über www.stadttheater-minden.de.

Miraz Bezar inszeniert Ferdinand von Schirachs "Gott" - Premiere in Minden

Der Regisseur Miraz Bezar probt aktuell im Stadttheater das neue Schauspiel „Gott“ von Ferdinand von Schirach. © MT-Foto: Ursula Koch

Minden. „Es gibt noch keinen Vergleich. Das ist das Schöne, das gibt mir alle Freiheiten“, sagt Miraz Bezar. Der Regisseur aus Berlin inszeniert Ferdinand von Schirachs Schauspiel „Gott“ als Tourneeproduktion für das Eurostudio Landgraf. Das Stadttheater Minden ist nur der Premierenort, sondern hier finden auch die Endproben statt.

„Politische Themen interessieren mich. Darum liegt mir Schirach nahe“, sagt der 49-jährige Kurde, der in Bremen aufwuchs, in einer Probenpause. In „Gott“ geht es um Richard Gärtner, 78 Jahre alt, kerngesund. Er, hat aber jeden Lebenswillen verloren, seit seine Frau gestorben ist. Er bittet daher seine Hausärztin, im beim Suizid zu helfen. Die weigert sich. Der Fall beschäftigt den Ethikrat. Wie schon in „Terror“ lässt Schirach Sachverständige aus Justiz, Medizin und Kirche beraten.

„Es ist eine schwierige Aufgabe, etwas, das so dokumentarisch angelegt ist, lebendig darzustellen“, sagt Bezar. Darum versuche er Richard Gärtner und seine Emotionen in den Vordergrund zu holen. Was bedeutet der Verlust seiner Frau für ihn, ist für den Regisseur eine zentrale Frage, neben den juristischen und moralischen Erwägungen. „Er hat mit seinem Leben im Guten abgeschlossen. Er braucht jetzt nur noch den Beistand der Gesellschaft“, findet der Regisseur. Darum will er die Gefühlsebene etwas mehr in den Fokus des Publikums rücken. Er und die Schauspieler seien sich der Bedeutung dieser frühen Inszenierung, die neben den Produktionen des Berliner Ensembles und des Düsseldorfer Schauspielhauses, die am Wochenende Premiere hatten, zu den ersten gehört, sehr bewusst. „Wir sind dem Text daher sehr treu geblieben“, sagt Bezar.

Das Publikum soll wie auch in der Produktion „Terror“ die Entscheidung treffen. Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen ist das dieses Mal aber nicht nach der Pause möglich, wie Bezar bedauert. „Die Zuschauer sollten die Gelegenheit haben, vor der eigenen Entscheidung mit anderen zu sprechen.“ Weil das Stadttheater aktuell alle Aufführungen ohne Pause organisiert, bleibe leider nichts anderes übrig, als die Zuschauer im Saal per Handzeichen abstimmen zu lassen. „Aber je nach Ergebnis wird sich Herr Gärtner auf unterschiedliche Art von der Bühne verabschieden“, verrät Bezar.

Der Regisseur ist Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, hat neben eigenen Kurz- und einem langen Kinofilm mehrere Schauspiel-Inszenierungen realisiert. Bei Landgraf war er mit dem Schauspiel „Aus dem Nichts“ tätig, in dem es um die NSU-Morde ging. Damit hatte Landgraf auch in Minden gastiert. „Das ist sehr gut aufgenommen worden. Das Thema war hochaktuell, weil kurz bevor wir damit auf Tournee gingen der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke ermordet worden war“, erinnert sich Bezar.

Mit seinem Spielfilm „Min Dit – die Kinder von Diyarbakir“, für den er das Drehbuch schrieb, den er selbst finanzierte und in kurdischer Sprache in Diyarbakir drehte, gewann Bezar drei Preise beim Filmfestival in Istanbul, unter anderem für die beste Regie. „Es war das erste Mal, dass dort ein kurdischsprachiger Film zugelassen wurde“, berichtet Bezar. Das sei aber eine „Öffnung zum Schein“ gewesen. Der Film handelt von zwei Geschwistern, deren Eltern von Geheimpolizisten ermordet werden. Das Drehbuch war auch für den Deutschen Filmpreis nominiert, Fatih Akin war Co-Produzent. Er sei der Intendantin des Maxim-Gorki-Theater Shermin Langhoff sehr dankbar, dass sie ihn aus seinem filmischen Dasein herausgeholt habe, sagt Bezar heute. Am Film sei die Suche nach Geldgebern häufig sehr kraft- und zeitraubend. „Im Theater ist jeder Abend anders. Das war ein Gedanke, den ich früher nicht ertragen haben. Heute sehe ich die Veränderung als die Kraft des Theaters an.“

„Gott“ feiert am Donnerstag, 17. September, um 20 Uhr Premiere im Stadttheater. Weitere Vorstellungen in Minden folgen am 18., 19. 21. und 22. September um 20 Uhr sowie am 20. September um 18 Uhr. Für alle Vorstellungen sind noch Karten erhältlich bei Express-Ticketservice, Obermarktstraße 26-30, und über www.stadttheater-minden.de.

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