Mindener unterstützen Covid-19-Forschung vom Computer aus Julika Bergermann Minden. Gutes tun kann so einfach sein – auch in Zeiten von Corona. Für Nico Ohlemeyer aus Minden ist es sogar sehr einfach: Er muss für sein Engagement noch nicht einmal das Haus verlassen. Er muss sich mit niemandem absprechen oder Netzwerke knüpfen. Er muss keine Plakate basteln und auch keine Online-Überweisung vornehmen. Er muss nur so oft wie möglich seinen Computer eingeschaltet lassen, auch und gerade, wenn er ihn gar nicht selbst verwendet. Denn Ohlemeyer nutzt Folding@home: Ein Programm der US-Universität Stanford, das auf dem PC installiert wird und dann dessen ungenutzte Rechenleistung an wissenschaftliche Zentren auf der ganzen Welt weiterleitet. Zentren, in denen Krankheiten wie beispielsweise Krebs oder Parkinson erforscht werden. Seit dem vergangenen März besteht nun auch die Möglichkeit, mittels Folding@home die Forschung zu Covid-19 zu unterstützen. Das Prinzip des geteilten Rechnens ist nicht neu. Besonders bekannt wurde es durch das Programm Seti@home, das Rechenkraft zu einem ganz anderen Zweck sammelte: der Suche nach außerirdischem Leben. Was klingt wie ein Nischenthema für Exzentriker wurde erst kürzlich, nach über zwanzig Jahren des geteilten Rechnens, eingestellt – und im Laufe der Jahre zum Vorbild für Medizin-orientierte Projekte wie Folding@home. Software-Entwickler und Funkamateur Ohlemeyer unterstützt die medizinische Forschung schon seit längerem mit der Rechenkraft seines Computers. Er ist begeistert, als er liest, dass er auf diese Weise nun auch im Kampf gegen Covid-19 etwas beitragen kann. „Mir war sofort klar, dass ich da mitmache“, berichtet der 39-jährige Mindener. Und das könne auch jeder andere, der einen Computer besitzt und das Programm installiert. Eigentlich nicht viele Voraussetzungen – doch oft erlebt Ohlemeyer Skepsis, wenn er anderen von seinem Engagement erzählt. Steigende Stromkosten und ein verlangsamter PC, das würden einige seiner Gesprächspartner befürchten. Dabei könne jeder selbst entscheiden, wie lange er seinen Computer am Tag für den guten Zweck laufen lasse. „Folding@home ist außerdem so programmiert, dass es sich unterordnet“, erklärt der Mindener. „Es verlangsamt den PC oder das Spiel, das man gerade spielt, also nicht.“ Eine dritte Frage hört Nico Ohlemeyer aber fast noch öfter: „Was bringt es denn, wenn ich mit meinem kleinen PC da mitmache?“ Ohlemeyer seufzt, bevor er zu seiner gewohnten Antwort ansetzt. Natürlich böten manche PCs höhere Rechenleistungen als andere und könnten so auch mehr beitragen. „Ich habe aber auch nur einen ganz normalen Computer“, sagt er. „Trotzdem bin ich dabei, denn die Forschungsinstitute brauchen alle Hilfe, die sie kriegen können. Ein großes Rechenzentrum können sich die meisten nicht leisten.“ Auch wenn das Engagement zunächst einmal allein am PC erfolgt – es geht trotzdem um Zusammenhalt, um den gemeinsamen Einsatz vieler Menschen. Und wer sich dennoch einsam fühlt, kann bei Folding@home auch einer der etlichen Gruppen beitreten, die die Spender und ihre jeweilige Rechenleistung miteinander verbinden. Dann wird den Teilnehmern nicht mehr nur ihr eigener Platz in der Rangliste der Spender angezeigt, sondern auch der ihres Teams. Sogar eine Mindener Gruppe gibt es, gegründet von Jürgen Schnake. „Derzeit rangiert das Team Minden auf Platz 5.112 von 253.395“, erzählt dieser nicht ohne Stolz. „Wir sind also ganz kurz davor, zu den aktivsten zwei Prozent der Gruppen weltweit zu gehören.“ Schnake hofft, dass sich noch weitere Mindener dafür entscheiden, mitzumachen und dem Team beizutreten. „Das ist schließlich kostenlose Werbung für unsere Stadt. Und da jeder Spender seinen Nutzernamen selbst wählen kann, ist es auch möglich, kostenlos Werbung für sein Unternehmen zu machen.“ Nicht zu vergessen: „Man tut etwas gegen die eine Sache, die uns wohl allen gerade am meisten an den Nerven zehrt.“ Das sieht Nico Ohlemeyer ähnlich. Auch er ist Mitglied im Team Minden und hofft auf weitere Mitstreiter. „Es ist ja letztlich in jedermanns Interesse“, erklärt er. „Man unterstützt die Forschung, um später dann selbst vom Medikament zu profitieren.“

Mindener unterstützen Covid-19-Forschung vom Computer aus

Über die Webseite foldingathome.org kann jeder, der einen Computer besitzt, die Wissenschaft bei der Erforschung von Covid-19 unterstützen. MT- © Foto: Julika Bergermann

Minden. Gutes tun kann so einfach sein – auch in Zeiten von Corona. Für Nico Ohlemeyer aus Minden ist es sogar sehr einfach: Er muss für sein Engagement noch nicht einmal das Haus verlassen. Er muss sich mit niemandem absprechen oder Netzwerke knüpfen. Er muss keine Plakate basteln und auch keine Online-Überweisung vornehmen. Er muss nur so oft wie möglich seinen Computer eingeschaltet lassen, auch und gerade, wenn er ihn gar nicht selbst verwendet.

Denn Ohlemeyer nutzt Folding@home: Ein Programm der US-Universität Stanford, das auf dem PC installiert wird und dann dessen ungenutzte Rechenleistung an wissenschaftliche Zentren auf der ganzen Welt weiterleitet. Zentren, in denen Krankheiten wie beispielsweise Krebs oder Parkinson erforscht werden. Seit dem vergangenen März besteht nun auch die Möglichkeit, mittels Folding@home die Forschung zu Covid-19 zu unterstützen.

Das Prinzip des geteilten Rechnens ist nicht neu. Besonders bekannt wurde es durch das Programm Seti@home, das Rechenkraft zu einem ganz anderen Zweck sammelte: der Suche nach außerirdischem Leben. Was klingt wie ein Nischenthema für Exzentriker wurde erst kürzlich, nach über zwanzig Jahren des geteilten Rechnens, eingestellt – und im Laufe der Jahre zum Vorbild für Medizin-orientierte Projekte wie Folding@home.

Software-Entwickler und Funkamateur Ohlemeyer unterstützt die medizinische Forschung schon seit längerem mit der Rechenkraft seines Computers. Er ist begeistert, als er liest, dass er auf diese Weise nun auch im Kampf gegen Covid-19 etwas beitragen kann. „Mir war sofort klar, dass ich da mitmache“, berichtet der 39-jährige Mindener. Und das könne auch jeder andere, der einen Computer besitzt und das Programm installiert. Eigentlich nicht viele Voraussetzungen – doch oft erlebt Ohlemeyer Skepsis, wenn er anderen von seinem Engagement erzählt.

Steigende Stromkosten und ein verlangsamter PC, das würden einige seiner Gesprächspartner befürchten. Dabei könne jeder selbst entscheiden, wie lange er seinen Computer am Tag für den guten Zweck laufen lasse. „Folding@home ist außerdem so programmiert, dass es sich unterordnet“, erklärt der Mindener. „Es verlangsamt den PC oder das Spiel, das man gerade spielt, also nicht.“

Eine dritte Frage hört Nico Ohlemeyer aber fast noch öfter: „Was bringt es denn, wenn ich mit meinem kleinen PC da mitmache?“ Ohlemeyer seufzt, bevor er zu seiner gewohnten Antwort ansetzt. Natürlich böten manche PCs höhere Rechenleistungen als andere und könnten so auch mehr beitragen. „Ich habe aber auch nur einen ganz normalen Computer“, sagt er. „Trotzdem bin ich dabei, denn die Forschungsinstitute brauchen alle Hilfe, die sie kriegen können. Ein großes Rechenzentrum können sich die meisten nicht leisten.“

Auch wenn das Engagement zunächst einmal allein am PC erfolgt – es geht trotzdem um Zusammenhalt, um den gemeinsamen Einsatz vieler Menschen. Und wer sich dennoch einsam fühlt, kann bei Folding@home auch einer der etlichen Gruppen beitreten, die die Spender und ihre jeweilige Rechenleistung miteinander verbinden. Dann wird den Teilnehmern nicht mehr nur ihr eigener Platz in der Rangliste der Spender angezeigt, sondern auch der ihres Teams. Sogar eine Mindener Gruppe gibt es, gegründet von Jürgen Schnake.

„Derzeit rangiert das Team Minden auf Platz 5.112 von 253.395“, erzählt dieser nicht ohne Stolz. „Wir sind also ganz kurz davor, zu den aktivsten zwei Prozent der Gruppen weltweit zu gehören.“ Schnake hofft, dass sich noch weitere Mindener dafür entscheiden, mitzumachen und dem Team beizutreten. „Das ist schließlich kostenlose Werbung für unsere Stadt. Und da jeder Spender seinen Nutzernamen selbst wählen kann, ist es auch möglich, kostenlos Werbung für sein Unternehmen zu machen.“ Nicht zu vergessen: „Man tut etwas gegen die eine Sache, die uns wohl allen gerade am meisten an den Nerven zehrt.“

Das sieht Nico Ohlemeyer ähnlich. Auch er ist Mitglied im Team Minden und hofft auf weitere Mitstreiter. „Es ist ja letztlich in jedermanns Interesse“, erklärt er. „Man unterstützt die Forschung, um später dann selbst vom Medikament zu profitieren.“

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