Mindener gewinnt Wettbewerb und startet eigenes Hilfsprojekt Ulrike Mißbach Minden (mt). Am Anfang musste alles blitzschnell gehen. Später machte Andreas Wittig die Erfahrung, dass er vor allem eines braucht - sehr viel Zeit. Mit Unterstützung seines Arbeitgebers Audatex baute der Mindener für eine Berufsschule in Äthiopien einen Brunnen, richtete ein Internet-Netzwerk ein und stellte Lampen auf dem Schulhof auf.Unter dem Motto „Lift2Life“ (Hilfe zur Selbsthilfe) rief der Mutterkonzern von Audatex, Solara, Anfang des vergangenen Jahres weltweit seine 4500 Mitarbeiter auf, humanitäre Projekte in einem Land ihrer Wahl zu konzipieren und diese sechs Monate vor Ort zu betreuen. Die fünf besten Ideen würden vom Unternehmen zum größten Teil finanziert, hieß es in dem Aufruf weiter. Einzige Bedingung: Bewerber mussten binnen 24 Stunden ein vollständiges Konzept ihres Projektes vorlegen.„Das hat mich fasziniert“, erinnert sich der 56-jährige. „So eine Chance bekommt man schließlich nicht alle Tage.“ Umgehend rief er seine Ehefrau Margit an. „Wir unterstützen seit Jahren Patenkinder in Äthiopien,“ erzählt er. Somit sei es naheliegend gewesen, dort auch ein Hilfsprojekt umzusetzen. Seine Frau habe ihm sogleich grünes Licht gegeben und ihm Mut gemacht. „Ich spüre Deine Begeisterung, deshalb bin ich sicher, dass Dein Projekt ausgewählt wird“, erklärte sie. Und so arbeitete der Dipl.-Mathematiker sein Konzept aus und schickte es an den Mutterkonzern.Bereits nach wenigen Wochen erfuhr er, dass sein Projekt ausgewählt wurde. „Das war eine große Freude“, berichtet Andreas Wittig. Doch nicht nur sein Projekt kam in die Auswahl, auch seine Kollegin Olga Wolf erhielt für ihr Projekt grünes Licht. Die 51-jährige baute ein Ausbildungszentrum für junge Frauen in Indien (das MT berichtete).Nach der Zusage begann Andreas Wittig mit der Feinarbeit. „Meine ersten Pläne habe ich mehrfach überarbeitet.“ Außerdem musste Andreas Wittig Spenden sammeln. Gemäß dem Solara-Prinzip übernimmt das Unternehmen nämlich lediglich 80 Prozent der Kosten, 20 Prozent müssen selbstständig eingeholt werden. „Das hat mich anfangs große Überwindung gekostet, unsere Kunden haben mich aber sehr gut unterstütz“, freut sich Andreas Wittig.Im August ging es dann für den Mindener für sechs Monate nach Addis Abeba in Äthiopien. Die Berufsschule wird seit Jahren vom Kinderhilfswerk Global-Care unterstützt. Auf diese Weise haben auch Jugendliche, deren Eltern sich einen Schulbesuch nicht leisten können, die Möglichkeit eine Ausbildung zu machen, um auf diese Weise selbstständig Geld zu verdienen.Da das Schulgelände komplett im Dunkeln lag, wurden moderne LED-Lampen installiert. In die Arbeit wurden Lehrer und Schüler integriert. Schon sehr schnell erfuhr der Mindener, dass das Zeitempfinden der Äthiopier ganz anderes als der Deutschen ist. „Auch wenn ich den Helfer am Vortag genau erklärt hatte, was wir wann tun wollen, musste ich sie alle wieder zusammenrufen und erklären, was ansteht“, erzählt der 56-jährige. Bei Arbeitern, die aus anderen Orten kamen, habe es mehrere Tage gedauert, bis sie - trotz fester Zusage - erschienen seien. Das habe die Arbeiten auf der einen Seite erheblich erschwert, ihn aber auf der anderen Seite gelassener gemacht, schmunzelt der Mindener.Neben der Beleuchtung kümmerte sich der Mindener um die Wasserversorgung. Während der Sommermonate regnet es sechs Monate nicht. Und da die städtische Wasserversorgung unzureichend ist, gibt es regelmäßig für mehrere Tage kein Wasser in der Schule. In solchen Tagen musste der Unterricht ausfallen. „Es bestand daher der Wunsch eines eigenen Brunnens auf dem Schulgelände“, berichtet Andreas Wittig. Es wurden entsprechende Bohrungen vorgenommen und ein Trinkwasserbrunnen installiert.Am Ende wurde das Internet-Netzwerk für die gesamte Schule installiert. „Die Schule hatte bis dato lediglich eine DSL-Leitung zu einem Büro-PC im Verwaltungsbereich“, berichtet der Mindener. Für Schüler und Lehrer stand kein Zugang zur Verfügung. „Inzwischen ist es möglich, dass sowohl Schüler als auch Lehrer Zugang zum Internet haben.“Das Lift2Life Projekt des Mindeners endete im Dezember. Ein besonderes Anliegen des Unternehmens ist jedoch die Nachhaltigkeit. Wie geht es weiter, wenn die Unterstützer nicht mehr vor Ort sind? „Die Zusammenarbeit mit der Schule wird auf jeden Fall weiter gehen“, verspricht Andreas Wittig. So ist es geplant, dass neben der Berufsschule auch eine Grundschule gebaut wird. Außerdem soll die Berufsschule nach Möglichkeiten suchen, selbstständig Geld zu verdienen, sich also bemühen, Güter oder Dienstleistungen anzubieten. Die Planungen dafür sind bereits in Arbeit.

Mindener gewinnt Wettbewerb und startet eigenes Hilfsprojekt

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Minden (mt). Am Anfang musste alles blitzschnell gehen. Später machte Andreas Wittig die Erfahrung, dass er vor allem eines braucht - sehr viel Zeit. Mit Unterstützung seines Arbeitgebers Audatex baute der Mindener für eine Berufsschule in Äthiopien einen Brunnen, richtete ein Internet-Netzwerk ein und stellte Lampen auf dem Schulhof auf.

Unter dem Motto „Lift2Life“ (Hilfe zur Selbsthilfe) rief der Mutterkonzern von Audatex, Solara, Anfang des vergangenen Jahres weltweit seine 4500 Mitarbeiter auf, humanitäre Projekte in einem Land ihrer Wahl zu konzipieren und diese sechs Monate vor Ort zu betreuen. Die fünf besten Ideen würden vom Unternehmen zum größten Teil finanziert, hieß es in dem Aufruf weiter. Einzige Bedingung: Bewerber mussten binnen 24 Stunden ein vollständiges Konzept ihres Projektes vorlegen.

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„Das hat mich fasziniert“, erinnert sich der 56-jährige. „So eine Chance bekommt man schließlich nicht alle Tage.“ Umgehend rief er seine Ehefrau Margit an. „Wir unterstützen seit Jahren Patenkinder in Äthiopien,“ erzählt er. Somit sei es naheliegend gewesen, dort auch ein Hilfsprojekt umzusetzen. Seine Frau habe ihm sogleich grünes Licht gegeben und ihm Mut gemacht. „Ich spüre Deine Begeisterung, deshalb bin ich sicher, dass Dein Projekt ausgewählt wird“, erklärte sie. Und so arbeitete der Dipl.-Mathematiker sein Konzept aus und schickte es an den Mutterkonzern.

Bereits nach wenigen Wochen erfuhr er, dass sein Projekt ausgewählt wurde. „Das war eine große Freude“, berichtet Andreas Wittig. Doch nicht nur sein Projekt kam in die Auswahl, auch seine Kollegin Olga Wolf erhielt für ihr Projekt grünes Licht. Die 51-jährige baute ein Ausbildungszentrum für junge Frauen in Indien (das MT berichtete).

Nach der Zusage begann Andreas Wittig mit der Feinarbeit. „Meine ersten Pläne habe ich mehrfach überarbeitet.“ Außerdem musste Andreas Wittig Spenden sammeln. Gemäß dem Solara-Prinzip übernimmt das Unternehmen nämlich lediglich 80 Prozent der Kosten, 20 Prozent müssen selbstständig eingeholt werden. „Das hat mich anfangs große Überwindung gekostet, unsere Kunden haben mich aber sehr gut unterstütz“, freut sich Andreas Wittig.

Im August ging es dann für den Mindener für sechs Monate nach Addis Abeba in Äthiopien. Die Berufsschule wird seit Jahren vom Kinderhilfswerk Global-Care unterstützt. Auf diese Weise haben auch Jugendliche, deren Eltern sich einen Schulbesuch nicht leisten können, die Möglichkeit eine Ausbildung zu machen, um auf diese Weise selbstständig Geld zu verdienen.

Da das Schulgelände komplett im Dunkeln lag, wurden moderne LED-Lampen installiert. In die Arbeit wurden Lehrer und Schüler integriert. Schon sehr schnell erfuhr der Mindener, dass das Zeitempfinden der Äthiopier ganz anderes als der Deutschen ist. „Auch wenn ich den Helfer am Vortag genau erklärt hatte, was wir wann tun wollen, musste ich sie alle wieder zusammenrufen und erklären, was ansteht“, erzählt der 56-jährige. Bei Arbeitern, die aus anderen Orten kamen, habe es mehrere Tage gedauert, bis sie - trotz fester Zusage - erschienen seien. Das habe die Arbeiten auf der einen Seite erheblich erschwert, ihn aber auf der anderen Seite gelassener gemacht, schmunzelt der Mindener.

Neben der Beleuchtung kümmerte sich der Mindener um die Wasserversorgung. Während der Sommermonate regnet es sechs Monate nicht. Und da die städtische Wasserversorgung unzureichend ist, gibt es regelmäßig für mehrere Tage kein Wasser in der Schule. In solchen Tagen musste der Unterricht ausfallen. „Es bestand daher der Wunsch eines eigenen Brunnens auf dem Schulgelände“, berichtet Andreas Wittig. Es wurden entsprechende Bohrungen vorgenommen und ein Trinkwasserbrunnen installiert.

Am Ende wurde das Internet-Netzwerk für die gesamte Schule installiert. „Die Schule hatte bis dato lediglich eine DSL-Leitung zu einem Büro-PC im Verwaltungsbereich“, berichtet der Mindener. Für Schüler und Lehrer stand kein Zugang zur Verfügung. „Inzwischen ist es möglich, dass sowohl Schüler als auch Lehrer Zugang zum Internet haben.“

Das Lift2Life Projekt des Mindeners endete im Dezember. Ein besonderes Anliegen des Unternehmens ist jedoch die Nachhaltigkeit. Wie geht es weiter, wenn die Unterstützer nicht mehr vor Ort sind? „Die Zusammenarbeit mit der Schule wird auf jeden Fall weiter gehen“, verspricht Andreas Wittig. So ist es geplant, dass neben der Berufsschule auch eine Grundschule gebaut wird. Außerdem soll die Berufsschule nach Möglichkeiten suchen, selbstständig Geld zu verdienen, sich also bemühen, Güter oder Dienstleistungen anzubieten. Die Planungen dafür sind bereits in Arbeit.

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