„Minna von Barnhelm“ logiert im Hansehaus Ursula Koch Minden (mt). Wilhelm Krückemeier hat es mit der Regieanweisung von Gotthold Ephraim Lessing genau genommen: „Die Szene ist in dem Saale eines Wirtshauses und einem daranstoßenden Zimmer“. Mit der VHS-Theaterwerkstatt tritt er nun zwar nicht in einem Wirtshaus auf, aber er macht das Hansehaus zu einem Wirtshaus und ist in diesem Raum noch aus einem anderen Grund an der richtigen Adresse: Das Lustspiel „Minna von Barnhelm“ spielt kurz nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges. 1767, also vor 250 Jahren, wurde es in Hamburg uraufgeführt. Zu jener Zeit stand das Hansehaus in Minden bereits. Es hatte schon 1628 die Gestalt erhalten, die es auch heute hat.„Dem Preußenkönig Friedrich II missfiel dieses Theaterstück. Er wollte keine Kriegsversehrten sehen“, berichtet Regisseur Wilhelm Krückemeier. Den Krieg selber spricht Lessing nicht an, aber die Folgen. Es geht um ehemalige Soldaten, die ihre Einkommensquelle verloren haben. Im Mittelpunkt steht Major von Tellheim (Hermann Kloos). Mittellos fühlt er sich nun nicht würdig, seine Verlobte Minna von Barnhelm (Corinna Kerzel) zu heiraten. Minna reist ihm nach und versucht ihn mit einer List zurückzugewinnen.Krückemeier macht den ganzen Saal des Hansehauses zur Bühne. Die gut 70 Zuschauerplätze sind rund um Tische gruppiert, die im Raum verteilt stehen. Es werden Getränke serviert. Jeder Zuschauer ist zugleich stummer Statist.Für die Amateurschauspieler ist diese Auftrittssituation noch ungewohnt. „Dreht euch mehr“, ermuntert der Regisseur. Die Zuschauer würden gelegentlich nur den Rücken eines Schauspielers sehen, aber das werde sich auf das Ganze gesehen ausgleichen, ist er überzeugt.Die Treppe mit der Tür zum Nebengebäude bietet eine Möglichkeit für Auf- und Abtritte. Hinter der Tür wohnt Fräulein Minna mit ihrem Mädchen Franziska, das Jana Löschner mit sächsischem Zungenschlag darstellt. Den berlinernden Wirt spielt Stefan Diekmann. Maik Borgmann tritt als Just auf, der Bediente des Majors. Jens Hildebrandt ist der ehemalige Wachtmeister, Stella Ballare eine trauernde Witwe, Peter Kröger verkörpert den lächerlichen Franzosen und Sonja Krüger eine weitere Bediente. Damit ist wieder ein großer Teil aus dem Ensemble beteiligt, mit dem Krückemeier im vergangenen Jahr den Krimi „Tannöd“ in Szene gesetzt hatte.Die Kostüme sind ebenso wie die Kulisse im Stil des 17. Jahrhunderts gehalten. Das sei nicht so einfach zu besorgen gewesen, weil die Theater in Bielefeld und Detmold inzwischen nichts mehr aus ihrem Fundus verleihen, berichtet der Regisseur. Dafür hätten mehrere Freilichtbühnen Teile aus ihrem Fundus zur Verfügung gestellt.In Ermangelung eines Vorhangs trennt kurz Dunkelheit die Akte voneinander, verrät Krückemeier. Für die passende musikalische Untermalung für diese kurzen Pausen hat er eine CD mit den von Friedrich II komponierten Flötenkonzerten ausgewählt.

„Minna von Barnhelm“ logiert im Hansehaus

Der Wirt (Stefan Diekmann) fragt als verlängerter Arm der Polizei das Fräulein Minna von Barnhelm (Corinna Kerzel, li.) und ihr Mädchen (Jana Löschner) nach den Gründen ihres Aufenthalts. © MT-Foto: Ursula Koch

Minden (mt). Wilhelm Krückemeier hat es mit der Regieanweisung von Gotthold Ephraim Lessing genau genommen: „Die Szene ist in dem Saale eines Wirtshauses und einem daranstoßenden Zimmer“. Mit der VHS-Theaterwerkstatt tritt er nun zwar nicht in einem Wirtshaus auf, aber er macht das Hansehaus zu einem Wirtshaus und ist in diesem Raum noch aus einem anderen Grund an der richtigen Adresse: Das Lustspiel „Minna von Barnhelm“ spielt kurz nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges. 1767, also vor 250 Jahren, wurde es in Hamburg uraufgeführt. Zu jener Zeit stand das Hansehaus in Minden bereits. Es hatte schon 1628 die Gestalt erhalten, die es auch heute hat.

„Dem Preußenkönig Friedrich II missfiel dieses Theaterstück. Er wollte keine Kriegsversehrten sehen“, berichtet Regisseur Wilhelm Krückemeier. Den Krieg selber spricht Lessing nicht an, aber die Folgen. Es geht um ehemalige Soldaten, die ihre Einkommensquelle verloren haben. Im Mittelpunkt steht Major von Tellheim (Hermann Kloos). Mittellos fühlt er sich nun nicht würdig, seine Verlobte Minna von Barnhelm (Corinna Kerzel) zu heiraten. Minna reist ihm nach und versucht ihn mit einer List zurückzugewinnen.

Krückemeier macht den ganzen Saal des Hansehauses zur Bühne. Die gut 70 Zuschauerplätze sind rund um Tische gruppiert, die im Raum verteilt stehen. Es werden Getränke serviert. Jeder Zuschauer ist zugleich stummer Statist.

Für die Amateurschauspieler ist diese Auftrittssituation noch ungewohnt. „Dreht euch mehr“, ermuntert der Regisseur. Die Zuschauer würden gelegentlich nur den Rücken eines Schauspielers sehen, aber das werde sich auf das Ganze gesehen ausgleichen, ist er überzeugt.

Die Treppe mit der Tür zum Nebengebäude bietet eine Möglichkeit für Auf- und Abtritte. Hinter der Tür wohnt Fräulein Minna mit ihrem Mädchen Franziska, das Jana Löschner mit sächsischem Zungenschlag darstellt. Den berlinernden Wirt spielt Stefan Diekmann. Maik Borgmann tritt als Just auf, der Bediente des Majors. Jens Hildebrandt ist der ehemalige Wachtmeister, Stella Ballare eine trauernde Witwe, Peter Kröger verkörpert den lächerlichen Franzosen und Sonja Krüger eine weitere Bediente. Damit ist wieder ein großer Teil aus dem Ensemble beteiligt, mit dem Krückemeier im vergangenen Jahr den Krimi „Tannöd“ in Szene gesetzt hatte.

Die Kostüme sind ebenso wie die Kulisse im Stil des 17. Jahrhunderts gehalten. Das sei nicht so einfach zu besorgen gewesen, weil die Theater in Bielefeld und Detmold inzwischen nichts mehr aus ihrem Fundus verleihen, berichtet der Regisseur. Dafür hätten mehrere Freilichtbühnen Teile aus ihrem Fundus zur Verfügung gestellt.

In Ermangelung eines Vorhangs trennt kurz Dunkelheit die Akte voneinander, verrät Krückemeier. Für die passende musikalische Untermalung für diese kurzen Pausen hat er eine CD mit den von Friedrich II komponierten Flötenkonzerten ausgewählt.

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